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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-10-02 · 40 (2.10.1896) · p. Seite 671

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
40 (2.10.1896)
Date
1896-10-02
Page
Seite 671 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 40. AUgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 671. *Btt Stimmen Zahlen jeder Richtung l'ii hervor, einen anti:. m Der christliche Schirm rt' hat vorige Woche LeN I 11 Pfund Rindfleisch eia \ W Mann behauptet nun,! Achter gewesen sei; bei | erben wollen. Erfordere^ vehrvereins. Unser aSot= 11 tragsteller entgegen, inb rnutz den Schlächter semitische Gesi t, daß er mich das ein Rosche? let[M|| itismus in der Auflösung!/^ e Anzeichen. Zu Pftgslea M lau drei Glaubensgenosse», fi I Me gethan, und vor drei1§ im antisemitischen Ce'tn!] ier Juden als Erste Und dann, meine getreu, uns dann korporativ >r des Antisemitismus m ß :in deutscher Staatsbiirgn rtcr Juden, sodaß gerade Rischus machen würde/ gänzlichen Umschwung herht gegen und eine Stimme reins. Tie eine Stimme welcher von unserem Adarum für den SchlM. Liese Unterstellung empörte )ie Versammlung bis j® Das größt Sterben. Novelle aus dem deutschen Mittelalter von Wilhelm Jensen. (Fortsetzung.*) Nachdruck untersagt. Der Angeredete warf sich wohlgefällig in die Brust. „Es thut wohl oft not," versetzte er höhnisch, „und Ihr könntet Ihn brauchen, Junker Eppstein, wenn Ihr einmal dazu kämt, andere Thüren aufzusuchen, als die in den Frauenhäusern, die sich von selbst aufthun// Er zog die dünne Oberlippe spöttisch* in die Höhe, daß eine häßliche Zahnreihe aus ihrem falben Blasrot hervorsah, dann blickte er gleichgiltig aus die gekrümmten Schnabelschuhe hinunter, deren Haken nach neuester Mode sich fast bis an die schmalen, in grellen Farben gekleideten Kniee aufbog. Die Zähne des verhöhnten Patriziersohnes knirschten leise, doch er verbiß dem vornehmen Gönner gegenüber seinen Aerger und fuhr schmeichelnd fort: „Ich hörte gestern noch sagen, Gerlinde sei die schönste von allen Christenfrauen in der hilligen Stadt, und der sei zu beneiden, der —" „Bleibt mir mit Eurem Geschwätz vom Leibe," unterbrach Honfried ihn verdrießlich; „eine Schlange ist das dumme Weib, wie ihr Name besagt, und ich habe einen guten Strauß zur Nacht gehabt. Ob's ihr Mann war oder wer sonst, ich weiß es nicht, denn es war rabenfinster in der Kammer und ich weiß nur, daß ich meinen Degen — schther —" Er zog die lange Waffe aus der Scheide und bohrte sie kraftvoll in das Gebälk des Hauses, neben dem er stand, daß die Spitze um mehrere Zolllängen in das Holz eindrang — „ihm so ins Genick gestoßen habe, daß er röchelte und mich los ließ. Dann gab ich dem Weib einen Fanstschlag ins Gesicht, daß sie aufs Bett fiel, und sprang durchs Fenster." Lachend hörten die Patriziersöhne die rohe, prahlerische Erzählung des Edelmannes. „Jedenfalls hat es Euch nicht sehr angestrengt," lallte der Zweite, der bis jetzt nicht geredet, mit unbehilflich stammelnder Zunge; „wer wird nun an die Reihe kommen, oder will der Herr Gras eine Zeitlang die Abwechslung und sich mit unserer Trude oder Elle oder Matze begnügen?" „Ich habe die Christenweiber satt für dies Jahr," versetzte Honfried mit verächtlichem Achselzucken, „es wäre denn" — und er richtete die stechenden Augen boshaft auf den Sprecher — „ich nähme einmal Eure Schwester, Stotterhans, und heiratete sie, d. h. auf Probe, wenn der Handel sich lohnt und der reiche Papa Stockhard die Mitgift aus seinen Krallen herausliefert." Er lachte laut auf und Junker Eppstein that dasselbe, und Hans Stockhard, der Bruder des Mädchens, dessen Ehre der adlige Prahler angetastet hatte, lachte schamlos mit. Er wollte etwas erwidern, doch er brachte stotternd nur den Anfang hervor und jener fiel ihm übellaunig ins Wort: „Geht mir überhaupt mit Eurer hilligen Stadt, wie Ihr in Eurem Krämerdünkel das Nest getauft habt. Ich bin nicht von meiner Burg gekommen, um mich mit Euch zu langweilen, *) Neuhinzutretende Abonnenten erhalten diese Novelle kostenlos nachgeliefert. und Glossen über die Weisheit und den Talar Eurer Ratsherren zu machen. Wenn das Geld mir ausgeht, will ich einmal ein paar von ihnen einsangen und ihnen auf dem Drachenfels Brechpulver eintrichtern, bis sie die Geldrollen von sich geben, mit denen sie ihren Wanst füttern. Bis dahin sind ihre sauertöpfischen Gesichter mir zum Ekel, und ich will lustig sein, und Euch, wie Eure Pfaffen, ins verhärtete Gemüt predigen und sagen: Das Einzige, was in Eurer Stadt heilig ist, nennt Ihr Verstockten unheilig und sperrt es in ein dunkles Loch hinein, daß Eure Augen es nicht sehen. Ich aber will es herausholen und Euch zeigen, damit Ihr Buße thut und die Christenweiber vor Neid zerbersten, und darum sagte ich Euch im Anfang, die Juden stecken wieder dahinter und es lebe die Pest, von der ihr schwatztet, als ob sie Euch am Schopf hätte und der Teufel Eure Galgenseeleu auf dem Bockssuß kollerte." Junker Eppstein schmunzelte pfiffig. „Ihr macht Eure Rechnung ohne den Wirt, Graf," erwiderte er, -„und ohne das Thor, an welchem der alte Jsmaeliter bei Nacht sitzt und keine Maus hineinläßt zu den Goldsäcken Israels und zu den Rabenlockeu Ihrer Töchter. Es hat's schon mancher versucht, aber er ist nicht hineingekommen, und wenn's ihm geglückt, o war's nicht zu seinem Vorteil, denn keiner hat gesehen, daß er wieder herausgekommen." Honfried zuckte geringschätzig die Achsel und schlug klirrend an sein Schwert. „Ich bin wohl aus andern Löchern geschlüpft, als aus den Winkeln im Ghetto," sagte er, verächtlich aus seine beiden Genossen herunterblickend, „aber cs lohnte sich nicht der Mühe, mit Euch Schwachköpfen davon zu reden, wenn ich nicht einen Schlüssel für das Thor hätte, und ein Licht für Eure Furcht, das sicher ist. Wollt Ihr mit mir teilen, so ist's gut, wollt Ihr nicht, so gehe ich ohne Euch. Ihr seid Krämer und ich bin ein Ritter — wollt Ihr das Gold des alten Kaleb, so nehme ich seine Tochter, die schöne Tamar, die ich neulich gesehn und ich schwöre Euch beim Schutzpatron meines Geschlechts, Gerlinde ist eine Dohle gegen sie, und Eure Schwester, Stotterhans, eine Nachteule." Die beiden Junker horchten mit gierigen Blicken; die Schmähworte und Beschimpfungen, mit denen der hochmütige Edelmann sie behandelte, glitten an ihrem Ohr vorbei und ihr Denken spann sich um den geheimnisvollen Plan, den jener vor ihnen aufgerollt. Gewalt jeder Art war an der Tagesordnung, in Cölln, wie im ganzen deutschen Reich; der Mächtige besaß das Recht, wenn die List ihm nicht wehrte, oder der Stärkere kam und ihm die errungene Beute wieder entriß. Schutzlos war der Einzelne überall, wo er nicht einem Stand, einer Innung, einem Geschlecht angehörte, die sich dem ihm zugesügten Unrecht als einer Befehdung der ganzen Bürgerschaft widcrsetzten, und Gewalt mit Gewalt vertrieben. Die Stadtmauern umschlossen eine Trutzgenossenschaft gegen die Raubburgen des Rittertums, die jene umlagerten, doch innerhalb derselben kämpfte der Patrizier mit dem Gewerk, eine Zunft wider die andere, mit althergebrachtem feindseligem Haffe Geschlecht gegen Geschlecht. Vor allem standen die Christen wider die Juden, die sie um der reichen Abgaben willen, welche sie dem Stadtsäckel eintrugen, in abgeschlossenem

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