Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 39 (25.9.1896)
- Date
- 1896-09-25
- Page
- Seite 646 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 646. HOgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 39. Nr. 39. solches Zeitalter in Israel gegeben und ein Mann hat es wenigstens gewagt, dem ganzen Geschlechts der Epigonen den Krieg zu erklären, ihr Thun und Lasten als eitle Thorheit zu verspotten: der es verschmäht hat, sich der großen Herde anzuschließen, sich in Reih und Glied zu stellen, und sich von einem eitlen einfältigen Leithammel leiten zu lassen. Freilich hast du, verkannter Mann, es nicht unternommen, die andern zu bekehren, philosophische Systeme tiefsinnig zu begründen, Litteratur-Vereine zur Belehrung der Denkfaulen ins Leben zu rufen, um dort vor einem Haufen Weißbiertrinker deine Weisheit auszukramen. Du großer, unbekannter und verkannter Mann schriebst, was dir im Augenblick je nach Stimmung und Empfinden eingefallen war. Und wenn sie jetzt kommen und dir vorwerfen, daß dir jede systematische Jdeenordnung fehlt, so weise ich in deinem Namen diesen Vorwurf zurück. Ich lebe in deiner Zeit und verstehe dich sehr gut. Wahrlich, wenn heute ein Mann erstände, welcher die Grnndstimmung unseres Zeitalters zum Ausdruck bringen wollte, er müßte, wenn er anders ein gefühlvolles und empfindendes Herz hätte, wenn er unserer Zeitkrankheit Verständnis und Mitempfindung entgegenbringen würde, im Tone eines Kohelet schreiben, auf die Gefahr hin, daß ihn alle Philister für einen Sonderling erklären sollten. Aber was ist dein Ideal? würden ihn kluge, gesetzte Leute fragen. Du ärgerst dich über die Reformfexerei, bist du nun orthodox? Du lieber Himmel! müssen wir denn orthodox sein, wenn uns eure sade Refornisexerei mißfällt? Uns fröstelt ja nur eure Leere an, der Mangel an jedem Enthusiasmus, das geistlose Philistertum, die Fadheit, mit der ihr euch ein Judentum zugestutzt habt, das auf eurer Kanzel bequem Platz findet. Gebt uns große Reformer, große Ketzer, meinetwegen einen Spinoza, wir wollen ihn nicht mehr verdammen, sondern vielmehr in Ehren halten. Aber befreit uns nur von dem Heere der Wortmacher, von dem schalen Gamaschenreformertum, das einem das Judentum in der innersten Seele verleidet. Kohelet der Zweifler war eine durch und durch religiöse und weichgestimmte Natur, einer jener Menschen, welche alles furchtbar ernst nehmen und deshalb in allem keine Befriedigung finden. Wie sollte er auch, wenn er sah, daß es den Weisen ganz ebenso ergehe, wie den Thoren; daß in dem großen Haufen die originelle Existenz ganz untergehen muß, weil sie sich nicht in irgend einem Verein, in irgend einer Koterie einreihen läßt. Er bekrittelt alles, er findet die Schattenseiten aller Erscheinmigen und Einrichtungen heraus. Aber schmäht ihn deshalb nicht, sondern bemitleidet ihn. Er ist auf die Suche nach dem großen Ideal gegangen, er wollte große Menschen finden; aber er fand nur kleinliche Geister und Dutzendmenschen, Marionetten, deren Thun nichtig und deren Streben eitel war. Deshalb brach er unmutig über alles den Stab. Ist er deshalb zu verurteilen? Nein, nicht er, sondern sein kleinliches Zeitalter verdient unfern Tadel. Wer darum ähnliche Klagen und Seufzer auch über unser kraftloses Zeitalter vernimmt, der komme uns nicht mit der Frage: Ja, was wollen aber diese Leute, die alles verneinen? wo sind die positiven Vorschläge, die sie zur Besserung dieser Zustände gemacht? Dies ist durchaus nicht unseres Amtes. Wenn wir ein Gebäude sehen, welchem die Gefahr droht einznstürzen, so ist es von unserer Seite genug, wenn wir die ruhig dasitzenden Insassen dringend warnen und sie auf die drohende Gefahr aufmerksam machen, daß sie bald unter den Trümmern des dem Zusammensturz nahen Hauses begraben sein werden. Kommt uns aber ein kluger Mann mit der Frage: wo ist euer Vorschlag, dieses schwache Haus zu stützen und zu befestigen, so können wir darauf ganz ehrlich antworten: Ja, das wissen wir auch nicht, thut euch nur zusammen, vielleicht findet ihr schon Rat. Aber sie kommen mit ihrer kleinlichen Diplomatie, mit ihren lächerlichen Insinuationen. Sie können es nicht begreifen, daß es Menschen giebt, welche an solchem Treiben keinen Gefallen finden. Bald sind wir schmähsüchtige Menschen, die das Erhabene in den Staub ziehen wollen, bald beabsichtigen wir für irgend eine Partei, in deren Dienst wir stehen, Stimmung zu machen, bald wiederum wollen wir uns in unserer gekränkten Eitelkeit wegen irgend einer Zurücksetzung rächen. O, sie wollen oder können es nicht verstehen, daß oft, nachdem wir unsere patriotische Pflicht erfüllt und Streiche geführt haben gegen winzige Zwerge, uns gleich Kohelet bittere Reue erfaßt über unser eigenes Treiben und mit Widerwillen riefen wir aus: O der Eitelkeit! Ja, wenn wir gegen große Menschen mit großen Fehlern zu kämpfen hätten! .... Darum lese ich Kohelet den Zweifler mit wahrer und tiefer Andacht. Er ist der herrliche Schriftsteller, der so gegen die ganze Klique die volle Verachtung zum Ausdruck zu bringen versteht, der sich nicht einmal die Mühe nimmt, schöne Redensarten zu drechseln. Sie nannten ihn einen Sonderling und konnten ihn nicht verstehen. Aber wollte er denn von ihnen verstanden sein? Wollte er als ein „geistreicher" Schriftsteller gelten? Er allein spottete so vortrefflich über das viele Bücherschreiben, über „das viele Geschwätz," das den „Geist nur peinigt". Wenn man ihm mit der Frage gekommen wäre: Wo sind deine positiven Vorschläge? so würde er ihnen geantwortet haben: ich will nur den Schutt wegräumen, der mir die Aussicht in Gottes freie Natur trübt, ich will Luft und Licht freies Eindringen gewähren und das Leben wird schon erblühen. Das ist auch unser Ziel, unser Streben! Laßt euch, ihr Wenigen, die ihr euch nach Luft und Licht sehnt, nicht die Lust durch konventionelle Umzäunung rauben, das Licht nicht durch verschossene Fetzen verdunkeln. Reißt das faul und morsch gewordene Gerüst nieder, entfernt den wertlosen Plunder und dann wird neues, prächtiges und zukunftsreiches Leben erstehen. Werden wir unser Ziel erreichen? Kohelet meint pessimistisch: „Ich sah die göttliche Natur, welche der Mensch nicht begreifen kann. Was der Mensch erstrebt, kann er nicht finden, selbst der Weise, der es zu erreichen glaubt, wird nicht zu seinem Ziele gelangen." .... J! Das Sukkotfcsl daß seine Religion einer kleinen Geme der Völker zu wer! monats hatten wir am Schlußfeste bet« und doch voll Bert Winterszeit sorgen wagen wir unser wie schon im Tal, Menschenverbriider mir die Hoffnung breiten werde, unt, sich einen werde. Aber viele in Antwort aus die Viele, deren Herz e Wenn nur Friede b ist im Grunde gl' jener Abenteurer Sündslut! Wem von dem er nur ar der kann sich mit das Judentum nie sterbeetat stehe, de ans dem Judentm wird er bescheiden zuschreiben, wie ff auch nicht sogleich sich zeigen, den ft zu einem atlgemet Cb das Fud int Ausschwunge l Wellen. Ein K Mit hinaus seine Niederlassungen h Manzen ziehen > Taren und sein hat; noch schmiß große Summe M seinem Kapit Crte große Verb zünden Gewinn) tunu ® wäre u c",mit dem Fnd ^uben aud °>e eine -tragen», efr- Ar.