Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-09-11 · 37 (11.9.1896) · p. Seite 621

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
37 (11.9.1896)
Date
1896-09-11
Page
Seite 621 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/4794838-9609712-9610373--1706-9610382
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

9*r. 37. ' A m .bet neapolitanisch,, 1813 I?? W° « ® « Mt*««, M, mcht aber von den MG rs des Volkes sich ziehungm zu den ausgezch lnem Einflüsse und seiner 3fc ■ bau Marino die Beendig^ Heiligkeiten mildem römische ' zum Ehrenbürger des Fm ^der Kunstfreund und vorzür glücklichstem Erfolge auch i war der Wiedererivecker da Wohnung in Rom - die s» ich deutsche Künstler in dieser lle Sammlung von etrurisch« Majolikabildcrn und einzeln« die er während seines As rde nach seinem Tode für y erworben. Sein Hinscheid« ,e gänzlicher Einziehung da nsionierung am 27. Juli 1825 ' dem protestantischen Kirii iFortjepng jchu dir. 37. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 621. Vom Volk, vom alten, — Hast du erhalten — Den kargen Rest; Es fleht, die Herzen — In bittern Schmerzen — Von Leid gepreßt: — Solachti! Was laut wir flehen, — Was nicht gestehen — Mag scheu der Mund — Und seufzt im Stillen — Vergieb's! laß quillen — Ins Herz so wund — Solachti! Sieh' wie wir bangen! Auf rlnsern Wangen — Glüh'n Reu' und Scham, — Sieh' nicht die Sünde, — Und mild verkünde - als Trost im Gram — Solachti. Hilf, hilf, gewähre! — O sieh' die Zähre — im feuchten Blick! — Druck und kein Ende! — O wende, wende — Das Fluchgeschick — Solachti! Rasch, wie die Wolke — Laß deinem Volke — Vorüber flieh'n, — Die Schuld, das Elend — Und neubeseelend — Sanft niederzieh'n — Solachti! Das große Sterben. Novelle aus dem deutschen Mittelalter von Wilhelm Jensen. (Fortsetzung.) Nachdruck untersagt. Er streckte feierlich seine Hände auf das schwarze Haar des Jünglings, zwei Thränen fielen aus seiner Wimper und rollten glänzend in den weißen Bart herab. Nun hob er den Gesegneten auf und legte die Arme um seinen Nacken und küßte ihn. „Lea," fuhr er mit freudebebender Stimme fort, „richte ein Mahl für unser Volk und laß es aus die Gasse tragen, daß die Armen sich sättigen, denn uns'ist Freude widerfahren." Die Untenstehenden jauchzten zu den Worten und eilten auf die Erweiterung der Gasse zu, die Markt geheißen wurde. Dort lagerten sie sich um den Brunnen in der Mitte und harrten fröhlich des Dankmahles, das ihnen versprochen. Kaleb aber führte den heimgekehrten Sohn in das Innere des Hauses, wo die Frauen seiner warteten. Er selbst stieg die Treppe hinauf und ging in sein Schlasgemach, während die Mutter den Jüngling umhalste und küßte. Sie schluchzte und lachte, sie drängte ihn von sich und bewunderte seine Schönheit und schloß ihn wieder in die Arme und erstickte ihn fast mit heftiger Liebkosung. Dann nannte sie ihn mit tausend zärtlichen Namen, endlich ließ sie ihn los und faßte die Hand des Mädchens, das hinter ihr stand, und führte es ihm entgegen. Es war dämmernd auf dem Flur, doch Hellem blieb stehen und that keinen Schritt vorwärts. Staunend hing sein Auge an der hohen Gestalt, die vor ihm stand und die Arme nach ihm ausstreckte. Er fuhr wie erwachend mit der Hand über die Stirn: „Bist Du Tamar, meine Schwester?" sagte er ungläubig. Sie lachte fröhlich und die weißen Zähne traten blendend aus ihrer Lippe. „Tamar ist es, mein Kind, das ich für Dich geboren," jubelte Lea, „heiße sie nicht Schwester, denn Du wirst sie mehr lieben als eine Schwester." Zaghaft stand der Jüngling, er bewegte sich unschlüssig auf die errötende Mädchengestalt zu. „Tamar!" wiederholte er noch einmal, und mit dem Klang des Namens traten alle bitteren Gedanken, die ihn vorhin durchflutet, wie Nebel zurück, und wie Sterne aus zerrissenem Gewölk blitzten die schwarz-überwölbten Augen der Jungfrau ihm ins Herz. „Höre nicht auf Lea," lachte sie schelmisch, „ich biu Deine Schwester und küsse meinen Bruder," und sie trat hastig all den Zögernden hinan und schloß ihre Lippen auf seinen Mund. Nun kamen die Mägde des Hauses; nacheinander schritten sie herzu und küßten den Gewandsanm des Sohnes vom Hause. Aller Augen leuchteten, stumme und laute Freude wechselte auf den Lippen. Nur Hellem schwieg, von tausend neuen Gefühlen überwältigt; seine Hand lag schüchtern auf dem weißen Nacken Tamars, die neben ihm die Treppe hinaufstieg. Ihm war plötzlich, als müsse er sich aus sie lehllen, als sei er so schwach, daß er ohne sie zusammenbrechen würde, und er sagte zu sich selbst mit matter Lippe: „Es ist die Freude." Hinter ihnen ging Lea; sie schwankte ebenfalls, mit zitternden Händen stützte sie sich auf das Geländer und zog sich an ihm empor. Wie eine Trunkene folgte sie den Kindern, von denen ihre Augen nicht wichen; das greise Haar hatte sich ihr unter dem bedeckenden Scheitel gelöst und hing an ihrem Gesicht herunter, über dem das Glück wogte und wie mit unsichtbarer Hand die Runzeln der Stirn ausglättete und zerrieb. So führte Tamar den Bruder in das obere Gemach; es war finster darin, durch die dilnkelschweren Vorhänge fiel aus der dumpfen Judengasse kaum mehr ein leichter Schiminer. Doch im Augenblick, als sie eintraten, entzündeten die voraufgeeilten Mägde hellaufleuchtende Flammen, die in der Luft zu schwimmen schienen und das Zimmer mit geheimnisvoll lieblichem Schein übergossen. Ein fremder Wohlgeruch, wie Spezerei des Ostens strömte mit ihnen aus und durchwürzte die Luft, es wurde heller und heller, und man sah, daß die Flammen aus schwebenden Ampeln aufstiegen, die kuilstvoll wie ein zierlicher Blumenkelch aus Metall gebogen, an Seidenschnüren vom Plafond herabhingen, und aus ihrer Tiefe blühte das sanfte Naphtalicht auf, wie eine biegsame Elfengestalt, die in blauem Gewände neckisch emporsteigt. Vergnügt ruhte Hellems Blick auf dem morgenländischen Reichtum des heimatlichen Hauses, von dem sein Auge in der Fremde lange entwöhnt. Mit rauher Schale, schmutzbedeckt, lag das Muscheltier unbeachtet zwischen Unrat und widrigem Gewürm im feuchten Meeresschlamm vergraben, drinnen aber blitzte und funkelte heimlich der wunderbare Glanz, mit dein es seine verschlossene Kammer übergossen; schimmernde Wände, wie seine mächtigsten Feinde sie nicht zw erwerben vermochten, in denen es seine Schätze barg, und darin lebt es ein geräuschlos friedliches Leben, für die Verachtung und Armut seiner dürftigen Außenseite entschädigt durch das stille freudige Beivußtsein, daß sie den Reichtum umschloß und vor begehrlichen Blicken versteckte. Ein halbes Jahrhundert hatte die Sonne den Handelsjuden verbrannt und der Regen die Fäden in seinem schlotternden Rock anfgelöst, wenn er mit dem Sack auf dem Rücken unter die Christen hinauswanderte und um einen Heller feilschte.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.