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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-10-16 · 42 (16.10.1896) · p. Seite 701

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
42 (16.10.1896)
Date
1896-10-16
Page
Seite 701 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 42. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 701. ™* wfääjfi ,ij, 109en uneigennützig weiter cx Menen, sie mögen nur ndustrrezweige einbürgern >tv dieser einander widerso ßiebt es sür den Ein- >e! ton. Lakmuö. m „Weise" genannt ihnen vorschwebt! '^en Forderungen s Ankens und eine? j Mäßigkeit, Nüch'! eis, Seelenruhe, | itsamkeit, Haus- * Versöhnlichkeit, | r den Männern immungen, 5fr | lsbild, das diese! ein ihrem ifiun cschlaffenden, m Geist,? So z. T E usiastische» f | )ie Seele | >en M- I atmen. Lrümmei g j ind nick f | ende P° | ] aher nie | j 87b da 11 deret «|| Proph^ | seiner. i vj, DtlÄ Was wird aus diesen, gegen das Streben nach politischer Macht gerichteten Anssprüchen der talmudischen Weisen unter den Stümperhänden unseres Apostaten? Man lese und — lache! Nach demselben hieße es im Traktat Pe3achini, 87 b: „Es sagt Rabbi Jochanan: „Wehe den Rabbinern; ihr Amt bringt sie frühzeitig ins Grab. Auch Josef war ein Rabbiner und starb darum früh!!" Wahrscheinlich hat dieser Renegat sich erinnert, daß man im Hause seiner jüdischen Eltern von dem „Rabbones“, richtig Rabbanüt, d. h. Rabbinatswürde sprach und hat diese Reminiszenz an seinen jüdischen Vater auf den Talmud übertragen, um das lächerlich zu machen, was seinem frommen Vater als ehrwürdig galt. Ein wunderlicher Talmuvist und ein sonderbarer Moralist, dieser gute, treue Sohn, dessen Unwissenheit die höchsten Alpenspitzen überragt. Im Geiste des biblischen Spruchbuches empfiehlt der Talmud Genügsamkeit verbunden mit Gemütsruhe, und diese talmudische Empfehlung hat ihre Wirkung nicht verfehlt. Denn selbst der hartköpfigste Antisemit wird einräumkn müssen, daß die Juden durch Mäßigkeit sich auszeichnen, während die antisemitische Rotte in ihren menschenfreundlichen Konventikeln nichts weniger denn als Mäßigkeitsapostel erscheinen. Eine dieser diätetischen Regeln des Talmud lautet im Traktate Pesachim, 114 a: „Iß lieber Zwiebeln und sitze im Schatten (deines Hauses) und iß nicht Gänse und Hühner, so daß du immer Verlangen darnach trügest, (wodurch deine Ruhe gestört würde und dein Haushalt in Unordnung geriete) (echcM bazel wescheb bazel welb techul awsin we-tarnegolim wijehe libbcha rbdef ’alrcha). Im Originale ist hier ein Wortspiel, das sich nicht wiedergeben läßt. „Hazel“ heißt nämlich „Zwiebel" und „im Schatten". Wie lautet dieser „märchenhafte Ausspruch der Rabbinen" in dem Pamphlet des gelehrten und getauften Talmudisten? „Es ist sehr gesund im Schatten zu sitzen und Zwiebel zu essen. Ungesund ist Gänse- und Entenbraten." Wahrscheinlich hat dieser Renegat sich wieder seiner früheren Glaubensgenossen in irgend einer polnischen Gemeinde erinnert, wo Zwiebeln eine Lieblingsspeise sind, und der Dust derselben hat ihn so betäubt, daß er nicht imstande war, richtig zu lesen und zu übersetzen. Der Talmud begünstigt nicht gnostische und mystische Grübeleien über das innerste Wesen Gottes, das dem an Raum und Zeit gebundenen menschlichen Geiste unergründlich bleibt. Ihm ist Gott das höchste Ideal des Wahren, Guten und Schönen, dem nachzueifern die wichtigste Lebcnsaufabe des Menschen ist. Er ist daher sehr reich an Prädikamenten über Gott, die in ihrer anthropomorphistischen Weise nichts anderes bezwecken als der menschlichen Thätigkeit ein Ideal vorzuhalten. So liest man im Traktate Aboda Sara, 3b, daß Gott jeden Tag zuerst mit der Thora, die ein Ausfluß seiner Weisheit ist, sich beschäftigt, dann Gericht hält über das Thun und Treiben der Menschheit und endlich Sorge trägt für die Nahrung aller Geschöpfe, von dem stärksten, wie das Einhorn bis zu dem kleinsten Insekte. Hier wird die Güte Gottes, der das kleinste Wesen nicht zu gering ist und ebenso bedacht wird wie das größte Geschöpf, dem Menschen zur Nachahmung vorgeführt, daß nämlich dessen fürsorgende Liebe sich auf alle Wesen, die ihn umgeben, auf Menschen und Tiere, erstrecken soll. Dieser talmudische Geist der Liebe, die alle Kreaturen umfaßt, ist der Urheber jener Lehren und Sprüche der Barmherzigkeit, die eine rührende Fürsorge für die Tierwelt empfehlen und jede mutwillige und nutzlose Zerstörung im Reiche der Natur verpönen. Wie karrikiert die Unwissenheit die hier zitierte Stelle aus dem Talmud? Nach unserem Renegaten hieße es: „Gott der Herr findet seine Freude daran, im Himmel das Ungeziefer selbst zu füttern!!" Psui, über diesen Renegaten, der so seine Abstammung verleugnet, die Urheber seines Lebens, die Pfleger seiner Kindheit, die Leiter seiner Jugend durch seine unwissenden und böswilligen Schreibereien verunglimpft. Möge der Mann an dem Sterbetage seiner Eltern reumütig in eine Synagoge gehen, dort zerknirschten Herzens das Kadischgebet verrichten für Vater und Mutter und vor der heiligen Bundeslade, welche das Gebot enthält: „Ehre deinen Vater und deine Mutter", das Bekenntnis ablegen, daß er sich an denselben durch sein herz- und pietätloses Schreiben schwer versündigt hat. Wir aber wollen zur Erheiterung der Leser unser Richteramt sortsetzen. Das große Sterben. Novelle aus dem deutschen Mittelalter von Wilhelm Jensen. (Fortsetzung.*) Nachdruck untersagt. Die Schlange beschrieb jetzt einen Halbkreis und schoß blitzend aus den oberen Regionen in die unteren herab. Sie wandte sich von der gedemütigten Kröte und streckte sich über das Tuch, welches den noch immer regunglos aus der Bahre liegenden Körper verdeckte. „Wir werden jetzt," sagte der glückliche Inhaber des gewaltigen Erzreptils, um das ihn die blinzelnden Augen des Verehrers der Thierkraft schon seit Beginn der Disputation gallsüchtig beneidet hatten, — „wir werden jetzt," wiederholte er feierlich, da die Menge den Anfang dessen was werden sollte, noch durch ihr Gesumme übertönte, „dazu schreiten, uns fragen, welche besondere Wirkung in dem vor uns befindlichen Falle conjunctio infernalis planetarum, Saturni Martis et Jovis an dem Organismus eines dem genas humanum angchörigen Individuums" — er brach ab und sah erwartungsvoll umher — „oder ist jemand, der ex eorona publica mit Gründen medicinae seu philosophiae artis die Berechtigung, besagten Corpus als den eines Menschen zu bezeichnen anzuzweiseln und hier öffentlich mit einer Gegenbehauptung vor mir aufzutreten gesonnen wäre?" Niemand antwortete, auch die Kröte nicht, die einen besseren Moment erwartete, und der Redner blickte triumphierend über den neuen Erfolg auf die Mutlose herab. „Also haben wir einen Menschen und zwar nach Bekleidung und Bartwuchs, sowie habitus civilis — wie schon bei vorausgegangener Untersuchung ergeben, generis masculini, beit wir „Mann" benennen — juvenem würde die unvergleichliche Sprache der Wissenschaft, der wir uns mit Bezug *) Neuhinzutretende Abonnenten erhalten den Anfang dieser Novelle kostenlos nachgeliesert.

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