Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 37 (11.9.1896)
- Date
- 1896-09-11
- Page
- Seite 615 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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,, If Sh. r Nr. 37. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 615. it Jntereffi k'äMin*i„(rSit,fcl * °lk Uyache meimz biäb Söhne im beste» | '".vor etwa drei Woche»:, lust hat mir jede SchG mich überhaupt zu ® ch auch außerstande, mkM ,e zu unterziehen, so sehr. fforderung geschmeichen tz ue in den Dienst unserer: :e. um Entschuldigung und * Goldmann-Lembcrg. wertes Zirkular-Schreibe«! adressiert war, nach Sotlfc ickt worden. September in Lemberg e de meiner etwas zerriil» die Beantwortung der s rneu.;de ir, daß Sie meine bW anzuerkennen die Güte da m ii Wlw' -ichschreiben, da lch . dkU- . L Dr. D. Hvffmaun, Dozent am Rabbiner-Seminar, Berlin. Sehr geehrter Herr! Erst nach meiner vor einigen Tagen folgten Rückkehr von einer Badereise finde ich Zeit, Ihre esch. Aufforderung vom Augirst d. I. zu beantworten. Ihr Unternehmen, eine Sammlung von Vorschlägen zu erarrstalteu, wie einem weiteren Niederaauae des Judentums orgebeugt werden könnte, halte ich für ein sehr löbliches. Reines Erachtens diirste man sich nicht einmal damit begnügen, cu Niedergang aufzuhalten, sondern man müßte, nach dem Grundsätze pyisi «stu' einen Aufschwung herbeizuführen ■cftrcbt sein in Wissenschaft und Leben des Judentums. Dazu st eine Meinungsäußerung von 70 Männern nicht zu viel.;a ich hätte gewünscht, daß anstatt einer Septuaginta (eines Worts, das an eine geschichtliche Begebenheit evinnert, deren oohlthätiger Einfluß auf das Judentum noch in Frage steht) ine Synagoga magna von 120 Männern zu dieser Frage das Wort ergriffen. Indessen kömtte ich nur dann eilte Anttvort auf Ihre yrage zrffagen, wenn ich eine solche schon bereit hätte oder venigstens versichert lväre, durch Beobachtung und Forschung tach einiger Zeit eine solche fillden ztl können. Beides ist eider nicht der Fall. Ich wüßte für jetzt nichts weiter zu agetl, als das, was in ernsten jüdischen Zeitschriften bereits u lviederholteir Malen geällßert worden, und ob ich wirklich twas Befriedigendes ztl sagen haben werde, das weiß ich licht; denn ich halte die Beantwortung Ihrer Frage für so chwierig, daß es eilte Vermessenheit wäre, eine solche mit Gevißheit in Ansslcht ztl stellen. Ich kann Ihnett daher nur schreiben, daß ich, soweit es »eine Zeit gestattet, über Ihre Frage Nachdenken, die veröffentlichten Antworten aufmerksam lesen und prüfen mtd, lvenn :ch dann etlvas Ersprießliches zu sagen habe, mich auch zum Worte lnelden werde. Schriftsteller I. Zangwill-London. Sehr geehrter Herr! Es ist mir unmöglich gewesen, Ihre Anfrage früher zu beantwortett, unb auch jetzt erlaubt meine Feit nlir sehr wenig ztl sagen. Das Judentum in dem Sinne, nt dem das Wort bis jetzt verstanden lvorden, ist entschieden überall dort tni_ Niedergange, wo die Mauern des Ghetto gefallen silld, und selbst durch die starken Gemeindelt in Rußland geht ein Zug mehr oder lveniger häretischen Geistes. Sie haben die Frage vermieden, ob das Judentum überhatlpt der Erhaltung lvert ist, aber da ich altnehme, daß dies als selbstverstäudlich vorausgesetzt wird, will ich nur kurz antworten: Obgleich das Auftreten genialer Männer viele Einivirkllllgen auf die altert Geleise ausübett mag, ttnd obgleich diese alten Wege durch sich selbst noch für lange Zeit erhalten bleiben werden, so wird das Judentum — das ist die Meinltng, die ich als ttnparteiischer Beobachter gewonnen habe — ans die Dauer nur durch eine Auslegttng erhalten bleiben können, die den Jttden früherer Zeiten gleichbedeutend mit der Zerstörung des Judentums gewesen wäre. Dasselbe gilt vom Christentunl. In beiden Religiotten ist nach meiner Meinung das Wort für den Sinn genommen worden, und beide sollten für die moderne Welt eine neue Auslegung bekommen. Eine solche Auslegung würde sie allerdings einander so nahe bringen, daß die Bekenner beider daran Anstoß nehmen mochten. Eine Notlage unserer Orthodorie. I. M. Frankfurt a. M, im Sept. Man mag über utrsere Orthodoxie in prinzipieller Hinsicht wie imnter denken, eittes kann matt ihr nicht streitig machen: sie hat sich atts kleinen Anfängen kräftig entfaltet und floßt auch Andersdenkenden Respekt ein, wie jede große Krafterscheinung im menschlichen Leben. Es ist eine Eigentümlichkeit der menschlichen Seele, daß sie für das Große und Starke Partei nimmt, auch wenn es nicht das Höhere mrd Bessere ist. Die kleinste Minorität kann durch kräftige Vertreter nicht nur zttr Herrschaft, sondertt auch zur Achtung gelangen, während die beste Sache durch die Schwäche der Führer der Geringschätzung anheimsällt. Gilt dies von allere Angelegenheiten des Geistes und Denkens, selbst von denen, wo es einen objektiven Maßstab für das Für und Wider giebt, so gilt dies um so mehr iit religiösen Dingen, wo jeder Maßstab nur subjektiver Natur ist, wo die subjektive Ueberzeugung, die subjektive Begeisterung das eigentlich Objektive ausmacht. Hier wird die Kraft des fttbjektiven Eintretens zur objektiven Große, der Kampf ist da nicht die Wurzel des Sieges, er ist der Sieg selbst. Nun, unsere Orthodoxie hat einen schweren Kampf geführt, den Katnpf um die Selbsterhaltung gegen, numerisch viel mächtigere Gegner, unter für sie denkbar ungünstigelt Umständen. Schon ein solcher Kampf mttß Sympathien errvecken, um so mehr aber, wettn der Kampf zum Siege geführt hat. Und man katnt der Orthodoxie nicht abstreitert, daß sie in ihrem Selbsterhaltungskampse den Sieg davongetragen. Die Orthodoxie hat es durchgesetzt, daß man in der Verwaltuttg der Gemeinden aus ihre Ansprüche Rücksicht nimmt, selbst in den großen Genteindett, wo früher der Vorstand gern seine Omnipotenz gegenüber der Orthodoxie zur Geltung brachte. Wo orthodoxe Separatgemeinden bestehen, ist bei beu Hauptgemeinden die ausgesprochene Neigung vorhanden, eine Vereinigung herzustellen und auch Opfer dafür zu bringen*) während die Orthodoxie gar nicht so schnell ihrelt Schmollwinkel verläßt, um sich in die offenen Arme der Hauptgemeinde zu stürzen?) Das sind Zeichen der Kraft, das sind Lorbeeren des Sieges. Der Sieger ist es ja, der die Friedensbedingungen diktiert. Derselbe kräftige Fortschritt zeigt sich in der Blüte des orthodoxen Rabbiner-Seminars und in der Besetzung der Rabbiner-Stellen mit dessen Zöglingen. Zwar läßt sich ja nicht lettglten, daß dieser Erfolg nur durch Konzessionett und Kompromisse erkauft werden konnte. Wenn orthodoxe Rabbinats- Kandidaten in attsgesprochen neologen Gemeinden eine Berufung erstreben und annehmen, dann müssen sie das Prinzip der ecclesia militans schon elastisch gemacht und das starre non possumus ausgegeben haben. Zwischen einem orthodoxen Rabbiner, der diejeitigen Mitglieder seiner Gemeiltde, die den Sabbat entweihen, nicht zur gottesdienstlichen Zehnzahl zuläßt, *) Aus Berlin trifft das nicht zu. Red.