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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-09-04 · 36 (4.9.1896) · p. Seite 603

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
36 (4.9.1896)
Date
1896-09-04
Page
Seite 603 (sequence 7)
Language
German
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vir. 36. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 603. 'hne Erlaubnis des! r Tr. Breuer keine Tri habe dasselbe oo •>oit habe der Herr 8 keine würdige Stell», - Frankfurt a. M, Rabbiner geivesen. as allgemein bekannte Rothschild habe Mitlei lenüen beraubten Tr. l! 'egrenzten Selbstverleuj so habe Rothschild! einfach nicht gedulde! offen Eingreifen Roths ie den Herrn Baron ir el, und wie berechtigt iz evident erwiesen: A n Baron nahestehende Pe >orden. en, die aus der exzeptioick ewinnt allmählich eim ie ehr Glauben, die an k Breuer anknüpst. lauben, - woran Hm l weifelt haben soll, - & gar nicht die Absicht gedc m er am allerbesten itö der Weg von der >; aufwärts, sondern obnws Zemeinde Gelegenheit §* nglichkeit und Verehr»»^ :n, ihn zu zwingen, mp auben, ei jt mehr I das D den M- , recht ss s scheinlich war es dieser Stolz: „Ich bin Dr. Breuer!" der dem ganzen Vorgehen zu gründe lag. Wie jede Leidenschaft, will auch der Stolz von Zeit zu Zeit seine besondere, aus dem betäubenden Einerlei der Gewohnheit sich abhebende Befriedigung finden, um sich zu genießen. Wie der Gesunde seine Gesundheit erst dann wonniglich empfindet, wenn er nach einem Krankheits-Intermezzo wieder gesund wird; wie der Reiche das freudige Gefühl des Besitzes durch die Gewohnheit einbüßt und erst dann wieder empfindet, wenn die Furcht, das Vermögen zu verlieren, recht nahe gerückt ist, — also in dem erneuten Jn-den-Besitz-ko mm'en, — so scheint der Stolz: „Ich bin Dr. Breuer, ich bin Frankfurter Rabbiner!" auch das Bedürfnis gehabt zu haben, durch das Risiko, alles zu verlieren, von Zeit zu Zeit sich wieder zu gewinnen. „Und setzest Du nicht das Leben ein, Nie wird Dir das Leben gewonnen sein/' Das ist die wahrscheinlichste psychologische Erklärung für das wiederholte Breuersche Spiel mit dem Feuer „Demission". An Berufungen nach dieser oder jener Gemeinde konnte es nicht fehlen. Es war ein Vergnügen für ungarische und österreichische Gemeinden, den „Probepfeil" einer Berufung an Herrn Dr. Breuer abzuschießen. Das war der kürzeste Weg, um von dem „Israelit" als eine der ersten und bedeutendsten Gemeinden des Judentums glorifiziert zu wergj den. So war vor etwa drei Jahren plötzlich die Gemeinde j| Neutra durch einen „Rabbonus-Bries" an Herrn Dr. B. zu Ehr' und Ruhm gelangt. Neutra ist ja auch in Ungarn außerordentlich berühmt wegen seiner — Diebe: „Neutraer!'■ Gannowim" sind in Ungarn sprichwörtlich. Kursiert ja in Ungarn ein Bonmot von einem Darschan (Prediger), der in Neutra eine „Terascha" (Predigt) folgendermaßen eingeleitet s? habe: „Gewöhnlich .stellt man sich' (im Jargon: „knüpft man £ an") bei einer Droscho auf einen Possuk (Vers) oder Midrasch; s/ ich stelle mich auf — meinen Koffer, damit er mir nicht /■ gestohlen werde." Aber der Rabbonus-Bries an Herrn (: Dr. B. hatte vor einigen Jahren genügt, um der Gemeinde Neutra einen Ruhmeskranz erster Güte zu winden. Ganz dieselbe angenehme Erfahrung hatte ja auch die - bis zur Berufung des Herrn Dr. B. ganz obskure „Schiffs schul" gemacht. Sie war auf einmal eine der wichtigsten . Positionen des Judentums geworden, zu deren Führung der beste Mann gerade gut genug sei. Warum sollte eine obskure! ungarische oder österreichische Gemeinde nicht so billigen Kaufes ihr Lob siugen lassen? — j So ist es erklärlich, daß Herr Dr. B. in der glücklichen . Lage war, einen Rabbonus-Bries von dieser oder jener Ge- , meiude bei Bedarf auf Lager zu haben, um das Bedürfnis ' seines Stolzes und Hochgefühls, sich zu regenerieren und neu t z" empfinden, durch Drohung mit Demission befriedigen zu; können. : ■ Für die Adaß-Jeschurun-Gemeinde wäre ja dies Spiel ein ebenso angenehmes gewesen. Auch sie hätte ja das Hoch-! gefühl, Herrn Dr. B. als Rabbiner zu besitzen, dadurch mit f immer erneutem, durch keine Gewohnheit des Besitzes abgej schwächten Reiz empfunden, wenn dies Hochgefühl ursprüng- | lich vorhanden gewesen und der Besitz des Herrn Dr. B. als ein so hohes Glück betrachtet worden wäre. Da dies aber nicht der Fall war, so bedeutete für die Gemeinde eine von der Bildfiäche entschwundene Demission eine Art getäuschter Erwartung, eine unerfüllte Hoffnung. Niemals war aber die Hoffnung, Herr Dr. B. möge die '„Residenz" der Orthodoxie verlassen und einen „Statthalter- Posten in irgend einer Grenzprovinz" annehmen*) lebhafter in der Gemeinde vorhanden, als gerade in den letzten Monaten. Aber was alle Welt wußte, was ein öffentliches Geheimnis war, das blieb der Hauptperson verborgen. Herr Dr. B. hatte keine Ahnung davon, daß die Situation, seinem Stolz das Spezial-Vergnügen einer Demissions-Komödie zu gönnen, niemals ungünstiger lag, als in den letzten Monaten. So kam es denn, wie es gekommen ist: Herr Dr. B. nahm die Berufung nach der Wiener „Schiffschul" an, in der sicheren Erwartung, Frankfurt werde, bei dem Gedanken ihn zu verlieren, aus den Fugen gehen. Frankfurt ging aber nicht aus den Fugen. Herr Dr. B. dachte: Die Gemeinde wartet, bis das Schreckgespenst etwas greifbarer geworden, um einen größern Effekt zu bereiten. Die Greifbarkeit wuchs, die Uebersiedlung des Herrn Dr. B. rückte immer näher, aber — die Gemeinde verharrte in ihrer apathischen Unthätigkeit. „Nein, der äußerste Punkt ist die Abschiedsrede! Im letzten Augenblicke soll das drohende Verhängnis von Frankfurt abgewendet werden!" — Die Abschiedsrede war gehalten, herzzerreißend war der Trennungsschmerz von der Kanzel hernieder, dreiviertel Stunden regnete es Thränen aus den Augen des Predigers und der — Frauen, aber die Gemeinde und die Vorsteher thaten noch immer keinen Schritt, um Herrn Dr. B. sestzuhalten. Es verging der Sonntag, es verging der Montag, die Möbel wurden schon nach Wien geschickt . . . „Wahrhaftig, diese Frankfurter wissen ihr Glück nicht zu schätzen, oder sie sind zu . . . schüchtern, sie lassen mich am Ende wirklich gehen!" — so dämmert es plötzlich beängstigend in der Seele des Herrn Dr. Breuer. Da kam der große Augenblick, wo Herr Dr. B. das Höchste thun konnte, was eine Herde von ihrem Hirten erwarten kann: er empfand seine Unersetzlichkeit für seine Gemeinde und — blieb! Warum sollte er auch nicht bleiben? Hatte er ja doch nie gehen wollen! Was konnte er dafür, daß seine Gemeinde seine Intentionen nicht verstand? Das ist nun einmal so in Deutschland. Wäre Frankfurt a. M. eine ungarische Gemeinde, das rechte Verständnis würde nicht gemangelt haben. Diesem Verständnis muß man zu Hilfe kommen, es muß die Frankfurter Gemeinde zur Höhe ungarischer Geisteskraft erzogen werden, und — er blieb. Wie wird Frankfurt aufjubeln, wenn das, was noch zu hoffen keine Phantasie so kühn war, was die Gemeinde gar nicht mehr zu erstreben den Mut hatte, nun doch wieder zur Wirklichkeit geworden: Dr. Breuer bleibt! Wenn Herr Dr. B. etwas derartiges sich vorgestellt hat, was nach dem Urteil derer, die ihn kennen, gar nicht ausge- *) In einem Abschiedsartikel, den der „Israelit" Herrn Dr. B. widmete, wurde die „Schiffschul" als eine „Grenzprovinz" gefeiert und die Opferfreudigkeit des Herrn Dr. B. gepriesen, der eine „Residenz-Provinz" aufgegeben, um die „Statthalterschaft" in Wien übernehmen zu können.

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