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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-10-02 · 40 (2.10.1896) · p. Seite 672

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
40 (2.10.1896)
Date
1896-10-02
Page
Seite 672 (sequence 12)
Language
German
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Seite 072. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 40. Bezirk unter sich duldeten, auf dereu unausgesetzten Fleiß sie harrten, wie der Imker aus den seiner Bienen, bis die Honigwaben gefüllt sind, um sich plötzlich ihrer zusammengescharten Habe zu bemächtigen; die jeder Beschuldigung gegenüber vor den Gerichten recht- und verteidigungslos waren und von ihnen dem Angriff und der Raubgier des zügellosen Pöbels prcisgegeben wurden, in deren Nacken rastlos hetzend die Pfaffen saßen, von den höchsten Kirchenwürden bis zur untersten hinab, vor Begier nach dem Golde der Unglücklichen zitternd, das ihre Einkünfte bereicherte, wenn sie es mit Weihwasser besprengt hatten, um den Fluch, der von den Händen der Ungläubigen an ihm haftete, mit dem segnenden Sprengwedel des Himmels auszutreiben. Die Unterhaltung der jungen Männer war zuletzt leiser geführt worden, Sybille, die im Anfang nur neugierig zugehört hatte, trat bei der Erwähnung des alten Kaleb und seiner Tochter aufmerksam näher. Der Markt war mit Menschen belebt und sie fürchtete sich weder vor den frechen Gesichtern der Patriziersöhne, noch vor ihrem zuchtlosen Gespräch, an das die Frauen der Zeit in Gegenwart von Männern fast ausnahmslos gewöhnt waren. Sie verstand den Sinn der Reden kaum, und wo sie ihn verstand, war nichts Auffälliges für sie darin. Roh waren die Sitten und Worte, wohin sie blicken mochte, und ein Mädchen hätte ohne Unterlaß erröten und sich abwenden müssen, wenn sie das Zartgefühl ihres Geschlechtes in dem Maße verfeinerter Bildung späterer Jahrhunderte besessen. Doch sie empfand, daß aus dem Gespräch der Männer eine Gefahr für die Judengaffe heraufzog, die zunächst das Haus des alten Kaleb bedrohte, und das freundliche Knabengesicht stand vor ihr, das von allen mutlosen Zuschauern umher allein in den Rhein hinuntersprang, dessen reißender Strom sie hinuntertrug — das so hübsch lächelte, als er mit dem kleinen, zagenden Mädchen auf den Armen ans Ufer gerudert war und sie nach Haus führte und sich täglich nach dem Befinden der kleinen, von dem Schreck und der Erkältung schwer erkrankten Sybille erkundigte — und sie trat näher an die flüsternden Männer heran und lauschte gespannt hinüber. „Wißt Ihr reicht, wie unsre Altvordern cs gemacht," sagte Graf Honfried jetzt mit einer satanischen Lippenbewcgung, „wenn sie dem Hamstervolk ihre aufgespeicherten Schätze aus dem Nest wegnehmen wollten? Da gingen sie hin und nahmen —" Das Mädchen horchte ängstlich und atemlos. Die Worte wurden so leise gesprochen, daß sie nur noch einzelne Laute vernahm. Sie hörte, wie der Sprecher „Brunnen" sagte, und sah, wie die andern mit zustimmendem Grinsen die Mundwinkel verzogen; von dein quälenden Gedanken erfüllt, mehr zu erfahren, trat sie achtlos immer dichter hinzu, ohne zu bemerken, daß ihr Arm fast die Schultern des jungen Edelmannes streifte. Die beiden Patrizier waren völlig in das Anhören des Plans, den dieser ihnen entwickelte, vertieft und gaben nicht auf die Horchende Acht, aber Honfried wendete sich plötzlich um und rief, die stechenden Augen scharf auf das Mädchen richtend: „Was will die Dirne? Gehört sie einem von Euch? Ihr habt besseren Geschmack als ich glaubte, komm, mein Schah, ich will Dich einstweilen an mich nehmen, bis wir den Goldfink gehascht haben. Sei still, mein Täubchen, sonst beißt Dich der Habicht; Du mußt girren und Dein Schnäbelchen spitzen, daß er nicht zornig wird. Wirst'» schon lernen; wie heißt Du?" Er hatte vornehm nachlässig die Hand ausgestreckt und das sich heftig sträubende Mädchen unter dem Gelächter der Andern gewaltsam an sich gezogen. „Laßt mich los, ich bin keine von Enren Dirnen, ich bin eine Bürgerstochter," sagte Sybille erzürnt. „Laßt mich los," wiederholte sie noch einmal und ihre hübschen Angen funkelten voll Widerwillen m das anmaßliche Gesicht des Edelmannes, „oder nehmt Euch in Acht." Doch Honsried lachte und seine Finger schlossen sich fester um das schmale Handgelenk, an dem er sie gefaßt hielt. „O weh. Täubchen, Du machst so böse Augen, als wolltest Du kratzen," sagte er spöttisch, aber das letzte Wort kam nur halb mehr über seine Lippen, denn die freie Faust des Mädchens fuhr ihm entschlossen gerade ins Gesicht und traf ihn auf die Nase, daß er zurücktaumelte und einen Moment besinnungslos seine Hand nach den Augen bewegend, die ihre los ließ. „Da habt Jhrs," sagte Sybille ruhig, „laßt mich gehen." Die beiden Junker lachten wieder, wie sie vorhin zu den Worten des Grafen gelacht, doch mit unverkennbar befriedigterer Miene, und regten keine Hand, das mutige Thorwartstöchterlein zu bestrafen. „Brav, Mädchen," stammelte Stotterhans, „verdammt brav. Ihr seht aus, wie ein Schwein, Graf Honfried." Das Blut lief dem Edelmanu über die Mundwinkel und er sprudelte es schnaubend mit den Lippen von sich. Die kleine Faust Sybillens war von der Nase abgeglitten und hatte das rechte Auge getroffen, das mißsarbig und blutunterlaufen anschwoll, aber es irrte trotzdem in häßlicher Wut umher und suchte. Dann fand es die Thäterin, die einige Schritte aus den Markt zu gemacht hatte, und Honfried schrie grimmig wie ein Tier aus, riß den Degen aus der Scheide und stürzte auf sie zu. „Halt, halt, Graf Honfried, hütet Euch," rief Kunz Eppstein hinter ihm, „wir sind zu schwach." Doch die blinde Wut des Verfolgers hörte nicht auf ihn. „Verfluchte Bürgerdirn, das bezahlst Du mit Deinem Leben," keuchte er und schwang die Waffe drohend nach dem Kopf des Mädchens, das jetzt erschreckt auf die Leute zulief, die allmählich auf den Vorgang aufmerksam geivorden und von mehreren Seiten dichter herzutraten. Es waren zum Teil ältere, mit ehrsamen, bedächtigen Bürgergesichtern, aber auch jüngere unter ihnen, die ebenfalls nach Sitte und Notdurst der Zeit Waffen an der Seite trugen und mit kampflustigen Augen dem Schauplatz zueilten. Honfried hatte Sybille fast erreicht und sein Degen drohte eben den vollen Nacken des Mädchens, von dem in der Hast des Laufens das Schultertuch herabgefallen war, zu treffen, als ein anderer Stahl aus den seinen klirrte und ihm in unerwartetem Angriff die Waffe fast aus der Hand schlug. „Elender, adliger Bube," sagte der Verteidiger, ein junger, stämmiger Mann mit gutmütig-ernsten Zügen, „willst Du ein hilfloses Mädchen töten?" Der Edelmann starrte wutschäumend in das ruhige Gesicht, das vor ihm austauchte. Wart', Tu gemein ,i» tim 3« w ®*i WsortsttöMndmAul ZtMhans, kommt her tigeti - warte, ich null Tie Patriziersöhne, st kamen unschlüssig un Klingen. ,Schämt ^hr Eu s willen, daß Ihr gem!' Nacht?' sagte ein alte > ,Neckt Eure Waffen; M den Friedensbreck Ursehde geschivoren un Ihr den Gesellen aus Töchter endlich einmal Er sprach es gela sich, ehe Honsried sein ihn geworfen, die W Gelenke des Grafen ki sammengedrückt. .So, Tu bist uns Ledergürtel au mit Tir, und ich blicken." Honsried knirscht Memmen, Wichte," s hervor, die blutrot Tegen in die Scheide legen zusahen.

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