Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 40 (2.10.1896)
- Date
- 1896-10-02
- Page
- Seite 670 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 670. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. 9k. 40. Berlin schicken will — ich schreibe Ihnen noch darüber! — nachdem also die eine Witwe verstorben, die andere verzogen ist, zählen wir hier neun Familien. Meine Familie ist die zehnte. Unser Vorsteher, mit welchem ich mich wegen meiner Mitarbeit an Ihrem Blatte entzweit habe, nennt meine Familie die letzte der Eßer Makkos (10 ägyptischen Plagen) und meine Frau nennt ihn die erste Makko der Khille — ich schreibe Ihnen noch darüber! Aber wir sind die mustergiltigste Gemeinde in Deutschland; wir sind so mustergiltig, daß viele Gemeinden sich uns zum Vorbilde genommen haben. Warum also fehlt Krähwinkel aufJhrer Gemeindelandkarte? JmJnteresseJhres Blattes, das hier bald einen Freiabonnenten haben wird, ersuche ich Sie, in der nächsten Nr. an erster Stelle das folgende Gemeindebild zu bringen: * * * Krähwinkel wie es leibt und lebt. I). D- Krähwinkel, 25. September. Mit den Schwalben ziehen beim Nahen des Herbstes auch unsere Balebattim heimwärts. Die Schwalben sind trefene Vögel und richten sich nach dem christlichen Kalender; unsere Balebattim aber sind koschere Juden und leben nach dem jüdischen Luach. Der erste Schofarton am Rosch-Chodesch Elul ist für sie der Hahnenschrei, der sie aus dem Schlummer des Hausiererlebens weckt; der sie erinnert, daß sie sich zur Heimreise rüsten müssen. Acht Tage vor Rosch haschana, wo sie auch daheim S'liches sagen können, sind sie alle vollzählig zu Hause angelangt und tauschen jetzt ihre Erlebnisse und Produkte, die sie unterwegs eingehandelt haben, aus. Aber auch das jüdische Gemeindeleben wird nicht vernachlässigt; es ist in diesen Tagen so rege, wie bei Ihnen in Berlin kurz vor den Repräsentantenwahlen. Vorgestern ist zwischen Mincha und Maariw in unserer Frauenschul eine Versammlung abgehalten worden, die den besten Beweis liefert, daß auch bei uns das jüdische Leben eine höhere Richtung anznnehmen beginnt. Wir haben sogar jetzt verschiedene Parteien in unserer Khille, die einander bekämpfen. Erstens die Reformpartei. Sie besteht aus zwei Hausierern, welche Westfalen bereisen. Sie fordern Reformen, besonders solche Reformen, die nichts kosten. Das neue westfälische Gebetbuch wollen sie einsühren, wenn die alten Gebetbücher in Zahlung angenonpnen werden — ohne Nachzahlung. Den Sabbat möchten sie auf Sonntag verlegen, wenn man ihnen gestattet, während des ganzen Sonntags ihren Handel zu treiben. „Denn" — sagte der ältere Wortführer — „man kann doch nicht von uns verlangen, daß wir den Sonntag heiliger halten sollen, als den Schabbes; und am Schabbes handeln wir." Nur waren sich beide Reformer nicht einig darüber, was am Sonnabend-Abend gebetet werden soll, ob Ledowid bornch oder Lecho dodi. Sie beschlossen von Dr. Vogelstein in Stettin und Dr. Klemperer in Berlin eine gutachtliche Aeußernng einznfordern. Jnbezug aus Jour Kippur wurde von dem jüngeren Wortführer ein sensationeller Vorschlag gemacht: Das Fasten in dem Sinne der Bibel sei nicht mehr zeitgemäß. Um dem Bibelworte, das ein 24stündiges Fasten vorschreibt, gerecht zu werden, solle man die 24 Stunden cutf 24 Tage verteilen und an jedenl Tage eine Stunde fasten. Dieser Vorschlag wurde mit sieben gegen zwei Stimmen abgelehnt, weil ein Redner an der Hand von Zahlen nachgewiesen hat, daß das Fasten eines ganzen Tages nach jeder Richtung hin billiger sei. Große Bewegung rief ein Antrag hervor, einen antiantisemitischen Verein zu begründen. Der christliche Schlächter, welcher hier das Koscherfleisch liefert, hat vorige Woche der Frau des Antragstellers unter zwei Pfund Rindfleisch ein halbes Pfund Knochen gegeben. Ihr Mann behauptet nun, daß das purer Rischus vom Schlächter gewesen sei; der Schlächter habe ihm den Jontef verderben wollen. Er fordere darum die Begründung eines Abwehrvereins. Unser Vorsteher trat in längerer Rede dem Antragsteller entgegen, indem er etwa folgendes aussührte: „Ich muß den Schlächter in Schutz nehmen; ihm liegt jede antisemitische Gesinnung fern; der Mann ist mit mir so befreundet, daß er mich sogar duzt und beim Vornamen nennt. Thut das ein Rosche? Aber auch im allgemeinen ist der Antisemitismus in der Auflösung begriffen. Dafür sprechen verschiedene Anzeichen. Zu Pfingsten haben auf dem Schützenfest in Argenan drei Glaubensgenossen, namens Levin,*) die drei besten Schüsse gethan, und vor drei Wochen haben in Oesterreich, — im antisemitischen Oesterreich!! — beim Wettschwimmen vier Juden als Erste das Ziel erreicht — ist das Rischus? Und dann, meine Herren, welchem Abwehrverein sollen wir uns dann korporativ anschließen? Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus ist uns zu teuer, und der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens besteht aus lauter Juden, sodaß gerade unser Anschluß an diesen Verein Rischus machen würde." Diese Ausführungen führten einen gänzlichen Umschwung herbei; bei der Abstimmung waren acht gegen und eine Stimme für die, Bildung eines Abwehrvereins. Die eine Stimme rührte von dem Antragsteller her, welcher von unserem Vorsteher behauptete, er spreche nur darum für den Schlächter, weil er von ihm die Felle kaufe. Diese Unterstellung empörte den Vorsitzenden so sehr, daß er die Versammlung bis zum nächsten Jahre vertagte. * * * Soweit mein Gemeindebild. Und nun etwas privatissime. Ich habe neulich zwei Probenummern eines andern jüdischen Blattes erhalten und dort zwei Korrespondenzen gefunden, die ich schon einmal in Ihrem Blatte gelesen habe. Die eine betraf die Versetzung eines Kultusbeamten und war einige Jahre, die andere behandelte die Nichtbestätigung eines jüdischen Stadtrats in Bromberg und war einige Monate alt. Gegen angemessenes Honorar, dessen Höhe Sie mir postwendend mitteilen wollen, erkläre ich mich bereit. Ihnen noch ältere Nachrichten zu schicken, damit Sie Ihre Mitbewerber aus dem Felde schlagen — ich schreibe Ihnen noch darüber! *) Das sind wohl keine Verwandten von Ihnen, denn Sie schießen manchmal über das Ziel hinaus — ich schreibe Ihnen noch darüber! Dalles. aus dem deutsch Tn Angeredete wc * I thut wohl oft no könntet Ihn brauchen, , dazu kämt, andere^ Th ., Frauenhäusern, die sich r - Er zog die dünne l me häßliche Zahnreihe - dann Me er gleichgiltij hinunter, deren Haken i die schmalen, in grelle Tie Zahne des verhöh' dach er verbiß dem v Arger und fuhr schmeic „Ich hörte gestern ' non allen Christenfraue zu beneiden, der —" „Bleibt mir mit < - brach Hvnfried ihn »■ dumme Weib, wie ihi .' guten Strauß zur Nach ■•7 um sonst, ich weiß < der Kammer und ich 4 schlher-"Erzogdiela bie Spitze um mehrere .ihm so ins Genick ge Ä los ließ. Tann gab Acht, daß sie aufs!?!' Lachend hörten bii jj1 Wung des Edelmc 5! sebr angestrengt," lallt ß mit unbehilflich :j die Reihe kommen, m Abwechslung und