Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 38 (18.9.1896)
- Date
- 1896-09-18
- Page
- Seite 633 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 38 Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 033. 91t. 3R 'k — : s»:: sich-k»»-ch ihr s, „j,, ^q«d«xi, ist, d-z „i. -'s "««, »4 K ”^t «BWtt. fcfi,*, cieI ^ehr, weil man ft / Md die Furcht vor m 1 kin gewisses Bedauern z» n Schmerzen los zu mb 3ften standen ratlos da, » i etwas aus nichts, und a» - - nichts wird. - enst, daß man in Franst» rte, Herrn Rabbiner - h olger Breuers zu kraft rdings die geeignetste Pech- >lt keine der Eigenschaften, ij -sitzt auch in hohem Grade k c Mitglieder der ReligiH s: Hirsch hat es ihm nie«^ r Rabbiner der Hauptze Man weiß, daß Hirsch i. j; ickgewiesen hat. Aber >m^ Verhältnisse, daß gerade h I geeignete Nachfolger $tt% besten die Situation und» : von entschwundener Prack' ,eimer. Möge es ihm seiner Partei zu giänis sioses bei seinem Leben? man doch wohl auch h^ nst hier die Fahne ergrM dieser festen Hand eutß^ auch thatsächlich nicht freundschaftlich irebeneiuander wandelten. Die göttliche Glorie, die jeden einzelnen umstrahlte, duldete nichts Glanzendes neben sich, ganz im Sinne des anfangs der Sonne an Größe gleichen Mondes: „Wie können zwei Könige .'ine Krone tragen?" — Neben solchen gottgleichen Menschen kann keine Größe sich entfalten. Jeder Widerspruch ist da Hetzerei, jede abiveichende Meinung Blasphemie. Eine Nuance venigcr Ehrfurcht vor diesen Gottmcnschen könnte den Schüler in die schlimmste Lage bringen. Selbständige Persönlichkeiten, große Charaktere können sich in solcher Unsehlbarkeits-Atmophäre nicht entfalten. Und so kommt es eben, daß es heute der Orthodoxie an Männern, an Größen, an Autoritäten fehlt. II. Auf- und abwärts des Rheins. i. C. Köln, 12. September 5657. Wo sind die schönen Zeiten hin? Unser seliger Rabbiner Dr. Israel Schivarz war einst nach einer nahegelegenen Stadt als Sachverständiger geladen. Daselbst hatten einige Äemüts»ienschen eine zwischen ihnen und ihrem Rabbiner chwebende kleine Differenz in derselben Weise ausgeglichen, vie sie jur „Krönung" einer Kirmeßfeier iiblich ist, d. h. auf )em nicht ungewöhnlichen Wege einer Rauferei. Da die Eente „schlagfertiger" waren als der Seelenhirte, so wurde letzterer zeitweilig verhindert, Dienst zu thun. Die erwähnten Liedermänner beschlossen, die Trauer der Synagoge rrm aiese unfreiwillige Enthaltsamkeit durch eine zweite Helden- .hat zu feiern, und den am Rosch haschanah-Abend das Gotteshaus besuchenden Andächtigen wurde die Ueberraschnng zuteil, daß sie die Kanzel schwarz behängt vorfandcn. Die unerquickliche Asfaire, deren Beteiligte bereits sämtlich tot sind, soll nicht wieder anfgefrischt werden. Blos ein Moment ans der Gerichtsverhandlung soll der wohlverdienten Vergessenheit entrissen werden: Der selige Dr. Schwarz.beantwortete nämlich die Frage des Gerichtspräsidenten, ob er sich ärgern würde, wenn man ihm in nicht üblicher Weise am Rosch haschanah die Kanzel schwarz dekorieren würde, mit den klassischen Worten: „Ich ärgere mich niemals!"..— Wo sind die schönen Zeiten hin, frage ich nochmals, da vcr Kölner Rabbiner sich niemals zu ärgern brauchte! Freilich war Schwarz seelsorgerischer Alleinherrscher in unserer rheinischen Metropole, was heute, da die Gemeinde und die religiösen Gegensätze gewachsen sind, naturgemäß nicht mehr der Fall sein kann, und in der Kölner Gemeinde dazumal noch der alte jüdische Geist von vor 1847 lebte, in welchem gesegneten Jahre die Vorsteher kraft ihres Amtes theologische Gelehrte wurden und die Knltnsbeamten pensionsunberechtigte Schamoßim. Ich sprach von „religiösen Gegensätzen", das muß etwas klargestellt werden. Im eigentlichen Sinne kann von solchen hierorts nicht die Rede sein, denn gottesdienstlich giebt es hüben und drüben fast gar keine Unterschiede und die Trennung der Gemüter ist mehr eine — platon ische. Die Hauptgemeinde, welche, entgegen der Mitteilung in einer früheren Nr. Ihres Blattes, die neue Synagoge mit unverändertem alten Ritus einrichtet, — an der Stelle, wo die jetzige steht, soll über 100 Jahre Dünner „ausgehauen" werden — denkt an keine offiziellen Neuerungen, denn um Orgel, Abschaffung einiger Piutim und deutscher Haftarah streiten in unserer Zeit vernünftige Menschen überhaupt nicht mehr. Wenn trotzdem hier eine streng orthodoxe Gemeinde nebenher besteht, die durch eine noch strengorthodoxere und noch kleinere übertrumpft wird, so dient dieser Sport nur zur Abkühlung für erhitzte Gefühle, und um die Hauptgemeinde sowie ihren Rabbiner zu ärgern, — was beiden ganz vorzüglich bekommt. Aber es giebt doch Zündstoff innerhalb der Gemeinde. Darin unterscheidet sich das altehrwürdige Köln nicht von anderen Gemeinden in Israel. So z. B. hat man dem bewährten Rabbiner, der durchaus noch nicht den Eindruck der Invalidität hervorruft, vor einigen Jahren einen zweiten Rabbiner a^rgbhängt, welcher ihn in Behindernngsfällen vertreten soll. Letztere sollen aber, einem on dit zufolge, noch niemals eingetreten sein, wodurch die Behaglichkeit des „Zweiten" auch nicht gerade erhöht wird. In der Gemeindevertretung, welche. von jeher im heimlichen Dunkel tagte, — was ihr verschiedentlich sehr übelgenommen wurde — und der eine Verjüngung, wie bei der Armee, nicht schaden könnte, sitzt ein leibhaftiger höherer Gerichtsbeamter, der es nicht „unter seiner Würde" hält, sich der Interessen der Gemeinde kräftig anzunehmen. Die Gemeinde- Institutionen sind auch in gutem, die Volksschule sogar in sehr gutem Zustande, im Krankerlhause iverden von einer bewährten Kraft auch „Schwestern" ausgebildet und rnit einer Uniform versehen, welche ebenso wirksam ist, wie ein — Heiratsbureau. Unsere Damen sollen diese Einrichtung sehr eifrig und liebevoll fördern, weil sie infolge derselben die schönen Moralreden des Herrn Rabbiners, wenrr er die Gemeinde mit „meine Brüder nrrd meine Schwestern" anredet, nicht mehr auf sich zu beziehen brauchen. Daß hier ein Litteratnrverein besteht, ist selbstverständlich. Er wird von kräftiger Hand zielbewußt geleitet und stand früher in schönster Blüte. Aber in beu letzten Jahren sammelte sich in demselben immer mehr Explosionsstoff an, welcher geeignet ist, die ganze übliche Vereinsmeierei in die Luft zu sprengen. Ein kleiner Zeitungskrieg hat dies im vorigen Winter trefflich illllstriert, hat aber auch verschiedene Kriselchen im Gefolge gehabt. Was noch übrig bleibt, verdirbt die Modethorheit „Zionismus". Diese schleichende Krankheit hat den Verein seit langem heimgesucht. Der Arzt, welcher alle Schäden der Judenkrankheit durch das sympathetische Mittel „Zionismus" heilen will, garantiert jedem, der sich ihm anvertrauen will, kurzen Prozeß zu machen, trotzdem er — Rechtsanwalt ist. Im übrigen bleibt Köln — Köln. Geht man auch in den Ansichten auseinander, so geht man zusammen in „Hänncschen" und der Lokalpatriotismus führt die getrennten Gemüter wieder zusammen. Und die Kasualien werden hier wie im ganzen Rheinland nobel honoriert, trotzdem die allerreichsten Leute bereits ausgestorben sind. Fallseine vorübergehende Auferstehung der Toten eintreten sollte, wird unser erster Rabbiner Millionär, der zweite bleibt aber auch dann ein armer L.