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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-10-09 · 41 (9.10.1896) · p. Seite 681

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
41 (9.10.1896)
Date
1896-10-09
Page
Seite 681 (sequence 5)
Language
German
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Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 681. Nr. 11. bester "nen Leh^r zu erreiche ldendsten und anregendste,, von einer feurige« Nwt, die auch den gegen 9 Abgehärteten unwiderfcn stets eine große die sachkundigen slavische« estev Tempels füllen und esischen Sangesweisen be§ erwartende Predigt über Amtsgenoffen Dr. Selige Position seit Jahren trotz > sich der Sympathien dereinde hat durch die Anbekundet, denn die beiden ilgären Ausdruck! - konergänzen einander. Leimeligmann der aktuelle Vergangenheit, dieser mehr :e, dieser mehr das Leben, iehre läutern, den Gemeineitsgefühl stärken. diejenigen denen es eizuführen mit Ernst -infizier« n Augen- Sündenregister, -Hummer dieser hat. Kleinlied miß dem wahrnen, der einen mitten in der , somnambulen Nr. 41. Beobachtungen und Untersuchungen ist dasselbe. Nur führt Herr Dr. Nordau seine anatomischen Operationen mit der beim Arzte gewohnten Kaltblütigkeit aus, während ich, der ich mitten in diesem krankhaften Leben stecke, den heftigen Schmerz mit empfinde, den uns dieses Berühren der eiternden Wunde verursacht. Aber da es mir nicht um die publizistische Eitelkeit zu thun ist, so will ich lieber nicht Recht behalten, ich lehne mich vielmehr gegen die Folgerungen des Herrn Nordau auf. So schlimm steht es denn doch nicht mit unserem Stamme, wie es da geschildert wird. Gewiß herrschen bei uns keine erfreulichen Zustände und sehr vieles giebt da zu ernsten Bedenken Anlaß; aber noch immer ist der innere Kern gesund, er kann auch gegen die Krankheit erregenden Momente, die von außen einwirken, kräftig reagieren, wenn er nur die Gefahr erkennt und den festen Willen bezeugt, diese Gefahr zu beseitigen. Herr Dr. Nordau hat in erster Reihe das physische Moment berücksichtigt, welches ihm die Merkmale einer Decadence zeigt. Indessen kann ein solches Urteil sehr einseitig sein. Bor allem muß berücksichtigt werden, daß die Juden wie jeder Volksstamm körperlich von dem Klima und den anderen Lebensbedingungen beeinflußt werden. Nun leben ja bekanntlich unsere Stammcsgenossen zerstreut in den verschiedenen Weltteilen unter verschiedenartigen Lebensverhältnissen. Es fällt daher sehr schwer, ein einheitliches Kriterium für die körperliche Beschaffenheit aller Juden zu finden. Herr Dr. Nordau meint, die Juden müssen wieder Ackerbauer werden, um durch das innige Zusammenleben mit der Natur neue Kräfte zu sammeln. In Galizien und der Bukovina beschäftigt sich bereits eine große Anzahl Juden mit dem Ackerbau, nicht nur als Gutsbesitzer und Gutspächter, sondern auch als wirkliche Bauern, die mit dem Pfluge den harten Boden auflockern, die selbst den Pflug führen, deren Kinder die vorgespannten Tiere treiben, deren Frauen und Töchter Mägdedienste verrichten. Sie leben demnach ganz wie der rnthenische und polnische Bauer, nur mit dem Unterschiede, daß sie nicht gleich diesem durch den übermäßigen Genuß des Alkohols halb vertiert sind, daß sie sich für alle Zeiten einen idealen Zug gewahrt haben, indem sie streng die Sabbatruhe wahren, ihre Kinder im Worte Gottes unterrichten lassen und ihnen eine religiös-sittliche Erziehung geben. Die Unsittlichkeit, welche zweifellos auf dem flachen Lande trotz der Romantiker und der Jdyllendichter bereits erschreckende Dimensionen angenommen, hat in die jüdischen Bauernhäuser Galiziens glücklicherweise noch keinen Eingang gefunden. Der jüdische Bauer ist arbeitsam, sparsam, in der Regel sogar sehr geizig und kleinlich auf seinen Vorteil bedacht; aber er bringt für seine Verhältnisse bedeutende Opfer, um seine Kinder gut zu erziehen, um der Vorschrift der Religion gemäß wohlthätig zu sein. Derselbe Bauer, der durch harte, schwere Arbeit verhärtet, um ein paar Kreuzer hartnäckig feilscht und handelt, beherbergt und speist den armen Glaubensgenossen mit großer Generosität, giebt ihm eine kleine Wegzehrung, einige Kreuzer mit urrd entläßt ihn mit den aufrichtigsten Wünschen. Dieselbe Erscheinung ist auch in vielen Teilen Rußlands zu beobachten. Ob diese auf die körperliche Entwickelung der Juden vorteilhaft cinwirkt, halte ich mich nicht für kompetent zu beurteilen. Man darf aber jedenfalls nicht vergessen, daß der jüdische Stamm ein geistig sehr entwickelter Menschenschlag ist, daß er, mit den Bauern des östlichen Teiles Europas verglichen, selbst in seinen niedrigsten Schichten größere kulturelle Errungenschaften aufzuweisen hat. Man kann demnach nicht verlangen, daß der polnische Jude z. B. auf derselben Stufe der körperlichen Entwickelung sich befinden solle wie der polnische oder ruthenische Bauer. Andererseits darf auch nicht unberücksichtigt bleiben, daß der Durchschnittsjude dasjenige, das ihm vielleicht an physischer Kraft durch erbliche Belastung mangelt, wiederum reichlich durch seine ökonomisch richtige Lebensweise ersetzt, daß er mit bescheidenen physischen Kräften besser auskommt als die andern von gleicher sozialer und ökonomischer Lebensstellung. Ich habe Jahre lang aus dem Balkan gelebt und von Aerzten wie auch von anderen kompetenten Beurteilern gehört, welche Verheerungen gewisse nicht näher zu bezeichnende Krankheiten unter der autochthonen Bevölkerung anrichten. Von diesen Krankheiten bleiben aber die Juden so lange verschont, als sie ohne die übliche „Kultur" sind. Erst mit dem Beginn der sogenannten Kultur auf dem Balkan sind die dortigen Juden rapid einer körperlichen Decadence anheimgesallen. Dasselbe ist auch mit den alkoholistischen Genüssen der Fall. Das Resultat dieser Ausführungen liegt nun klar auf der Hand. Dem jüdischen Stamme ist die Halbkultur, der er seit etwa einem Jahrhundert verfallen ist, verhängnisvoll geworden. Dies zeigt sich am meisten in den westeuropäischen Großstädten, deren Typen Herrn Dr. Nordau wohlbekannt sind. Diese allein haben ihm wohl bei seinen Ausführungen Modell gesessen, urrd deshalb ist sein Bild so überaus düster ausgefallen. Es kann aber nicht entschieden genug betont werden, daß der Typus der jüdischeu Großstädte, an dem sich alle Auswüchse der sogenannten Kultur zeigen, nicht für die Gesamtjudenheit gelten darf. Schon der palästinensische Agadist spricht die sinnvollen und tiefwahren Worte aus: Man solle nicht den jüdischen Stamm nach den Bewohnern der Großstädte beurteilen, wo krasser Egoismus, Genußsucht und Ueberkultur in so erschreckendem Maße zu finden seien, sondern nach den Bewohnern der Kleinstädte und des flachen Landes, wo noch der altjüdische Idealismus am besten gewahrt sei. Selbst in Westeuropa sind die Verhältirisse in den kleinen Städten bedeutend günstiger als in den großen Zentren. Da ist vor allem noch der erziehliche Eirrfluß der Religion zu merken, da es die Leute dort noch nicht so weit in der „Bildung" gebracht, um in der Gesellschaft von Balletdamen den väterlichen Glauben zu vergessen und in den Schmutz zu zerren. Aber selbst in den großen Zentren sind die großen jüdischen Volksmassen im großen und ganzen noch kerngesund. Nur das offizielle Judentum in den westeuropäischen Zentren befindet sich im Niedergang. Das liegt aber in der Art und Weise, wie Großgemeinden heutzutage verwaltet werden. Es herrscht bei uns die Oligarchie nrit all den Schäden und Auswüchsen, welche mit einer solchen verbunden sind. Einige Familien, welche durch Reichtum und sozialen Einfluß mächtig sind, beherrschen das öffentliche Leben und haben diesem das krankhafte Aussehen verliehen, das

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