Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 38 (18.9.1896)
- Date
- 1896-09-18
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Ntzemertte Berlin, 18. Septemb. 1896 Nr. 38. Jahrgang V. (2, 9' zum Kantor in Tnch>-> -Herr Kantor Tavidsch M mebergcleat und verd er (WGr.) Sos.W zohn. u. Nbk. Meid, an 1 Hilst!. Sch. Ein!. 1200 bis s. M. K. Sch. Fix 700, M ß, Geisenheim.-Iserlohn :r vorl. ans ein Jahr. Fh I. Steinberg. - Lauters le Jochsberg.s Znm l.A. 1100 m, sr. W. U. Hch. Nebst einer wissenschaftlichen Beilage „Ieschurun". \ Redakteur: A. £eotn. Verlag: Siegfried Lronbach, öerlin W. 57. ^reu und Telephon: Redaktion VII, 4236. * Expedition VI, 796. Bezugspreis vierteljährlich: frfi! Deutschland u. Gesterreich-Uugarn Mk. 2,00, alle andern Länder Mk. Ä,50. Post-Zeitungsliste Rr. 108. Die „Wochenschrift" erscheint an jedem Freitag mindestens 20 Seiten (2>/, Bogen), der „Jeschurun" Mitte und Ende jeden Monats mindestens 4 Seitetl ('/, Bogen) stark. Zu beziehen durch die Post (Zeitungsliste pro 1896 Nr. 108) oder unsere Expedition. Anzeigen werden mit pfg. für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum berechnet. Bei Wiederholungen oder größeren Aufträgen tritt eine Preisermäßigung ein. Alle Annoncen-Expeditionen sowie unsere Expedition nehmen Anzeigen für dieses Blatt entgegen. ugekasten.! fmerksaiM anläßlich bri L Wege allerseits herzliche» rr nr: <w. '7: ,m,i zum Professor ernannte Tr. £ Mitglied der hiesigen jüd. I Tie Neujahrsbeiträge käme» \ gewissen Gründen scho» schließen müssen. Inhalt: Ahroniden oder Korachiden)' Bon A. L. — Gottesdienstliche Vorstellungen im neunzehnten Jahrhundert. Von Dr. S. Bernfeld. — Eine Notlage unserer Orthodoxie. II. — Auf und abwärts des Rheins. — Wochen Chronik: Der D.-J. G -B. an der Arbeit. — Prozeß Sedlatzek — „Zionisten" wider Willen — Freimaurerund Juden. — Die Juden in China. — Feuilleton: Die Sukkah des Judentums Von Dr. I. Niemirower. — Eine Toilettenfrage Von Dr. A. K. - Das große Sterben. (Fortsetzung.) Von Wilhelm Jensen. — Zur Geschichte der Juden in der Markgrafschaft Baden. — Hier und dort. Anzeigen. Aliroilidkn ober Kmchidk»? Wer viel fragt, erhält viel Antwort, bisweilen auch solche, die er weder erbeten noch erwartet. Unter dieses Rubrum ist auch die Antwort zu setzen, die Herr Geheimrat Prof. Dr. Lazarus auf unsere Rundfrage erteilt hat: Die Frage leide an einem inkurablen Fehler, an dem Fehler nämlich, daß sie überhaupt gestellt wurde, da von einer Decadence im Jndentume in Ost und West wohl nicht die Red' sein kann und von einem Niedergang des jüdischen Lebens in unsrem Lande nicht die Red' sein darf. Solle aber dennoch hierüber gesprochen und über Mittel zur Abivehr beschlossen werden, so müsse jene Aussprache in einer imposanten Versammlung erfolgen und dieser Beschluß das läuternde Feuer eines Majoritätsvotums passieren. So ist cum grano salis die sachliche Erwiderung des Herrn Prof. Lazarus zu verstehen. Auf diese Erwiderung haben wir nichts zu erwidern, sticht allein deshalb, weil sie, ohne unser Zuthun, von berufener Seite widerlegt ist, sondern vornehmlich, weil hier jedem Angefragten ungeschmälerte Redefreiheit zugesichert worden ist. Anders die persönliche Anspielung, in welche die Antwort des Herrn Professor ausklingt und die gleichsam eine Herausforderung an uns enthält. „Dies alles aber durch ahrouidische und nicht korachidische Charaktere", schließt die in Nr. 36 abgedruckte Zuschrift. Wissen wir auch nicht recht, wen der Herr Professor sich als Inkarnation des ahronidischen Charakters gedacht hat, — daß als abschreckende Beispiele korachidischer Charaktere wir, die wir den polemischen Teil dieses Blattes schreiben, hingestellt worden, das war uns klar, weil nicht neu. Schon einmal wurde uns diese Ehre auf der Kanzel einer Berliner Synagoge zuteil. Da wir aber allgemach verlernt haben, ernst zu nehmen, was in unserer Gemeinde gepredigt wird, so wurde dem Redner von beteiligter Seite in einer Tonart geantwortet, die dem Geiste des Vortrages entsprach; als Scherz wurde die Ausführung des Predigers aufgefaßt, scherzhaft war die Antwort des Journalisten ausgefallen. Einem Manne von der Bedeutung Lazarus' aber ist es Ernst mit allem, was er spricht und schreibt; und da Herr Professor Lazarus satisfaktionsfähig ist, so nehmen wir, nachdem wir den Versöhnungstag in und zum Frieden haben dahingehen lassen, zunächst ohne Beistand von Sekundanten, die an uns gerichtete Herausforderung an. — Korachiden sollen wir sein, die wir seit Jahren den in Berlin gepflegten Geist der Verflachung und Versumpfung bekämpfen! Dem Völkerpsychologen Lazarus scheint die Psychologie des korachidischen Charakters nicht zu sitzen, er würde ihn sonst nicht gegen uns ausgespielt haben. Korach ist für ewige Zeiten zum „Korach" stigmatisiert, weil er wider Mose und Ahron aufgetreten war und sie keck bekämpft hat, um an ihre Stelle zu treten. Ein Kampf aus anderen Motiven und gegen minder bewährte Personen würde ihn zum Helden, der Untergang in einem solchen Kampfe ihn zum Heiligen gestempelt haben. Gesetzt Korach hätte vor sein Volk hintreten dürfen, sprechend: „Israeliten! Unser Führer Mose hat uns in die Wüste gebracht, um uns verderben und verkommen, und der Priester Ahron stimnit seine Friedensmelodei an um uns unfern Untergang nicht wahrnehmen zu lassen; fort mit den Männern, die mit Berufung auf ein erdichtetes Gottesgnadenlum sich der Führung in Israel bemächtigt; „die ganze Gemeinde ist heilig, in ihrer Mitte ist Gott;" laßt uns Meister werden unseres eigenen Geschickes und Führer ablehnen, die unsere V e r sichrer sind morden!"-gesetzt Korach hätte also sprechen und handeln dürfen, fürwahr nicht ein Schimpf, sondern ein Segen märe sein Name für alle Zeiten und alle Geschlechter, — ein Segen, wie es die späteren „Korachiden", die P r o p h e t e n Israels geworden. f fcr 11 V i /