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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-10-02 · 40 (2.10.1896) · p. Seite 676

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
40 (2.10.1896)
Date
1896-10-02
Page
Seite 676 (sequence 16)
Language
German
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Seite 676. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 40. Ministers bietet auch die kürzlich erfolgte Systemisierung des Sekretariats der jüdisch-orthodoxen Durchführungs-Kommission, welche unter ausdrücklicher Berufung auf die Rechtsparität der beiden Kanzleien erfolgte. — Unsere Landgenieinden haben den traurigen Ruhm, oft von sich reden zu machen. Und dies ist um so unerquicklicher, als sich jedes Skandälchen die politische Tagespresse bemächtigt. Aus Mako wurde dieser Tage berichtet, daß es in der Synagoge am 12. d. M. zu ärgerlichen Auftritten kam. Der Rabbiner hatte die Gelegenheit benutzt, in seiner Predigt der Gemeinde ans Herz zu legen, daß sie ihm wenigstens einen Teil seines seit langer Zeit rückständigen Gehaltes anweise. Das gefiel den Anwesenden nicht; viele wurden unruhig, husteten oder niesten, andere singen laut zu beten an, nur um die Worte des Rabbiners zu übertöuen. Einige Gemeindemitglieder forderten sodann Ruhe, und darauf entspann sich ein Zank, der schließlich mit einer Prügelei endigte. m. St. Petersburg, 24. September. Aus sicherer Quelle wird hierher gemeldet, daß die Leitung der argentinischen Kolonisation beschlossen hat, die jüdische Ackerbauschule in Ahlem bei Hannover an sich zu bringe«. Dieselbe soll dann erweitert werden, unv zwar einerseits hinsichtlich des Lehrstoffes, andererseits insofern als fortab nicht blos deutsche, sondern in großer Anzahl auch russische Schüler ausgenommen werden sollen. Zu diesem Zwecke sollen die Herren Dr. Sommerfeld (Sekretär des verstorbenen Baron Hirsch) und Rechtsanwalt Plotke am 24. d. M. nach Ahlem reisen, um sich mit den Leitern der Schule zu besprechen. — Nichts aus dieser Welt dauert ewig, auch die schönste Freude der Karäer nicht. Kam da der russische Minister für Volksaufklärung und überzeugte sie, daß sie zwar nach ihrem Wunsche keine „Juden" mehr seien, aber deshalb doch noch keine wahre Gleichberechtigung besäßen. Tie neue Aerztinnenschule hat nänckich ein Statut, nach welcheni nur christliche Schülerinnen zugelassen werden. Die, wie bekannt, sehr petitionslnstigen Karäer veranlaßten ihren Krimcr Chacham, Pampulow, den Minister für Volksausklärung um Zulassung der Karäerinnen zu bitten. Doch der Minister ließ sich nicht rühren. Man könne nicht den Karäern einräumen, was den anderen nichtchristlichen Religionsgenossen verwehrt bleiben soll. $ Warschau, 25. September. Seit mehreren Jahren wird jetzt wieder zum ersten Male einzelnen jüdischen Familien die russische Naturalisation bewilligt. — In Djatlowo, Gouvernement Grodno, kam es kürzlich zwischen christlichen und jüdischen Einwohnern zu einem blutigen Zusammenstoß. Die Häuser und Geschäfte der Juden wurden vom Pöbel geplündert. Erst herbeigerusenes Militär konnte die Ruhe wieder Herstellen. Viele Verwundungen kamen vor und über 70 Verhaftungen wurden vorgenommen. -n. Chicago, 10. September. In große Aufregung ward die Sinai-Gemeinde am Rosch haschanah versetzt. Inmitten der Predigt fiel ihr Rabbiner Dr. Emil G. Hirsch bewußtlos nieder und mußte in sein Privatzimmer gebracht werden. Es verstrich geraume Zeit, ehe er wieder zum Bewußtsein kam, trotzdem ärztliche Hilfe sogleich zur Hand war. Indessen lautet dep Bericht des behandelnden Arztes beruhigend. Der Gottesdienst wurde auch unterbrochen. Indessen ist kaum zu verwundern, wenn die Natur sich weigert, den riesigen Ansprüchen, welche der gelehrte Theologe, Kanzelredncr,Universitätsprosessor und Gesellschaftsvertreter an seine Kräfte macht, zu folgen. Ein Mensch kann nicht alles sein, und Dr. Hirsch suchte das Gegenteil zu beweisen. Er predigt in zwei Tempeln, hält an der Chicagoer Universität Vorlesungen über semitische Sprachen, schreibt die Leitartikel, die schneidigsten ihrer Art, für sein Blatt „The Reform Advocate", fungiert als Redner bei allen kommunalen Feierlichkeiten, schreibt Artikel über Soziologie und verschlingt mit ungewöhnlichem Heißhunger alle wichtigen Schriften der Neuzeit über Bibel, Kritik, Philologie und Philosophie. Das ist entschieden zu viel. W. Cincinnati, 18. September. („Anglo-Jsrael".) Die fünfte Auflage des Buches „Anglo-Jsrael" in einem Zeiträume von vier Jahren ist ein Beweis für den weit verbreiteten Glauben an den Lehrsatz dieses Werkes, daß die anglo-sächsischen Engländer und Amerikaner die direkten Nachkommen der zehn Stämme sind, die einst das Königreich Israel im Norden und Osten Palästinas bildeten, was der Herr Verfasser, Rev. T. Rosling Stowlett, ein Baptistenprediger in Philadelphia, mit einem bedeutenden Aufwand von Gelehrsamkeit und scharfer Logik festzustellen sucht. Die Zahl der Bekenner zu diesem Glauben ist in England noch größer als hier und trägt nicht wenig dazu bei, im Juden den Stammesgenossen zu achten und zu ehren. In dieser fünften Auflage bemüht sich der Verfasser besonders, das Problem der Judensrage nach den Prophezeiungen im Alten Testament zu lösen, und darin ist er vollständig original. Er will uns nicht erst zu Christen machen oder einen neuen Erlöser erscheinen lassen, um die Prophezeiungen zu erfüllen, „die zerfallene Hütte Davids" wieder aufzurichten, noch will er uns nach Palästina zurückschicken oder gar einen Judenstaat bilden. Er behauptet ganz einfach, das Reich Israel ist ausgebaut in den anglo-sächsischen Großstaaten; wenn die Zerstreuten Judas diesen Großstaaten sich anschließen, ist das Juda und Israel wieder vereinigt, das alte Reich wieder hergestellt und die Prophezeiungen sind erfüllt. Probatum est! — In Philadelphia ist man bemüht, Mittel zur Errichtung einer großen Synagoge mit orthodoxem Ritus zu beschaffen, weil die armen eingcwanderten Glaubensgenossen nicht in derLage sind, die teuren Plätze in den bestehenden Synagogen zu bezahlen. Die Kosten werden sich auf rund 100060 Dollars belaufen, von denen die Hälfte bereits gezeichnet ist. Ein tüchtiger Rabbiner der konservativen Richtung wird nach Vollendung des Gotteshauses angestellt werden. Brief- und Lragekasten. Mein Aufsatz über die Zukunft des Judentums in Nr. *49 ist durch ein Versehen ziemlich unfertig in die Welt hinausgegangen. Der Leser wird einige Druckfehler wie Segen statt Regen, niedergeträufelt statt niedergeträuft und sonstige Fehler gütigst verzeihen. Aber auch ein Satz des geistvollen Resch Lakisch, der bei weitem das Beste zu dem Aufsatze gesteuert hat, wird ganz entstellt wiedergegeben. Resch Lakisch sagt (Menachot 99,b): Manchmal ist die Zerstörung der Thora (nicht der Form) ihre Befestigung und Begründung. 6. R- »•4L 3#! Nel Redakteur: {Irrlag: Zitzfmd droti Leleph Redaktion M, 4236. * üie ..Wochenschrift" e Seiten (2'/, Vogen,', der naß mindestens 4 Seiten Post (Zeitungsliste pro Tie Vorstandswahl stand und wir. — ' " Mbmg aus der Vogel Tr. §. Bernfeld. — Kochen-Chronik: Lehrer #. KreWiinng. - Die sst ü Mts Reformrabbiners - Das große Sterben M Kremser. - Nebl ^zeigen. Pit iloi eine gute ß Volk w nach zu ko den Ri wfLebeich nicht - K dessen i . Utchst ichrung nicht schöner der Ah 'b« r«,„ verantwortlicher Redakteur: » «evtn, Berlin. — Verlag: Siegfried Lronbach, «erltn W. 67. Druck: Arthur Schalem, Berlin C., Hoffte. S.

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