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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-09-18 · 38 (18.9.1896) · p. Seite 632

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
38 (18.9.1896)
Date
1896-09-18
Page
Seite 632 (sequence 4)
Language
German
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Seite 632. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr 38. (fiiic itatliigc unserer ", 1 '. M. Frankfurt a. M, im Sept. Das Triumvirat der Orthodoxie in Deutschland war Dr. Lehmann-Mainz, Samson Raphael Hirsch-Frankfurt und Dr. I. Hildesheimer-Berlin. Die beiden ersten ruhen in einem bessern Jenseits, der letztere möge noch lange „jubelnd ernten, was er mit Thränen gesäet!" Als die orthodoxe Gemeinde in Mainz ihres Führers beraubt wurde, da trat schon die große Verlegenheit hervor, die Lücke entsprechend auszufüllen. Es war aber keiner da, der für den entschlafenen Dr. Lehmann hätte Ersatz leisten können. Dr. Lehmann war gewiß keine Größe im absoluten Sinne des Wortes; er hätte gewiß von den „Großen in Israel" nicht den Titel oder auch nur brü erhalten. Aber er war, — das kann man nicht bestreiten, — eine Säule der Orthodoxie, und als diese einstürzte, da empfand man, daß der Orthodoxie ein Vorrat an „Säulen" fehlte. Herr Dr. Bondi, in Ehren der Nachfolger des Dr. Lehmann, ist einer der achtungswürdigsten Rabbiner unserer Zeit; aber ein — Dr. Lehmann ist er nicht und wird er nie sein. Er ist auf manchem Gebiete sogar mehr als sein Vorgänger, z. B im Arabischen, wo er an der Terenbourgschen Saadiah-Ausgabe ein hervorragender Mitarbeiter ist, aber was Dr. Lehmann als Säule der Orthodoxie gewesen, das ist er nicht. — Noch empfindlicher trat dieser Mangel an nachwachsenden Führern hervor, als der Tod die Frankfurter orthodoxe Religious-Gesellschaft ihres Führers, des greisen Samson Raphael Hirsch, beraubte. Hirsch war nicht nur eine relative Größe, er war ein wahrhaft großer Mann. „Nehmt alles nur in allem: er war ein Mann!" — Dies stolze Wort Hamlets konnte man ohne Einschränkung aus S. R. Hirsch anwenden. Als aber die Orthodoxie dieses ihres großen Führers beraubt wurde, da fühlte sie sich im einfachen Sinne des Wortes wie eine Herde ohne Hirten. Wer sollte Hirschs Nachfolger werden? Wer sollte das Lebenswerk Hirschs erhalten und gedeihlich sortführen. Um eine richtige Antwort auf diese Fragen war die Orthodoxie Frankfurts in der größten Verlegenheit. Ein Kind dieser Verlegenheit war die Wahl des Herrn Dr. Breuer. Unter all den orthodoxen Rabbinern, die in ihren Gemeinden ein Lehmann oder ein Hirsch im kleinen sind, war kein einziger, der auch nur in Frage kommen konnte; und unter den Herren, die in ihrer Gemeinde ein Hirsch im großen sein wollen, die licet venia verl)0, Hirsch „Überhirschen", die die Orthodoxie durch anmaßliche Uebergriffe in die intimsten Familien-Verhältnisse zur Fratze verzerren, konnte erst recht in Frankfurt keiner in Betracht kommen. — Aus dieser Verlegenheit allein läßt sich die Wahl Breuers in Frankfurt begreifen. Breuer hatte den Vorzug, kein — Deutscher zu sein. Seine Vergangenheit war wenigstens eine leere Tafel. Er hatte den Vorteil, unbekannt zu sein. Ihm konnte man wenigstens ungestört alle mögliche Größe und Bedeutsamkeit zuschreiben, von ihm konnte man erzählen, er sei der größte Talmudist der Gegenwart, erhübe aus seiner Gemeinde Papa ein kleines Jerusalem gemacht. Rührende Schilderungen, wie unglücklich sich die Gemeinde Papa fühle, ihren Führer an Frankfurt abgeben zu müssen, konnten wenigstens durch keine wohlbekannte Thatsache, daß man sich freue, den Fanatiker los geworden zu sein, Lügen gestraft werden, wie das bei Besetzung durch einen orthodoxen Rabbiner aus Deutschland leicht hätte der Fall sein können. Wenn in Deutschland nicht die zu Führern prädestinierten orthodoxen Rabbiner fehlten, man hätte sich in Frankfurt am allerwenigsten einen Rabbiner aus Ungarn verschrieben. Besitzt ja für Frankfurt schon das übrige Deutschland eine gewisse Unterwertigkeit, um wie viel mehr Ungarn. Aber wenn die Decke zu kurz ist, so muß man sich eben nach ihr strecken. — Wie groß die Notlage der Orthodoxie ist, das empfand man neulich, als es hieß, Dr. Breuer wolle nach Wien gehen, in Frankfurt noch drückender als früher. Man fürchtete das Feuer einer Mißwahl noch viel mehr, weil man schon einmal verbrannt hatte, und die Furcht vor noch schlimmerem Brande hatte sogar ein gewisses Bedauern gezeitigt, daß man die bisherigen Schmerzen los zu werden Aussicht habe. Die Einsichtigsten standen ratlos da, sie sollten ein ffdw 2" schaffen, ein etwas aus nichts, und man fürchtete sehr, daß aus nichts-nichts wird. — Die Verlegenheit war so groß, daß man in Frankfurt sogar die Möglichkeit ventilierte, Herrn Rabbiner — Dr. Horovitz - Frankfurt als Nachfolger Breuers zu berufen. Herr Dr. Horovitz wäre ja allerdings die geeignetste Persönlichkeit für diese Stelle; ihm fehlt keine der Eigenschaften, die diese Stelle erfordert, und er besitzt auch in hohem Grade die Achtung und Freundschaft aller Mitglieder der Religionsgesellschaft. Aber ihm fehlt eines: Hirsch hat es ihm nie verziehen, den Ruf als orthodoxer Rabbiner der Haupt gemein de angenommen zu haben. Man weiß, daß Hirsch s. Z. die Visite des Dr. Horovitz zurückgewiesen hat. Aber war es nicht eine grausame Ironie der Verhältnisse, daß gerade Dr. Horovitz als der einzige, wirklich geeignete Nachfolger Hirschs dastand? Das kennzeichnet am besten die Situation und die Notlage der Orthodoxie. — „Nur eine hohe Säule zeugt von entschwundener Pracht"; Herr Rabbiner Dr. I. Hildesheimer. Möge es ihm noch lange vergönnt sein, als Krone seiner Partei zu glänzen! Aber wenn der große Lehrer Moses bei seinem Leben für seinen Nachfolger sorgte, so darf man doch wohl auch hier die Frage aufwerfen: wer wird einst hier die Fahne ergreifen, wenn sie nach Gottes Ratschluß dieser festen Hand entsinken wird? Und vie Antwort- Was die Ursache dieser Notlage ist, soll hier nicht ausführlich erörtert werden. Nur auf einen Punkt wollen wir Hinweisen, der als ein wesentlicher Faktor dabei mitgewirkt hat: die Vergötterung, die mit Lehmann, Hirsch und Hildesheimer getrieben wurde. Diese Führer und Lehrer der Orthodoxie wurden uicht wie höherstehende Mitarbeiter betrachtet und behandelt, sondern wie höhere Wesen, wie eine Art Engel. Hirsch wurde von einem seiner Grabredner mit dürren Worten über Mosche Rabbenu gestellt. Und so auch bei Lebzeiten; das orthodoxe Triumvirat war über das Maß des Menschlichen hinansgehoben. Das waren Sonnen, die keinen Stern neben sich dulden, und die auch tfiatfäd}lidi nicht Tie §ßttlid)e (Marie, nichts Glanzendes ne1 ionne an Größe gtes eine Krone tragend kann keine Größe j Ketzerei, jebe abmeidjt weniger Ehrfurcht aoj * in bie fd)limifte l}ag große Charaktere körn fphare nicht entfalten. der Lrthodorie an M II. Auf-« sind die jchö Tr. Israel schwär Stabt als Sachverftc Gemütsmenschen eine schwebende kleine Ti wie sie zur dem nicht Leute,schlae letzterer zeit, Biedermänni that zu sc Gotteshaus 43

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