Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 37 (11.9.1896)
- Date
- 1896-09-11
- Page
- Seite 620 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 620. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 37. Griechenland und Italien Reisen unternahm, welche er mit einer für längere Zeit geplanten Niederlassung in Rom abschloß. Nach seiner Rückkehr ins Vaterland hielt er es im Jahre 1805 für angezeigt, zu Dresden in die protestantische Religion sich aufnehmen zu lassen. Der unglückliche Ausgang des bald nachher zwischen Frankreich und Preußen ausgebrochenen Krieges, welcher mit der Niederwerfung Preußens seinen vorläufigen Abschluß fand, erfüllte Bartholdy mit hochgradiger Erbitterung, und er pilgerte durch das Land von Ort zu Ort, um gegen Napoleon Feinde zu werben und das patriotische Kampsgesühl rege zu erhalten. Später lebte er als Privatmann zu Wien, welches damals der Brennpunkt des Hasses gegen den korsischen Zwingherrn war, und zog von dort aus als Oberlieutenant mit dem Bataillon, welches die Wiener Landwehr unter Befehl des Freiherrn von Steigenesch stellte, gegen den Feind. Als er, obzwar verwundet, nach der Schlacht bei Ebersberg seine vom Bataillon getrennte Kompagnie durch Klugheit und Umsicht glücklich zurückgeführt hatte, wurde er von seinen Vorgesetzten für sein tapferes Verhalten öffentlich belobt. Im Jahre 1810 schien die europäische Freiheit für lange Zeit verloren und er benutzte die unfreiwillige Muße, um, nach seinem eigenen Berichte, im stillen den Stoff zu einer Geschichte des Tyroler Krieges, „dieses letzten Denkmals germanischen Mutes in jener verhaßten Zeit", zu sammeln und vorzubereiten. Dieses seine Helden stark idealisierende Buch, welches Sr. Kaiserlichen Majestät, dem Selbstherrscher aller Reußen gewidmet war, erschien unter dem Titel „Der Krieg der Tyroler Landleute im Jahre 1809" zu Berlin, wohin er dem Rufe des Vaterlandes 1813 folgte, ein Jahr nach seiner Heimkehr. In den Staatsdienst getreten, fand er in der Kanzlei des Fürsten von Hardenberg ein Feld für seine wirksame Thätigkeit und es wird ihm die Abfassung des preußischen Landwehredikts zugeschrieben, worin sein vornehmliches Streben darauf gerichtet war, den Grundsatz aus der preußischen Landsturmverordnung wieder in Erinnerung zu bringen, „daß die Kraft des Krieges aus dem Willeu des Volkes beruht, daß kein Heer, wohl aber jede standhafte Nation unüberwindlich sei." Das Edikt vom 21. April 1813 kam zwar nicht zur Ausführung, aber es erzielte die Wirkung, daß die französischen Truppen unglaublich herabgestimmt und in ihrer Erwartung eines schnellen rühmlichen Friedens nach einigen siegreichen Kämpfen im Heereskriege getäuscht wurden. Die vereinigten Heere begleitete Bartholdy nach Paris, von wo er später London aussuchte, woselbst er die Bekanntschaft des Kardinals Hercules Consalvi machte, mit dem er bis zu dessen Tode in naher Verbindung blieb und den er durch Beschreibung leuchtender Züge aus seinem Leben verherrlichte. Nach dem Wiener Kongreß, zu dem er berufen wurde und während dessen Dauer er eine ersprießliche Wirksamkeit entfaltete, wurde für ihn die Stellung eines preußischen Generalkonsuls für ganz Italien mit dem Sitze in Ronr geschaffen. Dort sollte er die Schwingungen beobachten, welche von den Erschütterungen der vorhergehenden Jahre zurückgeblieben waren. Auch an dem Aachener Kongreß nahm er teil; er erhielt darauf den Titel eines Königlichen Preußischen Geheimen Legationsratcs und seine Thätigkeit wurde durch die gleichzeitige Ernennung zum Geschäftsträger am Hose von Toscana wesentlich erweitert. Sein mutiges Werk über die Carbonaria — die Frucht seiner Beschäftigung mit der neapolitanischen Revolution — belehrt uns über seinen Haß gegen alle politischen Gesellschaften und schon 1813 verfocht er die Meinung, die Regierungen müßten im richtig verstandenen Sinne Friedrichs des Großen vor ihrer Zeit hergehen, nicht aber von den Massen oder der Opposition eines Teiles des Volkes sich hinreißen lassen. Bartholdy stand in Beziehungen zu den ausgezeichnetsten Männern seiner Zeit; seinem Einflüsse und seiner Vermittlung verdankte der Freistaat San Marino die Beendigung und friedliche Beilegung langer Streitigkeiten mit dem römischen Stuhle, für welche Verdienste er zum Ehrenbürger des Freistaates ernannt ward. Ein großer Kunstfreund und vorzüglicher Kunstkenner, war er mit glücklichstem Erfolge auch für die schönen Künste thätig; er war der Wiedererweckcr der Frescomalerei, indem er seine Wohnung in Rom — die sogenannte Casa Bartholdy — durch deutsche Künstler in diesem Stile malen ließ. Seine wertvolle Sammlung von etrurischen Vasen, Bronzen, Elfenbein- und Majolikabildern und einzelnen besonders kostbaren Terracotten, die er während seines Aufenthaltes in Italien anlegte, wurde nach seinem Tode für das Königliche Museum zu Berlin erworben. Sein Hinscheiden erfolgte kurz nach seiner infolge gänzlicher Einziehung der Stelle notwendig gewordenen Pensionierung am 27. Juli 1825. Seine Grabstätte befindet sich auf dem protestantischen Kirchhofe in Rom neben der Pyramide des Cestius. (Fortsetzung folgt., AWisches Öuligdirt. ) Zum Versöhnungstage. Das Böse brütet — Und wühlt und wütet — Im Busen fort. — Führ' deine Pfade — Uns, Herr der Gnade, — O sprich das Wort: — Solachti! Hör' nicht den Frechen! — Nur den Gebrechen — Ist er vertraut, — Die Schar der Büßer — Sie harrt, du Süßer, — Dem Leidenslaut: — Solachti! Still, still Verhaßter! — Der Schuldenlaster — Stellt sein Gesuch; — Entlockt dem Meister — der Menschengeister — Den holden Spruch: — Solachti! Urkraft, o steige — Vom Stamm in die Zweige, — Sie blühen so schön! — Die Sünde schwinde, — Es töne linde — Aus Himmelshöhn: — Solachti! Du Huldverleiher! — Du Schuldverzeiher! — Zu dir empor — Zieh'n uns're Lieder, — Du rufe nieder — Dem Beterchor: — Solachti! In tiefsten Fluten — Laß all' vergluten — Mit jähem Sturz — Die wilden Triebe, — Sprich uns zu Liebe — Ein Wörtlein kurz: — Solachti. *) In der Liturgie für den ersten Abend des Versöhnungstages wird ein altes Bußgebet recitiert, das mit den Worten: Omnorn fet'.n, jczer sochen, bann, beginnt, dessen prägnante Kürze und Reimform dem Uebersetzer die größten Schwierigkeiten darbieten. Der selige Prediger Mannheimer in Wien wandte sich an den verewigten Dr. Sachs in Berlin um eine deutsche Uebertragung in dichterischer Form und druckte sie in seinem Machsor ab. Wir geben eine sehr gelungene Uebersetzung des Dichters S. Heller, welcher wir durch diesen Abdruck eine weitere Verbreitung verschaffen wollen.