Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 40 (2.10.1896)
- Date
- 1896-10-02
- Page
- Seite 663 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 40. Nr. 40. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 663. --'ahlen ist M wie ei ch _oq§ weniger rote als. auf deren anderer Lein , die uns erheben und das >e Mdern, das durch L M gegebene Versprecher ach den Vorwurf einei zaudern, und begründe», ß dargelegt werden. adfrage.) :ri§. ergänze?" jiag.“ unzweifelhaft. Wuchs, die schmk een Juden so hack „-Eigentümlichkeit treten noch zu zck f eine ansgezeichmi! cd fernsten Ahe" g ist offenbar ei» auch, daß unter die auf Erschöpf;rbte Verlangsam^ in der Zelle jutöi ^»cnübel aller A anzen i ch zur Gentz Bitia rcn ihre n so [ übstbemck cicht geü Acker zurückkehrt. Ohne diese Antäus-Kur verfällt es unrettbar dem Siechtum. Die körperliche Erscheinung der Juden und ihre besondere Pathologie sind nicht die einzigen Anzeichen ihres Niederganges. Ihre Gesinnungen bezeugen diesen noch deutlicher. Die Juden, oder doch sehr viele unter ihnen, haben das Selbstbeivnßtsein und die Selbstachtung verloren. Es ist der größte Triumph des Antisemitismus, daß er sogar die Juden dahin gebracht hat, sich selbst mit antisemitischen Augen zu betrachten. Die Juden empfinden sich selbst als Parias. Alles, was am Juden typisch ist und ihn als Juden kennzeichnet, wird von den Juden selbst lächerlich oder abstoßend gefunden. Sie sprechen von der „Judensratze", der „Judennase", dem „krausen Judenhaar", wie nur der rechtgläubigste Antisemit es irgend thun kann. Sie schämen sich, einen jüdischen Gesichtsschnitt, einen jüdischen Tonsall zu haben, durch irgend einen Zug ihr Judentum zu verraten. Sie haben kein Gefühl für die Selbstdemütigung, für die verächtliche Selbstaufgabe, die darin liegt, wenn sie sich rühmen: „Mir sieht, mir hört man den Juden gewiß nicht an; ich sehe doch gar nicht jüdisch aus." In der Regel ist dies ja allerdings thörichte Selbsttäuschung. Das einigermaßen geübte, besonders das anthropologisch geschulte Auge täuscht sich über die Stammesangehörigkeit eines Vollblutjuden kaum jemals. Aber daß die Juden ihre Eitelkeit darein setzen, nicht als Juden erkannt zu werden, ist das ausdrucksvollste Anzeichen des Vermorschens jener Zähigkeit, mit der sie bisher an ihrer Eigenart festgehalten haben. Es ist Mimicry, wenn die Juden ihren christlichen Nachbarn äußerlich ähnlich zu werden suchen, und Mimicry ist immerhin noch eine Kundgebung von Lebenskraft, da sie eine besondere Form der Anpassung darstellt und nur.lebenskrästige Wesen sich anzupassen vermögen. Aber es sind nur die schwächsten, widerstandsunsähigsten Arten, die in Mimicry ihr letztes Heil, die Rettung vor dem Untergange suchen. Ein weiteres Anzeichen des Niederganges ist die immer häufiger werdende Flucht aus dem Judentum. Nicht nur die Streber, die eine amtliche Laufbahn einschlagen und sich von ihrem Uebertritt zum Christentum Förderung versprechen, beeilen sich, ihren Stamm zu verleugnen, auch Unabhängige sagen sich von ihm los, weil sie nichts mehr für ihn empfinden, ihn für tot oder todeswürdig halten und ehrlich glauben, daß sie ein gutes Werk thun, wenn sie durch ihren persönlichen Abfall den Auflösungsprozeß beschleunigen, durch den das Judentum ihrer Meinung nach in die übrigen Völker verschwinden wird und soll. Unter allen Juden, die in den letzten 30 bis 40 Jahren auf irgend einem Gebiete, in der Wissenschaft, dem Schrifttum, der Kunst, der Politik, Ruhm oder auch nur Anerkennung erlangt haben, ist nach meiner Schätzung wohl kaum ein Fünftel dem Judentum treu geblieben, und soweit diese erfolgreichen Juden bereits Nachkommen haben, sind sie auffallend eifrige Christen, zum Teil auch Antisemiten, und fühlen es als Beleidigung, ivenn man sie an ihre jüdische Abkunft erinnert. Mau kann sagen: das Judentum erleidet gegenwärtig einen Vorgang, der einer Verdampfung des Geistes und Eindickung des Charakters gleichkommt. Die Klugen, die Geistvollen, die Begabten unter den Juden, die aber nur diese Geistesfähigkeiten und nicht auch entsprechende Charaktereigenschaften besitzen, wenden ihrem Stamme den Rücken; nur die bleiben zurück, die entweder zu stumpf sind, um die Verfolgung und Beschimpfung schmerzlich wahrzunehmen, oder die charakterfest bis zur Hartnäckigkeit sind und der heftigeren Feindschaft starreren Trotz entgegensetzen. Wenn diese doppelte Auslese noch ein oder zwei Menschenalter dauert, so wird das dann übrig bleibende Judentum voraussichtlich eine Sammlung geistig wenig bedeutender, vielleicht geradezu beschränkter, aber unbeugsam eigensinniger, jeder äußern Einwirkung unzugänglicher Menschen sein, und ob solche Wesen noch das Maß von Anpassungsfähigkeit besitzen, das zur Selbsterhaltung inmitten zahlreicherer und stärkerer Gegner unentbehrlich ist, das scheint mir fraglich. „Welche Mittel können den etwaigen Niedergang aufhalten?" fragen Sie weiter. Das erste und wichtigste scheint mir die Zurückführung des jüdischen Stammes zur Landwirtschaft zu sein. Möglichst viele Juden müssen wieder Bauern, Winzer, Gärtner werden. Sie müssen wieder den Pflugsterz anfassen lernen. Das Leben in der Natur wird ihren Leib erneuern, der sichere Besitz der Scholle ihr Selbstgefühl ausrichten, das Schauspiel ihrer von keinem Verleumder wegzuleuguenden fruchtbaren Arbeit die besseren und verständigeren unter ihren Feinden versöhnen. Aber wir können nicht warten, bis diese vielleicht Jahrhunderte erfordernde Umwälzung vollzogen ist. Ehe die Handhabung des Ackergeräts dem Juden auf natürliche Weise sein verloren gegangenes Selbstgefühl wiedergegeben hat, muß dieses in ihm mit den Mitteln der Erziehung geweckt werden. Der Jude muß wieder leruen, sich seines Judentunls als einer geschichtlichen Auszeichnung, als eines Adels bewußt zu werden. Es ist eine unerhörte Thorheit und Schmach, daß wir zu unserer Selbstbewertuug das Wertmaß unserer Todfeinde annehmen und uns als Schmarotzer, Ungeziefer u. s. w. betrachten, weil die Antisemiten uns als das bezeichnen. Als König Philipp II. die Niederländer Gueusen oder Lumpe nannte, da nahmen sie diese Benennung mit verachtender Ueberlegenheit selbst an und machten aus dem Schimpfwort einen Ehrentitel. Wir aber sind so weit gekommen, daß wir unfern richtigen Namen „Jude" als Beleidigung empfinden, weil es unseren Feinden beliebt, ihn mit Geringschätzung und Bosheit auszusprechen! Der sicherste Weg, um zu einer Aufrichtung des jüdischen Selbstbewußtseins zu gelangen, scheint mir die Pflege der jüdischen Stammesgeschichte zu sein. Auf allen Stufen des Unterrichts, von der Volksschule bis zur Hochschule, soll das Heranwachsende jüdische Geschlecht, namentlich auch das weibliche, mit der Vergangenheit seines Stammes bekannt gemacht werden, mit seinen Kämpfen, seinen Leiden, seiner Blutzeugenschaft, seinen Idealen. Kein Nichtjude hat noch den überwältigenden Einwirkungen dieser großartigen Folge von Tragödien des Heldenmuts, der Seelengröße, des Feingefühls widerstehen können; der Jude wird sich an ihnen doch wohl nicht weniger erbauen. Aus der Beschäftigung mit der Geschichte des Judentums schöpft selbst der Judenfeind Achtung vor diesem. Es ist sträflich, dieses Mittel der Heranzüchtung würdiger und stolzer Juden nicht aufs eifrigste anzuwenden.