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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-10-09 · 41 (9.10.1896) · p. Seite 691

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
41 (9.10.1896)
Date
1896-10-09
Page
Seite 691 (sequence 15)
Language
German
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Seite 690 «gemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 41. Kindern Aufnahme zu gewähren. Da die Insassen drei- bis viermal im Sommer wechseln können, wird alljährlich 100—150 Kindern die Wohlthat des Badeaufenthalts gewährt werden. Alle baulichen Veränderungen und die Errichtung einer großen Glashalle im Garten werden die Spender gleichfalls aus eigenen Mitteln vornehmen lassen. * Berlin, 6. Oktober. Aus Spanien berichten die „Hamb. Nachr.": „Von 1875 bis 1895, also in einer Zeitspanne von 20 Jahren, hat der Fiskus in Spanien 198,475 Grundstücke beschlagnahmt, deren Eigentümer nicht imstande waren, die daraus lastenden Steuern zu entrichten. Die Grundstücke gehörten zumeist kleinen Bauern, die infolge der bestehenden hohen Bodensteuern und des in Spanien grassierenden Wucherwesens ins Elend geraten sind." — In Spanien giebt es bekanntlich seit der Herrschaft der heiligen Inquisition fast gar keine Juden. * Berlin, 6. Oktober. Der Bericht über das Reichenheimsche Waisenhaus für das Geschäftsjahr 1895/96 ist soeben erschienen. In der Anstalt wurden 79 Zöglinge verpflegt, 47 Knaben und 32 Mädchen. Die gesamten Ausgaben für das Waisenhaus betrugen in diesem Jahre 53,795 M., die durch Zinsen eigener Fonds und einen Gemeindezuschuß von 23,023 Mark aufgebracht wurden. Die Ausgaben für Beköstigung betrugen auf den Kopf und Tag verteilt 0,42 6/io Mark gegen 0,439/io Mark im Vorjahre. 13 Zöglinge wurden in diesem Jahre entlassen, 8 Knaben und 5 Mädchen. □ Aus der Provinz Posen, 2. Oktober. Herr Moritz Rohr in Berlin, der aus unserer Provinz stammt und dessen Wohlthätigkeit allgemein bekannt ist, hat eine neue Stiftung zum Gedächtnis seiner Eltern begründet, und zwar eine Altersversorgungsanstalt für Israeliten beider Geschlechter. Herr Rohr hat zu diesem Zwecke bereits mehrere Morgen Land zwischen Lang-Guhle und Bojanowo angekauft und 300,000 Mk. als Stistungsfonds bestimmt. — Ernennungen von Juden zu Kommerzien- und sonstigen Räten bringen Sie nicht gern; dennoch möchte ich Sie ersuchen, einmal von dem „Minhag" abzuweichen und über eine solche Ernennung zu berichten. Es handelt sich um Herrn M. Heppner in Krotoschin, der am ersten Tage Rosch haschanah die telegraphische Mitteilung erhalten hat, daß er zum Kommerzienrat ernannt sei. Herr Heppner, ein bekannter Wohlthäter in Krotoschin, ist der erste Jude dieser altehrwürdigen Gemeinde, dem diese Ehrung widerfuhr. Bis heute war Krotoschin ganz und gar Rat-los. Herr Kommerzienrat Heppner hatte — echt jüdisch! — gleich nach Empfang des Telegramms in der Synagoge eine namhafte Summe gespendet. — Die Gemeinde Krojanke hatte vor kurzem von einigen auswärtigen Herren, die die Gräber ihrer Eltern besuchen wollten, für den Besuch des Friedhofes eine Steuer von je 10 Mk. erhoben. Einer der Herren, Rechtsanwalt Ed. Margoninski, wandte sich dieserhalb beschwerdeführend an den Regierungspräsidenten. Nun ist dem Vorstande behördlicherseits eröffnet worden, daß eine derartige Steuer unstatthaft wäre und die bisher erhobenen Steuern gedachter Art innerhalb dreier Tage zurückzuerstatten seien. Dieser Bestimmung ist auch bereits entsprochen worden. Gr. Essen, 4. Oktober. Aus der Uebersicht der Gesamt- » einnahmen für die Unterstützungskasse des Vereins israelitischer Lehrer von Rheinland und Westfalen im 3. Quartal geht hervor, daß dieselben weit hinter denen im 1. und 2. Quartal zurückgeblieben sind, und zwar gegen die Einnahme im 1. Quartal um ca. 800 Mk. und gegen die im 2. Quartal sogar um mehr als 1300 Mk. Es entsteht deshalb für alle Freunde der israelitischen Lehrer, insbesondere aber für die Mitglieder die unabweisliche moralische Pflicht, mit allen Kräften dahin zu streben, daß die Differenzen in den Einnahmen ausgeglichen werden und so die Unterstützungen der Lehrerwitwen und -Waisen wie der arbeitsunfähig gewordenen Lehrer nicht kürzen zu lassen. Hierzu kommt inbetracht, daß im Laufe des Jahres zu den anfänglich 140 Unterstützungsanteilen noch 14 hinzugekommen sind. Wenn nur jeder innerhalb seines Bereiches seine Schuldigkeit gethan, dann würde dieser Mahnruf nicht nötig geworden sein. Wir zweifeln nicht daran, daß jedes Mitglied im lausenden letzten Quartal mit doppeltem Eifer sich seiner moralischen Verpflichtung bewußt sein wird. Nur etwas Energie und Ausdauer! Israel läßt seine Lehrerwitwen und -Waisen nicht darben. Hannover, 4. Oktober. In Göttin gen hat sich bedauerlicher Weise eine Spaltung vollzogen, herbeigeführt durch Reformen und Aenderungen im Gottesdienste. Nach der vor einiger Zeit vorgenommenen Erweiterung der Synagoge wurde eine Orgel aufgestellt, die deutschen Gesänge im Gottesdienste wurden vermehrt und es wurde dahin gestrebt, den Gottesdienst recht modern zu gestalten. Mit diesen Bestrebungen ist aber ein Teil der Gemeindemitglieder nicht einverstanden, und da diese ihre Ansichten in der Gemeinde nicht haben geltend machen können, so haben sie sich von den übrigen abgesondert und einen besonderen Betsaal eingerichtet, wo der Gottesdienst nach dem alten Ritus abgehalten wird. — Bischof Wilhelm von Hildesheim feierte jüngst sein Priesterjubiläum; zu seiner Beglückwünschung erschien auch eine Deputation der jüdischen Gemeinde. In seiner Erwiderung aus eine Ansprache des Landrabbiners Tr. Lewinsky betonte der Kirchenfürst, daß die Liebe den Grundzng jeder Religion bilde und bleiben müsse, und wies daraus hin, daß sich die Liebe auch im Judentum kundthue. Des öfteren habe auch er schon von Bekennern dieser Religion Gaben zu Liebeszwccken erhalten. Mit Freuden gedenke er, der früher am Josephineum, dem katholischen Gymnasium in H. gewirkt, noch der ehemaligen jüdischen Schüler, die sich jetzt in ehrenvollen Stellungen befänden, z. B. Oberrabb. Dr. Güdemann in Wien, Prof. Dr. Landsberg in Darmstadt u. a. Jedem der Deputierten übergab der Bischof ein Bild zur Erinnerung. [] Hagen, 4. Oktober. Am 13. Mai cr. wurde der Vorsitzende des hiesigen antisemitischen Vereins, Steinbeck nebst Anhang vom Landgericht wegen Beleidigung verurteilt, weil sie in einem sog. Weihnachtsflugblatt vor dem Einkauf bei Juden gewarnt hatten. Das Gericht glaubte die im allgemeinen gegen die Juden gerichteten Beleidigungen auf die hier wohnenden Geschäftsleute beziehen zu sollen. Dagegen richtete sich in erster Linie die Revision der Angeklagten gegen das Urteil, da eine begründete Veranlassung zu einer derartigen Beziehung nicht vorliege. Das Reichsgericht verwarf die Revision, da dieselbe sich gegen die thatsächliche Beweis-, Würdigung richte.

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