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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-09-25 · 39 (25.9.1896) · p. Seite 653

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
39 (25.9.1896)
Date
1896-09-25
Page
Seite 653 (sequence 9)
Language
German
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Nr 39. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 653. w. 39, ' Jülich und ein -^usti-izcuz. )ronik. En, ben 16. ®eptemf)et n9 ist die auch von uiu nähr, nach welcher.du man ersucht haben solle», rden Choral fortzulasse». den antisemitischen \k ■ mten nnd ihr auch i» en, nahmen wir an, bas 18 wahr sein müsse, datz den sonderbaren Wnnsj n dieses Verlangen. Z» ten, daß an der ganze» eine plumpe antisemitische nicht einmal patentieren J schon vor Jahren durch; antisemitische» ganz entsetzliche mnerstag-Nachc von Hebräer» weiß auch, nildenLust f Bachler, f jahr verkündet, zu den Maiu ten also: Jom :a§ ist mseren Eisenstadt — wie uns gesagt wird, steht Herr E. dem Arbeitsausschuß des Kolonisations-Komitees vor — in Jaffa erhält nnd trotz der kolonisations- und ziousfreundlichen Tendenz des Jahrbuchs wörtlich zum Abdruck bringt. Wir lassen den Bericht in freier, aber ffinngetreuer Uebersetzung im Auszuge folgen: Sie hatten die Güte, mich um einen Bericht über den Stand der Kolonien in Palästina zu ersuchen. Es wäre mir natürlich angenehm, Verkünder einer Freudenbotschaft zu sein, der den Lesern frohe Kunde übermittelt, vollends jetzt, da die Freunde Zions triumphieren, der Gedanke der Kolonisation zu siegen scheint. Allein ich bin nicht in der Lage, einen rosigen Bericht zu entwerfen, vielmehr muß ich mit dem unglücklichen Propheten, der die Niederlage seines Volkes und die Verwüstung seines Landes erlebte, ausrufen: „Wer mir doch Unterstatt in der Wüste gewährte, damit ich mein Volk verlasse!" Es blutet mir das Herz wegen dreier Sünden der Kolonien, die eine Fäulnis der Verhältnisse verursachen: a) Schnorrerei, b) Auflehnung gegen jede Kritik und o) schlechte Erziehung der Jugend. a), Bettelsucht, hat sich der Kolonien in entsetzlicher Weise bemächtigt. Gar viele Kolonisten gelüsten nach Almosen — oft auch solche, die ihrer nicht bedürfen. Leute, die ihre Kinder nach der neuesten Mode kleiden, die eine Dienerschaft halten und großartig wohnen, strecken die Hand aus und betteln. Kurz, die Meisten setzen alle Hebel in Bewegung, um etwas zu bekommen. Der Unterschied ist nur in der Form: der eine bittet um ein Almosen, der andere um ein Darlehen; der eine bittet, der andere droht. Diesem Hauptübel entspringen mehrere Zweigübel, die ich zum Teil andeuten möchte. Es sind: I. Faulheit, 2. Heuchelei, 3. Verschwendungssucht. all 1. Gar viele Arbeiten könnten die Kolonisten selbst verrichten und setzen dennoch fremde Hände in Thätigkeit. Ja die Selbsttäuschung der Arbeitgeber geht so weit, daß sie sich allen Ernstes einreden, dies oder jenes nicht selbst bewerkstelligen zu können. Während Frau und Tochter des deutschen Kolonisten ihre Hausgärten selbst bearbeiten, thun es die jüdischen Damen, deren Männer Unterstützung erhalten, nicht, ad 2. Heuchelei ist ebenfalls eine Konsequenz des Schnorrertums, denn die Empfänger müssen selig werden nach der Fa^on des Gebers, ad 3. Der Hang zum Luxus vollends ist derartig, daß ich über ihn nicht sprechen mag. Es genügt, wenn ich sage, daß wenn jemand, der die Kolonien vor Jahren gesehen, sie jetzt wieder besuchen würde, er sicherlich händeringend ausrufen wird: Sind dies die Dörfler und jüdischen Bauern, die wir großziehen wollen? >») Das zweite Hauptübel, die Abneigung gegen jede Kritik ist nirgends so groß wie hier. Versuche nur jemand eine Kritik zu schreiben, einen Fehler an irgend einem Dinge, in irgend einer Institution aufzudecken — sei es auch in der mildesten Form — gleich wird er zum Nörgler, llnfriedenstifter und Anarchisten gestempelt oder mit dem größten Schimpfwort belegt — als „Journalist" bezeichnet. Eine Folge dieser Verwerfung jeder Kritik ist Unterdrückung und Tyrannei von Oben, Mißtrauen und Menschenhaß von llnten. Unter c) tadelt Herr Eisenstadt die falsche Erziehung, die Verbildung, die den Kindern znteil wird und zur Verachtung des Landlebens und zur Abwendung vom jüdischen Geiste führt. Er schließt seinen Brief nicht ohne Resignation: Jedoch wem sage ich dies? Weshalb erhebe ich in der Wüste meine Stimme? Hört mich denn jemand? Ach — ich habe es ausgesprochen und es ist mir leichter worden . . . Vielleicht trägt die Reproduktion dieses Berichtes eines glaubwürdigen Zeugen und wohlmeinenden Warners zur Ernüchterung der vom pp. Weine berauschten Gemüter das Seine bei. - Feuilleton. Der Schadchen in inifrrcr dckctnltischc» Mratnr. Die Liebe ist der Hauptgegenstand aller Poesie, auch der modernen Roman-Litteratur, und zwar sind es die Schwierigkeiten und Hindernisse, die die realen Verhältnisse der Neigung zweier jugendlichen Herzen entgegentürmen, was das Interesse des Lesers in äußerste Spannung versetzt. Diese Schwierigkeiten und Hindernisse sind gewöhnlich Unterschiede des Standes, wie bei Ferdinand v. Walter und Louise Miller, oder Feindseligkeit der Familien, wie bei Romeo und Julia u. s. w. — In: jüdischen „Volksleben" konzentrieren sich alle diese Schwierigkeiten in die historische Macht der sozialen Persönlichkeit: „Schadchen", (Heiratsvermittler)! Der Vater ist ein praktischer Kaufmann und vorsorglicher Papa, der nicht gewohnt ist, die Katze im Sack zu kaufen, und der das Glück seines geliebten Kindes, für welches er gesorgt, gearbeitet und gespart hat, nicht der Unberechenbarkeit einer „blinden" Macht, wie die Liebe ist, anvertrauen möchte. Die Mutter ist eine ehrbare Frau, die die Jagd nach dem Bräutigam durch die Künste der Koketterie und sündiger Liebeleien nimmermehr als die beste Einleitung für die heilige Ehe ansehen kann. Vaters und Mutters Ideal ist daher der „Schadchen", der kontrollierbare Zahlen und Daten vorlegt, auf Grund deren man dann der Liebe Gelegenheit geben kann, sich einzufinden. Ja, der vielverlästerte, bespöttelte und verachtete „Schadchen" teilt das Los der allgemeinen Ungleichheit und Ungerechtigkeit aus Erden; „Kleine Diebe hängt man, große läßt man lausen". Haben zwei Kabinette eine Ehe zwischen zwei gekrönten Familien zustande gebracht, dann ist das eine patriotische That und es regnet Auszeichnungen und Ordensverleihungen. Hat ein überschuldeter Lieutenant seine „Liebe" der Tochter des Geheimen Kommerzienrats X. zu Füßen gelegt, und der vielfache Millionär weigert sich, einen Schwiegersohn zu erwerben, der kein anderes Anrecht auf diesen Posten hat, als feine Schulden: da schreit die palriotische Bürgerschaft, deren Neid dem Geh.Kom.-Rat den verschwenderischen Lebemann als Schwiegersohn von ganzem Herzen gönnen würde, Zeter und Mordio über die unpatriotische Haltung des nüchternen Geldsacks. „Wenn die Tochter des Geh. Kom.-Rat X. nicht einen armen Lieutenant heiraten soll: wer denn?" — Da spielt alles andere eine Rolle, nur nicht die so viel besungene, göttliche Liebe. Aber wenn der arme Schadchen die Berechnung macht: „Frl. Johanna Levi und Herr Abraham Kohn dürften zn einander passen" — dann ist das eine Tempel-Schändung, eine Entweihung des Heiligtums der Liebe! — Nun, es ist einmal so in der Welt, die Liebe lebt mit der Konvenieuz und mit dem Schadchen aus gespanntem Fuße, und wenn die Liebe über die Konvenieuz den Sieg davon trägt, oder dem „Schadchen" ein Schnippchen schlägt, — dann ist das immer ein Herzensgaudium. — Der erste, der diese Entdeckung auf dem Gebiete des jüdisch-gesellschaftlichen Lebens gemacht unb den Sieg der Liebe über den „Schadchen" in einigen Erzählungen mit köstlichstem Humor geschildert hat, das war der „Onkel Jonas" von Siegmund Cronbach (Verlag von Siegfried Cronbach, Berlin). In „Kohn und Cohen" und „Verlorne Schadchenmüh" — zwei Perlen schalkhafter Erzählungskunst — genießen wir den Reiz solcher Situationen, wo der „Schadchen" und seine Klienten den Schaden haben und nicht für den Spott zu sorgen brauchen. ' „Onkel Jonas" hat aber auch Schule gemacht, und als einer seiner würdigsten Jünger erweist sich Herr M. Ries in

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