Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 40 (2.10.1896)
- Date
- 1896-10-02
- Page
- Seite 668 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 668 Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 40. — Der Zickzackkurs in Rußland. Trotz der neuen Aera, welche den Juden zu winken scheint, geschehen im Zarenreiche Dinge, denen gegenüber aller europäische Antisemitismus fast als Kinderspiel zu bezeichnen ist. Solange einzelne Volksschichten gegen einander aufgereizt iverden und sich gegenseitig bekämpfen, mag wohl der Anblick ein betrübender sein, aber immerhin rechnet man in letzter Instanz auf den Schutz des Gesetzes, der schließlich unter einer gerechten Regierung allen Bürgern des Landes in gleichem Maße zuteil wird. Wie aber nun, wenn der Druck von „Oben" ausgeht und auszugehen nicht aushört, wenn den jüdischen Kindern der Weg zur Bildung versperrt wird, die Möglichkeit benommen, zum Kampfe ums Dasein das gleiche Rüstzeug, wie ihre Gegner, zu verschaffen? Als Beweis dessen, daß solches in Rußland ohne Unterlaß geschieht, mögen folgende Thatsachen dienen: Auf Grund eines Befehls vom Ministerium der Aufklärung in Petersburg, sind Juden von der Ausnahme in die neugegründete Handelsschule in Warschau vollkommen ausgeschlossen. Die Besitzer einer Pferdebahnlinie, welche Warschau mit dem Vororte Mokotüw verbindet, ersuchten, man möge ihnen gestatten, ihre Kompagnie in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln. Die Entscheidung erfolgte in günstigem Sinne, mit der Bedingung jedoch, daß kein Jude Besitzer einer Aktie werden dürfe. - In Moskau wiederum ist jetzt eine neue technische Schule gegründet worden. Wem wird, laut Verordnung des Ministeriums, die Aufnahme in dieselbe verweigert? Jungen Leuten schwächlicher Gesundheit und — Juden! Feuilleton. Der erste Kibclms. (Religiöse Betrachtung zum Wochenabschnitt.) Wer kann wissen, wie viele Generationen aufeinander gefolgt sein mochten, bis die kurze Sentenz: „Eereachir bara Elohim“ dem Menschen zum Verständnis gekommen war. Der erste Gedankenkeim zu dieser Sentenz war wohl die von Schrecken geweckte Vorstellung einer waltenden übermenschlichen Kraft. Der brausende Wind, der tobende Sturm, der krachende Donner, der Himmel beleuchtende Blitz, das schreckliche Erdbeben, die tosenden Meereswellen, vor allem der grausige Tod verkörperten sich in ihren Eindrücken zu Vorstellungen, zu Gottheiten (Elohim — Götter.) 700 Millionen Heiden stehen heute noch auf dem Standpunkte dieser Vorstellung und bleiben gleich vor diesem Worte des ersten Verses der heiligen Schrift stehen. Welch ein Gewimmel von Göttern, zahllos, vernunftlos und sittenlos, sind indessen der Phantasie entsprungen oder erschaffen worden; „Elohim" ist das einzige Wort in diesem Verse, das dem Heiden annehmbar ist. Die Heiden können gleich das erste Wort der heiligen Schrift nicht annehmen; denn „im Anfang" wurden nach ihrer Meinung die Götter geschaffen. Die Thoras der heidnischen Welt beginnen nicht mit der Kosmogonie, mit der Geschichte der Weltschöpfung, sondern mit der Lehre über die Götterschöpfung: wie ein Gott den andern geboren. Wie viele Generationen mögen nach diesem wieder dahingegangen sein, bis im Menschen das Nachdenken erwachte, das zu Betrachtlmgen des Entstehens des Einzelnen und dann des Ganzen der Dinge führte — bis zu dem Worte bara. Auch dieses Wort geht über die Vorstellung der Heiden hinaus. Der Heide würde sagen bar'u — sie schufen. Der Heide konnte überhaupt nicht einmal bara sprechen; bara bedeutet eine Schöpfung aus nichts. Diese Kraft traut aber der Heide seinen Göttern nicht zu, er läßt sie nur dem ewigen Stoff neue Gestalt geben. Diese drei ersten Worte unserer Thora: Bereschit bara Elohim, die eine wahre Revolution in der Gedankenwelt ausdrücken, sind durch Israel in die Menschheit eingesührt worden und haben heute noch nicht weiter Wurzel gefaßt als auf dem Boden Israels und seiner Tochter-Religionen. Wie lange mag es ferner gewährt haben, bis der menschliche Geist stark genug war und Sammlung genug hatte, um die Mannigfaltigkeit der Schöpfung wenigstens in zwei Begriffe zusammcnzufassen und in zwei Wörtern, Schamajim waarez, Ausdruck zu geben: „Himmel und Erde" als ein Ganzes. Nachdem die Errungenschaft des Geistes in den ersten Vers der Thora niedergelegt war, wird dieser nun Tausende von Jahren wiederholt rezitiert. Ist aber seitdem Unvollständiges daran nicht vervollständigt und Mißverstandenes nicht berichtigt worden? Die göttlichen Wahrheiten können nie klar genug geschaut werden, und was unklar geschaut wird, kann nicht einmal unklar, w i e es geschaut wird, in Worten wieder gegeben werden, da wir fürs Göttliche nur eine menschliche Ausdrucksweise haben. So auch gleich mit dem ersten Verse der heiligen Schrift in unserem Texte. Aus dem „Elohim", das ist das Znsammenfassen aller in den Göttern zerstreut gedachten, blinden, herzlosen Naturkräfte, wurde ein „Adonai" ein einziger Schöpfer, Erhalter der Welt und Regierer der menschlichen Schicksale, ohne Anfang und ohne Ende, ein allmächtiger gerechter und dabei gütiger Gott, ein Gott der Vorsehung, ein fürsorglicher Vater, ein heiliges, von allen Schwächen und Leidenschaften freies, intelligentes, höchstes Wesen, das für sich keinen Dienst will, und nur verlangt, daß man das Licht seiner Wahrheit pflege und in der Tugend lebe. Soweit ist im Laufe weiterer Zeit die unvollständige Bezeichnung Gottheit mit Elohim durch Adonai vervollständigt, aber auch Mißverstandenes berichtigt worden. An dem Worte Schamajim — Himmel hat sich die Jesaianische Prophezeiung erfüllt: „Die Himmel sind wie Rauch verschwunden." Einen Himmel nach der Vorstellung der Alten giebt es für uns nicht mehr, nicht einen, noch weniger sieben. Es war seiner Zeit eine große Errungenschaft des Geistes, alles Geschaffene auf zwei Begriffe zurückzuführen. Jur Laufe der Zeiten umfaßt der Geist die ganze Schöpfung in einem Begriffe und hat dafür nur ein Wort: Universum, oder das noch umsasselldere: Kosmos. Wenn wir unser Auge zu dem herrlichen Blau, das die alten „Himmel" nannten, erheben, werden wir doch nicht minder von ehrsurchtvollem Staunen hingerissen, und unsere Seele zur freudigen Andacht gestimmt, indem wir an den Schöpfer dieser Herrlichkeit denken, dieses Aethers, der in dunkler Nacht mit zahllosen leuchtenden Welten in unsäglicher Pracht erglänzt und in dem unsere Erde wie eine Feder schwebt. Ja, diese Bläue weckt in uns, wie in den Alten, Empfindungen der Andacht und der Verehrung des Weltenmeisters, wenn diese Bläue uns auch kein festes Gewölbe mehr ist, die bessere Hälfte der Schöpfung eine dir. 41). Wohnung hohler Sterblichen wallend, > Kleid des Körpers trä, dag Himmelsgewölbe Sternen nicht bIo§ : Weltkörper, gegen die scheint hoch über dem in ewiger Ordnung i! und so das Lob ihres Weisheit und Allmao Wir sind weit er lich gegebenen Worte wollen, oder auch nu ewiglich, aber das V majim" bedeutet uns vermögen liegt, das I Herz ahnt, ilnausspr gehört der Erde, sein seine Ideenwelt, bi Genuß hinausgehl: i Weit, der Glaube i besserer Erkenntnis si zu leben und zu wir was man braucht, ij Verhältnisse» mit ( werben, und sich ei daß Ehrlichkeit und das ist himmlisch, irdisch: aber in Liel wit einander zu le! wenn es auch täglich guten Tagen, in gu himmlisch. iLater u allen Kräften, mit a! sandern mit allem Pfaden der Tugend wacher des Hauses r ländern mit dem Be!at° Mensche,, aus M) und sein eigene^ 5“ versagen, f «H sich önjuf iu lorgen, um ande'?fs°n Umständen lchen, damit andere if( '"'»«■(«»ins Zeigenden Mlchwanken - L'W°»l,ch. «r« t« Ä:1 wickeln , ersten lu»Ö §er