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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-09-04 · 36 (4.9.1896) · p. Seite 605

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
36 (4.9.1896)
Date
1896-09-04
Page
Seite 605 (sequence 9)
Language
German
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i 'Jtt. 36. ""»«‘«.fclol,,,, 7'^ «Ich«» -"-2 so sehr zuwider ist. um em-Feinde" zu fusiommw ' bann, daß sie bei Mit un9 bie Anzahl der Anr oft auf den zehnten Teil Rankheit nicht konstatieren, ^tche gewissenlose Jgnoran! 's nichts geschadet und den das schon die „Verfolgung* diese Ignoranz nicht auch litismus in sich birgt, und rlen Blätter, die solche Irr. e Berteidigung hemmen - spät anschicken - sind auch s Antisemitismus. Vieles, als es ist. Wir haben in gelebt, als unsere deutschen dem Antisemitismus nie in jj deutschen und österreichischen fi garn gelernt, den Schaden.! men, wenn uns das Feuer j n - mit Ausnahme eines - - nn es wahr ist, daß das st leele den Juden gut gesinnl aozu dann diese unbegrenzie tei, da es ja doch nicht die liegierung. Hen-Agi i meisten! Pkäß rielle s l; I j; Nr. 36. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 605. den rumänischen — nun fehlt uns noch der radikale ungarische Antisemitismus. Das Volk der Magyaren ist im Grunde genommen den Juden gut gesinnt. Diese jedoch mehr phlegmatische Güte stammt daher, rveil das Volk hier säst immer materiell gut und sorgenlos leben konnte. Das ist aber heutzutage nicht mehr der Fall. In dem heutigen antisemitischen Konzert spielt das wirtschaftliche Elend die Baßgeige, und dadurch können auch unsere, sonst edelgesinrrten Bauern ihre Meinungen über die Juden ändern, besonders wenn sie dazu ausgehetzt werden. Außerdem ist ja die Hälfte Ungarns von Nationalitäten bewohnt, die den Judeir nie so edel und gutgesinnt waren, als die Ungarn. Auch dürfen wir nicht vergessen, daß mir in Beurteilung der Verbreitung des Antisemitismus in Ungarn sehr falsch denken. Die Beobachtungen über den Wasserstaird des Antisemitismus in Ungarn werden in Budapest verfertigt. Die Verfertiger dieser Beobachtungen sind meist Inden, die dann ihre Meinungen durch die Budapester Journalistik bekanntgeben. Budapest ist aber eine Stadt, wo man den Arrtisemitismus nicht direkt beobachten kann. Wir leben hier inmitten einer großen Anzahl von Glaubensgenossen, auf dem Lande und in der Provinz ist das aber anders. Deshalb sind die Meinungen über den Antisemitismus in Ungarn sehr oft optimistisch, weil diese Meinungen meistens aus Budapester Quellen herrühren. Vielleicht werden wir noch rechtzeitig unsere Lage objektiver beurteilen, damit der Parteizwist sich ans unserer Mitte entferne und wir mrsere Aufmerksanrkeit ans andere, derzeit viel wichtigere Ereignisse lenken können. Wochen-Chronik. Berlin, den 3. September. — Gel>eimrat .Kayser. Die Kolonialskandale, die setzt bei uns ans der Tagesordnung sind, haben unsere Widersacher veranlaßt auf die Suche nach dem allezeit bewährten jüdischen Sündenbock zu gehen. Während sie aber sonst sich erst den Juden „machen" müssen, haben sie ihn diesmal wirklich gesunden, u. z. in der Person des Kolonialdirektors Kayser. Geheimrat Kayser — ein Vetter des ungetansten ehemaligen sozialistischen Abgeordeteil Max Kayser — ist in der That ein getaufter Jude. Wann und wie er getagt wurde, darüber berichtet die hiesige antisemitische „Deutsche Zeitung" folgendes: „Geheimrat Kayser war als angehender Jurist mit Erfolg als Repetitor der Söhne des Fürsten Bismarck thätig gewesen. Aus Dankbarkeit nahm ihn der Fürst ins Auswärtige Amt als Sekretär, und Herr .Kayser bewährte sich dort durch seine offiziösen Fähigkeiten. Es trat dann die Frage auf, wie man ihn in die höhere Karriere bringen könne, und dazu wurde ihm bedeutet, daß er sich taufen lassen müsse. Kayser war dazu bereit, und Herbert Bismarck ward Tauszeuge. Bei dem sich daran anschließenden Feste trat Graf Herbert Bismarck auf Kayser zu und sagte: „Sie finb doch »och ein ausgemachter Jude; die Taufe hat Ihnen gar nichts genutzt!" Sprachs, und schüttete ihm eine volle Flasche Champagner übers Haupt. So wurde Kayser Christ!" — Das antisemitische Organ merkt wohl gar nicht, daß es anstatt der Juden die Tauferei verspottet! — „Eine Lobrede ans das Judentum", gehalten von Herrn Bürgermeister Brinkmann in Königsberg aus dem anläßlich der Synagogenweihe veranstalteten Festessen, hat die verschämt und unverschämt antisemitische Presse in Aufruhr gebracht. Herr Brinkmann sagte u. a.: „Hier in Königsberg leben die Bekenner aller Religionen und aller Konfessionen in Frieden und Eintracht neben und mit einander. Daß dem aber so ist, daran hat auch die hiesige jüdische Bevölkerung selbst kein ganz geringes Verdienst. Nur einiges sei mir in dieser Beziehung auszuführen gestattet. Darf ich beginnen mit dem, was mir zunächst liegt, so muß ich rühmend und dankend anerkennen die thätige und aufopfernde Mitarbeit unserer israelitischen Mitbürger nicht blos in der städtischen Verwaltung, sondern überhaupt in allen öffentlichen Angelegenheiten. Nur ungern und gewiß zum Schaden der Gesamtheit würden wir missen die Anhänger des mosaischen Glaubens in unserer Stadtverordnetenversammlung, in unserm Magistratskollegium, in den vielerlei Kommissionen und Deputationen, in den städtischen und sonstigen Ehrenämtern. Und so manches schöne und gute Werk wäre unterblieben oder doch nur halb gediehen, wenn nicht unsere jüdischen Mitbürger mit Rat und That mitgeholfen hätten und noch mithelfen würden. Wie wenig beanspruchen sie selbst dagegen fremde Beihilfe! . . . Nicht daß ich meinte, Armut käme bei ihnen überhaupt nicht vor! Aber stärker als anderswo wirken bei ihnen die Bande der Familienzusammengehörigkeit und der Freundschaft, groß und bewundernswert ist ihre Gatten- und Kindesliebe, und mancher glaubenseifrige Christ könnte sich hierin von ihnen ein Borbild nehmen. . . . Empfänglich für jede Weiterentwickelung des Menschengeschlechts, erglüht für Kunst und Wissenschaft, erfüllt von wahrer und echter Humanität, dabei folgsam den Staatsgesetzen und königstreu, — so steht nicht blos vor meinem Geiste derselbe Jude, den man ehemals verbrannte und dem heute noch verblendete Fanatiker seine Rechte kürzen wollen. Und wenn dereinst die Gegensätze der Religionen und der Konfessionen sich derart ausgeglichen haben werden, daß der Mensch nur noch nach seinem innern Werte geschätzt und beurteilt wird, alle andern Unterschiede dagegen bedeutungslos geworden sein werden, wenn das Menschentum diesen Triumph erleben wird, so hoffe ich, daß bei der Feier dieses Triumphes die Königsberger Synagogengemeinde nicht unbeteiligt bei Seite stehen wolle. . . ." Die gegnerische Presse spricht die Hoffnung aus, daß Herr Btinkmann sicherlich demnächst zum Judentum übertreten werde. Jnderthat verdiente der Bürgermeister von Königsberg Jude zu sein, obwohl er der Königsberger Gemeinde nichts als Gerechtigkeit hat widerfahren lassen. — Juden und Christen und ihre Feiertage. Dem strengkatholischen „Wests. Merkur" wird geschriebeu: „Die Staatsbürger-Zeitung" ereifert sich darüber, daß in Kottbus der Herbstviehmarkt wegen des jüdischen Neujahrsfestes verlegt worden ist, während das Ersuchen, den großen Viehmarkt des Frohnleichnamstages wegen um acht Tage zu verschieben, abschlägig beschieden wurde. Trotz des Frohnleichnamstages fand der Viehmarkt statt und wegen des jüdischen "Neujahrsfestes ist er verlegt worden. Wir begreifen und teilen die Gefühle der Katholiken über diese sonderbare Handhabung katholischjüdischer Parität; aber wir mochten da auf eine andere, als gerade die paritätische Seite der Sache Hinweisen. Wenn der Viehmarkt am israelitischen Neujahrstage nicht verlegt worden wäre, so wären die Juden, in deren Händen der Viehhandel liegt (‘0, nicht gekommen und dann war zwar im Kalender Viehmarkt, aber es war kein Vieh da. Wir sind überzeugt, die Juden hätten eher auf das Geschäft verzichtet, als daß sie einen ihrer ersten Feiertage entweiht hätten. Das ist aber sehr respektabel von den Juden und verdient Nachahmung.

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