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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-09-18 · 38 (18.9.1896) · p. Seite 637

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
38 (18.9.1896)
Date
1896-09-18
Page
Seite 637 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 38. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 637. 1 7 echte und rechte ßto mf) diese Hütte Israels b »»fern ®t[We: fe ^^aufe deines Vaters- _ m die Haud gedM, rechorten Religioushütte mii 7 gottvertraumde Wanderer el zum Lamm des Opfers «. ®en ^brfolgt, verwandelte rr und Jizchak, das Opfer ^serungsfähigkeit seiner Nach, els wirkten vorbildlich Jäkel osef als Meister der Selbst des Höchsten, Ahron •örng der Betenden, it dieser seiner Laubhütte, d den barg, sicherer als in ein ten Prachttempel zu Jerusalem Viele ein Hüttenjudentum niJ Prachtjudentum ist'' “' nmelragendem Turm, „... en wollen die Meister, die. hten dem erhabenen Geiste bei enjndentums geben sich einer n, der Seele der Religion zn ie dienen in Wirklichkeit dein ie Erfahrung hat gezeigt, dab in einer Hütte besser entfalle! i alten Geschichte. DerKörper ahre Gotteshaus - ivird; Geist km i Geistes Träger is, Zynagogenleben geuser mehr sind. zurBerdeutlichuns , so kann man, die igeit: Unsere M >s religiösen Lebeni nan z» bestimm >ert. um alte V imKreR rgoge das Indem das gegemvartlg eu Sturm noch Heiligtum r imTischrimo"^ - die Synü^ , Judentum iß Mi--«'»' der unbrauch^ (.ullirt111 K-»'" *» »li-e" ,«i z«w>" zu einer formalen Bethätigtmg ohne religiöses Seelenleben. Wir wollen aber angesichts des Festes nicht die Hoffnung aufgeben, das trotzdem noch wieder errichtet werde die eingestürzte Hütte des geschichtlichen Judentums, die nach der Verheißung des Propheten uns dienen werde „zur Beschattung vor der Sonne Glut und zum Schutze vor des Regens Flut." - Eine Toilktteiisragk. Daß die polnischen uub russischen Juden ihre Tracht als eine spezifisch jüdische betrachten und sie demgemäß in den Bereich ihrer Orthodoxie ziehen, das kann nicht auffallen; das ist ja der Versteinerungsprozeß, der das Geivordene festhält und um das Werden sich nicht kümmert, ja mit Absicht vor demselben die Atlgen verschließt und dann die versteinerte Fliege im Bernstein als eine detn Bernstein notwendig znkontmende Eigenschaft hinstellt. Mir fällt da der Ausspruch eines polnisch-jüdischen Kurgastes in einem Badeorte ein. Dieser wurde von einem deutschen Fremtdc ermahitt, doch nicht int Bade vor so vielen Leuten feinen ohrenverletzenden Jargon zu sprechen. „Schämt sich etwa der Franzose, der Engländer oder der Deutsche seiner Sprache, tmd ich sollte mich meiner nationalen Sprache (?!) schämen?" war die Antwort. Keinetn vernünftigen Menschen aber wird es einfallen, dieses deutsch-polnisch-hebräische Konglonterat als eine „national jüdische Sprache" und die jüdischpolnische Toilette als eine „national-jüdische Tracht" hinzustellen. Eine national-jüdische Tracht wäre die orientalische, etiva die arabische. Die Tracht der polnischen Juden ist eine national-polnische. Die Juden tvanderten nämlich in Polen und zwar zunächst in Galizien unter Kasintir dem Großen (1333 bis 1370) ein. Die Judett, die damals durch die Priester der christlicheit Liebe, welche das Märchen voll der Wasservergistung durch die Jtlden so eifrig als möglich verbreiteten, säst in ganz Ettropa verfolgt, gehetzt nnb vertrieben wurden, fanden eine sichere Zuflucht im Reiche Kasintirs des Großen; ja er begünstigte sogar ihre Einivanderttng, um seilt Laitd dttrch Handel und Verkehr zu heben. Die Juden erlangten daselbst durch ihre bekatmte Rührigkeit, dttrch Fleiß, Geschicklichkeit nitd Mäßigkeit eilten bedeutettden Wohlstand. In Polen gab es damals noch keinen Bürgerstand, es war itnr der Adel uub der Bauer. Die wohlhabenden Juden ttahmen ttatürlich den Adel zum Mttster und ahmten ihtn in Lebensweise, Sitte und Tracht nach. Die hohen Stiefel, der Rock mit dem Gürtel wie die Pelzmütze gehören ttoch hettte jux* nationalen Tracht der Polen. Was die sogenanttten Schmachtlockett betrifft, so habett sie mit den biblischen „Peoth" herzlich wenig zu schaffen; denn selbst bei jenen asiatischen Jtlden, die den Bodett Europas niemals betraten, finden sich solche religiöse Frisuren tticht; aber die Haartracht der damaligen polnischen Adeligen bestand in langen Locken an den Seiten und am Hinterhaupte. (Affmann, Geschichte des Mittelalters, IV. Abt. Braunschweig 1864, Seite 488). Daß die Locken atu Hinterhaupte im Laufe der Zeit wegfielen, mag feine besondere Bewandtnis haben. Caro (IV. Seite 535 und ff., wie daselbst citiert wird) behattptet gleichfalls, daß die Juden sich wie die polnischen Adeligen kleideten, und daß sie deren Tracht bis auf den heutigen Tag mit derselben Zähigkeit wie die deutsche Sprache festgehalten haben. Auch Grätz (Geschichte der Juden, VII. Band, 2. Aitfl. Seite 382) schreibt: „Noch dursten da die Söhite jüdischen Stammes nicht nur die. eigene Landestracht und goldene Ketten, sondern auch den Degen, wie die Ritter, tragen." (Lelewel bei Sternberg a. a. O. S. 78, 80). Das freiwillige Ablegen der jüdisch-polnischen Tracht kann also von Seiten der polnischen und russischen Juden ohne jegliche Gewissensskrupel in Bezug auf ihre' jüdische Nationalität sowohl, als auch in Bezug auf ihre Orthodoxie geschehen, ganz so tvie dies seinerzeit mit dem Anlegen geschah. Dr. A. K. Das große Strrlreu. Novelle aus dem deutschen Mittelalter von Wilhelm Jenseu. (Fortsetzung.) Nachdruck untersagt. Doch der Jüngling hörte ihn nicht; er sah mir das unheimlich verzerrte Gesicht, die krampfhaften, grellen Augen des Mädchens, deren süßer Glanz noch eben erst ihn beseligend überflossert. Er sah jetzt nicht die Kunst des Malers, die jede Muskelanspannung in den ringenden Armen ausgeprägt, nicht die göttliche Widergabe des Lebens, — er sah nur das Leben selbst, die Angst, das Verderben, die wilde, namenlose Verzweiflung, und seine Faust ballte sich und er sprang auf das Bild zu — „Sag' mir, mein Sohn Hellem, was Du hältst von dem Gemäld?" wiederholte der Alte tnonoton. Die Frage rief den Jüngling zur Besinnung. „Thn es fort, Vater/' schrie er ans, „es ist entsetzlich!" Kaleb sah mit glanzlosen Augen darauf hin. „Was haben sie für Gold fortgeschleppt aus den Häusern," tnutmelte er, „und nach Rom gebracht, wo sie das Gebäude anfgebant haben, worin der Papst sitzt, und setzt nvch heute uns den Fuß ans den Nacken. Was für eine reiche Stadt war Jerusalem, ivo die Vornehmen aßen von goldenen Schüsseln. Aber es ist ein sehr gutes Gemälde, und ein guter Maler aus unserem Volk, und ich habe ihn gut dafür bezahlt." Er ließ den Vorhang wieder zurückfallen, und der Jüngling atmete wieder aus. Es tvar ihm wie ein wüstes Traumbild, das wesenlos in Nacht verschivnnden, und sein Herz fing ruhiger an zu klopfen. Doch der Alte trat ihm näher, er blickte noch eitnnal sorgsam im Zimmer umher, dann fuhr er leise fort: „Siehst Du, mein Sohn Hellem, deshalb ist cs gut, daß meine Tochter hat Diamanten, die so viel wert sind als eine Grafschaft; sie mag leben, wo sie will. War Jerusalem eine schöne Stadt, schöner als das Haus des alten Kaleb in der Judengasse in Kölln, und ist doch verbrannt von dem Feuer, tvas kam von Rom, und das Volk ausgetriebeu und ist arm geworden. Sei stille, mein Sohn Hellem, ich habe lange in der Welt gelebt und weiß, es ist gut, tvenn man hat Diamanten. Du wirst nicht reden von dem Bild mit den Frauen, denn ich habe ihnen verboten, den Vorhang anzurühren, weil ich weiß'

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