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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-09-25 · 39 (25.9.1896) · p. Seite 647

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
39 (25.9.1896)
Date
1896-09-25
Page
Seite 647 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 39. Allgemeine J-raelttische Wochenschrift. Seite 647. chaus nicht unseres Ami!; lchem die Gefahr droht ti» Seite genug, wenn wir-, 'warnen und sie aus die bt> sie bald unter k nahen Hauses begraba r ein kluger Mann mit k eses schwache Haus zu scha )tt darauf ganz ehrlich m ch nicht, thut euch nur z» i Rat. kleinlichen Diplomatie, « t. Sie können es nicht K welche an solchem Treida wir schmähsüchtige Mensch« b ziehen wollen, bald deck Partei, in deren Dienst m ild wiederum wollen wir W wegen irgend einer Zmö >er können es nicht versteh«, atriotische Pflicht erfüllt ne! vinzige Zwerge, uns M unser eigenes Treiben ck : O der Eitelkeit! Ja,n» t großen Fehlern zu käinxs« « Zweifler mit wahrer ck iche Schriftsteller, der so M tung zum Ausdruck zu briv Mühe nimmt, schöne Redes t ihn einen Sonderling s « «A -> >» » *», Mich über das vrele Buch - 1/ M d« “« SttfSrä IttTSp, „ nnb das Leben wird s Hat das Judentum eine 3ulm«ft?’ Es ist eine Hoffnung für Deine Zukunft. Jeremias. 31, 16. Das Sukkotsest galt von jeher den Hoffnungen Israels, daß seine Religion aus dem engen Bezirke eines Stammes einer kleinen Gemeinschaft hinaustreten werde, um das Licht der Völker zu werden. An den ersten zehn Tagen des Tischrimonats hatten wir mit unserer seelischen Erneuung zu thnn, am Schlnßfeste beten wir um Segen, senden wir voll Sorge und doch voll Vertrauen den Blick zu dem, der in der langen Winterszeit sorgen wird für den Bedarf unseres Körpers, erwägen wir unser irdisches Heil; am Hüttenfeste sollen wir, wie schon im Talmud zu lesen ist, die Ideale pflegen der Menschenverbrüdernng und der allgemeinen Erleuchtung, sollen wir die Hoffnung wach erhalten, daß einst ein Zelt sich ausbreiten werde, unter beffen schützendem Dache die Menschheit sich einen werde. Aber viele in der Gegenwart geben nur eine verzagte Antwort auf die Frage: Hat das Judentum eine Zukunft? Viele, deren Herz eng ist, sagen wie einst ein König in Israel: Wenn nur Friede bleibt in meinen Tagen; aber dieser Wunsch ist im Grunde gleichbedeutend mit jenem verwegenen Rufe jener Abenteurer im vorigen Jahrhundert: Nach uns die Sündflut! Wem sein Glaube mehr ist als Urväter Hausrat, von dem er nur aus lieber Gewohnheit nicht gern lassen möchte, der kann sich mit diesem matten Tröste nicht begnügen, daß das Judentum nicht gerade für die nächste Zeit.aus dem Aussterbeetat stehe, der hofft, daß wie aus der Knospe die Blüte, ans dem Judentum die Weltreligion sich entfalten werde. Nur wird er bescheiden genug sein, der Vorsehung nicht gerade vorzuschreiben, wie sie seinen Wunsch erfüllen soll, aber er wird auch nicht sogleich, wenn hier und da Spuren des Verfalls sich zeigen, den Kopf sinken lassen und die lokale Erscheinung zu einem allgemeinen Gesetze umwandeln. Ob das Judentum der Gegenwart im Niedergange oder im Aufschwünge begriffen sei, das läßt sich gar nicht so leicht seststellen. Ein Kaufherr, der ein großes Wesen verwaltet, der weit hinaus seine Schiffe sendet, der in fernen Eilanden seine Niederlassungen hat, der kann nicht in jedem Augenblick seine Bilanzen ziehen wie es der kleine Krämer vermag, der seine Waren und seine Kunden in einem engen Kreise zusammen hat; noch schwieriger wird dem Kaufherrn der Ueberblick, wenn er große Summen in fremden Geschäften stecken hat, die dann mit seinem Kapital arbeiten. Der Kaufherr kann an einem Orte große Verluste erleiden und doch im ganzen einen glänzenden Gewinn davontragen. In dieser Lage ist das Judentum; es wäre uns deutschen Juden tief schmerzlich, wenn es mit dem Judentum auf deutschem Boden zu Ende ginge; wir glauben auch vorläufig den Unglückspropheten noch nicht, die eine allgemeine Fahnenflucht bei uns Voraussagen, weil einige durch Reichtum und Wohlleben üppig Gewordene auch den geringsten Nadelstich nicht vertragen können und sogleich *) cfr. Ar. 37 dies. Bl. die Rubrik „Antworten auf unsere Fragen". Red. um jeden Preis, auch um den Preis des Opfers der Ueberzeugung und der Ehre, mit unseren Feinden Frieden schließen. Aber setzen wir den äußersten, den schlimmsten Fall: das Judentum wäre in Deutschland dem Untergange geweiht; die Blüte jüdischen Wesens war vor einem halben Jahrtausend eine ungleich reichere auf der pyrenäischen Halbinsel als jetzt in Deutschland; es ist damals denselben Mächten, die ihr Vaterland verödet und fast vernichtet haben, auch gelungen, die Juden aus Spanien zu vertreiben; diese Vertreibung war eine der bittersten Stunden im fast zweitausendjährigen Erile Israels. Aber das Judentum hat diesen Stoß überwunden. So würde selbst die Vernichtung des Judentums in einzelnen Staaten, die obendrein sehr unwahrscheinlich ist, nicht das Dasein unserer Religion gefährden, da wir dem Kaufherrn gleichen, der sein Geschäft auf allen Meeren, in allen Landen treibt, da Gott den Fluch zum Segen, die Zerstreuung zu einer Wohlthat gewandelt hat, und wir haben, wenn das materiellen Verhältnissen entlehnte Gleichnis erlaubt ist, auch Kapitalien in fremden Geschäften; war denn das Judentum bisher nur auf sich eingeschränkt? Es ist richtig, wir schicken keine Missionare aus, und wir haben es nie gethan, aber unser heilig Buch ist das Heiligtum von hunderten Millionen, die Gedanken der Bibel sind eingewirkt in die Weltkultur und können nicht herausgezogen werden, ohne das ganze Gewebe zu zerstören, auch die Ideen des nachbiblischen Judentums sind wie befruchtender Tau aus die Saaten des Weltgeistes niedergeträufclt und haben Segen gestiftet. Werden diese Kräfte nicht weiterwirken? Ernst Renan, der doch wahrlich nicht zu den Gläubigen gehört, nennt die Bibel das große Buch, den Tröster der Menschheit, und vindiziert dem Judentum und der aus ihm entsprossenen Tochterreligion eine „erstaunliche, die Sitten bessernde Kraft", und da sollten wir Israeliten nicht glauben, daß es, mit dem Propheten zu reden, eine Hoffnung giebt für unsere Zukunst. Ein jüdischer Schriftsteller in England, der ein scharfes Auge für das Judentum der Gegenwart hat, hat jüngst, allerdings mit einigen Einschränkungen, behauptet, daß das Judentum entschieden überall im Niedergange sei und selbst durch die starken Gemeinden Rußlands gehe ein Zug mehr oder weniger häretischen, ketzerischen Geistes. Ja ist denn nicht dieser häretische Geist selbst ein Zeichen des Aufschwungs? Verständige russische Juden erklären, es gebe bei der Verengerung und Verknöcherung des dortigen Judentums nur noch eine Rettung, um zu leben, um nicht in dem Wüste zu ersticken, nämlich sich dem Chaßidismus anzuschließen, jener halbwahnsinnigen Schwärmerei, die in Menschenvergötterung ausartet. Ist da nicht der ketzerische Geist, der weder in toller Schwärmerei noch in religiösem Fanatismus untergehen will, ein Retter in der Not? Freilich, wer sich damit begnügt, das Judentum müsse gerade in der Form fortbestehen, die ihm paßt, wird leicht Spuren des Niederganges sehen. In einer polnischen Gemeinde könnte einer glauben, es wäre mit dem Judentum aus und zu Ende, wenn die Juden ihre langen Locken und ihre Rockschöße aufgäben; selbst in Deutschland denkt mancher, das Judentum stehe und falle mit dem Almemor in der Mitte

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