Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 39 (25.9.1896)
- Date
- 1896-09-25
- Page
- Seite 656 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 656. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 39. ,*r 1 iW ’ ' ’ Mit. t; ,'r Ji; „-‘i V 1:T iiKJtf; M :: Hirsch, die gegenivärtig erst 14 Jahre alt ist, in Brüssel erzogen, mit einem fast königlichen Luxus, aber mit großer Strenge, unter der Obhut der Madame Montefiore Levy, eiuer Schwester der Baronin Hirsch, die trotz ihres ungeheuren Reichtums in ihrer Lebensführung von einer spartanischen Einfachheit ist. Madame Montefiore Levy gehört der alten Familie der Bischofssheim an, die sich als Bankiers einen Namen gemacht haben. Sie ist eine strenggläubige Jüdin, aber ihr Schützling Luciana wird trotzdem im katholischen Glauben erzogen, und die junge Dame hat in ihrem Palaste eine Kapelle und einen Hauskaplan. Wie es kommt, daß diese Tochter, Enkelin und Mündel strenggläubiger Juden, seit ihrer Geburt Katholikin ist, darüber wird dem genannten Blatte eine romantische Geschichte mitgeteilt: „Bor sechzehn Jahren lebte der Baron Hirsch, der schon damals eines der größten Vermögen der Welt besaß, in Paris in demselben Palaste der Elysöestraße, der einst der Kaiserin Eugenie als Wohnung gedient hatte. Um seiner Gemahlin die Repräsentationspsichten zu erleichtern, engagierte der Baron zu ihrer Unterstützung eine junge, vornehme, hochgebildete Dame, Fräulein von Premelic, die aus einer alten, aber verarmten Adelssamilie stammte. Sie war vierundzwanzig Jahre alt, von auffallender Schönheit, hatte mehrere Jahre mit Eifer sich klassischen und künstlerischen Studien aller Art gewidmet und in allen Fächern Ehrenpreise erhalten. Im Hause des Millionärs wurde sie außerordentlich geschätzt und geachtet. Ganz besonders gefiel sie dem einzigen Sohne des Barons, Lucian, der damals etwa in demselben Alter stand wie Fräulein von Premelic. Der junge Mann war Mitglied zahlreicher Klubs, Besitzer eines Rennstalls ersten Ranges und führte im übrigen das verschwenderische Leben der reichen pariser Elegants. Lucian verliebte sich in die Gouvernante, das Mädchen erwiderte seine Liebe, und wie es scheint, (!) vermählten sich (?) bie beiden Liebenden heimlich, aber nur kirchlich, (!) um die religiösen Bedenken des Fräulein von Premelic zu beschwichtigen. Vor dem Gesetze war diese Eheschließung nicht giltig. Lucians Gattin vor Gott verließ das Haus des Barons und mietete eine bescheidene Wohnung in einem anderen Viertel von Paris. Kurz daraus, im Jahre 1882, gebar sie ein Mädchen, welches den Vornamen Luciana und den Namen der Mutter erhielt. Fünf Jahre später starb Lucian und enipfahl auf dem Sterbebette seine Gattin und sein Kind dem Schutze seines Vaters. Der Baron beschloß, die letzte Bitte seines über alles geliebten Sohnes zu erfüllen. Aber da er annahm, daß Fräulein von Premelic sich seinem Sohne weniger aus Liebe als aus kühler Berechnung hingegeben habe, verlangte er entschieden, daß das Kind der Gewalt und dem Einflüsse seiner Mutter entzogen werde. Fräulein von Premelic weigerte sich ursprünglich, gab aber später nach unter der Bedingung, daß das Kind in der katholischen Religion erzogen werde. Der Baron gab ohne große Schwierigkeiten nach und bestimmte in seinem Testamente, daß der Wunsch des Fräulein von Premelic respektiert werden solle." Soweit der Roman. Ob auch das Folgende in das Gebiet des Romantischen zu verweisen sei, vermögen wir nicht zu entscheiden. Denn weiter heißt es in dem Berichte: Baron Hirsch soll übrigens seiner „Adoptivtochter" die ungeheure Summe nicht ohne Einschränkung vermacht, sondern seine ihn überlebende Gattin beauftragt haben, Luciana genau zu studieren und ihr das Vermögen nur dann zu übergeben, wenn sie bei erreichter Großjährigkeit ein edles, braves Wesen geworden sei, entgegengesetzten Falls erhält Luciana die 525 Millionen Mark erst nach dem Tode ihrer Großmutter der Baronin Hirsch. Die letztere besitzt ein hervorragendes Verwaltungstalent und großen Geschäftsgeist, so daß sie das Achtung gebietende Kapital schon in wenigen Jahren noch ganz bedeutend vermehrt haben dürfte. Luciana Premelic-Hirsch, wie sie sich jetzt nennt, gilt schon jetzt als sehr vernünftig und ernst; sie ist etwas schüchternen und verschlossenen Charakters, besitzt aber außer dem Zauber ihrer Millionen viele persönliche Eigenschaften, die sie liebenswert machen wiirden, selbst wenn sie arm wäre." — Soweit die Geschichte, die sich unsere Leser freundlichst kommentieren wollen. * Der Vorname der Thora. Im Bureau eines Untersuchungsrichters wird eine jüdische Dame als Zeugin vernommen. Der Richter will zur Vereidigung schreiten und spricht zu dem Diener: „Holen Sie mir die Thora". Wahrscheinlich verstand er darunter den hebräischen Pentateuch. Der Diener ist erst seit einigen Tagen im Hause und es ist ihm bis jetzt vom Richter noch nie eine andere Aufgabe zuteil geworden, als die Zeugen oder Jnquisiten ins Bureau zu rufen. Der gute Mann geht daher in den Korridor hinaus und ruft mit starker Stimme: „Zeugin Thora!" — Niemand meldet sich. „Halt," denkt sich der Diener, „die Thora ist eine Jnquisitin." Er geht in das Gefängnis und scheint nach langem Suchen eine Person gefunden zu haben, welche einen dem Worte „Thora" ähnlich klingenden Namen besitzt; denn als er in das Bureau des Untersuchungsrichters znrückkommt, fragte er diesen: „Entschuldigen Sie, Herr Rat, heißt die Thora nicht mit Vornamen — Wilhelmine?" - Hier und dort. * Berlin, 21. September. (Unser „Interview".) Die Veröffentlichung der „Antworten auf unsere Frage" werden wir in nächster Nr. wieder ausnehmen. Wir wollten erst eine Erwiderung aus die deprimierende Antwort Zangwills bringen, ehe wir einem andern Pessimisten das Wort erteilen, nämlich Max Nord au. * Berlin, 21. September. (Die Repräsentanten- Versammluug) bot in ihrer gestrigen Sitzung nichts des Interessanten; es waren vornehmlich Namen und Zahlen, die durch den Saal hallten. Mit eiuem Akt der Pietät wurde die erste Verhandlung nach den Ferien eingeleitet, mit einem marinen Nachruf, den der Vorsitzende, Herr Hermann Landsberger, dem entschlafenen Geheimrat Dr. Kirstein widmete. Die Versammlung ehrte das Andenken ihres dahingeschiedenen Kollegen in üblicher Weise. Hierauf wurde Herr Rechtsanwalt Eugen Apolant als Nachfolger des verstorbenen Dr. Kirstein der Versammlung vorgestellt und vom Vorsitzenden begrüßt. Und nun begann die Arbeit mit trockenen Zahlen. Es wurden an Schenkungen angenommen: 6000 Mk. von Herrn Louis Sachs für die Armen-Kommission, 12 000 Mkvon Geschwister Böhm für die Altersversicherungs-Anstalt, Nr. 39. o^Mk-aus . die Mädchenschule b bie Wahl von Koni - Kommission zur Revi - Teposiloriums die D heim und in die Kon siands-Ergänzun | Blumenthal, Jastrowi Movierung des Gi . Meyer Hirsch wurde, % an den verflossenen h | schlicht die Bersamm! ß nehmigung zum Anke | Liitzoivstraße zum Bo : Zwecke des Ankaufs bis 1890 in Höhe vo K iammlung erledigt so! ß Lpezial-Berwaltungei H Annahme von 140 (X;; Aon ca. 5000 Unter K sichtigt. Unter dm ( l’ sonen im Alter von von 80 bis 90 Mri - der Ans ij digungsanstalt § Schluß entstan! I Anfrage des H ß welchem Gruni letzten Feiertag! Organ des Ger lesen, daß die, hieran schuld g tänen Jnspirat beantwortet Schwierigkeiten Predigers, zu Abhaltungen. Dann' chung. ««I« mit ich der ^okes jj. lehrten« Mg wa ^chnl j, den, .b. 1