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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-09-04 · 36 (4.9.1896) · p. Seite 607

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
36 (4.9.1896)
Date
1896-09-04
Page
Seite 607 (sequence 11)
Language
German
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Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 607. *eM't»te3,qUir,ij0,!,: - n Gemeinden gebildet hE^ bn Verfolg« "7 f°. ubemächtig war« lltten^ hatten, daß in dich zuweilen Bann und Acht oei e Qllf anderen als den vorge Jahrhunderts loderten bii 5fen jüdischer Gotteshaus«. / sondern Bücher verbraunr l religiösen Geistes, Mendels >en Schriften, an denen ft euer des Fanatismus überol lnd ein Mann, der sein ganzeewidmet hat, ist nicht b« >ter über ihn den Stab brirfs en und Verlorenen verklag erlich der religiöse Fanatis« voll ist er wohl kaum zu k zen, daß der ohnedies sch« e aller Religion durch di» eleistet wird, daß der so ne! in und Aufklärung, die zu ein Geist, durch diese despotischer oird, aber jene Ausschreitung« denen aus früherer Zeit K as der Jrreligm Wahl der M ,ts nachgiebh da ,wv.., der der tb ihn in seinem chrt, aus den« von sich: deiner i-h« -i" heilige Sache r m f »"2 iw i* hi»,-«-d°» ‘ “ L »> K -»^Kcherde-S-- eine »■ rschöpflichcn chört eine höchst selten sind, die h^ die nl°j>« >on denen HMchw . fremd unseren 9tt. 36. Wort des Propheten: „Tie dich zerstören und dich verwüsten, gehen aus dir hervor." Unsere Feinde befinden sich im eigenen Lager und spotten oft nur, um ihr Gewissen zu beschwichtigen, um den Genossen in den Sumpf zu ziehen, in dem sie sich befinden und in dem ihnen garnicht behaglich ist. Gegen den Hohn der Fremden ist es nicht schwer sich zu verschanzen, sich zu wehren, und im allgemeinen sind unsere Landsleute, die nicht unseres Glaubens sind, in der Achtung vor den Heiligtümern anderer Bekenntnisse erzogen; wer schon nicht so viel sittliches Gefühl hat, hat meist soviel Lebensart, um nicht mit losen Worten zu entweihen, was andere verehren. Aber wer schützt gegen die Pfeile, die unsere Nächsten gegen uns zielen, die in jedem Augenblick uns bedrohen, gegen den Spott, mit dem der Genosse den Genossen überschüttet? So ein Jüngling heut noch nicht das Beten verlernt hat und zum Gottesdienst nach dem Gotteshause seine Schritte lenkt, flugs schelten ihn die Kameraden einen Betbruder, einen Frömmler; so er mit sittlichem Sinn von Trinkgelagen sich fern hält, so heißt er ein Kopfhänger, als ob die Freude im Rausche bestehe; wenn nun gar einer an jüdischem Brauche festhält und nicht nach jeder Speise langt, dann kann es ihm passieren, daß seine jüdischen Freunde, die selbst lange an dieser Sitte festgehalten und erst seit gestern so klug geworden sind, an seinen gesunden Sinnen zweifeln und sich ungebändigter Heiterkeit hingeben über diesen in der Kultur Zurückgebliebenen. „Die Uebermütigen verspotten mich," verdunkeln die lautersten Beweggründe, verhöhnen die sittlichsten Empfindungen; wie fest muß ein Charakter sein, wie stark der Schild seiner Ueberzeugungen, wenn diese Speere nicht durchdringen! Einstmals wurde die Thora studiert um Gottes willen; später wurde sie studiert um Gottes und des Amtes willen; heute aber liegt sie in unserem Vaterlande fast ganz verachtet abseits; für jeden Beruf giebt es eine Uebersülle von Kräften; nur für den Dienst der Religion finden sich wenige bereit, und gäbe es nicht in den Nachbarländern noch israelitische Jünglinge, die sich dem Thorastudium widmen nnd für die Verkündigung der religiösen Lehre sich ausbilden, so ständen viele jüdische Kanzeln in deutschen Landen längst leer und verlassen; findet sich aber, und sei es selbst in einer frommen Familie, ein wackerer und begabter Mensch, dem das Judentum heilig ist, der es zu seiner Lebensaufgabe machen will, die Thora zu lernen und dann zu lehren, so mag er zusehen, ob selbst diese Frommen sein Streben nicht für überspannt und phantastisch halten,' ob sie es ihm nicht Vorhalten, daß er es mit der Religion gar zu ernst nehme, daß sie ihm allerhand lockende Bilder zeigen von dem, was er auf anderen Gebieten erreichen könne. Ja, aus dem Munde von Predigern der Thora selbst kann man wohl den Ausspruch hören, der dann so leidenschaftlich wie ein Gelöbnis hervorkommt, daß ihre Sprossen nicht den väterlichen Beruf wählen sollen, und wenn auch die Anarchie des jüdischen Gemeindelebens in unserer engeren Heimat diese Uebelstände mitverschuldet, in der Hauptsache ist es die Erschlaffung des religiösen Sinnes, die diesen Jammer hervorruft. „Der Uebcrmut treibt seinen Spott mit mir," das gilt besonders von dem, der, weil er seinen Gott und seinen Glauben lieb hat und ihn verschmäht und verachtet sieht, dem Banner der Thora folgt und sich völlig ihr weiht. Wer andere Studien treibt, der wird in dieser gar so nüchternen und klugen Zeit nicht darnach gefragt, ob er dazu inneren Beruf hat; wer das Thorastudium ergreift, der wird auch dann noch verspottet, wenn er dazu den lebhaftesten, leidenschaftlichsten Drang verspürt. O, dieser kalte Hohn erreicht nur zu gut seinen Zweck; er erkältet selbst die Gemüter, die einstmals warm für ihren Glauben empfunden haben; wer aus dem frommen Vaterhause in die Fremde zieht und dann nach wenig Jahren zurückkehrt, dem ist meist jüdische Sitte fremder geworden, dessen Herz ist dem Spotte der Uebermütigen erlegen. Wahrlich cs ist ein großes Wort: „Uebermütige verspotten mich; von deiner Lehre bin ich nicht gewichen." Nicht Schwert und Folter sind so gefährlich als diese Dolche und Pfeile des Wortes. Aber der Sänger meldet auch in dem schlichten Verse, wodurch es ihm gelungen ist, sich gegenüber diesem Schwarm von Feinden zu behaupten: achten wir wohl auf das Wort „von deiner Lehre bin ich nicht gewichen." Das wars, was ihn schützte, daß er nicht nm Haaresbreite wich, daß er von seinen Grundsätzen nicht das geringste Zugeständnis machte; schlicht und gerade seinen Weg weiter wandeln, das ist das einzige Mittel, den Spott zu entwaffnen. Dem Frommen ziemt es nicht, gegenüber der Unduldsamkeit selbst unduldsam zu werden; nicht aus dem Treiben der Menschen, sondern aus uns selbst und aus Gottes heiliger Lehre sollen wir die Richtschnur unseres Handelns holen; „die Uebermütigen verspotten dich gar sehr", gar sehr, d. h. sie tasten nicht nur dich an, sondern auch deine Heiligtümer, dennoch schilt sie nicht, klag sie nicht an, suche sie auch nicht zu widerlegen, denn der Spötter will nicht widerlegt werden, und ist darum nicht zu überzeugen, sondern zeig ihnen durch die That die Zwecklosigkeit und Fruchtlosigkeit ihres Beginnens, indem du nicht nach rechts und nicht nach links abweichest, indem du dich weder zu ihnen hinüberlocken, noch gegen sie erbittern läßt. Als einst ein schuldloser Mann, der an einer Hochschule lehrte, plötzlich in die Kerker der Inquisition gerissen wurde und dort fünf Jahre schmachtete, begann er seine Vorlesung, nachdem er befreit wurde, damit, daß er ohne weiteres an jene vor fünf Jahren abgebrochene Vorlesung anknüpfte, daß er den ganzen Schrecken nur als eine Episode, als eine unnötige Unterbrechung aufsaßte. Etwas von jener Unempfänglichkeit gegen die Einflüsse der Außenwelt müssen diejenigen besitzen, die den Anfechtungen der Gegenwart gegenüber ihre sittlich religiösen Anschauungen aufrecht erhalten wollen. Nur die Frömmigkeit, die nicht wankt und weicht, hält gegenüber diesen Angriffen Stand; auch wenn sie nach rechts auswiche, wenn sie aus Widerstandslust die Frömmigkeit übertriebe, ist die Gefahr vorhanden, daß sie dann nach links ausbiegt und aus dem Extrem der Ueberfrömmigkeit in das der Unfrömmigkeit gerät. Unsere Alten deuten den Psalmvers auf diejenigen, die im Exile leben, und sagten, der Spottruf, der den Gottesfürchtigen galt, lautete: „Wer Euch verbannt hat, wird Euch nicht wieder zurückführen." Aehnlich lautet der Ruf auch in unseren Tagen: „Das Judentum hat

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