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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-10-09 · 41 (9.10.1896) · p. Seite 686

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
41 (9.10.1896)
Date
1896-10-09
Page
Seite 686 (sequence 10)
Language
German
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Seite 686. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 41. und Anschwärzungen des Talmud bereitet wurden. Wenn man eine antitalmudische Bibliothek veröffentlichen wollte, so würden getaufte Juden als Verfasser talmudfeindlicher Schriften den größten Raum derselben einuehmen. In unserer Zeit war es ein unter dem Pseudonym „Dr. Justus" schreibender Apostat namens Aron Briman, der die antisemitische Litteratur mit einem „Werke" bereicherte, das da sich nannte: „Talmudische Weisheit. 400 höchst interessante märchenhafte Aussprüche der Rabbinen. Direkt aus der Quelle geschöpft und dem christlichen Volke vorgetragen." Wir glaubten diese Sudelei völlig von der Bildftäche verschwunden, glaubten, daß selbst unsere Widersacher, denen der Haß noch nicht den letzten Rest von Einsicht geraubt, sich des „Werkes" schämen und gern vergessen machen möchten, daß sie sich einst seiner gerühmt, es als durchschlagendes Agitationsmittel benutzt. Allein bei der Armseligkeit der antisemitischen „gelehrten" Litteratur ist es begreiflich, daß unsere Gegner mit diesem Trödel noch immer hausieren gehen; nur haben sie den Schauplatz ihrer Thätigkeit verlegt. Hat das Büchel in Oesterreich abgewirtschaftet, nachdem die Unwissenheit seines Verfassers durch mehrere Gelehrte und die Unwürdigkeit desselben durch österreichische Gerichte nachgewiesen worden, so soll es jetzt in Deutschland ziehen. Aus verschiedenen Gegenden Deutschlands wird uns mitgeteilt, daß der Wisch von unsichtbarer Hand zum Zwecke der Propaganda gegen das Judentum verbreitet wird; wir sehen uns darum genötigt, auf die totgeglaubte Schrift zurückzukommen. Sie ist am besten weil populärsten von unserem entschlafenen Dr. Je llinek widerlegt worden und zwar in drei Zeitungsartikeln, die wir hier zu Nutz und Frommen unserer Leser folgen lassen. Ueber den „Verfasser" schrieb Jellinek: Dr- Justus ist ein getaufter Jude, ein Ignorant aus talmudischem Gebiete, nicht vertraut mit dem Geiste der deutschen Sprache, ohne Gewissensskrupel, wenn es sich um seine früheren Glaubensbrüder handelt, voll Haß gegen den Glauben, den sein Vater und seine Mutter bekannten. Der Titel seines verleumderischen Pamphletes zeigt, daß er von den deutschen Ausdrücken, die er gebraucht, sich keine Rechenschaft zu geben vermag. Denn was sollen die „märchenhaften Aussprüche der Rabbinen" bedeuten? Haben sie etwa denselben Wert wie Märchen — dann können sie doch wahrlich nicht als Anklagematerial gegen den Talmud dienen! Der Inhalt seines getauften Talmud strotzt von unglaublicher oder „märchenhafter" Unwissenheit." Und nun giebt Jellinek einige Stichproben aus dem „Werke", um zu zeigen, von welch märchenhafter Unwissenheit der Pamphletist ist und welche Stirn dazu gehört, daß ein Ignorant, den ein Talmudschüler von 13 Jahren verspotten würde, eine Flugschrift veröffentlicht, in der er den Talmud lächerlich zu machen sucht: Im Traktate Berachüt 47a liest man folgenden Satz: „Man ist verpflichtet, einen Lehrsatz mit den eigenen Worten seines Meisters vorzutragen (Chajab adam lomar bi-leschön rabbö). Diese Pflicht, welche der Talmud den Jüngern eines Gesetzeslehrers auferlegt, ist ein Zeugnis für dessen Vorsicht und Gewissenhaftigkeit. Denn die Erfahrung bestätigt es, wie oft der Sinn eines Ausspruches verändert wird, wenn er von verschiedenen Erzählern nach ihrer Auffassung und in ihrer Ausdrucksweise mitgeteilt wird. Das ist aber da, wo es sich um gesetzliche Normen handelt, nicht gleichgiltig, da bei der Anwendung eines Gesetzes der strikte Wortlaut desselben von hoher Wichtigkeit ist und über die Zulässigkeit oder Unzulässigkeit einer Handlung, über die Bejahung oder Verneinung einer Frage entscheidet. Der Talmud legt auch einen hohen Wert darauf, daß man den Namen eines tradierenden Lehrers oder den Ausspruch eines Autors nicht verschweige und ist entschieden gegen die Methode, die besonders in Wien herrscht, sich fremde Ideen zu annektieren und sie für die Produkte des eigenen bescheidenen Geistes auszugeben. Wie lautet nun dieser talmudische Satz in der Uebersetzung des Renegaten mit der eisernen Stirn? „Jeder Jude hat die Pflicht, sich die Sprache eines Rabbiners anzueignen!!!" Und ein solcher Ignorant, der in einer Talmudschule mit einem mehrstündigen Schularrest bestraft würde, wenn er vor seinem Lehrer so übersetzte, wie er es dem christlichen Volke vorträgt, wagt es, auch nur ein Wort über den Talmud zu schreiben? Wahrlich, wir bedauern die Kirche um den Zuwachs eines solchen Talmudisten und Moralisten. Doch hören wir weiter, was der Verfasser „direkt aus der Quelle geschöpft" hat! Das große Sterbe«. Novelle aus dem deutschen Mittelalter von Wilhelm Jensen. (Fortsetzung.*) Nachdruck untersagt. Die Gruppe, welche vorher den Markt belebt, trat hinzu und drängte sich unter die anderen. Auch der Zimmermeister, der den willenlosen Edelmann am Mantelkragen gefaßt hielt, zog ihn mit sich hinan. „Wenn Du einen Versuch machst, mir zu entwischen," sagte er vernehmlich mit derbem Ton, „schlage ich Dir die Knochen entzwei, wie einem Hund." Sybille folgte ihm neugierig und blieb neben ihm unter der Menge stehen. Die beiden Gestalten, die sich um die Bahre bewegten, waren sich höchst sonderbar entgegengesetzt. Die Eine war lang und dürr und hager; ihr ganzes Aussehen erinnerte an einen Storch. Auch die Sprache kam wie eine Art Geklapper zwischen den dünnen und fleischlosen Lippen hervor. Er trug einen faltenlosen, seltsam beblümten Talar, der mit Kräutern und Blattsorten verschiedenster Gattung zum Teil beklebt, zum Teil bemalt war; seine Kopfbedeckung ahmte das mythologische Merkmal des Merkur nach, ein paar mit Drahtstäben gehaltene Tuchflügel spannten sich von ihr nach beiden Seiten aus und bewegten sich bei jedem Schritt, den er that. Dazu trug er einen mit einer aus Metall gebildeten Schlange umwundenen Rebstock in der Rechten, den er unausgesetzt auf- und abschwenkte, und in dem er eine besondere Kraft verborgen zu glauben schien. Er streckte ihn wie ein Scepter über die Menge und vertauschte mit gewichtvollem Ausdruck die Enden in der Hand; je eifriger er sprach, *) Neuhinzutretende Abonnenten erhalten den Anfang dieser Novelle kostenlos nachgeliefert. % 41 O Bella ichlten dle dunen K Widersprel Zein ch erstickend in seine' m er bedächtig spra unartikuliert heraus m kn die kleinen engsehl m hervorzwinkerte, Zeine Kleidung war^ stanzen trug er indes darauf gemalt, Schlar M seinen Leib ringel zangenbehastete Untier! eifrig bewegte, aus sei mit grellen Farben vo Zeine Mutze hatte di in dem ausgereckten > darum stand auf eir über der Stirn zusam, Es sah komisch kurzen Arme und Be warf. 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