Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 42 (16.10.1896)
- Date
- 1896-10-16
- Page
- Seite 699 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 42. Hfl gemeine J-raelitische Wochenschrift. Seite 699. Nr. V?" - ""«»in, einen Rabbis, fommt batet, weil n an Woffen hat und so ein i 'ervorgegangen ist R aus! unter einigen Rabbinern! bn ohne Aufregung nicht , lnech nicht warum - Hai! und wirkt er - ich ist der Crefelder Ober-! >rten und friedliebendsten! Fertigkeit prägt sich auch ltutionen zu den musterdieser Gemeinde im konück in der im entgegeni Aachen. Gleich Aachen Mrihem auf reformaiM höhern Blüte sich ent ch Elberfeld-Barmen, seit einigen Jahren eine tat eingetreten ist; sie sind tbeneinander neidlos betandpunkt Düsseldorfs ade. Ter Kultus ist mehr )N den Gemeindegliedern; ehaupten. Jedenfalls ist enken des unvergeßlichen | nicht nur durch benoon. verein, welcher eine HW' hätte ich mir die Zehen samt Zubehör erfroren. Zweitens fiel mir auf, daß ich in der Synagoge die heilige Lade nicht finden konnte — es fehlt nämlich der kennzeichnende Vorhang vor derselben, was doch sonst in keiner Synagoge der Fall ist und aus den Fremden sehr störend wirkt. Der Badeort Kreuznach zeichnet sich unter den Gemeinden anr Rhein dadurch aus, daß das dortige Gemeidestatut die Pensionierungspflicht gegen die Beanrten anerkennt, welche nach einer Dienstzeit von 30 Jahren Anspruch auf die volle Höhe des Gehalts haben. Die Synagoge nimmt unter den häßlichsten, die ich kenne, den ersten Rang ein, und die Gemeindeverwaltung hätte besser daran gethan, das Geld, das sie für Luftheizung ausgegeben hat, zu einem Fond zurückzulegen, um eine neue Synagoge — vor allem in würdigerer Umgebung — zu erbauen. Ich wundere mich, daß nicht die Damen, welche durch in die südliche Mauer gerissene Gucklöcher den Lauf des Gottesdienstes verfolgen müssen, diesen Notschrei schon erhoben haben- Diit Trier will ich abschließend dieses hat in gewissem Siulle Äetznlichkeit mit den Zuständen in der Gemeinde Köln, denn auch hiör war kein Grund zur Trennung in der Gemeinde vorhanden, weil det Gottesdienst sowie die anderen Kultus- und rituellen Einrichtungen hier wie dort die gleichen sind und doch besteht dort eine orthodoxe Separatgemeinde. Seit Holländers Tod wurde viel gesündigt und die Gemeinde hat eine kleine Strafe verdient, aber nicht eine so große, wie sie die Gewissenlosigkeit anrüchiger Persönlichkeiten herbeigeführt hat. Seitdem Gott die Zuchtrute von ihr genommen, zerbröckelt sich die kleine, abseits stehende Khillah immer mehr, so daß sic heute eigentlich nur aus zwei Augen beruht. Da die Redaktion Kürze wünschte, so muß ich mich auf diese Generalschildcrung beschränken, was mir umso lieber ist, als ich durch manch' andere Bemerkung in der einen oder andern Gemeinde der Katze eine Schelle anbinden würde — was ich durchaus nicht beabsichtige. Die Rheinprovinz hat noch eine große Anzahl von Gemeinden niedereren Ranges, deren Schilderung Sie mir schon erlassen müssen. Sie leben meist in beschaulicher Rlche, haben zum größten Teil am Hergebrachten nicht gerüttelt und würden lieber am Jom Kippur essen, als das Taschlich, Kapores-Schlagen und Hoschanos-Klopsen abbringen. Es giebt aber auch solche, die sich ihr Judentum nach ihrer Bequemlichkeit zurechtgestutzt haben, und wenn der Beamte darin mit dem Vorstande Hand in Hand geht, dann kann er sich alles erlauben, selbst am Sabbat zu fahren und sonstige religiöse Vorschriften als „ererbte Krankheiten" von sich zu schleudern. _ C. Wochen-(Lhronik. Berlin, 15. Oktober. — Eine wichtige Entscheidung hat am Mittwoch das Oberverwaltungsgericht gefällt. Wie in früheren Jahren, so hat auch im vorigen Jahre bei den Repräsentantenwahlen in Berlin der Gemeindevorstand alle Gemeindemitglieder ihres Wahlrechts verlustig erklärt, die im Verlaufe der letzten drei Jahre mit ihren Steuerleistungen im Rückstände gewesen waren, obwohl das Gemeindestatut den Verlust des Wahlrechts nur über die verhängt, die mit den Steuern im Rückstände verblieben sind, d. h.. sie nicht voll bezahlt haben. Nicht weniger als 2000 Gemeindemitglieder blieben von der Wählerliste ausgeschlossen, doch hat nur ein einziges Einspruch erhoben. Diesen Einspruch erkannte der Bezirksausschuß am 6. Dezember vorigen Jahres als begründet an. Der Vertreter der beklagten Gemeinde, Justizrat Meyer, appellierte an die zweite (letzte) Instanz, an das Oberverwaltungsgericht, welches am 7. d. M. zugunsten des Klägers entschied und die Gemeinde in die sehr erheblichen Kosten des Verfahrens verurteilte. — Herr Friedrich Lange, der reindeutsche Doktor der Rechte und Herausgeber der antisemitischen „Deutschen Zeitung", ist ein erfindungsreicher Mann. Dieses Zeugnis giebt ihm nicht allein, in einer den Lesern sicherlich nicht unbekannten Preßfehde, der Afrikaner Dr. Carl Peters, sondern auch unsere Leser werden ihm dieses Zeugnis nicht versagen. Daß „die jüdischen Badegäste" in Neuenahr sich über die Einleitung der Morgenmusik durch einen christlichen Choral bei der Badedirektion beschwert haben sollten, ist sehr bald als eine Erfindung sestgestellt worden. Herr Lange erfindet besser, indem er in seinem Blatte erzählt, in Salzbrunn hätten „die Juden" den Morgenchoral durch lautes Geschwätz gestört, und als man ihnen dieses Betragen verwies, hätten sie sich an die Brunnendirektion mit der Bitte gewandt: siehe Neuenahr. Resultat: siehe ebenfalls Neuenahr: denn auf eine Anfrage erwidert die Brunnendirektion, daß an der ganzen Sache kein Wort wahr sei. — Die Nationalliberalen haben auf ihrem jüngsten Parteitage es fertig gebracht, vor dem Bund der Landwirte eine Verbeugung zu machen und in demselben Augenblick den „reinen Antisemiten" einen Fußtritt zu versetzen, als ob zwischen dem antisemitisch-durchseuchten Bunde und den mit den Landwirten kokettierenden „Reinen" ein Unterschied bestände! — Unter dem Regime Luegers gestalten sich die Verhältnisse im Wiener Gemeindehause immer schwieriger. In der vorgestrigen Sitzung des Gemeinderates kam es zu einem skandalösen Auftritt, der selbst in diesen Räumen bisher unbekannt war. Der Antisemit Gregorig sagte in der Debatte, die liberale Minorität habe alles Schamgefühl verloren. Da der Bürgermeister Strobach trotz Ersuchen diese Beleidigung ungerügt ließ, weil nach seinem merkwürdigen Begriffe vom parlamentarischen Anstand Gregorig „nur seiner persönlichen Meinung, die die Bevölkerung teile, Ausdruck gegeben," erklärte Dr. Mittler, die antisemitische Majorität habe nie Schamgefühl besessen. In dem nun folgenden Skandal konnte Dr. Mittler nur mit Mühe vor Thätlichkeiten geschützt werden. Zwei antisemitische Redner erklärten, sie würden Dr. Mittler fordern, wenn er nicht Jude wäre. — Dieser Bürgermeister Strobach soll nun auch am längsten Strohmann Luegers gewesen sein. Es sollen Unterhandlungen zwischen dem Grafen Badeni und Dr. Lueger schweben, deren Früchte man noch vor der Jahreswende wird sehen können. Die Art und Weise, wie Dr. Lueger seinen Vorgesetzten Bürgermeister selbst in offener Gemetnderatssitzung dirigiert und zurechtweist, zeigt an, daß er die Maske nicht mehr lange Vorhalten will; es wird ihm schon zu heiß darunter. Nun, er wird bald Luft haben. Badeni weiß gute Dienste