Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 39 (25.9.1896)
- Date
- 1896-09-25
- Page
- Seite 659 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 39. Allgemeine J-raelitische Wochenschrift. Seite 659. __Nr. 39, w seinem Testamente m ntn ^ichdotierten Wohltausend Gulden botiertt Ersuchen des Grch iien ist von seiten des ^-Armeekorps in danket eilten Truppenteilen aus d. M. nach Schluß da chen israelitischer Soldala an dem Versöhnungstaze r Mannschaften mögliche Dich des 70. G zwei unserer beste, t als Koniponisleu e Herren M. Rosensseldorf haben da ren Weise gefeiert idem musikalische» e und den BeW stliche Tank ist bei )ie Rosenhaupt'sche ge kontrapunW rß der melodisch» an dramatiit als Werk er Schreibweiu >n dauernde» Zfestes unfer» ausgezeichm! de Werkreui ibbiil" MhBW ibiB L Petersburg, 16. (September. Jene für das Gouvernement Charkow geplante jüdische Ackerbauschule, von der ich berichtete, soll nicht die einzige im Rayon der Landwirtschaft betreibenden Juden bleiben. Das Charkowsche Projekt hat weiter hinaus wie ein Funke zur Entflammung ähnlicher Wünsche gewirkt und heute liegen aus mehreren südlichen Gouvernements Bittgesuche von Juden um Konzessionierung landwirtschaftlicher Fachschulen dem Minister der Landwirtschaft, Jermolow, vor. Der größte Teil der Bittschriften wird wahrscheinlich genehmigt werden, da die jüdischen Kolonien selbst die Schulen zu subventionieren versprechen. — Bezüglich der Frage der Auswanderung der Juden aus Rußland zirkulieren verschiedene Gerüchte. Mit dem Tode des Baron Hirsch habe die Auswanderung ihr Ende nicht gefunden, wird behauptet. Dem Kolonisationswerk sott für die Zukunft auch ein anderes Ziel gestellt werden: die Juden sollen nicht mehr nach Argentinien, sondern nach Afrika geschickt werden, aber alles das scheint bei näherer Prüfung doch recht illusorisch zu sein. Petersburg, 18. September. (Die „Jndenfrage" in Finnland. — Ein Strafgericht.) Der finnländische Landtag wird, den „Rnssk. Wjed." zufolge, sich u. a. auch mit der Regelung der Jndenfrage in Finnland beschäftigen. In Finnland erfreuen sich nur solche Juden des Niederlassungsrechts, die ihrer Militärpflicht innerhalb des Großfürstentums Genüge geleistet haben. Der Sohn eines in Finnland ansässigen Juden, der z. B. in einem russischen Gouvernement gedient hat, geht seines Rechtes der Ansässigkeit in Finnland verlustig, ebenso wie die Tochter eines finnländischen Juden, die eineil russischen oder aildern Juden heiratet. Die Juden petitionieren schon lange um Aufhebung dieser sie bedrückenden Bestimmungen, in welchem Bestreben sie auch von einem Teile der finnländischen Presse unterstützt werden. — Das amtliche Organ des Kriegsministeriums, „Russki Jnwalid" veröffentlich einen kaiserlichen Tagesbefehl, nach welchem der Kommandant des 35. Bjelgoroder „Dragoner-Regiments Kaiser Franz Joseph", Oberst Papaafanaffopnlo, seines Ranges enthoben und in die Reserve versetzt, der Lieutnant dieses Regiments Bakunin vom Heeresdienste ausgeschlossen und 11 weitere Offiziere desselben Regiments zu gemeinen Soldaten degradiert werden. Die Gemaßregelten hatten in angetrunkenem Zustande ohne die geringste Veranlassung eine Gruppe von Juden auf der Straße beschimpft und geschlagen. Die Bestrafung des Obersten, der sich an dem skandalösen Vorgang selbstverständlich nicht beteiligt hatte, erfolgte, weil er unterlassen hatte, über den Vorfall Bericht zu erstatten. m. Kiew, 15. September. Unlängst tagte hier die sechste russische Aerzte-Versammlung, die sich unter anderem mit dem zahlreichen Vorkommen des Bruchleidens unter den Soldaten in der Umgebung Kiews und mit der Frage der diesbezüglichen Selbstverkrüppelung beschäftigte. Angeregt war dieses Thema worden durch einen offenen Brief von behördlicher Seite, worin der Verdacht angedeutet war, daß das unter den jüdischen Soldaten des Poltawaer und Polotzker Regiments verbreitete Brnchleiden zumeist ans Selbstverstümmelung znrückzuführen sei. Dr. Salamka, dem der Auftrag zuteil geworden war, diese Frage;u prüfen, legte eine Liste der in den Aushebungen von 1885 bis 1890 vorgekommenen Fälle an und ersah ans den ihm vorliegenden 176 467 Fällen, daß kein Grund vorhanden sei, die Juden der angeführten Selbstverstümmelung zu beschuldigen. Die größere Häufigkeit des Bruchs bei Juden könne auf ihre im allgemeinen schwächlichere Körperkonstitution zurückgeführt werden. — Alls London wird dem „Woschod" berichtet, daß demnächst in Paris wieder eine Versammlung der jüdisch-argentinischen Kolonisations-Gesellschaft stattfinden werde. Und zwar wurde beschlossen, — nachdem zu der ersten Versammlung am 7. Juli kein einziger russischer Jude zugezogen worden war, und dieses Vorgehen in den russischen Blättern scharfen Tadel erfuhr, — diesmal auch die Mitglieder des Petersburger Zentral-Komitees einzuladen. □ Rom, 18. September. (Giaeomo Malvano.) Während über die Ernennung des Herrn Llligi Luzalti znm Schatzminister viel gesprochen wurde, ist von einer andern durch das neue Ministerium vollzogenen Rangerhöhung eines Glaubensgenossen noch nicht die Rede gewesen, nämlich von der Ernennung des Herrn Giaeomo Malvano zum General- Sekretär im Ministerium des Aeußeren. Herr Malvano bekleidete den Rang eines Direktors im Ministerium des Aeußeren, bis Crispi dieses Amt unterdrückte und Malvano den Gesandtenposten in Japan anbot, den dieser ablehnte. Ministerpräsident Rudini hat diesen Diplomaten, welcher bereits früher seinem Kabinet angehört hatte, wieder für den Staatsdienst gewonnen und einen Posten für ihn neugeschaffen, durch welchen er der thatsächliche Leiter des Ministeriums des Aeußeren wird. Herr Malvano hat reges Interesse für Juden und Judentum, was man von Herrn Luzatti nicht behaupten kann. .A Konstantinopel, 16. September. Die spanische Judengemeinde von Haskioi richtete an den Sultan eine Eingabe, in der sie feststellt, daß sie von der türkischen Polizei unter Todesdrohungen gezwungen worden sei, an den Plünderungen teilzunehmen. Wie verlautet, wurde der Ortschaft Haskioi deshalb eine Kontribution von 3500 Pfund, in acht Tagen zahlbar, auferlegt. — Nach dem ersten Bericht des serbischen statistischen Amtes leben im Königreich Serbien unter 2,161,961 Seelen 4510 Juden, davon 4493 in den Städten, 17 auf den Dörfern, 2261 sind männlich, 2249 weiblich. Die Juden bilden 0,26 Prozent der Bevölkerung. Konstantinopel, 16. September. Ans den Schreckenstagen in unserer Stadt teilt der Korrespondent des „L.-A." mit: So viel bekannt geivorden, ist bei den Metzeleien nur ein Europäer umgekommen, und dieses Opfer war ein Jude. Eine friedfertigere Natur konnte es wohl nicht geben. In Galata war seine originelle Gestalt schon historisch geworden. Vor länger als fünfzehn Jahren war er aus Galizien in das deutschsprechende Judenviertel von Galata eingewandert und fristete sein Leben als Versicherungsagent. Zuerst ging es ihm gut, und er hätte hier vielleicht eine Zukunft gehabt, wenn — der Branntwein nicht gewesen wäre. In den letzten Jahren war er schon sehr heruntergekommen, doch aus Kleidung und Wäsche hielt er nach wie vor. Wenn auch der Anzug fadenscheinig und der Cylinder mehr als schäbig geworden war, sodaß er ihn in letzter Zeit nur noch in der Hand