Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 36 (4.9.1896)
- Date
- 1896-09-04
- Page
- Seite 610 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 610. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 36. vor Deinem Volk: Stehe auf, Hellem, denn Du bist mein Sohn, den ich segne, denn mein Haus ist Dein Haus und meine Habe ist Deine Habe^_ Fortsetzung folgt. Hier und dort. * Berlin, 30. August. Für die neuerbaute Synagoge in Königsberg i. Pr. ist die innere Ausstattung an Stickereien, wie Vorhänge vor dem Aron hakodesch, Altardecken, Planhimmel re., in den kostbarsten Goldstickereien ausgeführt, aus dem Atelier der Frau Jenny Bleichrode, Berlin, hervorgegangen. * Berlin, 1. September. In der letzten Nummer der „Heiratszeitung" findet sich folgende Annonce: „Rabbiner, Dr. phil., 30 Jahre alt, mos., berühmter Kanzelredner, litterarisch thätig, hübsche Erscheinung, sucht hübsche Lebensgefährtin, Witwe ohne Anhang nicht ausgeschlossen, im Alter von 20 bis 30 Jahren mit 100 000 Mark Vermögen." — Wir sind überzeugt, daß man es hier entweder mit einer Mystifikation oder einem — im Bureau des genannten rosafarbenen Blattes gearbeiteten — Füllinserat zu thun hat. Dafür spricht die Angabe der Konfession in der Annonce. Denn jedermann weiß, daß es weder evangelische noch katholische Rabbiner giebt. * Berlin, 1. September. Vom „Israelitischen Taubstummenverein" erhalten wir folgenden Ausruf mit dem Ersuchen um Veröffentlichung: Am 15. März d. I. sind wir, etwa 40 israelitische Taubstumme, in Berlin zusammengetreten, um den Verein zur Förderung der Interessen der israelitischen Taubstummen in Deutschland ins Leben zu rufen. Wir folgen hierin dem Beispiele und den Erfahrungen anderer Vereinigungen, um uns zur Selbsthilfe durch ein enges Zusammenschließen aufzuraffen. Wohl hat der Staat, haben verschiedene Bereinigungen gesorgt, daß wir gut vorbereitet in das Erwerbsleben eintreten können, allein gar bald empfinden wir, daß wir trotz der Vorbildung, die wir genossen, vielen und großen Gefahren ausgesetzt sind, weil unser eigentümlicher Zustand nicht ganz gehoben werden konnte ... Wie viele unserer Schicksalsgenossen, die etwas Tüchtiges zu leisten in der Lage wären, müssen arbeitslos jahraus jahrein von Stadt zu Stadt wandern, um zuletzt der Bettelei und der Entsittlichung anheimzufallen. Wie oft haben wir auch noch gegen die ungerechte Zumutung vieler Handwerksmeister anzukämpfen, daß wir unseres Gebrechens wegen' billiger arbeiten müßten, trotzdem anerkannt wird, daß unsere Arbeit nicht minderwertig sei. Viel schlimmer ergeht es in dieser Beziehung unseren bedauernswerten Leidensgefährtinnen. Werden sie nach vollendetem Unterrichtskursus in die oft sehr traurigen heimatlichen Verhältnisse zurückgeschickt, um daselbst bei fremden, oft rohen Leuten zu arbeiten, so sind sie den schlimmsten Neckereien, ja nicht selten der Verführung preisgegeben. Aber auch um unser religiöses Leben müssen wir besorgt sein. Bei dem freundschaftlichen, vertrauten Umgänge, den wir mit unseren christtichen Leidensgenossen von jeher pflegen, werden wir oft zu unserem tiefsten Schmerze gewahr, wie sehr wir diesen nachstehen müssen. Allerseits wird für ihr religiös-sittliches Leben ausreichend gesorgt; um uns israelitische Taubstumme kümmert sich niemand. Wenn wir die Gebräuche unseres Volkes auch nicht kennen und verstehen, wenn wir im Gotteshaufe fremd bleiben bis zu unserem Lebensende — niemand nimmt daran Anstoß, man behandelt uns hier als Unmündige und als geistig Unzurechnungsfähige. Unser Gemüts- und Religionsleben bleibt ungepflegt und unsere Sittlichkeit muß mit der Zeit darunter leiden. Wir hoffen zuversichtlich auf die Unterstützung unserer in allen Gauen Deutschlands zerstreut wohnenden Leidensgenossen und auf das Entgegenkommen und die Förderung unserer edeldenkenden Glaubensgenossen im deutschen Vaterlande für unseren Verein. Näheres durch den Vorsitzenden Herrn Willy Oppenheimer, Berlin 6 , Gontardstr. 5, III. * Berlin, 1. September. Nicht ohne Behagen drücken die hiesigen feindlichen Blätter einen in schwülstigem Hebräisch abgefaßten Bettelbrief, gezeichnet von David Schiffmann in Tiberias (Palästina.) Der Bettler behauptet viele geistige Kinder in die Welt gesetzt und außerdem eine unvermählte Tochter zu haben, zu deren Verheiratung er Geld brauche. Unsere Leser wissen, was aus Bettelbriefe, ob sie nun aus Galizien oder Palästina kommen, zu geben sei, und darum wiederholen wir, was schon so oft hier gesagt worden: Für diese Briefe giebt es nur einen passenden Platz — im Papierkorb. * Berlin, 1. September. Die Hauptversammlung des in Oldenburg tagenden Allgemeinen deutschen Sprachvereins hat in die Vereinsleitung alle bisherigen Vertreter wiedergewählt, mit alleiniger Ausnahme von Professor Dr. Daniel Sanders, auf den blos 24 Stimmen entfielen. Der Vorstand des Sprachvereins ist hiermit „judenrein" geworden. Die Herren waren eben der Ansicht, daß Daniel Sanders, eine der ersten Autoritäten aus dem Gebiete der deutschen Sprachforschung, nicht in die Vereinsleitung des deutschen Sprachvereins gewählt werden dürfe, weil er — Jude ist!! * Berlin, 2. September. Prof. Rudolf Virchow, der Präsident des Deutschen Reichskomitees für den nächstjährigen internationalen medizinischen Kongreß in Moskau, hat aus Petersburg folgende Mitteilung an die Berl. Klin. Wochenschrift gesandt. „Die russischen Konsuln sind autorisiert, die Pässe aller — christlicher oder israelitischer — Aerzte zu visieren, welche sich im Jahre 1897 zu dem internationalen Kongreß von Moskau begeben wollen." Damit ist also die Paßfrage nach den Wünschen des Deutschen Reichskomitees geordnet. * Berlin, 2. September. Der Preiskourant — genannt Rednerliste — der hier domizilierten Lobes-Versicherungsgesellschaft aus Gegenseitigkeit — genannt Litteraturverein — ist erschienen. Das Verzeichnis bietet neben altem Trödel auch einzelne neue Sachen an. Die von uns ausgestellte Liste — die man auch Sündenregister der Berliner Litteraturreisenden nennen kann — ist in jenem Preiskourant unberücksichtigt geblieben. Interessenten erhalten sie aus Wunsch — auch ohne Erstattung der Portoauslagen — gratis und franko nachgeliefert. * Berlin, 2. September. Ahlwardt ist unter die Gründer gegangen. In Brooklyn hat er ein Aktienunternehmen zur Herausgabe antisemitischer Blätter und Broschüren gegründet. Der Krach wird der Gründung wohl bald folgen. * Köln, 28. August. Im „Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Köln" giebt der hiesige Polizei-Präsident kund, daß die Ehefrau Süffel-Spielmann, Rosalie geb. Gellbaum aus Rußland durch Beschluß vom 3. August er. nebst ihren drei Kindern, Max, Hirsch und Minna. 9, 7 bezw. 4 Jahre alt, ans dem preußischen Staatsgebiete als lästige Ausländerin ausgewiesen worden sei. Unter dem Signalement der Frau findet man als besonderes Kennzeichen „Kränkliches Aussehen." - Vor kurzem wurde auch ein 80jähriger kranker jüdischer Greis aus Krefeld ausgewiesen. Eine jüngst an den Oberpräsidenten gerichtete Ministerialversügung billigt das scharfe Vorgehen des Polizei-Präsidenten nicht. P. Bremen, 26. August. (Das Waisenhaus zu Hannover) habe ich jüngst in Augenschein nehmen dürfen und > über diese Anstalt '1 schätzten Blattes / ~ l dieser Anstalt trägt ' t Begründer war ei : 1 die eigentümliche fl Ji dieses Waisenhause : 1 angenommen wert» J Gefahr für das W :! lichen Renovierung ■ | Legats auszutreibei . i träte, daß die sege U \ ein erhebendes Ge! :! [ tion beschlich. A - Charakter der Erzi; ist die Liebe und Erzieher, dem Leh darf keiner Erwähl 5 Waisenhauses nich erwähnt werden, i Religion erzogen n sie an dem Gottes nung, wie sie in d . selbe, ssu.Hause | Mitlagstisch, und setzt sich, ohne voi!s sein Brot an, oh Rach Tisch wird in korrektester W :.!fj das Mincha-Gebe •' nicht minder kor durch Spazierganc der Kinder gefor; Unterricht. Nach Crbnung verläuft i darauf finden wir - j wirft der väterlicl 1 - Binder", und mi 1 - bracht zu haben,