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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-09-11 · 37 (11.9.1896) · p. Seite 619

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
37 (11.9.1896)
Date
1896-09-11
Page
Seite 619 (sequence 7)
Language
German
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Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 619. (20bii •*"M ™3%t bettäst Qmm an |en und! eton. Feuilleton?) n Sammlern und Ordnen,' n' fte ihr umfangreiches L er desselben zu fesseln verstM es und bewegtes Leben; da. ' geschart und hört Fragen, 2 befindet man sich in einer Ars öaffen scharfsinniger Diskusf» Zeistes miteinander um den faß und gleichgiltig, sondern s größten Spannung den einzelK ie eine, bald die andere der m öeifalle begleitend. Tie Wils d gelöst werden, das Heranjich, , um als Beweismittel verwenle ) Sprunghafte, das halb Hinx Lörtchen Angedeutete - dies ck nen gewissen Reiz aus und fai > an. Das laute Studium ie len möglichen Modulationen!* Frage, der Exklamation, der m wichtigenden Rntwort, der?a öie Lektüre eines einzigen M» ze Tonleiter der öffentlichen!, Md gelangt man zu jenem M es Präsidenten zur Ruhe mch 1", d. h. „Nunmehr stille, ist es einem zu Mute, als mK t aufbrechen oder als wäre«-- mein auf den Lippen schwebtn scharfsinnigen, frappanten- >r halacha die anmutige unb- ' . . ... Mand fl® . späteren Jahren eine Zuneigung bewahren, wenn auch ihreLebens- - cichtung und Weltanschauung sich von den gewundenen Pfaden ff oer Halacha entfernt haben. Man erinnert sich gern der Zeit, da > )ie Lösung eines verwickelten Problernes uns so recht erfreute, f und bewahrt manchen goldenen Weisheitsspruch der Hagada für i. sein ganzes Leben im Gedächtnis, ff Ganz anders aber der Schulchan Aruch! 1 Da wandelt man durch stille rmd geräuschlose Klosterhallen, i. oa ist alles einförmig und monoton, da fehlt das treibende Mo- E ment der Rede und Gegenrede, da giebt es keine Modulation der | stimme, kein Heben und Senken von Frage und Antwort, da ver- * mißt man das Persönliche, Individuelle, Eigenartige der Sprecher, ’ da dehnt sich gleichsam eine Art Pusta vor uns aus, ohne Abivechslung, ohne Farbenschattierung, ohne Mannigfaltigkeit der Lebenserscheinungen. In einförmigem Takte bewegen sich die Gesetzesparagraphen und summen uns um die Ohren; wo ist da jenes Knallen und Schallen, jenes Vibrieren und Gestikulieren, jenes ff Ailfflackern und Ausflammen des Geistes, wozu der Talmud so oft! Gelegenheit bietet? Der Talmud ist die Sturm- und Drangperiode des jüdischreligiösen Schrifttums, der Schulchan Aruch das gesetzte, ruhes bedürftige Alter, welches das laute Debattieren nicht mehr vers trägt. Den Schulchan Aruch kann man hochschätzen und bewundern f wegen seiner Gelehrsamkeit, nimmermehr aber sich für ihn eri ivärmen und begeistern, den Talmud aber kann man lieben, sich mit ihm freuen, an seinem Geistesspiel und sprühenden Feuer sich! ergötzen. Als eifriger Anhänger und Verehrer des Talmud sage .ich mir: Wie kann ich den Lesern zumuten, an den talmud-; artigen Erörterungen der Herren Rabbiner Anteil zu nehmen, £ ohne ihnen auch zur 'Abwechselung etwas Hagada oder eine; Art Feuilleton zu bieten? Denn was ist das Letztere, von Jules Janin in die moderne Litteratur eingeführt, also jiidischen Ursprunges, anders als eine modernisierte Hagada? Der Feuilletonist wie der Hagadist fahren hin über alle Tasten des Geistes, setzen sie in Bewegung, entlocken ihnen Töne, bringen sie in einen losen Zusammenhang, verbinden sie durch leise Ueber- 1 gänge, ohne sich von den Gesetzen des Contrapunktes in ihren Sprüngen und Kombinationen beirren zu lassen. Und somit bin ich endlich zu der Illustration meiner Ueberschrift: „Großfürst Konstantin und R. Akiba" gelangt. Zur Zeit, als Napoleon III. auf dem höchsten Gipfel seiner Macht stand und an seinem Hofe die größte Pracht entfaltet wurde, war der russische Großfürst Konstantin in Paris und natürlich oit der Gast in den Tuilcrien. Einmal nahm er an einer der glanzvollsten kaiserlichen Soir.'en teil und konversierte lange mit der Kaiserin Eugenik. Da richtete sie an ihren russischen Gast die Frage, welche der anwesenden Damen ihm als die schönste er- ' scheine? Majestät, versetzte der Großfürst, ich bin ein Barbar, ein Kosake, ich kenne nur eine schöne Frau: das ist — meine. 'Als der russische Großfürst der schönen Kaiserin die Ant- , wort erteilte, ahnte er gewiß nicht, daß er dadurch zum Ritter , und Retter einer der ehrwürdigsten Persönlichkeiten des jüdischen j Altertuins geworden, des R. Akiba nämlich. Dieser große Gesetzeslehrer that einst den wörtlichen Ausspruch, (Sifre Dt. 1 'Nummer 26!«), daß man von seiner Frau sich scheiden lassen dürfe, wenn man eine andere schönere als sie gefunden hat. Darob großer Lärm im gegnerischen, antijüdischen Lager. Das . also, schrieen sie in ihrem konfessionellen Eifer, ist der vielge- . priesene R. Akiba, das die rabbinische Ethik, das das jüdische 'Familienleben! Gemach, meine Herren, nicht umsonst war Großfürst Konstantin in den Tuilerien! Dieser R. Akiba ist der Held eines Romanes. Er verliebte sich in die schöne Tochter eines der reichsten und angesehensten Männer und fand auch Gegenliebe. Wie aber sollte er, der unwissende, arme, den untersten Volksschichten ungehörige Jüngling je in den Besitz seines geliebten Gegenstandes gelangen? Wissen ist Macht in Israel, sagt er sich, verleiht Ehre, Ansehen und Würden und fing an mit jenem glühenden Eifer, dessen nur die glühende Liebe fähig ist, zu studieren, machte die größten Fortschritte, sammelte Schätze von Wissen, scharte eine große Anzahl von Jüngern um sich, wurde ein berühmter Meister, so daß sein Name zu den ersten und klangvollsten in Israel gezählt wurde und erhielt endlich die Hand seiner Geliebten, die ihm treu geblieben war. In dem Herzen dieses großen Lehrers hatte das höchste und reinste Ideal der Ehe Raum gefaßt; es durfte durch nichts, auch nicht durch die leiseste Schattierung, verdunkelt werden, immer rein, hell und klar mußte es strahlen, und dieser Mann mit seinen persönlichen Erfahrungen und seiner idealen Gattenliebe that den Ausspruch, wer eine andere Frau schöner als die seine finde, der hat das reine Bild der Ehe befleckt, den heiligen Altar der Ehe durch fremdes Feuer entweiht, und lasse sich scheiden. Jeder Ehemann müsse nach der Ueberzeugung R. Akibas mit dem Großfürsten Konstantin ausrufen: Ich kenne nur eine schöne Frau: das ist — meine. Derselbe R. Akiba liebte auch die Thora mit der reinsten Hingebung, fand alles in ihr, jede Silbe, jeden Buchstaben, jeden Punkt wichtig, bedeutungsvoll, vielsagend, oder wie der Talmud sich ausdrückt, schmückte jeden Buchstaben der Thora mit einer Krone. Kein Wunder, daß dieser Heros der idealsten Liebe das Hohelied mit andern Augen gelesen hatte als ein gewöhnlicher, sinnlicher plumper Mensch und ein Lied, in welchem die Worte sich finden: „Kein Wasser auf Erden ist imstande das Feuer der Liebe;u verlöschen" für allerheilig erklärte. Das ist die Hagada meiner eherechtlichen Fragen oder «rein eherechtliches Feuilleton. Kiigraphischk DeMmic htlvorragender Persönlichkeiten jüdischer Abstammung.*) Von Dr. Singer-Koblenz. Nachdruck untersagt. Abraham, Amalie. Sie ist als Tochter eines jüdischen unbemittelten Kailsmannes zu Rostock geboren; schon der Vater hatte die jüdische Religion mit der christlichen vertanscht. Ihr seltenes Talent zur Dichtkunst ist ein nahezu unbestrittenes. Zu ihren gelungensten Leistungell gehört die bei Gelegenheit der dritten Säkularfeier des Reformationsfestes dem Andenken Dr. M. Luthers gewidmete Arbeit. Bartholdy, Salomo Jakob. Salomo Bartholdy war zu Berlin am 13. Mai 1779 als Sohn wohlhabender jüdischer Eltern geboreil. Er genoß eine sorgfältige Erziehung und erlangte eine mündliche und schriftliche Fertigkeit im Gebräuche von vier lebenden Sprachen. Im Jahre 1790 bezog er die Universität Hatte, welche er später mit der zu Königsberg vertauschte. Ohne sich einer bestimmten Fakultäts-Wissenschaft ausschließlich hinzugeben, widmete er sich meist juridischen Studien, nach deren Vottendung er sich einige Jahre lang in Paris aufhielt und später durch *) Unser gesch. Mitarbeiter hat uns einige Proben aus seinem unter obigem Titel demnächst in Druck erscheinenden größeren Sammelwerke freundlichst zur Verfügung gestellt. Red. /

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