Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 39 (25.9.1896)
- Date
- 1896-09-25
- Page
- Seite 660 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 660. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 39. tragen mußte, so fiel doch seine Person in dem allgemeinen Schmutze sofort auf. Er hatte zuletzt große Pläne. So teilte er mir einmal mit, er würde eine Versicherungs-Anstalt gründen, (selbstverständlich mit fremden Geldern), welche ganz Europa umfassen sollte und deren General-Direktor er werden würde. Kurz vor seinem Tod wollte er nach Polnisch-Tschiflik, einem herrlich gelegenen Wald-Dorfe der polnischen Emigranten auf der kleinasiatischen Seite, zur Erholung reisen, da er an Podagra litt. Aber leider das Geld fehlte. Jetzt hat er seine Reise angetreten, von der es kein Zurückkommen giebt. Durch Zufall wurde er mit Armeniern, welche sich in Milet-Han befanden, getötet. S* Texas, September. Es gehört nicht zu den alltäglichen Dingen, daß eine Stadt ihren Namen nach einem Juden erhält. Kastroville in Texas hat ihren Namen einem Juden, ihrem Gründer Henry Kastro zu verdanken. Der Prediger Henry Cohen aus Texas hat ein interessantes Büchlein veröffentlicht, „Henry Kastro, Pionier and Kolonist". 1786 in Frankreich geboren, wanderte Kastrow nach Amerika aus. 1844 brachte er 700, in den nächsten zwei Jahren noch über 4000 Kolonisten aus Frankreich hinüber. Im Jahre 1845 wurde die Kolonie, die zumeist aus Christen bestand, Kastroville genannt. Kastro gab 30 000 Gulden aus seiner Tasche für die Kolonie her und jedem Kolonisten ein Jahrlang unlsonst Nahrung. _ * Aus den Gemeinden. Versetzt: HH. Dr. Pick von Marienburg nach Strasburg (Wpr.), — Rawitscher von Malmö (Schweden) nach Marienburg. — Am ersten Tage Sukkot feierte der Oberkantor der Adaß Jeschurun in Frankfurt a. M., Herr Julius Friedländer, sein 40 jähriges Amtsjubiläum in körperlicher und geistiger Frische. — Vakanzen: Tiegenhof (Westpr.) Zum 1. 11. Rl. K. Sch. Fix. 700, Nbk. 4-500 Mk. Reisek. d. Gew. - Baldenburg (Westpr.) Zum 1. 10. Rl. K. Sch. Eink. 1100 Mk. Reisek. d. Gew. — Padberg. Zum 1.11. L. K. Anfgeh. 500 Mk. u. fr. Station. — Heppenheim (Bergstraße) Sem. geb. Rl. K. Sch. Sicheres Eink. 1400 Mk. Meld. an W. Mainzer. — Gedern. Unverh. inländ. Rl. K. Fix. 900 Mk., sr. Wohn. u. Nbk. Meld. an Löb Voehl. — Schotten (Posen) sof.K.Sch. Fix. 1200, Nbk. 200 (wenn gepr. Rl. 300 Mk.) Aus dem Leserkreise. * Geehrte Redaktion! Im Interesse etwaiger leidender Leser ersuche ich um Aufnahme der folgenden Zeilen. Meine Schwester stotterte seit ihrer Kindheit, und alle angewandten Mittel hatten nicht den gewünschten Erfolg. Da wandte sich meine Schwester an Herrn Professor Dehnhardt in Eisenach und besuchte etwa fünf Wochen seine Heilanstalt. Als ich meine Schwester vor ihrer Abreise von Eisenach besuchte, nahm ich zu meiner großen Freude und nicht geringen Bewunderung wahr, daß sie vollständig geheilt die Anstalt verließ, denn sie konnte sich unterhalten ohne anzustoßen, und auch beim Lesen zeigte sich keine Spur mehr von ihrem alten Leiden. Nathan Grünwald, Lehrer u. Kantor, Obergleen-Kirdorf bei Alsfeld (Oberhessen). * Dieses Blatt brachte gleich den anderen jüdischen Blättern wiederholt einen Aufruf zu gunsten der Errichtung eines jüdischen Hospitals in Jerusalem. Der wohlverdiente Erfolg, den dieser Aufruf bereits gehabt hat und hoffentlich auch weiter findet, mag den Gönnern der Chalukah ein deutliches Zeichen sein, daß der Rückgang in den Eingängen der Chalukah weder ans einer Minderung des werkthätigen Interesses für Palästina, noch in einer religiösen Gegnerschaft ihren Grund hat, sondern durch sachliche Bedenken bewirkt ist. Ursprünglich beruhte die Chalukah auf einer hübschen Idee, welche aber bedeutungslos geworden ist, nachdem kluge Grundstücksspekulanten und wohlhabende Händler neben den Gelehrten, Greisen re. sich einen Anteil an der Chalukah zu schaffen wußten. Eine weitere Verfälschung trat durch den „Kolel" ein. Es ist ein häßlicher Gedanke, daß man in Palästina die Landsmannschaft in die Wohlthätigkeit hineingetragen hat und von jeder Nation gewissermaßen ihre Leibrentenempfänger getrennt unterhalten läßt. Auch die ökonomischen Folgen der Chalukah waren nichts weniger als glücklich. Trotz — oder vielleicht wegen — der Hunderttausende von Gulden, die in das Land gesendet wurden, nahm der Pauperismus immer mehr zu, und für öffentliche Zwecke geschah so wenig, daß man erst jetzt an den Bau des Hospitals gehen konnte. Die Gelder, welche im Laufe der Jahre an notorisch nicht Bedürftige aus der Chalukah verteilt sind, würden sicherlich für mehrere Hospitäler ausreichend sein. Die Teilnahme der Chalukahfreunde an dem Unternehmen des Spitalbaus scheint ein Beweis, daß sie zum wenigsten neben der Chalukah auch andere Mittel werkthätiger Hilfe für Pälästina nötig erachten. Hoffentlich wirkt das Unternehmen als Ansporn, überhaupt die Chalukah allmählich durch sachgemäßere Einrichtungen zu ersetzen. Berlin. Dr. Heinrich Meyer Cohn. Brief- und Fragekasten. Die Frage in Nr. 35: weshalb im Tischgebet der letzte Abschnitt (Jire'u) leise gesprochen wird, ist dahin zu beantworten, daß dies aus Rücksicht auf etwa anwesende Arme geschieht. Denn in diesem Abschnitte heißt es: „Keinen Mangel haben, die Gott fürchten"; „Die nach Gott verlangen, ermangeln keines Gutes" u. s. w. Diese Aussprüche könnten leicht den Armen verlegen machen. Beantwortet von HH. Direktor Eisemann-Gailingen, R. Frank-Halle a. S., Dr. Winkler- Berlin. — Frankfurt a. M. Anonyme Schmähbriefe werden nicht nur nicht beachtet, sondern nicht einmal verachtet, weil sie ein kindisches Gebühren verraten. — Hrn. I. Z., Metz. Wir haben im August vier Beilagen (statt zwei) gegeben, um uns im September zu entlasten. Vom Oktober erscheint der Jeschurnn natürlich wieder regelmäßig. — Bitte um gefl. Auskunft, ob Ihnen bekannt ist, daß Baron Hirsch einen Fond hinterlassen zur Unterstützung armer Waisenmädchen behufs Verheiratung und an wen und wohin man sich meldet zur Erreichung dieser Unterstützung. Es handelt sich um eiue arme Waise aus Rußland. H. N. (Uns ist eine solche Stiftung nicht bekannt. Red.) — Druck: Arthur Schalem, Berlin C., Roistr. 8. verantwortlicher Redakteur: *t. Levin. Berlin. - verlas: Siegfried «ronbach. Berlin V. 87