Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-09-18 · 38 (18.9.1896) · p. Seite 630

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
38 (18.9.1896)
Date
1896-09-18
Page
Seite 630 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/4794838-9609712-9610390--1716-9610392
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 630. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 3«. Die Nutzanwendung dieses Bildes wollen wir getrost unseren Lesern überlassen, die ungetrübten Blickes die Strategie und Entwickelung unseres Kampfes beobachten. Herrn Professor Lazarus gegenüber wollen wir uns jedoch genau nach dem Vorgang in: Pentateuch, auf die Logik der Thatsachen berufen. Um zu ermitteln, wer Recht und wer Unrecht habe, rief Mose wider Korach eine höhere Macht an: „Und Mose sprach: Daran sollt ihr erkennen, daß der Ewige mich gesandt, alle diese Thaten zu thun, daß nichts aus meinem Herzen . . . Wenn über sie (die Anhänger Korachs) das Verhängnis aller Menschen verhängt wird, so hat der Ewige mich nicht gesandt; wenn aber der Ewige etwas neues schafft . . . und sie lebendig in die Versenkung fahren, so werdet ihr erkennen, daß diese Männer das Göttliche bekämpft haben!" . . . Je nun, die wir in Berlin bekämpft haben, sind insoweit sie ihre „Stäbe" dem Heiligtum des Volkswillens überliefert, von der Bildfläche verschwunden, unser Stab aber, der Stab „Ahrons" blüht und trägt Früchte. W o sind nun die „korachidischen Charaktere?" . . . Der Stab Ahrons! Denn nicht begeistern wir uns für den Ahron, dessen Friedensliebe, wie man es nennt, dessen Nachgiebigkeit, wie man es nennen sollte, die Ursache war, daß die steinernen Tafeln am Fuße des Berges Sinai zertrümmert wurden, sondern für den Ahron, von dem die Schrift sagt: „Er stand zwischen den Toten und den Lebenden, und die Plage ward eingehalten." Wir streiten für die Kräftigung alles dessen, was „jüdisch" genannt zu werden verdient, wehren uns wider die Plage Jndifferentismus, die immer mehr um sich greift. Unzählige sind dem Judentum abgestorben, und die Ueberlebenden sind in Gefahr, von der totbringenden Krankheit heimgesucht und dahingerafft zu werden. So stehen wir zwischen den Toten und den noch Lebenden, auf daß die Plage aufhöre — w o sind nun die „ahronidischen Charaktere"? . . Und nach alledem die an die Spitze dieser Zeilen gesetzte zusammenfassende Frage: „Ahroniden oder Korachiden?" Vielleicht antwortet Herr Professor Lazarus auf diese Frage. _ A. L. Gottesdienstliche Vorstellungen int nennrehnten Jahrhundert. (Rückblick aus dem Jahre 2016.) Wir zählen das Jahr 2016 nach der gewöhnlichen Zeitrechnung. Wir feierten in diesen Tagen das Neujahrsfest des Jahres 5777 des jüdischen Kalenders. Das Judentum hat seit der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts einen nie geahnten Aufschwung genommen. Wir haben uns in diesen Tagen in unseren Gotteshäusern Erholung und Enthusiasmus für die heilige Sache geholt; wir haben den ergreifenden Tönen unserer herrlichen Liturgie gelauscht, welche in uns Gefühle der Begeisterung für das Judentum und der Bewunderung der erhabenen Unendlichkeit der göttlichen Natur wachgerufen; wir haben aus dem Munde unserer Rabbiner neue Belehrung und Vertiefung in die Ideen der jüdischen Lehre vernommen. Auch sonst erfreut sich das Judentum in unseren Tagen einer Wiederverjüngung und einer Neubelebung, wie sie vor hundert Jahren von nur Wenigen erstrebt, von noch Wenigern aber erhofft worden ist. Unser Gemeindeleben befindet sich im Stadium der Blüte; die Religionsschulen stehen auf der Höhe ihrer Aufgaben; Hochschulen für die jüdische Wissenschaft sind der Brennpunkt des litterarischen Lebens, der Sammelpunkt gediegener Lehrer und lernbegieriger und lernfähiger Jünger. Die Gemeindevorsteher sind geistvolle, gebildete Männer, beseelt von Liebe und Eifer für die geistige Erhebung des jüdischen Stammes, frei von Dünkel und Protzentum. Nun, freuen wir uns aufrichtig, daß wir diese Zeit erlebt, hoffen wir für die Zukunft Israels einen großen Fortschritt, pflegen wir mit Verehrung die litterarischen Erzeugnisse unserer Zeit, die uns das Judentum in seinem wahren Inhalt erschließen; aber gedenken wir mitten in unserer Freude der Zeit des Verfalls, welche in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts Schrecken erregende Dimensionen angenommen hatte. Ein geistvoller Historiker hat es soeben unternonunen, zu unserer Belehrung einBuch überjeneZuständeunterderwesteuropäischen Judenheit zu schreiben, um auf Grund eines umfangreichen Aktenmaterials uns ein zutreffendes Bild von den inneren Vorgängen der westeuropäischen Judenheit gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts zu liefern. In diesem Werk finden wir ein mit seltener Gründlichkeit geschriebenes Kapitel, betitelt: „Gottesdienstliche Vorstellungen im neunzehnten Jahrhundert." Wir glauben uns unsere Leser zu verpflichten, wenn wir ihnen hier diese interessante Abhandlung aus den Aushängebogen geben, wozu wir durch die Liebenswürdigkeit des Verfassers in den Stand gesetzt worden sind. „Alle Kennzeichen und Merkmale der Decadence der deutschen Judenheit im neunzehnten Jahrhundert — des wichtigsten Teils der westeuropäischen Stammesgenossen —, die wir dem Leser in diesem Buch in seiner erschreckenden Vollständigkeit vorgeführt, finden wir auch in den gottesdienstlichen Einrichtungen aus jener Zeit, die wir, um die Natur der Sache richtig zu bezeichnen, besser „gottesdienstliche Vorstellungen" nennen müssen. Jnderthat trug alles, in den Großgemeinden besonders, äußerlich wie innerlich den Charakter des Komödiantenhaften an sich; es sah alles nach der Operette aus, nach der Kulisse, nach Schnrinke und Mache. Schon der Umstand, daß die Synagogen damals an den hohen Festtagen gleich den Opernhäusern nur gegen Eintrittskarten zugänglich waren — ein Umstand, dem wir übrigens in jener Zeit bei den Gotteshäusern der anderen Konfessionen nicht begegnen — trug viel dazu bei, den Synagogen die äußere Aehnlichkeit mit einem Theatersaale zu verleihen. Im Archiv der Berliner Gemeinde finden wir aus jene Zeit stammende Listen der sämtlichen Gemetndesynagogen, welche ihre Plätze gegen verschiedene Preise vermieteten. Es gab billige Plätze für die minderbemittelten und teuere für' die reicheren Klassen. Dementsprechend müssen wir annehmen, daß eine gewisse Rangordnung in der Synagoge geherrscht hat. Oben, an der Seite der damaligen Rabbiner und der Gemeindevorsteher, haben wohl die reichen Gemeindemitglieder Platz gefunden; ganz unten saßen die minderbemittelten Inden. Wir dürfen uns das Bild denken, daß große jüdische Gelehrte, wenn sie zufällig unbemittelt waren, ganz unten ein bescheidenes Plätzchen fanden, oder überhaupt nicht hineingelassen worden sind. Außer den offiziellen Gemeindesynagogen cs auch sür di Erstellungen, was n politischen Zeitungen gesehen haben mag, > Materials nicht rer! mark:,-, , berechtigt siild, i« haben mit „Theate In der That finde Mgel-Tangels bef Dem Aeußern richtungen entsprach spräche mar in ui oder nur auf kle Letzteres war das! und halb konfessioii gern angefertigt n Kenntnis Zähe strü rillen, manche and so eine Liturgie sch: durchblä Einen Hauptbes die Predigt: aber hebende Predigt, so mühsam einstudierte getragenes Wortgep gedruckter und unge sicht erhalten. Air die darin gefunden, in allein Ernst dem werden konnten: dai Synagogenbesucher diese traurige Ersch zehnten Jahrhunder Zeitalter einer ge,vis 'var. Wir finden i »ahme der Kellnerin, litterarischen Gelege keine genügende Ent die sich spreizende 9 d'e wir in den Pre zwei Tage mit der i ^bracht und empf, lener Epoche. y bet Sesau M können mir in a» Stimmen fehlt c ft ®Ni< -> et "erblerten Litt. u i i '? äW, b bum,!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.