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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-10-09 · 41 (9.10.1896) · p. Seite 685

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
41 (9.10.1896)
Date
1896-10-09
Page
Seite 685 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 41. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 685. Nr. 4l. wir in einer % ber ^l-ihrige ehemalig! 'lln^ ^ssen Ehefrau einen ,n Kohlendunst. @tunb: Kreuzzeitung. Wahres '^b--Ztg." zum Lobe nch seinen Referaten meist da und sich im Neil üda Objektivität befleißigt, dk, 'reuzztg.' auch auf diese« > so erfreulicher ist es, das i folgendes schrieb: „Adel! jüdischen Schauspielern da :e entsprechen wahrem Verspiel am Ende der vorige« Bedingungen waren, uutet n mußte, hat doch die Eier aufgesrischt und zugleit im 61. Lebensjahre stehende zu neuen Schöpfungen volliathan", im vorigen Ich llt, war eine ganz prächtige ng, wie sie ein Routick Auch als Mensch verdiml über ihn erfahrt, die Sp Ilen Seiten entgegengebrch :r nun Mitglied des Wem r die ältere klassische Uebncliche, aus größere Wahrhei h hat sich vom arm en und berühmten Künstln, sind und zwischen ihnen und den Christen kein Unterschied gemacht wird, umsomehr als die Juden sich sehr gut aussühren, brav und opferwillig sind und ungesetzliche Handlungen bei ihnen nur selten Vorkommen. Der Antisemitismus ist demnach hier ganz unbekannt und jederman würde sich schämen, seinen Mitmenschen wegen seiner Religion gering zu schätzen, zu verachten oder zu verfolgen. Ueberhaupt kann man hier das europäische Zopftum nicht begreifen, denn bei uns ist „Freiheit und Gleichheit" die einzige Parole." — Sündenbekenntnis eines Reformrabbiners. Man schreibt uns: Von der Kanzel herunter hat neulich Rabbiner Dr. Hirsch in Chicago, der bisher zu den enragiersten Sonntagsreformern gehörte, ein umfassendes Sündenbekenntnis abgelegt, aus welchem folgende Sätze hervorgehoben zu werden verdienen: Wir haben von d<m neugeführten religiösen Reformen den Fortschritt des Judentums erhofft, leider aber einen gewaltigen Rückschritt erreicht. Die religiöse Reform hat sich ganz besonders für unsere Jugend als gefährlich erwiesen, denn die halbe Wahrheit ist schlimmer als die Lüge, die Halbbildung ärger als die Unwissenheit. Kaum haben unsere Kinder vom Baume des Wissens gekostet, als sie von dem Wege abwichen, den uns unsere Vorfahren gebahnt; sie sind Halbjuden geworden. Es mag ja wahr sein, daß unsere Vorfahren nicht so klug waren, wie wir, daß sie nicht so gut zu schreiben, so schön zu sprechen und so viel zu philosophieren verstanden; aber in ihnen lebte der Geist der Gerechtigkeit, der Treue, des Glaubens und der reinen Gottesfurcht. Das alte Judentum hatte eine erhabene Bedeutung, das neue hingegen ist nur das Grab des ewigen Volkes. Nach Verlauf von wenigen Jahren könnte das Judentum in Amerika von seinem Ende ereilt werden. Aber nicht das ganze Judentum wird untergehen. Ihr könnt euch vor eurem Judentum nicht flüchten, denn eine furchtbare Geißel schwebt über den Häuptern der Abtrünnigen. Diese furchtbare Geißel in der Hand der Forschung ist der Antisemitismus, der auch hierzulande überhand nehmen wird. Vor dieser Plage unseres Zeitalters werden euch weder eure Vereine noch eure Clubs schützen. Sie wird euch den Rückweg zum alten, wahren, reinen Judentum zeigen, so ihr diesen Weg nicht bei Zeiten freiwillig betretet!" — Wir können diese Mitteilung auf ihre Richtigkeit nicht prüfen, doch verblüfft es uns einigermaßen gerade über Paul G. Hirsch so etwas zu lesen. $ e u 111 e t o n. per getaufte Gatrnuö. i. „Unter den getauften Juden sind viele, die aus feiger Hypolrisie über Israel noch ärgere Mißreden führen, als dessen geborene Feinde. In derselben Weise pflegen gewisse Schriftsteller, um nicht an ihren Ursprung zu erinnern, sich über die Juden sehr schlecht oder gar nicht auszusprechen." H. Heine IX, 88. Es giebt zwei Talmude, einen jüdischen und einen getauften. Der erstere wird von Juden studiert, welche dessen Sprache, Nusdrucksweise, juristische Formeln und rhetorische Bilder kennen, mit den Zeitverhältnissen, in denen er im Laufe von Jahrhunderten verfaßt wurde, bekannt sind, die Vortragenden Lehrer mit Pietät beurteilen, indem sie von der Voraussetzung ausgehen, daß sie unter dem Einflüsse des mosaischen Gesetzes, der prophetischen Reden, der biblischen Dichter und Spruchweisen nichts Inhumanes und Unsittliches zur Lebensregel aufstellen konnten und wohl wissen, daß nicht alle im Talmud vorkommenden Ansichten, Aussprüche und Lehrmeinungen auf Autorität Anspruch machen können, sondern nur solche Sätze, welche von den Weisen des jüdischen Volkes als maßgebende und entscheidende Norm anerkannt wurden. Der jüdische Talmud ist ein Katechismus der weitherzigsten und aufrichtigsten Toleranz gegen die religiösen Glaubensartikel der Völker, welche den Forderungen des Sittengesetzes sich unterwerfen, eine Fundgrube goldener Sprüche über die schönsten Tugenden, welche den Menschen schmücken, ein Archiv von Gesetzen, welche die Herrschaft der Gerechtigkeit in den Beziehungen der Menschen zu einander schützen, eine Bibliothek von Lebensmaximen, welche die Entwickelung der edleren Seiten im Menschen fördern. Ganz anders ist der getaufte Talmud beschaffen. Er wird von getauften Juden, die von ihrem Volke, ihren Vorfahren und ihren Familien abgesallen sind, gelesen, exzerpiert, übersetzt und den neuen Glaubensgenossen vorgelegt, um diesen zu zeigen, daß er das abscheulichste und verwerflichste aller Litteraturwerke ist und dadurch einerseits ihren Abfall vom Judentum zu rechtfertigen und andererseits Garantien zu bieten, daß ihr Uebertrilt zum Christentum nicht aus Berechnung. Eigennutz und materieller Vorteile wegen geschehen sei. Mit dem wütendsten Ingrimm, mit unversöhnlichem Hasse und mit der gewissenlosesten Leichtfertigkeit werfen sie sich auf einzelne Stellen im Talmud, die sie entweder nicht verstehen wollen oder thatsächlich mißverstehen, und produzieren sie als Beweise, wie schlecht, verderbt und menschenfeindlich jene Juden sind, welche den Talmud als ein uraltes, umfang- und inhaltreiches Litteraturwerk ihrer Vorfahren schätzen und verehren. Seien wir gerecht gegen unsere christlichen Mitbrüder. Nicht sie sind es, welche den erbitterten Kampf gegen den Talmud eröffnet haben, sondern getaufte Juden, die in den Zeiten der Bedrückung und der Bedrängnis von ihren Glaubensbrüdern jich losgesagt und der herrschenden Kirche angeschlossen haben. Diese haben zuerst die Aufmerksamkeit der christlichen Völker auf den Talmud gelenkt und ihn in den abschreckendsten Farben geschildert. So war es in Frankreich, so in Spanien und so in Deutschland. Ueberall waren es getaufte Juden, welche die feindselige Stimmung der Christen noch dadurch steigerten, daß sie den Talmud als einen Kodex der Jmmoralität und des Hasses gegen alle Nichtjeeden denunzierten und da die Christen nicht fähig waren, die jüdischen Neophyten zu kontrolieren und von der Voraussetzung ausgingen, daß diese den Talmud gründlich verstünden und gewissenhaft erklärten, so war es natürlich, daß allmählich eine Tradition über den feindseligen und verderblichen Charakter des Talmud sich herausbildete. Der Spruch im jüdischen Volksmunde: „Deine Zerstörer und Verwüster entstammen deiner eigenen Mitte, o Israel", bewährte sich vorzugsweise in Beziehung auf die Leiden, welche dem jüdischen Volke durch die Verleumdungen

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