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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-10-02 · 40 (2.10.1896) · p. Seite 667

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
40 (2.10.1896)
Date
1896-10-02
Page
Seite 667 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 40. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 667. feigentliche» G, Eungsorgane in bem= Hetf)t noch sehr öiel ju b!e Zusammensetzung b« Cytnc gedeihliche AM 1 Jen Teile scheinen bir -rden; sehr oft sieht M ohu dem Vater folgen, >it der Ehrenjägerei en Agitationskraft, , vertrauenswürdige ,er Spitze der Gemeinde' ist wohl der Konflikt bn außen begreiflich und nur lech Proteste, Beschwerden iufigen Anlässen muß m Auseinandersetzungen > Augenblicklich denke ich ^Präsidenten der Provin; ) darüber stritten, die Haphtara vortragen ntantenkollegium oder inzel-Verwaltungskomniis' \ in Form beliebigen An Im ganz» rgensivert. nachdem es in stellungen, welche Glaubensgenossen in säst jeder Gemeinde einnehmen. Sie sind Kreistagsmitglieder, Kreisausschußmitgliedcr, Magistratsmitglieder, Stadtverordnete, Schiedsmänner, Schössen, Geschworene rc. rc. Der Jnde hat hier zu Lande nicht nötig, sich in die christliche Gesellschaft zu drängen; wenn seine Befähigung erkannt ist, wird er in das betreffende Amt gewählt. Die christliche Bevölkerung hat zu ihm das Vertrauen, das er verdient und er rechtfertigt es in vollstem Maße. Beide Teile greifen eben ineinander zu Nutz und Frommen des Einzelnen wie der Gesamtheit. U)ochen-(Ohronik. Berlin, t. Oktober. — Prozeß Sedlatzck. Herr Karl Sedlatzck ist ein berühmter Manlr und das von ihm mit der Schere redigierte Organ ein berühmtes Blatt worden; säst keine Woche vergeht, ohne daß er und es genannt werden, und zwar immer im Zusammenhang mit irgend einer Gerichtsverhandlung und dem Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Ob der „Judengott" beschimpft werden dürfe, darüber wird erst am 20. Oktober befunden werden; ob man aber vor jüdischen Schlächterläden warnen darf, hierüber ist in der vorigen Woche entschieden worden. Der genannte Herr hat in seinem nicht genannten Blatt einen seit zwei Jahren toten Prozeß gegen einen jüdischen Schlächter in Ostfriesland exhumiert und hieran die Warnung geknüpft, Fleisch ans „Judenläden" zu genießen. Auf den Strafantrag des „Zentralvereins" wurde wider Sedlatzek eine Strafe von 90 Mark wegen groben Unfugs festgesetzt. S. beantragte richterliche Entscheidung und erzielte einen Freispruch. In dem Erkenntnis wurde ausgeführt: Es sei anzunehmeu, daß der Leserkreis eines Blattes sich im wesentlichen auf Gesinnungsgenossen des Angeschuldigten beschränke und diese würden durch die in dem Artikel gemachten Mitteilungen nicht beunruhigt. Außerdem könne man angesichts der erwiesenen Thatsachen die betreffende Warnung nicht für unberechtigt halten. — Ter Prozeß in Ostfriesland war nämlich s. Z. zu Ungunsten der angcklagten jüdischen Schlächter ausgefallen, weil Zeugen unter ihrem Eide ausgesagt hatten, sie hätten gesehen, wie die Schlächter nichtkoscheres Fleisch in ekelerregender Weise besudelt haben. Wir hielten und halten eine derartige That seitens der Schlächter für ausgeschlossen, allein das Urteil, wie es aufgrund von Zeugenaussagen gefällt wurde, liegt nun einmal vor, und cs war vorauszusehen, daß Sedlatzck, gestützt auf dieses Urteil, den Wahrheitsbeweis antreten und seine Freisprechung erzielen werde. Merkwürdig ist es allerdings, daß der „Zentralverein", in dessen Vorstand Juristen sitzen, dies nicht gewußt und den Strafantrag gestellt hat. — Eine beherzigenswerte Belehrung erteilen die, wie bekannt wenig judenfreundlichen „Grenzboten" den Antisemiten, die sich stets überdas „jüdische" Kapital aufregen, aber das „christliche" ungeschoren lassen wollen. Es heißt da: „Unser ganzer Gesellschastszustand hat ein ungeheuer mobiles Kapital, Papierkapital, fiktives Kapital zur Voraussetzung. Der Kaufmann, der Fabrikbesitzer, der Großgrundbesitzer, ja auch der Handwerker und der Bauer, sie alle arbeiten damit, und wenn sie noch so wütend über das mobile Kapital schimpfen, so meinen sie im Grunde genommen weiter nichts, als daß sie mehr davon haben und weniger Zinsen dafür bezahlen wollen, während sie gar nichts dagegen haben, wenn ihnen das Geld, das sie selbst ausleihen, hohe Zinsen bringt. Und ruht nicht die Militärmacht, damit aber die ganze Staatsverfassung Europas auf diesem Kapital? Wie wären die europäischen Kriege und der bewaffnete Friede möglich ohne die enormen Staatsschulden? Will aber irgend eine Partei, außer der sozialdemokratischen, eine Aenderung dieses Zustandes? Bewahre! Alles, was nicht Sozialdemokrat ist, geizt nach dem Ruhme, zu den Staatserhaltenden gerechnet zu werden. Will man aber den Zweck, so muß man auch die Mittel wollen. Das mobile Kapital ist nicht denkbar ohne einen Stand von Geldleuten, an denen natürlich von dem Goldregen, den sie in Gesäßen sammeln und verteilen, ein Erkleckliches hängen bleibt. Wer die Börsenjuden nicht will, der mag den Ernst seines Willens dadurch beweisen, daß er gegen das Militärbudget stimmt und die Aufhebung aller Kreditinstitute fordert. Will man das aber nicht, so ist es doch ziemlich gleichgiltig, ob der Finanzmann Bleichröder heißt und ein Jude ist, oder ein Christ namens Hansemann." — Das ist ganz vernünftig, wird aber eben deshalb von den Antisemiten nicht acceptiert werden. Nicht Einsicht in den Zusammenhang der Dinge, sondern Neid ist die Triebfeder ihres Handelns. Ta ist alles Vernunftpredigen umsonst! — Auch ein „Ritualmord". In Balassa-Gyarmat verbreitete sich am jüngsten Versöhnungstage eine Schauermär, welche anfangs wohl Aufsehen, später aber allgemeine Heiterkeit erregte. Der Tischlermeister Julius Paczolay erstattete nämlich Donnerstag Abend dem Stadthauptmann die Anzeige, er habe nachmittags seinen Lehrling, Josef Zsingor, einen Burschen von 14 Jahren, behufs Einkaufs von Kleinigkeiten in einen Laden gesendet; der Bursche sei aber erst am Abend nach Hause gekommen, weil ihn ein alter Jude in den Tempel lockte und zwar unter dem Vorwände, der Junge werde dort etwas zu reparieren haben, worüber der Jude mit Paczolay bereits früher gesprochen habe. In den Tempel gelangt, hätten vier andere Juden dem Burschen die Schürze und den Rock abgenommen und ihn selbst in eine Kiste gelegt, in welcher sich bereits zwei andere Kinder befanden, von denen das eine 6, das andere 8 Jahre alt sein mochte. Dem Burschen sei sonst kein Leid geschehen. Der Stadthauptmann berief für den folgenden Tag sowohl Paczolay, als auch den Burschen und die beiden Tempeldiener, von denen der eine ein Christ ist. Paczolay, beziehungsweise der Lehrling hielten ihre Beschuldigung aufrecht, die beiden Tempeldiener erklärten jedoch, daß im Tempel eine solche Kiste sich gar nicht befinde. Zsingor gestand nun, daß er gar nicht im Tempel gewesen, er habe die ganze Geschichte blos erfunden, weil er die 10 Kreuzer, die ihm sein Meister zum Einkäufe gegeben, auf der Straße verloren habe und deshalb bestraft zu werden fürchtete. Der Oberstuhlrichter hat die Untersuchung eingeleitet in der Richtung, ob nicht Paczolay oder ein anderer den Lehrburschen veranlaßten, das Märchen zu verbreiten.

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