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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-10-02 · 40 (2.10.1896) · p. Seite 673

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
40 (2.10.1896)
Date
1896-10-02
Page
Seite 673 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 40. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 6? 8. Ar. 40. _ ^En, |v»n ym hln Schnäbelchm on lerneni wie heißt Tu?' :e Hand Quggejfacft mH Ulltcr dein Gelächter k t>on Suren Dirnen, ich bi, etjürnt. „Laßt mich (o$/ J hübschen Angen funkelte, e Gesicht des EdelmaM. e Finger schlossen sich K m er sie gefaßt hielt. ,[ f« Augen, als wolltest h > letzte Wort kam nur Hali freie Faust des Mädchen! esicht und traf ihn auf di! .neu Moment besinnunM ,enb, die ihre los ließ.! ruhig, „laßt mich gehen' eder, wie sie vorhin zu da nit unverkennbar befriedtz rd, das mutige Thorwack > Stotterhans, „verdam wein, Graf Honfried.' i über die Mund Lippen von sich, e abgeglitten und hatte W >ig und blutunterlaufen» , häßlicher Wut umher u°» . in, die einige Schritte ai 5 Honfried schrie gvimuni aus der Scheide und stuB . . em ( nsten Zügen" . in das t&W' „Wart', Du gemeiner Lump, Du Hobelknecht," schrie er, und eine Flut von Schimpfwörtern ergoß sich zugleich mit dem sortströmenden Blut aus seinen Mundwinkeln. „Eppstein, Stotterhans, kommt heran, daß wir das freche Gesindel züchtigen — warte, ich will Dich peitschen." Die Patriziersöhne gehorchten zögernd der Auffordernng, sie kamen unschlüssig und langsam heran und entblößten ihre Klingen. „Schämt Ihr Euch nicht um Eurer achtbaren Väter willen, daß Ihr gemeine Sache mit dem adligen Buben macht?" sagte ein alter Bürger, besonnen auf sie zutretend. „Steckt Eure Waffen ein, sonst ergeht es Euch übel, und packt den Friedensbrecher, und werft ihn aus der Stadt auf sein Raubnest hinauf. Sein Oheim hat dem Rat vor kurzem Urfehde geschworen und ist ein Mann von Wort, sonst solltet Ihr den Gesellen ans Thor hängen, daß unsere Weiber und Töchter endlich einmal vor ihm sicher sind." Er sprach es gelassen, denn der junge Ztmmermann hatte sich, ehe Honfried seinen Degen wieder zum Stoß gefaßt, auf ihn geworfen, die Waffe seiner Hand entrungen, daß die Gelenke des Grasen knackten, und ihn mit riesiger Kraft zusammengedrückt. „So, Du bist unschädlich," sagte er, ihm die Arme mit seinem Ledergürtel ans dem Rücken zusammenschnürend; „nun fort mit Dir, und ich rate Dir, laß Dich nicht wieder bei uns blicken." Honsried knirschte mit den blutigen Zähnen; „feigherzige Memmen, Wichte," stieß er ächzend gegen die beiden Junker hervor, die blutrot und beschämt vor der Ueberzahl ihre Degen in die Scheide zurückgestoßen und dem Vorgang verlegen zusahen. „Sie sind imruer noch besser als die Bestie, die ein Mädchen töten will," sagte der Zimmermann erbittert und blickte freundlich aus Sybille, die neben ihm stand, ruhig ihre Kleider ordnete und sorgsam die gelösten Zöpfe wieder um die Stirn schlang. „Warte, ich will Dir jetzt Beine machen," fuhr er, die Stimme des Grasen von vorher nachahmend, fort. „Marsch," und er gab ihm einen Stoß mit der Faust in die Seite, daß der Graf ohnmächtig die gebundenen Häirde znsammenkrallte und vorwärts ging, wohin sein Bändiger ihn lenkte. Doch plötzlich hielt dieser ihn wieder mit straffem Ruck zurück. „Was giebt's da?" fragte er, verwundert den Kopf umdrehend, „haben die auch einen Mädchenräuber gefangen?" Aus einer Gasse, die ans den Marktplatz ausmündete, kam wie ein Knäuel ein dichtgedrängter, vielköpfiger Menschenhaufen. Er wälzte sich mit verworrenem Geschrei heran, dann auf dem freien Raum löste sich der Knäuel und eriveiterte sich, daß eine Holzbahre in seiner Mitte sichtbar wurde, die von zwei Männern getragen, sich auf den Erdboden niederließ. Ein regungsloser Körper lag darauf, dessen Gesicht gegen die Sonnenstrahlen mit einem Tuch verdeckt war. Alle blickten neugierig darauf hin und wichen doch furchtsam etwas von der Bahre zurück, so daß der Platz um sie frei blieb, aus dem sich zwei wunderliche Gestalten auf- und ab bewegten. (Fortsetzung folgt.) Hier und dort. * Berlin, 28. September. Ahlwardt steigt nr der Achtung seiner selbst. Wie die „Berl. Presse" erfährt, will er spätestens in der zweiten Hälfte des Oktober besuchsweise zurückkehren, um sein Mandat niederzulegen, in der Voraussetzung, daß ein bekannter Großgrundbesitzer des Driesener Kreises, der auf das Reichstagsmandat spekuliert, für die Erlangung der Anwartschaft aus dasselbe den Preis von 15000 M. auszahlt. Vor einigen Monaten war nur von 5000 Mk. die Rede. * Berlin, 28. September. (Ans dem Religionsverein „Westen".) Die Synagogen- und Religionsschulverhältnisse entwickeln sich immer günstiger, die Zahl der Mitglieder und der schulbesuchenden Kinder wächst stetig. — In Anerkennung seiner Bestrebungen haben dem Religionsverein u. a. Geschwister Caro zum Andenken an ihren seligen Vater nahe der Synagoge eine sehr schöne Sukkah bauen lasten. — Ter rührige Vorstand (gegenwärtig die Herren D. Davidsohn als Vorsitzender, Alwin Abrahamsohn, Josef Gallinek, Karl Lasch, Hugo Schlesinger und Leonhard Zomber) versendet folgendes Zirkular: „Die Religionsschule des Religionsvereins „Westen" bietet Knaben und Mädchen gediegenen Unterricht in biblischer und nachbiblischer Geschichte, Glaubens- und Sittenlehre, Hebräisch und Liturgie. Den Forderungen der fortgeschrittenen Pädagogik gemäß wird jede häusliche Ueberlastung der Jugend vermieden. Die Religionsschnle steht unter der Leitung unseres — als Schulmann bewährten — Rabbiners, Herrn Tr. Kroner, der Anmeldungen zum Religions-, Barmizwah- und Konstrmandinnen-Unterricht täglich von 12—2 Uhr in seiner Wohnung Berlin W., Passauerstr. 11 entgegennimmt. Schullokal: Joachimsthalerstr. 31/32. (Oeffentliche Gemeindeschule). Unterrichtszeit: Mittwoch und Sonnabend nachmittag." * Berlin, 28. September. Ein neuernannter jüdischer Gymnasiallehrer zählt jetzt zu den Seltenheiten, weshalb wir von einer solchen Ernennung Notiz nehmen. Dr. Rosenberg, der in den letzten Jahren als Hilfslehrer für neuere Sprachen an höheren Schulen in Berlin thätig war, ist zum ordentlichen Lehrer am Köllnischen Gymnasium erwählt und vom Minister bestätigt worden. — Memel, 23. September. In der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten wurde über eine Petition des Vorstandes der Synagogen-Gemeinde betr. die bevorstehende Ausweisung aller derjenigen Israeliten, welche nicht preußische Staatsangehörige sind, beraten. Tie Bittsteller heben zur Begründung ihrer Bitte hervor: Das ganze auswärtige Geschäft mit Rußland werde von russischen Juden besorgt, von denen daher viele ihren Wohnsitz ganz nach Memel verlegt hätten und hier für die Kaufmannschaft unentbehrlich geworden seien. Darum bittet der Vorstand die Versammlung, beim Oberpräsidenten zu befürworten, daß die Maßregel zurückgenommell werde. Herr Bürgermeister Attenberg teilte niit, daß eine ähnliche Eingabe auch dem Magistrat Vorgelegen und daß dieser beschlossen habe, ill Gemeinschaft mit den Stadtverordneten beim Obcrpräsidenten vorstellig zu werdell. In der Art, lvie der Vorstand es wünsche, könne rnan indessen keine Schritte thlln, man müsse sich darauf beschränken, die Maßregel zu milderll.

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