Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 42 (16.10.1896)
- Date
- 1896-10-16
- Page
- Seite 703 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4794838-9609712-9610458--1793-9610469- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 42. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. % 42!'s confinnata, i “* ~ d-s W I, i schließt eure Thüren l °eil er die Pest hat, &u! auch ihr sterben werdet. \ mmt> lim den unfehlbaren ' gesprochen." der Menge, das ein einöieder drehte der AmiM er das vergewissert, wa§ chlange, die sich umher^ ‘0t» vor seinen Augen ans est sei unter euch," ries tiker, „pkimuw pestilentiabus - das untrügliche silüt, das aus der W der Nase," setzte er. die >s ausstreckend hinzu; - Pesthaus vor dem Thore. tärkte sich; „fort - fsü Ter ZiMiNerntaNn ltlcht« dem Burschen da hat ein« t den Blicker j leben ihm gr j ß eine tobende re Beute roatf ls der SM 1 intrieb. Ter | :r Haft sein-- nrmm. Und N L Seite 703. wider die Pestilenz," und er schwang die Lanzette, die er hervorgeholt hatte, über die blutlose Schläfe des Jünglings. „Seid Ihr toll," rief das Mädchen ihm entschlossen in den Arm fallend, „Ihr seht, daß der Arme sich fast verblutet hat und noch ohnmächtig von dem Verlust ist —" Aber die Menge überbrüllte. „Stecht sie todt, wenn sie sich Euch widersetzt — laßt ihir zur Ader — laßt ihr zur Ader — der Aderlaß ist das Heilmittel." „Domine collega, helft mir," quäkte der Dicke dem Langen zu, der über die plötzliche Entwertung seines Theriaks vor sich hin brütete, dimidiam partem prajdaa inter nos dividere volumus,“ und er bewegte das scharfe Messer drohend gegen das Gesicht des mutigen Mädchens, das einen Augenblick erschreckt vor der spitzen Schneide zurückwich und seinen Arm losließ. Doch ein Stärkerer sollte sich in die Beute teilen, denn im Moment, wo er die Klinge an den Körper des Jünglings setzen wollte, fiel sie ihm aus der willenlosen Hand, seine Angen liefen wild umher, er schnappte noch einmal mit der Kehle, aus der ein schwarzer Blutstrom hervorbrach, nach Luft, und die Kröte schlug mit ihrem toten Besitzer dumpf krachend zu Boden. In der hilligen Stadt Kölln die Pest, die den Tod durch die Berührung, durch den Atem, durch die Augen bringt, die sie erblicken. (Fortsetzung folgt.) * Lord - Mayor Phillips. Wie schon kurz gemeldet, fand in London am 29. September die Versammlung der Gilden znm Zwecke der Wahl eines Bürgermeisters statt. Nach den üblichen Formalitäten wurde die Liste der Ratsherren verlesen, welche wählbar waren, der Name George Faudel- Phillips an erster Stelle. Wie vorausgesetzt, wurde auch dieser gewählt, und als er zur Rechten des Lord-Mayor in der Guildhall wieder erschien, wurde er mit enthusiastischen Zurufen begrüßt, die kein Ende nehmen wollten, als der Schwertträger dem neuen Bürgermeister die Kette umhing. Lord-Mayor Phillips ist der zweite Sohn des verstorbenen Sir Benjamin Phillips, der selbst im Jahre 1865—1866 Lord-Mayor war. Dies ist der erste Fall in der Chronik, daß Vater und Sohn den BürgeHneisterstnhl Londons inne hatten. Im Jahre 1810 geboren, empfing er seine erste Bildung am University-College und vollendete seine Studien in Paris und Berlin. Im Jahre 1888 als Nachfolger seines ans das Amt resignierenden Vaters zum Alderman der Ward of Farringdon gewählt, nahm er seither hervorragenden Anteil an allen öffentlichen Angelegenheiten. Vor 11 Jahren versah er das Amt eines Sherifs von London und Middlesex, und im Jahre 1895 wurde er zürn High-Sheris der Provinz London gemacht. Momentan hat der neue Lord-Mayor den bedeutenden Posten eines Gouverneurs der Irischen Gesellschaft inne, zu welchem er vor fünf Jahren gewählt wurde. Gelegentlich seines letzten offiziellen Besuches in Irland wurde von einem der Banketredncr die gütige Erwähnung seiner Angehörigkeit zum jüdischen Glauben gemacht und in seiner Antwort erwähnte Faudel-Phiüips der Thatsache, daß die Juden in Irland niemals verfolgt wurden. Ebenso ist der neue Lord-Mayor Almosenier des Christ Hospital, wie Gouverneur der Bartholomew's, Bethlehem und Bridgewell-Hospitäler. Dann ist er stellvertretender Präsident für die Stadt und die Provinz London und Vorsitzender seiner Sektion der Londoner Handelskammer. Außerhalb der Grenzen der Stadt ist er ein thatkräftiges Mitglied des Hert's Provinzhofes, Vorsitzender der öffentlichen Bibliothek Hortford und Friedensrichter für diese Provinz. Er ist verheiratet mit Helene, Tochter des verstorbenen I. M. Levy und hat 2 Söhne und 3 Töchter. Bei Lebzeiten seines Vaters nahm Alderman Phillips keinen Anteil an der Administration der jüdischen Gemeinde; aber im Februar 1890, vier Monate nach dem Tode Sir Benjamin Phillips, wurde er zum lebenslänglichen Mitgliede des Rates der United Synagogue gewählt. Neben verschiedenen anderen jüdisch-humanitären Anstalten, denen er vorsteht, ist er Präsident des jüdischen Hospitals und Waisen- Asyls, dessen hundertjähriger Bestand im Vorjahre gefeiert wurde. Er widmet sich mit ganzer Kraft dieser Anstalt und ist besonders stolz aus das Knaben-Bataillon, das auf sein Verlangen an der Prozession am Lord-Mayors-Tag teilnehmen soll. iftl, W HK Hier und dort. X Berlin, 12. Oktober. (Hospitalbau in Jerusalem.) Wie wir erfahren, interessieren sich immer weitere Kreise für dieses große Liebeswerk, das berufen sein soll, unsägliches Elend zu lindern und dem jüdischen Namen dauernd Ehre zu bereiten. Ein besonders erfreuliches Zeichen ist, daß die Sammellisten bereits jetzt über Mark 100 000,— an solchen Spenden ausweisen, deren kleinste Einzelgabe Mark 500.— beträgt. Auch haben verschiedene Wohlthäter den Betrag für eine Bettstiftuirg oder den für eine Gedenktafel im neuen Hospital, einige auf den eigenen Namen, andere auf den teurer Heimgegangenen gespendet. Es ist anzunehmen, daß in wenigen Wochen das bereits zum Bau (derselbe schreitet rüstig voran) erforderliche Kapital vorhanden sein wird. Hoffen wir, daß der an den verschiedensten Orten entwickelte Eifer für dieses wahrhaft jüdisch philanthropische Werk anhält und immer größere Fortschritte macht, so wird auch in nicht allzu langer Zeit das für den dauernden Betrieb des Hospitals ausreichende Kapital durch die Wohlthätigkeit aller Inden aufgebracht sein. Vd. Berlin, 13. Oktober. (Versammlung.), Der Zentral- Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat gestern in einer gut besuchten Versammlung im Festsaale des „Deutschen Hofes" seine Winterkampagne begonnen. Den ersten Vortrag des Abends hielt der Prediger der Tempelgemeinde zu Hamburg, Herr Dr. Selig mann. Sein Thema behandelte „die Stellung der deutschen Juden im und zum Vaterlande" und gestaltete sich zu einem historischen Bilde der Emanzipationsbestrebungen der deutschen Juden nach dieser Richtung hin, ansklingend in einen scharfen Protest gegen das Gebühren derjenigen, die dem deutschen Juden seine Zugehörigkeit zum Vaterlande bestreiten wollen. An diese mit reichem Beifall aufgenommenen Ausführungen schloß sich ein Referat des fr fl