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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-10-09 · 41 (9.10.1896) · p. Seite 684

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
41 (9.10.1896)
Date
1896-10-09
Page
Seite 684 (sequence 8)
Language
German
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Seite 684. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 41. „Tort, wo der Rabbiner der Qualifikation für belehrende Vorträge ermangelt, könnten diese von nichtbeamteten Männern ausgehen." Das ist schon kein Witz mehr, das ist schon ein Spaß. Herr S. B-, der eine ernste Krankheit heilen will, macht sich über den Kranken lustig. Wie viele Gemeinden Deutschlands verfügen wohl über „nichtbeamtete Männer", die „belehrende Vorträge" zu halten vermöchten? Frankfurt und Berlin und Hamburg und Breslau und vielleicht noch ein Dutzend Gemeinden; aber sollen denn nur diese großen Gemeinden das Benefiz genießen, anstatt der „Predigt" einen „belehrenden Vortrag" während des Gottesdienstes zu hören? Ja, wenn wir noch in allen oder in den meisten Gemeinden „nichtbeamtete Männer" hätten, die mit der jüdischen Wissenschaft vertraut wären, dann wäre der-„Arzt" überflüssig. Das ist ja doch eben die Krankheit, die geheilt werden soll: die Unwissenheit! Kann Herr S. B. nichtbeamtete Gelehrte aus der Erde stampfen? Das sind Zeiten, die eben vergangen sind, die Zeiten, in denen man sich mit der Wissenschaft des Judentums ohne die Absicht aus ein Amt beschäftigte, wo die Handwerker zugleich Rabbiner und die Rabbiner auch Handwerker waren, um die Thora nicht zur „melkenden Kuh" zu erniedrigen. In unserer Zeit herrscht das Prinzip der Arbeitsteilung: jeder Beruf nimmt heute seinen Mann ganz in Anspruch, man ist froh, wenn man auf einem Gebiete, ja in einem Winkel eines Gebietes etwas tüchtiges leistet, und die Charaktere mit der Meisterschaft auf mehreren Gebieten sind so selten, wie-- — Virchow. Man kann ja, wie dies hier in Frankfurt noch vielfach geschieht, wohl auch als Geschäftsmann jeden Tag eine Stunde sich mit dem Religionsgesetze, gewöhnlich dem Talmud, beschäftigen; aber einen „belehrenden Vortrag" halten, der besser sein soll als der des „unwissenden Reformrabbiners" — ja, den Luxus eines solchen Ehrgeizes können sich diese Herren denn doch nicht gestatten. Oder soll man bei den „nichtbeamteten Männern" nur an solche denken, die wohl die rabbinischen Studien absolviert haben, aber durch die Ungunst der Verhältnisse oder durch stolze Zurückweisung der Protektion ohne Amt sind? Das sind doch eben nur Ausnahmen, sagen wir: rühmliche Ausnahmen. In der Regel wird der Besitzer eines Rabbiner-Diploms auch die modernen Hilsstruppen der Protektion nicht verschmähen und einen Wirkungskreis zu erlangen suchen. Ohne Protektion geht es nun einmal heute nicht, vom Nachtwächter bis zum Minister: warum sollte der Rabbiner der „weiße Rabe" sein? Also: die Abhaltung von „belehrenden Vorträgen" durch „nichtbeamtete Männer", die den „unwissenden Resormrabbiner" in seines Nichts durchbohrendem Gefühle beschämen sollen, das ist eine Fata morgana aus der guten alten Zeit, das ist eine Ironie, nicht auf den karikierten Reformrabbiner, sondern auf unser leider sehr ernst krankes Judentum. (Schluß folgt.) Wochen-tLhronik. Berlin, 8. Oktober. — Lehrerelend. „Israel läßt seine Lehrerwitwen und Waisen nicht darben", sagt ein Korrespondent an anderer Stelle. Hier ein Kommentar, den wir in einer Tageszeitung finden: In Bad Soden verübten der 70jährige ehemalige israelitische Religionslehrer Steinert und dessen Ehefrau einen Selbstmord durch Einatmung von Kohlendunst. Grund: Nahrungssorgen. — Adolf Sonnenthal im Lichte der Kreuzzeitung. Während dem Kunst- und Theaterkritiker der „Stb.-Ztg." znm Lobe nachgesagt werden muß, daß er in seinen Referaten meist den Judenhaß seines Blattes vergißt und sich im Urteil über jüdische Künstler einer gewissen Objektivität befleißigt, verleugnet sein Kollege von der „Kreuzztg." auch auf diesem Gebiete seine Vorurteile nicht. Um so erfreulicher ist es, daß dieses Blatt über Sonnenthal jüngst folgendes schrieb: „Adolf Sonnenthal ist unter den lebenden jüdischen Schauspielern der gefeiertste, und die äußeren Erfolge entsprechen wahrem Verdienste. Sein letztes Berliner Gastspiel am Ende der vorigen Saison, so ungünstig auch die Bedingungen waren, unter denen der berühmte Gast auftreten mußte, hat doch die Erinnerung an frühere Triumphe wieder aufgefrischt und zugleich den Beweis erbracht, daß der nun im 64. Lebensjahre stehende Künstler sich die geistige Kraft zu neuen Schöpfungen vollkommen bewahrt hat. Sein „Nathan", im vorigen Jahre zum ersten Male von ihm dargestellt, war eine ganz prächtige und dabei ganz originale Leistung, wie sie ein Routinier niemals zustande bringen wird. Auch als Mensch verdient Sonnenthal nach allem, was man über ihn erfährt, die Sympathien vollauf, die ihm von allen Seiten entgegengebracht werden. Vierzig Jahre lang ist er nun Mitglied des Wiener Burgtheaters, an dem er früher die ältere klassische Ueberlieferung und nun eine mehr natürliche, auf größere Wahrheit ausgehende Richtung vertritt. Er hat sich vom armen Schneidergesellen zum wohlhabenden und berühmten Künstler, dem des Kaisers Huld den persönlichen Adel verlieh, emporgerungen." — Diesem Manne, dem gegenüber auch die „Kreuzztg." ihre eingefleischten Antipathien vergißt, hat die Wiener Stadtverwaltung eine Ehrung zu seinem vierzigjährigen Schauspieler-Jubiläum versagt, weil er Jude ist!! — Die Inden in Argentinien. Der bekannte Judenfreund Konsistorialrat Dr. Schöpf in Guggenthal bei Salzburg erhielt von einem seiner ehemaligen Schützlinge aus Argentinien folgendes Schreiben: „Sie wünschen von mir näheren Aufschluß über die Verhältnisse der Juden in Argentinien. Juden giebt es dahier eine große Anzahl. Die meisten kamen vor Jahren auf Veranlassung des Baron Hirsch, um Ackerbaukolonien anzulegen. Der Versuch ist jedoch gänzlich mißlungen, da das Bodenerträgnis den gehegten Erwartungen nicht entsprach. Mißernten folgten auf Mißernten, so daß das ganze hoffnungsvolle Unternehmen jämmerlich zerfiel. Kolonisten, welche es nicht vorzogen, in die Heimat zurückzukehren, ließen sich in Städten nieder, um Handel zu treiben und gestattet ihnen unsere sehr liberale Regierung den unbeschränkten Betrieb. Die Bevölkerung von Argentinien ist kosmopolitisch, zusammengesetzt aus den verschiedensten Elementen europäischer Einwanderer, resp. deren Nachkommen. Unter diesen verlieren sich nun die Juden, indem sie sich ganz den Sitten und Gebräuchen der verschiedenen Nationalitäten angeschmiegt haben, weshalb sie auch ganz gut gelitten Nr. 41. pnb und zwischen ih gemacht wird, umsom führen, brav und op lnngen bei ihnen nur ist demnach hier gar schämen, seinen Mitm zu schätzen, zu vera, kann man hier das eu bei uns ist „Freiheit i - Lündenbekenn ms: Von der Kanzelt in Chicago, der bishe gehörte, ein umfaffc welchem folgende Sä Wir haben von den Fortschritt des Judeni Rückschritt erreicht, sonders für unsere F halbe Wahrheit ist s« ärger als die llnwiss Baume des Wissens l den uns unsere Vor worden. Es mag ji so klug waren, wie, schön zu sprechen ur ober in ihnen lebte l Glaubens und der x hotte eine erhabene? Grab des ewigen V» konnte das Judenti werden. Aber nicht >chr könnt euch vor furchtbare Geißel sch Eiese furchtbare Ge Antisemitismus »»%*,„«; w«ne noch eure C? nlten, wahren % nicht bei!**“*•■« einigermas $ Der Es lausten. m

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