Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 38 (18.9.1896)
- Date
- 1896-09-18
- Page
- Seite 641 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 88 Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 64 t. -en, n interessiere sich „ich, ihre Stimne nicht die Triebfeder zm - die Thatsache, daß Hen l°e, wieder in den Vorstand l der Antisemiten darüber, E Zeworden sei, nirr lwarbt wird, wie in hiestimmt diesen Herbst zurück-! mederlegen. Wie weiter mil- > Wahlkreis für die antisei t und Herrn v. Mosch als t Herr v. M. in einer hier ) daß er auf die Nachfolge i rrer Jskraut ist von der j Prediger gewählt worden, »rieben: „Der antisemitische I Jskraut, welcher sich jetzt > zu Berlin bewirbt, stammt Großvater, Namens Israel; i den Törsern des Kreises! s er sich taufen ließ, nahm! kuriosnm mit, er Antisemiten, schlechte Note bekommen. Ich muß zu meinem Bedauern zugeben, daß diese nicht ganz unverdient war, obwohl ich ausdrücklich bemerken muß, daß unsere Gemeinde besser ist als ihr Ruf. Es waren zuinteil unglückliche Fügungen bei einzelnen Wahlen von Beamten und unleugbare Mißgriffe bei den Wahlerr in die Gemeindevertretung, die uns in diesen Rus brachten. Dieses alles wäre uns erspart geblieben, wenn nicht unsere Repräsentanten in unbegreiflicher Verblendung vor etwa drei Jahren das einzige Vorstandsmitglied, das durch sein > Wissen und seine Fähigkeiten in erster Reihe berufen war, eine Gemeinde vom Schlage der unsrigen zu leiten, hinausgewählt hätten, weil dies einem seiner beruflichen Mitbewerber so gepaßt hatte. Im Oktober d. I. stehen Ersatzwahlen zu der Repräsentantenversammlung bevor. Mögen sich diejenigen, die mit dem bisherigen Regiment unzufrieden gewesen sind, organisieren, damit Männer gewählt werden, die Herz und Verständnis haben für die Eigenart unserer Gemeinde. Vor allem möge mit der lächerlichen Gepflogenheit gebrochen werden, nach welcher die Vorversammlungen zur Nominierung von Kandidateil vorn — Vorstand der Gemeinde einberufen und geleitet werden. Eine solche Anomalie kann selbst im benachbarten Zarenreiche nicht Vorkommen. Es muß ein Komitee gebildet werden, das die Wahlen vorbereitet, damit sie im Sinne der Gemeinde ausfallen. X Emde», 11. September. (Maßregelung einer Separatgemeillde.) Infolge von Zwistigkeiten innerhalb unserer Gemeinde sind mehrere Mitglieder derselben ausgetreten und haben'eine neue Gemeinschaft unter dem Namen „Adaß Jeschurun" gebildet. Die Synagogengemeinde hat nun mit behördlicher Genehmigung eine Friedhofsordnung erlassen, welche den Mitgliedern der Separatgemeinde resp. den aus der Synagogengemeinde Ausgetretenen sowie deren Familienmitgliedern das Betreten des Friedhofes nur mit besonderer schriftlicher Erlaubnis gestattet, Leichenreden bei Beerdigungen, sowie das Aufstellen von Leichensteinen oder sonstigen Erinnerungszeichen gänzlich untersagt. Die Leichen der Ausgetretenen werden nicht in der für die Gemeindemitglieder geltenden Reihenfolge, sondern außer der Reihenfolge an jedesmalig anzuweisenden Plätzen beerdigt. Vom Eingang des Friedhofs an haben sich die Ausgetretenen jeder Thätigkeit bezw. Hantierung mit dem Sarge zu enthalten. Der weitere Transport erfolgt durch Beauftragte der Gemeinde gegen Vergütung von 20 bis 50 Mk. Wie es heißt, wollen die Mitglieder der „Adaß Jeschurun" gegen diese Ordnung protestieren. P Samtcr, 10. September. Am Montag fand hier in dem israelitischen Schulgebäude eine Versammlung der Schulgemeinde statt, um über die beantragte Pensionierung des ersten israelitischen Lehrers Herrn Caspari zu verhandeln Der Korporationsvorsteher, Herr Kaufmann Gustav Karls rvies mit warmen Worten auf die langjährige und treue Wirksanrkeit des Herrn Caspari hin, und betonte, daß die israelitische Gerneinde demselben auch dafür zu Dank verpflichtet sei. Redner beantragte daher die für den 1. Oktober d. Js. in Aussicht gestellte Pensionierung noch hinauszuschieben, um ihn an ben eventuellen Vorteilen des bis zum ersten April künftigen Jahres zrr erwartenderr Lehrerbesoldungsgesetzes teilnehmen zu lassen. Dieser Arrtrag wurde mit großem Beifall ausgenommen, und die Hinausschiebung der Pensionierung bis zum 1. Mai k. I. festgesetzt. Ferner beschloß die Versammlung in Rücksicht daraus, daß die z. Z. an der hiesigen israelitischerr Schule bestehenden zwei Unterrichtsklassen von nirr zusammen 34 Kindern besucht werden, die Umwandlung der Schule in eine einklassige zu beantragen, zumal dadurch die Gemeinde ein Lehrergehalt von rnindestens 1200 Mark jährlich spart. — Hannover, 14. September. (Kein 2. Rabbiner.) Die Mitteilung über Anstellung eines zweiten Rabbiners, die in Ihrer Wochenschrift, Nr. 37, gebracht wurde, entbehrt jedes Anhaltes und hat in weiten Kreisen unserer Gemeinde Ueberraschung hervorgerufen. Herr Landrabbiner Dr. Gronemann, der in der Fülle der Manneskraft steht, hat sich in den dreizehn Jahren seiner Amtsthätigkeit mit Eifer urrd Treue aller Pflichten und Obliegenheiten, die sein Amt mit sich bringt, unterzogen und niemals auf fremde Schultern zu wälzen gesucht, was ihm oblag zu thun. In unvorhergesehenen, unabweislichen Behindernngsfällen ist von jeher der Direktor der hiesigen Lehrerbildungs-Anstalt mit der Vertretung des Rabbiners betraut worden, so daß kein Mangel fühlbar wurde. Dies zur Steuer der Wahrheit! (Wir geben dieser Erwiderung um so lieber Raum, als hier etwas widerlegt wird, was in der inkriminierten Notiz — gar nicht behauptet wurde. Der Einsender der Notiz wollte, wie er in seinem Begleitschreiben hervorhebt, eine Frage, die in einigen Kreisen Hannovers besprochen wird, durch Veröffentlichung derselben zum Schweigen bringen. Dieses Ziel ist erreicht, wie die vorstehende Erwiderung zeigt. Red.) S* Düsseldorf, 14. September. Auf dem israelitischen Kirchhofe waren vor einiger Zeit Grabsteine umgestürzt worden. Die Untersuchung hat ergeben, daß eine von roher Hand angerichtete Verwüstung nicht vorliegt. Es sind vielmehr Schulknaben von der Einfriedigungsmauer auf die Steine gestiegen, die hierbei umgefallen sind. Das Wort „Antisemit" ist zweifelsohne gleichfalls von einem der halbwüchsigen Jungen geschrieben worden. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde hat, um derartige Vorkommnisse zu verhüten, die Mauer erhöhen und mit Glasscherben versehen lassen. ** Ncneunhr, 13. September. Von hier wird politischen Blättern geschrieben: Die jüdischen Badegäste haben jüngst die Direktion des Bades in einer Eingabe ersucht, den Wegfall des Chorals, mit dem das Frühkonzert regelmäßig beginnt, anzuordnen. Der Antrag wurde damit begründet, daß der Choral — meist christliche Kirchenlieder — für die jüdischen Badegäste anstößig sei. Hierauf ist den Petenten seitens der Direktion die Antwort zugegangen, es sei ihnen die Möglichkeit geboten, auf die Anhörung des Chorals zu verzichten; zu der Aenderung der Musikordnung liege daher kein Anlaß vor. — Ob „die jüdischen Badegäste" oder nur einer derselben diesen Wunsch ausgesprochen, hat Ihr Korrespondent nicht ermitteln können. Zutreffend erscheint uns die letztere Möglichkeit. Aber auch in diesem Falle wollen wir nicht unterlassen, das Gesuch als eine Taktlosigkeit zu bezeichnen. e. Birkenfcld, 13. September. Während des lOtägigen Aufenthalts des Großherzogs von Oldenburg in unserem unter