Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 40 (2.10.1896)
- Date
- 1896-10-02
- Page
- Seite 662 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 662. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 40. , : 5 *S-.- •« ■ ■ vorigen Jahres stattgehabten Repräsentantenwahl. Wenn es gestattet wäre, ein Bild aus unserem synagogalen Leben zu gebrauchen, so würden wir sagen, die Zeit vom November vorigen bis zum November dieses Jahres gleicht nicht dem eben beschlossenen Feste, in welchem das Schemini Azeret ein (Jom-tow biph’ne azmo) „Fest für sich allein" bildet, unabhängig von dem voraufgegangenen Sukkotseste, sondern gleicht vielmehr den: Peßachfestcyklus, in welchem die Feier des siebenten Tages den Kulminationspunkt des ganzen Festes darstellt. Die Befreiung Israels wäre wertlos worden, hätte es vor den Fluten des „Roten Meeres" Halt machen müssen, denn jenseits der Fluten lag der Sinai, an dessen Saume die geistige Befreiung des Volkes vollzogen wurde. Um was haben wir in Berlin vor einem Jahre heftig gekämpft und hart gerungen — um was und für wen? Etwa damit alte Namen durch neue ersetzt werden, neue Männer den Gemeindekarren im alten Geleise leiten? Nein, in Wort und Schrift, in langen Reden und kurzen Aufsätzen wurde ein knappes und klares Thema variiert, das Thema: „Fort mit dem System, von dem alle Zweige der Gemeindeverwaltung infiziert sind!" Ein System ohne Träger ist ein wesenloses Ding; von energischen und einflußreichen Männern vertreten, gewinnt es Form und Gehalt und wird leicht zur Gefahr für alles und alle, die von ihm betroffen sind. In dem siebengliedrigen Vorstande unserer Gemeinde sind es drei Männer, die auf das in der letzten Repräsentantenwahl bekämpfte Berliner Verwaltungssystem eingeschworen sind. Dieses Triumvirat bildet eine geschloffene Phalanx, die zu durchbrechen dem Repräsentantenkollegium ebenso unmöglich sein wird, wie etwa einem neuen, der Opposition zugehörigen Mitglieds des Vorstandskollegiums. Das war allen bekannt, die im vorigen Jahre die Propaganda für die Repräsentantenwahlen geleitet; das kann keinem unbekannt sein, der sich in das Repräsentantenkollegium hatte wählen lassen. Das Ziel der Propaganda und der Zweck der Repräsentantenwahlen im November vorigen Jahres, sie gingen über den Wahltag hinaus, sie sind in der im November dieses Jahres zu vollziehenden Vorstandswahl zu erblicken. Auch das ist allen bekannt, die die Propaganda für die Repräsentantenwahlen geleitet, auch das kann keinem unbekannt sein, der sich im vorigen Jahre hatte wählen lassen Zwei von den Dreien müssen sich jetzt einer Neuwahl unterziehen; es ist Gelegenheit geboten, die Phalanx in unblutiger Weise zu zerstören; zum ersten Male sollen die neuen Männer zeigen, daß sie neue Männer sind; zum ersten Male das thun, wozu allein sie gewählt wurden . . . und sie zaudern. Sie zaudern, eine Majorität im Vorstandskollegium zu beseitigen, in deren Namen der Vorsitzende erklärt hat, daß der Vorstand, unbekümmert um die gegen ihn ausgefallenen Repräsentantenwahlen, nicht blos bleibe, sondern bleibe wie er ist und wie er gewesen. Sie zaudern, uns durch das weniger rote als schlammige Gewässer zuJühren, aus deren anderer Seite uns Gesetze gegeben werden sollen, die uns erheben und das Gemeindeleben aufrichten sollen. Sie zaudern, das durch Annahme des Mandates den Wählern gegebene Versprechen einzulösen, unbekümmert darum, daß sie hierdurch schweren Vorwurf ans sich laden, nämlich den Vorwurf einer Täuschung der Wähler. Sie zaudern, und begründen ihr Verhalten. Daß aber diese Begründung unbegründet,— das soll in einem zweiten Kapitel dargelegt werden. Wie und Was? (Meine Antwort auf die Rundfrage.) Von Dr. Max Nordau, Paris. „Ist das Judentum im Niedergange?" fragen Sie- — Ich zögere nicht, zu antworten: unzweifelhaft. Vor allem körperlich. Der niedrige Wuchs, die schmalen Knochen, die enge Brust, die mau unter den Juden so häufig antrifft, können keine ursprünglichen Raffen-Eigentümlichkeiten sein; denn neben den dürftigen Gestalten treten noch zu zahlreich stattliche, ja prachtvolle auf, die auf eine ausgezeichnete leibliche Beschaffenheit der fernen und fernsten Ahnen atavistisch Hinweisen. Die Verkümmerung ist offenbar eine Verfalls-Erscheinung. Eine solche ist es auch, daß unter den Juden die Krankheiten sehr verbreitet sind, die auf Erschöpfung und Abnutzung des Organismus, auf ererbte Verlangsamung oder Störung der Ernährungsvorgänge in der Zelle zurückgeführt werden müssen: Geistesstörung, Nervenübel aller Art, Hautleiden, Diabetes und Nierenerkrankungen. Diese unbefriedigende Verfassung, die der ganzen jüdischen Rasse ein greisenhaftes Ansehen giebt, erklärt sich zur Genüge aus ihren Lebensbedingungen. Jahrtausendelange Verfolgung hat sie in eine dauernd gedrückte Stimmung versetzt. Bitterkeit, Schwermut, Angst, oft Verzweiflung waren ihre vorherrschenden Seelenzustände, sind es auch bis heute geblieben. Man weiß aber, daß nichts auf den Organismus so zerstörend wirkt wie schmerzliche Affekte. Freude, Selbstbewußtsein, Schwung, Hoffnung haben ihre dynamogene Wirkung auf die jüdische Raffe seit reichlich 2000 Jahren nicht geübt. Es ist wohl der stärkste Beweis ihrer ungewöhnlichen Lebenskraft, daß die vorwiegend düstere Tönung ihrer Gedankcn- und Gefühlswelt sie nicht vollständig verwüstet und längst ausgerottet hat. Zu dieser seelischen Ursache des organischen Verfalls tritt eine ebenso wichtige leibliche. Die Juden, die als freies Bauern- und Hirtenvolk in die Geschichte traten, sind gezwungen worden, sich in ein Volk von Städtern zu verwandeln. Auch wenn sie auf dem Lande wohnen, bleiben sie Städter, die zufällig in ein Dorf verschlagen worden sind. Sie sind vollständig aus der Erde entwurzelt. Sie haben keine Berührung mit der Scholle. Ein Volk kann sich aber auf die Dauer nicht gesund und kräftig erhalten, wenn es nicht immer wieder, wenigstens zeitweilig, zum verjüngenden zurückkehrt- Tie körperliche t Tie Juden, oder doch beirußtsein und die < Triumph des Wesen gebracht hat, sich W Tie Juden empfinde! Juden typisch ist uw den Inden selbst lä sprechen von der, Jul JudenhaaL, wie nur lhun kann. 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