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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-10-09 · 41 (9.10.1896) · p. Seite 687

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
41 (9.10.1896)
Date
1896-10-09
Page
Seite 687 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 4t. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 687. l,t aber ba, wo e§ r4 ^^'chgiltig, ba bei bc '»«tat b«[,illnMl “ 3*11# „k(t ® " “»»d'-Är-ck», mestradiereuben Lehret verschweige und ii besonbers in Wien herrsch- ^Pe für bie Produkte dü ugeben. Wie lautet rau des Renegaten mit ° h°t die Pflicht, sich di, rnü!" 1 in einer Talmnbschule straft würbe, wenn er do: c es bem christlichen V, Wort über ben Talmud, rn die Kirche um ben Zuib Moralisten. Doch hörir direkt ans der Quelle gr Nti. ilter von n Markt belebt, trat . Auch der Zimmermeiftei. Mantelkragen gefaßt hielt. ichst, mir zu entwischen,' bn, „schlage ich Dir die ce bewegten. , Eine war erinnerte an rt Geklappte hervor. ,r, der l zum Teil erhalten desto schneller fuhr die Schlange umher und desto lauter raschelten die dürren Kräuter des Talars aneinander. Sein Widerspiel war kugelig dick, fast haltlos und beinahe erstickend in seinem Fett. Seine Stimme quäkte, schon wenn er bedächtig sprach, aber redete er heftiger, so kam sie unartikuliert heraus und schnappte über und sein Gesicht, aus dem die kleinen engschlitzigen Augen nur mehr wie ein falber Strich hervorzwinkerten, unterlief dunkelblau vor Atemnot. Seine Kleidung war der des Langen ähnlich. Statt der Pflanzen trug er indes zumeist Reptilien mannigfaltigster Art darauf gemalt, Schlangen, die sich mit ausgereckten Zungen um seinen Leib ringelten, Würmer und Insekten, scheußliche zangenbehaftete Untiere, Eidechsen, die, wenn er die Glieder eifrig bewegte, aus seinen Aermeln zu kriechen schienen, alles mit grellen Farben von dem weißlichen Untergrund abstechend. Seine Mütze hatte die Form einer Kröte, mit einem Topas in dem aufgereckten Schlund, und giftig funkelnde Augen; darunter stand auf einem verschossenen Band, das die Haare über der Stirn zusammenhielt: „Per vim animalem.“ Es sah komisch aus, wenn er die fetten, ungebührlich kurzen Arme und Beine in possierlichem Eifer durcheinander warf. Er trug kein Symbol in den runden, fleischigen Fingern, aber die Hände waren mit einer Salbe überzogen, daß sie glänzten, und er wischte mit einem gelben Tuch den Schweiß, der ihm reichlich vom Gesicht strömte, während seine Linke fortwährend ein faustgroßes Kampherstück an die Nase führte, dessen scharfen Geruch er mit bedeutungsvollem Nüsterschnauben einsog. „Domine collega, mirifice, doctissime,“ begann der Hagere in dem Augenblick, als Sybille an den freien Rand durchschlüpfte und die beiden Figuren mit halb scheuen, halb lachlustigen Augen maß — „Domine Salarius,“ wiederholte er, zu Häupten der verhüllten Bahre tretend, und die gewichtigen Blicke, Ruhe gebietend, über die Köpfe der Menge hinschleudernd — „ich habe Eurer Aufforderung Gehör gegeben und bin Euch auf den Markt gefolgt, damit ich Euch an vorliegendem Falle in disputatione coram publico beweise, wie sehr die salutaris vis herbarum der von so vielen noch gepriesenen und leider auch von Euch, domine sapientissime, als heilsam erachteten vis animalis, die gänzlich wirkungslos und widersinnig und mir sine praejudicio, collega honorate, völlig verachtbar erscheint, vorgeht. Aber sowohl um der Wahrung der professioni salutari zukommenden hohen Würde willen, als propter inscientiam profani vulgi in arte medendi, ersuche ich Euch, mit mir ab Aescnlapi throno herabzusteigen ad indoctos und hanc disputationem in der vulgären Sprache zu führen, welche das Volk, das diese ehrbare Stadt bewohnt, zu reden pflegt." Tie dicke Gestalt hatte die linke Hand in eine Tasche ihres Talars gezwängt, aus der sie dieselbe nur mühsam und unter vielfachem Aechzen wieder befreite. Dann brachten die glänzenden Finger statt des Kamphers, den sie im Rock zurückgelassen, eine Handvoll Gewürznelken znm Vorschein. Ter Dominus 3alarins faßte sie zierlich zwischen Daumen und Zeigefinger und zerrieb sie unter der Nase, während erprnstend erwiderte : „Domine Atrostipes, ich stehe zu Eurem Befehl, collega illustrissime. Semper et nunquam non per vim animalem. Es ist meine Devise, Ihr kennt sie nnd wißt, welchen Erfolg sie in einer langen Praxis gehabt. Ihr wißt, wohin ich meine Patienten mit diesem Wahlspruch stets gebracht —" „Auf den Kirchhof," rief eine lustige Stimme aus der Menge, und ein schallendes Gelächter lief ringsumher. Der Heilkünstler der Tierkrast warf einen verächtlichen Blick in die Richtung, woher der Ruf gekommen, aber auch der Pflanzenverehrer schleuderte einen Zornesblick aus seinen buschigen Brauen über die unwissende Menge, die sich mit profanem Wort in die Dialektik der Auguren des Aeskulap einmischte, und es wurde wieder still, und der letztere. Dominus Atrostipes oder Schwarzstock, wie sein christlich-germanischer, den Uneingeweihten gebräuchlicher Taufnahme lautete, nahm, sich räuspernd, das Wort: „Domine Salarius,“ sagte er, würdevoll UM sich blickend und den Schlangenstab gen Himmel bewegend, „wir haben hier einen Fall, von dem niemand zu leugnen vermag, daß er durch die Konjunktion der Planeten bedingt ist." „Ich leugne, Domine," schrie der Kleine, atemlos mit den kurzen Beinen strampelnd, „nego propositionem — ich halte an lunarischen Einflüssen fest — causa rnajor vincit minorem — ist der Mond nicht größer als die Sterne?" fragte er, sich zu den Umstehenden wendend, die unschlüssig mit dem Kops znstimmten. „Ihr seht's — alle Welt sieht's — die Kinder wissen es," fügte er schnaubend hinzu, „da habt ihr den Beweis, was es mit der Pflanzenkraft aus sich hat — semper per vim animalem. Kommt zu mir und ich helfe Euch aus jeder Not," und er blickte dem langen Gegner triumphierend ins Gesicht. „Wir haben hier einen Fall, von dem nur die tiefste Unwissenheit leugnen kann, daß er durch astralische Konjunktion entstanden ist, collega dilectissime," wiederholte dieser ruhig. „Wir sehn es in der Natur; fallen nicht Sterne vom Firmament und kommen nicht Seuchen und Mißwuchs, welche die Kundigen vorausprophezeien, wenn sie beobachten, daß ihrer viele herunterfallen?" Er appellierte ebenfalls mit einer Wendung an die Zustimmung des Haufens, der sie umgab. Ein Gemurmel erhob sich unter demselben; „ja, ja — wir haben's oft gehört — wir haben's erfahren," riefen Stimmen. „Seht Ihr, fuhr er mit gehobenem Ton fort, „Ihr habt's erfahren. Meine Kunst trügt nicht und wenn Ihr zu mir kommt, werdet Ihr erfahren, daß Ihr nicht betrogen seid. Aber es giebt Schwindler — ich meine Euch nicht, collega carissime," setzte er, den Dicken mit durchdringenden Augen fixierend, hinzu, „die auf die Unerfahrenheit der Menge spekulieren und die erhabene Achtung, welche die Heilkunst verdient, durch leere Blendnisse und Gaukelspiel in der Schätzung der Menge herabsetzen." „Hört nicht auf ihn, er lügt — domine eruditissime, Ihr seid selbst ein Schwind—" schrie Salarius mit dunkelblau strotzendem Gesicht, aber der scharfe Geruch der Nelken war ihm zu tief in die Nase gezogen und er schnappte mitten in dem letzten Wort ab, indem er sich plötzlich gegen das Licht herumdrehte und mit allen Muskeln seines Gesichts krampfhafte, zuckende Anstrengungen machte. Dann brach er in ein erschütterndes Niesen aus, daß die Thränen ihnl über die

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