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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-10-09 · 41 (9.10.1896) · p. Seite 688

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
41 (9.10.1896)
Date
1896-10-09
Page
Seite 688 (sequence 12)
Language
German
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Seite 688 «llgemeiue J-rarlittsche Wochenschrift. Nr. 41. Backen liefen und die Schlangen und Eidechsen auf seinem Talar sich durcheinanderringelten und wanden, als ob sie sich zu einem Vernichtungskamps ansallen wollten. „Seht ihr," ries der Storchbeinige, ohne durch die versuchten Jnvektiven seines Kollegen aus der Fassung gebracht zu sein, indem er den Schlangenstab über das Haupt der auf- und abhüpfenden Kröte ausstreckte, „vis omnia superans herbarum“ — er roch an Gewürznelken — „caryophyllos olfactabat“ — und die unüberwindliche Pflanzenkrast verstopfte seinen Mund, in dem die schnöden Worte gegen ihre Herrlichkeit sich bereiteten. Es ist ein gutes Mittel, merkt's euch, gegen den Einfluß eines Kometen, der im Sternbild der Jungfrau oder der Zwillinge mit geblichtem Schweis erscheint; aber hütet euch, es zu benutzen, wenn der Schwanz rötlich ist, oder wenn er im Zeichen des Wassermannes zum Vorschein kommt. Dann giebts nur einen Theriak, der zu schützen stark genug ist, wer ihn haben will, kann ihn in meinem Hause holen. Er ist in Goldtiegeln um Mitternacht ex apua mille florum gebraut und dem Einsichtigen sicherlich kein Preis für das unschätzbare Heilmittel.zu hoch. Lene vertat, colle^a amatiagime!" Er begleitete mit dem letzten Wunsch einen neuen Nasenparoxysmus des keuchenden Fleischklumpens, der während seiner Rede vergeblich bald mit den Beinen, bald mit den Armen gestikuliert und demonstriert hatte, immer aber, wenn er zu sprechen beginnen wollte, wieder von einem neuen Niese-Anfall unterbrochen, seinen Gegner mit kläglich verzweiflungsvotter Miene anstarrte. Er sah in den Gesichtern der Umstehenden, daß er durch die betrübende Einmischung seiner Nase und durch die dadurch ermöglichte Entfaltung der Reize des Theriaks, allen Boden, den er früher gewonnen, mindestens für den Augenblick verloren und ergab sich harrend und auf einer Bresche in der Beredsamkeit des mächtigen und begünstigten Gegners lauschend, in sein Schicksal. (Fortsetzung folgt.) * Herr Kremser. Was „ein" Kremser ist, weiß jedermann, besonders jeder Berliner. „Ein" Kremser ist ein langer Landpartiewagen, der uns Sonntags dem Staube der Stadt entführt, um uns dem Staube der Landstraße zuzusühren. Wer aber Herr Kremser ist, das weiß wohl niemand. Und doch war Herr Kremser, der erste Unternehmer dieses aus dem Jahre 1822 stammenden allbeliebten Verkehrsmittels, und war dieser Unternehmer ein Jude. Die „Voss. Ztg." weiß allerhand über Herrn Kremser mitzuteilen. Sie schreibt: Der Vater des „Kremser" ist eine interessante Persönlichkeit, deren bewegter Lebenslauf wie ein Abglanz jener Romantik anmutet, die das liebgewordene Familienbeförderungsmittel umgiebt, Der preußische „Hofagent" Simon Kremser muß wohl im Anfänge dieses Jahrhunderts ein „vielbeliebter" Mann gewesen sein. Am 15. September 1775 in Breslau geboren, fungiert er bereits im Jahre 1806 als „königlich preußischer Kriegskommissarius" im persönlichen Dienste des Feldmarschalls Blücher, dem er in der „großen Zeit" Deutschlands erhebliche Dienste geleistet haben mag, da ihm der tapfere Marschall Vorwärts den Transport einer „königlich preußischen Kriegskasse" überträgt. Kremser rettete diese Kasse mit Lebensgefahr aus Feindeshänden und erhält dafür nicht nur schriftliche Gunstbeweise seines fürstlichen Herrn, sondern auch das eiserne Kreuz und den Orden „Pour le merite“. Während der ganzen Befreiungskriege steht Kremser im Dienste des Feldmarschalls und ihm wird die hohe Ehre zu teil, die Leitung des Transportes der Siegesgöttin übertragen zu erhalten, die aus dem Franzosenlande wieder auf ihre alte Stätte zurückkommen soll. Mit Glücksgütern reich gesegnet, zieht sich der Kriegskommissarius nach den Kciegsjahren ins Privatleben zurück, kauft in Zossen ein aus dem Besitze des General Uork stammendes großes Rittergut und schließt eine zweite Ehe mit der verwitweten Baronin von Adlersthal. Die landwirtschaftliche Befähigung des Hofagenten und mutigen Kriegskassenspediteurs scheinen aber nicht hervorragend gewesen zu sein, denn er mußte schon nach wenigen Jahren das Gut mit großen Verlusten wieder verkaufen. Mit einem Bruchteil seines Vermögens, das immerhin noch die stattliche Summe von 50,000 Rthlr. repräsentiert, geht Kremser nach Berlin zurück und bewirbt sich um eine Wagenkonzession. Auf Grund seiner früheren Verdienste und der schriftlichen Gunstbezeugungen des Feldmarschalls Blücher erhält auch Kremser rm Jahre 1822 vom Könige Friedrich Wilhelm III. das Privilegium „ganz alleine sogenannte Omnibusse" am Brandenburger Thore aufzustellen." Diese Wagen, deren Kremser gleich eine stattliche Anzahl aufstellte, nannte er „Kremserwagen" und im Volksmunde bürgerte sich der Name bald ein. Unsere, die Kürze liebende Neuzeit hat daraus kurzweg die „Kremser" gemacht. Ungleich schwerer als der Name konnte, wie es scheint, die neue Verkehrsinstitution selbst Wurzel fassen; es ist auch möglich, daß die unruhige Natur des Eigentümers sich der langsamen Entwickelung des Fahrinstitutes nicht anbequemen konnte. Schon im Jahre 1827 giebt Kremser sein Geschäft in andere Hände über und wandert als 54jähriger ziemlich mittelloser Mann nach Rußland aus. Dort kehrt er zu seinem früheren Berufe zurück, wird erst Beamter und als solcher Transporteur russischer Kronengelder und avanciert dann nach und nach bis zum Range eines russischen Majors. Ob diese Beförderung eine reguläre war oder aä üonores erfolgte, ist nicht mit Gewißheit nachzuweisen; in der Uniform eines russischen Majors, mit den goldenen Epaulettes und den preußischen Orden hat ihn seine, heute als hochbetagte, aber rüstige Frau in Dresden lebende Tochter noch bei der Hochzeit einer Schwester gesehen. Noch auf dem Sterbebette in Breslau, wohin sich Kremser nach zweiundzwanzigjähriger Dienstzeit zurückgezogen hatte, um dort seine von Rußland ausgesetzte Pension zu verzehren, erhielt er zwei hohe russische Orden vom Kaiser Nikolaus I. Im Jahre 1852 starb Kremser und wurde auf dem israelitischen Friedhofe in Breslau begraben. _ Mich! Ein Wörtchen geht von Mund zu Munde — Sein Ursprung ist uns unbekannt; Doch Zeugnis giebts vom Bruderbunds, Der mild dem Leid sich zugewandt, Wo sich ein menschlich Weh verschließet, Die Pilgerfahrt wird schwer und schwül, Das Wörtchen von den Lippen fließet. Und „Nebbich!" sagt das Mitgefühl. Die Furchen, die der Gram gezogen, Füllt aus das Wort mit seiner Saat, Und so rasch wie der Pfeil vom Bogen, Folgt ihm die hilfreich fromme That! Tritt uns das Alter morsch entgegen. Ein früh gebeugter Jugendmut: Wir sprechen ihm des Wörtchens Segen, Wer Mitleid braucht, ob Christ, ob Jud'. % 4L So nennt es im prach' und Tenn aus dem ■ Ein Schibolet s> Pflanzt sich's in £ haltet fest an An diesem mild Und wenn verre Wo ihr dem M Und euch geheil Tie weisere, die nicht verw Herzen we * Berlin, 4, Cttofx in einer hiesigen Geme jüdische Lehreri Anstellung wm das Glück der 5 die Uebersch T» plötzlich kam >- des Kultus angestellt we sikllnng Schuldes), Amtliche lehrte ko> dchung ü öiensnnter Wagnis x v 'de «Stuf« bn jübij Ham Kt... . .; Ütim/s

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