Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 40 (2.10.1896)
- Date
- 1896-10-02
- Page
- Seite 675 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4794838-9609712-9610424--1763-9610439- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 40. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 675. sich darum nwam X^- U doch s,^ r und die ZM )nteu abwickeln, nicht HÄ es Wort gesprochen. M Artikel von allen Fehler, der Langeweile, und de« W gegeben habe, vermeine« neinen Ausführungen aller das, was wirklich dar« ‘ Köln verletzt«, Fe Gegezerrt« haben, /in ermers« sein u. s. w. u. U sagen: Ich bin weder mehr und nichts weniger :eund des Judentums rder geführt und soll sie aßung, mit der ein hier i« mir eine Standpauke über lismus hält, macht eim calredner soll sich einfii allwöchentlich acht tot re zusammenschreibt, der ii migsten befähigt ihn dielt .lismus. Dixi. Wegen der Zertrümmert!«, chen Friedhofe bei Endeniä ttgesunden. Auf die 8m : nung von 100 Mk. ausgt- ' Weihereb, Vielleitl ernantu trie, die. rüder. i entspricht. In den Volksschulen kommen aus insgesamt 68972 Schüler 109 Juden. — Tie im Jahre 1890 von einer größeren Anzahl angesehener hiesiger Israeliten ins Leben gerufene und vomJsraelitischen Tempelverband subventionierte Religionsschule verseudct ihren diesjährigen Jahresbericht. Die Schule blickt auf ein erfreuliches Resultat zurück. Es wurden in derselben in den sechs Jahren ihres Bestehens 222 Kinder (127 Knaben und 95 Mädchen) unterrichtet. Die für die reiferen Schüler und Schülerinnen vor zwei Jahren errichtete Selekta «vnrde nahezu von allen Schülern und mehreren Hospitanten besucht. Das Normalalter für die Selekta ist das 13. bis 16. Lebensjahr. Für den Eintritt in die Religionsschule wird das 8. Lebensjahr als das geeignetste bezeichnet. Das Lehrerpersonal besteht zur Zeit aus den Herren Dr. Leimdörser, Dr. Seltgmann, Heule, Feiner und Fräulein Metz. - A. M. Hamburg, 28. September. (Eine gute Predigt.) Aus Interesse für Ihr Blatt, welches ich als ein Organ der Versöhnung der Parteien im Jndentume kennen gelernt habe, gebe ich Ihnen Nachricht von einer hier zum geflügelten Worte gewordenen Aeußerung unseres Predigers Dr. D. Leimdörfer am jüngsten Versöhnungstage. Nach der Beleuchtung der traurigen Zersplitterung innerhalb des Judentums, redete der Prediger der Versöhnung aller Parteien in Israel das Wort, nannte sein Thema-„Die Versöhnung im Innern" und stellte an der Hand eines Textes aus Micha von der „Wahrheit Jakobs und der Liebe Abrahams" als das allerdringendste Zeitbedürfnis die Einigung und Versöhnung der Gegensätze innerhalb der jüdischen Gemeinden hin. Den Höhepunkt der genial angelegten Rede bildete folgendes: Die Alten halten fest, und die Neuen schreiten fort! Jedes für sich allein ist Halbheit, Einseitigkeit und daher vom Nebel! Unerläßlich aber ist es, daß die Fortschreitenden an den religiösen Satzungen festhalten, und daß die Religion Ausübenden nicht stille stehn, auch in geistiger Beziehung. Die Religion der That muß zugleich die der höheren Vernunft und die der Idee zugleich thatsächliche Inkarnation der Idee schon deshalb sein, weil unsere Kinder einen Anschauungsunterricht von der religiösen Idee dringend heischen. Die Thätigkeitswörter „halten" und „fortschrciten", die für die Besetzung der Parteien und ihrer Bestrebungen zu Schlagwörtern geworden, müssen innerhalb jedweder religiösen Richtung einander ergänzen, „denn," fügt L. hinzu, „man hält mit der Hand man schreitet fort mit dem Fuße, die Haltenden haben meist eine Religion der Hand, die sich in Thaten und Handlungen kundgiebt, die Fortschreitenden rviederum haben meistens eine Religion des Fußes, die vor lauter Vorwärtsstürinen und Fortschreiten keinen festen religiösen Boden, keinen positiven Halt unter ihren Füßen mehr haben. Mein Standpunkt aber ist, daß wir eine Religion nicht der Hand allein und nicht des Fußes allein haben, sondern daß «vir eine Religion mit Hand und Fuß haben, das ist die Religion des Propheten Jona, der auf die Frage, was er sei, nicht antlvortete: Orthodoxer oder Reformer, sondern: „Ich bin ein Hebräer und fürchte den Gott des Himmels" oder die Religion Michas, der in einem Atemzuge für Israel die Wahrheit Jakobs und die Liebe Abrahams erfleht. So muß denn das Trennende innerhalb Israels dem Einenden und Verbindenden weichen, und es ist höchste Zeit, zur Besinnung auf uns selbst, zur Versöhnung im Innern der Judenheit zu schreiten. Ihr Haltenden schreitet fort und ihr Fortschreitenden haltet ein und haltet fest, das giebt Euch allesamt den Unterbau zur Erhaltung Israels in einer Zeit, wo häßliche Stürme von außen mahnen zum Aufbau der eingefallenen Friedenshütte Davids: „Versöhnung!" Hamburg, 28. September. Der hiesige Litteraturverein wird in der bevorstehenden Wintersaison eine Reihe von Vorträgen veranstalten. Das diesjährige Vortragsprogramm wird sich insbesondere dadurch zu einem äußerst interessanten gestalten, daß es dem Vorstand gelungen ist, eine Reihe hervorragender christlicher Gelehrter für einen Vortrag aus dem Gebiete jüdischer Geschichte und Litteratur zu gewinnen. Es haben u. a. zugesagt, der derzeitige Dekan der evangelisch-theologischen Fakultät zu Königsberg, Pros. Dr. Cornill und der berühmte Herausgeber der „Bibliotheca rabbinica“ und Midraschübersetzer Licentiat Pros. Dr. August Wünsche-Dresden. Der erstere wird über „Die Bedeutung der Psalmen für die Weltlitteratur" sprechen, während der letztere ein Thema aus der Midraschlitteratur behandeln wird. Von hiesigen Gelehrten werden die Herren Prediger DD. Leimdörfer und Seligmann, Dr. med. A. Feilchenfeld u. a. Vorträge halten. £ Graz, 27. September. Bemerkenswert ist der Ausgang der am 23. d. M. stattgehabten steierischen Landtagswahlen in den Städtebezirkeu. In Steiermark hat nämlich die deutsche Volkspartei den Antisemitismus obligatorisch in ihr Programm ausgenommen und erhoffte hiervon einen vollständigen Sieg über die Deutschliberalen. Sie erlangte zwar einen Zuwachs an Stimmen, aber der Ausgang der Wahl bedeutet trotzdem für sie eine entschiedene Niederlage, indem nicht nur die früheren liberalen Abgeordneten unserer Stadt wiedergewählt wurden, sondern auch der Führer der Volkspartei, Reichsratsabgeordneter Hoffmann, durchstel. Letzterer hat unter dem Eindruck dieser Niederlage sofort auch sein Reichsratsmandat niedergelegt. Pest, 25. September. Nach einer Meldung des „Magyarorszag" steht die Ernennung des Herausgebers und Chef-Redakteurs des „Neueu Pester Journals," Sigmund Brody, zum Mitglieds des Magnatenhauses unmittelbar bevor. Derselbe hat durch seine langjährige publizistische Wirksamkeit im Dienste des Liberalismus und insbesondere durch hochherzige und großartige öffentliche Stiftungen längst Anspruch aus die seltene Auszeichnung erworben. — Die ungarische Orthodoxie hat nicht ohne Sorge die Bestrebungen der Kongreßpartei verfolgt, die in einem Memorandum an die Regierung eine Deutung der Rezeption versuchte, welche die Selbständigkeit der orthodoxen Konfession vernichtet hätte. Der ungarische Kultus- und Unterrichtsminister hat die Erledigung dieses Memorandums bis nach Schluß der Millenniums- Festlichkeiten verschoben, aber die Orthodoxen sehen mit Beruhigung den Entschlüssen des Ministers entgegen, der bisher sich als ein Hort der Gerechtigkeit erwiesen und zu den Versuchen, auf gewaltsamem Wege eine Einheit zu schaffen, entschieden ablehnend sich verhalten hat. Einen glänzenden Beweis für die unbeugsame Objektivität und Gerechtigkeit des