Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 37 (11.9.1896)
- Date
- 1896-09-11
- Page
- Seite 617 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Und im Verhalt räge spärlicher; denn di-» sicherheit der politischen lassen noch praeter, al, denn bei ihnen steht d-e g^ jt der mühsam emngene fr Weißes erworben- «st un ch nicht anders erwarten, °- a machenden Ausga en - nun öffentlicher V lind so komm-' zu schliß o.udenheit Alandes rM Noü man *-"52#- *ZÜ***l $£***■ Nr. 37. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 617. :e# ihr Bureau r die ganze 4 t .4 die Tausende von armen, alleinstehenden hilflosen Frauen, | dahinsiechenden Kranken werden einem Elend preisgegeben ’ sein, das das Mitleid eines jeden fühlenden Menschen herausfordern muß. Werden die besser situierten Juden, geschweige von den Reichen zu reden, eine solche Schmach über das New Porker Judentum ergehen lassen? Wir glauben nicht, denn Noch nie ist das jüdische Herz vergebens angerufen worden, wenn es galt die Not zu lindern und dem Elend zu steuern. Und so wird auch ein Aufruf der Beamten der vereinigten jüdischen Gesellschaften einen Wiederhall finden, welcher die Anstalt in den Stand setzen wird, ihr Liebeswerk weiter fortzusetzen. — Die „jüdische Frage" wird auch in einem Artikel von . dem bekannten Professor Dr. M. Jastrow jun. in der Zeitschrift „International Journal of Ethics“ behandelt. Jastrow . kommt zu dem Schlüsse, daß die innere Phase der : „jüdischen Frage" mit der äußeren in enger Verbindung : steht. Der Verlauf des Judentums hängt von der Be- . Handlung ab, die den Juden zuteil geworden, und schließ- - lich sind es die Juden, die das Judentum gestalten, und nicht! das Judentum, das die Juden gestaltet. Wenn, wie es den Anschein hat, das gesellschaftliche Vorurteil gegen die Juden - nach und nach sich überlebt, so kann es keine Frage sein, daß das universale Element in der jüdischen Religion den hervorragenden Zng bilden wird. So lange sie indessen in der Ausnahmestellung zu verbleiben gezwungen sind, so lange werden die absondernden Merkmale, welche der Religion durch ihren Rassenursprung aufgedrückt wurden, beibehalten werden. Tie Pflicht, die dem Juden obliegt, ist klar genug. Den guten Willen und die Achtung derer zu erwerben, in deren Mitte sie leben, inuß eben durch das gute Beispiel, das sie geben, durch die Hingabe an die Ideale der Menschheit geschehen, uild ihre Stellung zur eigenen Religion kann nur durch ihre Ueberzeugung gekennzeichnet werden. Ueberzeugungen, reiflich gewoitnen und festgehalten, können niemals aus Irrwege führen. Die schwierigen Probleme der Religion können blos durch geistigen Mut gelöst werden. Die Pflicht des Christen liegt ebenso klar dar. Ihre Herzen von allen Bitterkeiten und Vorurteilen frei zrt machen, das Evangelium der Humanität, wie cs der Stifter ihrer Religion gelehrt, in die Wirklichkeit zu übertragen, gegen alles Unrecht, gegen alle Ungerechtigkeit, gegen alle Sonderstellungen, welchem Individuum sie auch angewiesen wird, zu protestieren. So weit die Zukunft in Frage ist, mögen Juden und Christen es lernen, ihr mit der Ruhe entgegenzuschauen, welche die alten israelitischen Propheten kennzeichneten, die sich bewußt waren, ihre Pflicht voll imd ganz erfüllt ztl haben, wenn sie ihre Herzensüberzeugung surcht- und rücksichtslos verkündet und, ihrer Ueberzeugung treu, der Wahrheit das Wort geredet. — In meinem vorletzten Berichte teilte ich Ihnen mit, daß Herr Rodkinson eine englische Talmudübersetzung in Angriff genommen und das erste Heft von Dr. I. M. Wise in Cincinnati habe bevorworten lassen. In der neuesten Nummer der „Deborah" schreibt nun Wise in einer ironisch sein sollenden Weise: „Ich habe den Herrn Rodkinson gewarnt, meinen Nanien mit seiner Talmudübersetzung nicht in Verbindung zu bringen, weil ich aus Erfahrung weiß. mein Name auf dem Titelblatte eines Buches genügt, einige Kritiker von „unseren Leuten" zu veranlassen, das Buch nicht zu lesen und eo ipso es vernichten zu suchen. Er ließ sich aber nicht belehren und hat jetzt die Folgen zu ertragen, daß Herr Dr. Köhler aus New York den Vernichtungskampf gegen das Buch freiwillig eröffnet hat. Das schadet zwar dem Buche nicht, da der Herr Doktor als Talmudkenner der Welt nicht bekannt ist und seine Kritik mehr eigensinnig als sachlich ist, aber der Herr Rodkinson wird sich wohl doch darüber ärgern. In engeren Kreisen aber schenkt man dergleichen unaufgeforderten, rein subjektiven Rezensionen sehr wenig Aufmerksamkeit." — Und so weiter. Diese Notiz soll ironisch sein, ist aber nur — unfreiwillig-komisch, und zwar nicht blos ihrer Diktion wegen, sondern aus einem innern Grunde. So lange nämlich Köhler mit Wise an einem Strange zog, war er nach Gebühr gewürdigt worden als einer der gelehrtesten Rabbiner Amerikas. Nun er sich von Wise abgewendet und eine konservativere Richtung eingeschlagen, ist Herrn Dr. W. „der Herr Doktor als Talmudkenner der Welt nicht bekannt"! Wie sagte doch Wise oben? „In engeren Kreisen schenkt man dergleichen subjektiven Rezensionen sehr wenig Aufmerksamkeit." Und das stimmt — gegen Dr. Wise. N)ochen-(Lhronik. Berlin, den 10. September. — „Gemeindebilder." Unter diesem Stichworte bringen wir Schilderungen aus dem jüdischen Gemeindeleben, Gruppen- und Einzelbilder sollen miteinander abwechseln. In letztgenannter Form soll aus und über Gemeinden referiert werden, die durch ihre Größe oder ihr Alter hervorragende Bedeutung im Judentum erlangt haben. Solche Bilder haben wir in unserer Redaktionsmappe liegen: Hamburg, Hannover, Glogau, Kassel, Düsseldorf, Königsberg, Mainz, Magdeburg, Wiesbaden, Braunschweig u. a. Gruppenbilder bringen wir aus, resp. über Westpreußen, Posen, Hannover, Hessen-Nassau, Baden, Elsaß-Lothringen u. a. Wir hoffen dadurch Berührungspunkte nicht nur zwischen den einzelnen tonangebenden Gemeinden, sondern auch zwischen Nord und Süd zu schaffen und unser aus geistige Vereinigung aller Gemeinden des deutschen Vaterlandes gerichtetes Streben gefördert zu sehen. — Für die Kinder unserer Kultusbeamten spricht die „Neuzeit" in Wien ein energisches Wort, das auch auf die Verhältnisse in Deutschland zutrifft. Wir lassen es darum im Auszuge folgen: Das Gebet, das jetzt in den Jomim noroim oft gesprechen wird: „Unser Vater und König, erbarme dich unser, unsrer großen und kleinen Kinder", hat niemand Anlaß inniger zu sprechen, als der jüdische Gemeindebeamte unserer Zeit. Trägt er sich ja mit dem traurigen Gedanken und schmerzlichen Bewußtsein, daß ein jüdischer Gemeinde-Angestellter keine, oder nur so viel wie Stammvater Abraham, leiblichen Sprossen haben soll, und daß man ihm den Besitz von mehreren Kindern als eine Art Sünde in der Gemeinde anrechnet. Ja, er ist sich sogar dessen bewußt, daß ihm seiner Kinder wegen die meisten Stellen in den Gemeinden, oder doch wenigstens in den reicheren und leistungsfähigeren, verschlossen sind! — Wie soll er denn in /