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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-09-11 · 37 (11.9.1896) · p. Seite 616

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
37 (11.9.1896)
Date
1896-09-11
Page
Seite 616 (sequence 4)
Language
German
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Seite 616. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 37. der — wie es von einem süddeutschen Rabbiner thatsächlich geschieht — in den Fällen, wo nur in Verbindung mit den Mchtfrommen „Minjan" ist, aus eigener Machtvollkommenheit eine Thatsache Lügen straft und erklärt: „Es ist kein ,Minjan'!" und einem orthodoxen Rabbiner, dessen ganzes Publikum aus Nichtfrommen besteht, was sogar in orthodoxen Separatgemeinden, z. B. in Gießen, Vorkommen kann: — zwischen diesen beiden orthodoxen Rabbinern muß doch schon ein erheblicher Unterschied bestehen. Dieser Konzession von seiten der Orthodoxie steht aber eine nicht geringere Konzession auf seiten der Reformgemeinde gegenüber. Eine Resormgemeinde, die einen Zögling der Hildesheimerschen Schule beruft, beweist damit ihre Reverenz dem Hute der Orthodoxie und fügt ein Blatt in deren Siegeskranz. Nach außen hin, — darüber kann sich die Reform gar keiner Täuschung hingeben, — hat die Orthodoxie Sieg aus der ganzen Linie zu verzeichnen. Ja, sie hat es so weit gebracht, daß man wohl mit Fug und Recht sagen kann: In Deutschland giebt es gegenwärtig keinen Reform-Rabbiner mehr. Die Rabbiner unserer Generation in Deutschland haben alle konservative Neigungen, sie wollen so viel als möglich vom Alten erhalten, schon aus Furcht, ihr Predigt-Publikum könnte sich noch mehr reduzieren; aber noch mehr durch die Erkenntnis, daß die Erhaltung der Gemeinden, unter dem Einfluß der orthodoxen Journale, nur durch Rücksicht auf die orthodoxen Elemente, aufs beste gefördert wird. Alle diese Faktoren darf die Orthodoxie in ihrem „Credit“ buchen. Ob die Bäume der Reform ohne die Kämpfe der Orthodoxie in den Himmel gewachsen wären? Ich will das nicht behaupten; es soll ja dafür gesorgt sein, daß die Bäume überhaupt nicht in den Himmel wachsen. Aber ob sie ihr Wachstum so früh eingestellt hätten, wenn die Orthodoxie ihnen nicht Licht und Luft gefährdet hätte, das darf man wohl doch mehr als bezweifeln. Wir stehen also in Deutschland nicht unter dem Regime — auch die Bäume der Orthodoxie wachsen nicht in den Himmel — aber doch unter dem Zeichen der Orthodoxie. Die Orthodoxie hat den Beweis geliefert, daß von ihr im besondern gilt, was Leroy-Beaulieu von den Juden im allgemeinen sagt: „In dieser Zeit der Demokratie, welche alles auf die Zahl stellen will, thut der Jude dar, daß nicht immer alles auf die Zahl ankommt." — Erscheint dennoch die Orthodoxie als derjenige Faktor im Judentum, der sich in einem gewissen Grade die Führer- Rolle errungen hat, so tritt uns um so befremdlicher in der Orthodoxie eine sehr große Notlage entgegen: ein nicht zu verkennender Mangel an — Führern. „Wer soll eintreten in die Bresche," die der Tod notwendig in jeden Kreise reißt? Das ist eine Klage, das ist eine Verlegenheit, diezwar nicht laut ertönt, nicht öffentlich eingestanden wird, die aber nirgends mehr empfunden wird, als in den Gemeinden, die die Hochburg der Orthodoxie bilden. (Schluß folgt.) AmklikMische Krielk. 8t. New Jork, Ende August. Widersachern, die auch hierzu- Wollte man unseren lande immer mehr ihr Haupt erheben, glauben, dann müßte man jeden Juden als einen kleinen Rothschild oder Vanderbilt, und die so häufig uns begegnenden Beweise großer Armut nur als eine Komödie ansehen, die ausgeführt wird, um eben jene Widersacher zu täuschen. Ach, es ist keine Komödie, es ist die drückendste Armut, die sich hier vor unseren Augen abspielt. Der soeben erschienene Bericht der „United Hebrew Charities“ erzählt dies mit dürren Worten: Die Applikationen um Unterstützung, die im Lause des Monats Juni im Bureau dieser Vereinigung eingereicht wurden, beliefen sich auf 3906, welche ein Hilfsgesuch von 13020 Personen repräsentierten. Eine hohe Zahl, eine abschreckend hohe Zahl, die in beredten Ziffern die Not schildert, in welcher eine große Zahl der jüdischen Bevölkerung New Jorks sich befindet. Und diese Zahl ist noch in stetem Wachsen begriffen! Der Geschästsniedergang lastet wie ein drückender Alb auf der ganzen Bevölkerung. Fabrik und Handel liegen darnieder und da, wo eben die Fabriken noch ihren Betrieb fortsetzen, hört man nur eine Stimme, und zwar die, daß der Gewinn ein verschwindend kleiner und sogar in einer überwiegend großen Anzahl eher Verlust zu verzeichnen ist. Gar viele liberal gesinnte, als wohlwollend bekannte Inden sind entweder in ihren Beiträgen zur Gesellschaft zurückgeblieben, oder haben solche bedeutend beschränkt. Die finanzielle Lage der Gesellschaft, welche seit Jahren so Großes geleistet und ihren armen Glaubensgenossen so erfolgreich beigestanden hat, ist daher eine sehr schwierige, ja eine kritische geworden. Es ist dies leicht erklärlich. Der Notschrei ertönt aus dem Munde Tausender, unter denen hilflose Witwen, arbeitsunfähige Ernäher, die ein herbes Schicksal an das Siechenbett gekettet, alte und schwache Greise und Greisinnen, tausende sonst arbeitsfähiger Erwachsener, die vergeblich Beschäftigung suchen, weil eben keine Beschäftigung zu finden ist. Und im Verhältnis zur großen Not fließen die Beiträge spärlicher; denn die andauernde Geschäftskrisis, die Unsicherheit der politischen Lage trifft ja die besser situierten Klassen noch schwerer, als die armen Glieder der Bevölkerung, denn bei ihnen steht die ganze Existenz aus dem Spiele, vielleicht der mühsam errungene Erfolg, durch Jahre andauernden Fleißes erworben, ist unaufhaltsam vernichtet, und es läßt sich nicht anders erwarten, als daß in der Beschränkung der zu machenden Ausgaben man zuerst den Beitrag zur Unterstützung öffentlicher Anstalten bedeutend herabsetzt oder gar einschränkt. Und so kommt es, daß die Gesellschaft ihre Kasse erschöpft sieht und daher in kurzer Zeit gezwungen sein dürfte, ihr Bureau zu schließen, was einer großen Kalamität für die ganze Judenheit New Jorks gleich käme. Bis jetzt haben die Juden ihre Glaubensgenossen in ausgiebiger Weise unterstützt und sie setzten ihren Stolz darin, daß die Gesellschaft anerkannte, daß man nur selten einen jüdischen Bettler vor anderen als jüdischen Häusern findet, aber wenn sich die wohlhabenden Israeliten nicht aufraffen können, mit außergewöhnlicher Hochherzigkeit thatkrästig einzugreifen, so wird wohl der Krach unvermeidlich sein, und Ar. 3i. die Tausende von c l dahinsiechend-n Km : I [„rtetit ttiufi; ' von den Reichen zu - : Horker Judentum er i noch nie iit das jül ] i wenn es galt die R> ' ’ Und so wird auch eir - 1 scheu Gesellschaften < * I stalt in den Stand Die „jüdische bcm bekannten Pro schritt ..Internationa! kommt zu dem ü .jüdische» Frage' steht. 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