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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-08-28 · 35 (28.8.1896) · p. Seite 594

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
35 (28.8.1896)
Date
1896-08-28
Page
Seite 594 (sequence 14)
Language
German
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Seite 594. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 35. ungezogenen Informationen für vollständig erfunden. Im bayerischen Kriegsminifterium sei von einem derartigen Erlaß nichts bekannt. Straßburg i. Elf., 19. August. Die erste antisemitische Versammlung, die in Straßburgs Mauern abgehalten worden ist, hat gestern Abend stattgesunden. Der Besuch war ein sehr schwacher, kaum 100 Personen hatten sich eingefunden. Der bekannte antisemitische Agitator Reichstagsabgeordneter Zimmermann-Dresden sprach über das Thema „Der deutsche Mittelstand, seine Freunde und seine Feinde". An der freien Diskussion beteiligten sich vier Personen, darunter ein Sozialdemokrat. Während der Versammlung zirkulierte eine Liste, in welche sich diejenigen einschrieben, welche dem in Straßburg zu gründenden Zweigverein der deutschsozialen Resormpartei beitreten wollen. 6. Wien, 23. August. Der Abg. Fonrnier antwortet in der N. Fr. Pr. auf das offene Schreiben des „Zentralvereins zur Pflege jüd. Angelegenheiten in Prag" wie folgt: „Kein Wort meiner Rede läßt die Deutung zu, daß ich „die vielen wohlgesinnten und ehrenhaften Angehörigen des Judentums für das Entstehen und Weiterverbreiten des Antisemitismus verantwortlich mache", und ich muß diese unrichtige Annahme ablehnen. Dagegen habe ich allerdings die Meinung geäußert, sie könnten in einer bestimmten Richtung bei der Bekämpfung des Antisemitismus mitthätig sein. Und dieser Gedanke ist weder neu noch unerhört. Der Prager Universitätsprofeffor Dr. Zucker, dem der geehrte Ausschuß gewiß nicht „Unkenntnis der Verhältnisse" zum Vorwurfe machen wird, hat ihn im Reichsrate ausführlich erörtert und scharf pointiert; in deutschböhmischen Zeitungen ist er vor kurzem wieder zur Sprache gekommen, und ein angesehenes Blatt fortschrittlicher Richtung, dessen Redakteur ein Jude ist, hat ihn in demselben Sinne wie ich dargelegt. Nachdem ich meine Rede beendigt hatte, haben mir voraus jüdische Wähler, Männer in hervorragender Stellung und öffentlicher Wirksamkeit, insbesondere für die vom geehrten Ausschuß angefochtene Stelle gedankt, und ein angesehener Rechtsanwalt jüdischen Bekenntnisses war es, der in Bodenbach eine zustimmende und mich ehrende Resolution beantragte. Nach alledem muß es mir doch scheinen, als wäre die von mir ausgesprochene Idee nicht so völlig undiskntierbar, wie sie der geehrte Ausschuß hinstellt, und ich sehe mich genötigt, demselben das Recht zu bestreiten, mir „grundlose Insinuationen" vorzuwersen." — Unser in Baden zum Kurgebrauche weilende Oberkantor Joses Goldstein wurde aus der Straße von einer tiefen Ohnmacht befallen und mußte in seine Wohnung transportiert werden. Sein Zustand ist allerdings ein weit besserer, doch dürfte Herr Goldstein seine Funktionen in nächster Zukunft nicht versehen können. — Den Antisemiten in Lemberg ist eine kleine Unannehmlichkeit passiert. Das Militärkommando hat nämlich der Musikkapelle des 80. Infanterie-Regimentes bis aus weiteres untersagt, den Lueger- Marsch zu spielen. Es heißt, die Angelegenheit sei dem Kriegsministerium zur Entscheidung vorgelegt worden. — Dr. .Lueger ist unermüdlich. Vor wenigen Tagen war er erst auf einer politischen Gastspieltourn^e in München, und schon rüstet er sich wieder zu einer neuen Agitationsreise. Diesmal ist es Böhmen, das der Wiener erste Vicebürgermeister und christlich-sozial-klerikale „Führer" mit seinem Besuche zu beehren gedenkt. — Der Magistrat hat beschlossen, dem Stadtrat vorzuschlagen, dem Hofschauspieler Adolf Ritter von Sonnenthal aus Anlaß seines vierzigjährigen Künstlerjubiläums das Bürgerrecht von Wien zu verleihen; von der Salvator-Medaille, die der antisemitische Denunziant Pfister erhalten hat, bleibt der Künstler also verschont. Sollte der Antrag durchgehen, so dürste Sonnenthal die Ehrung nicht annehmen. — Der Gemeinderat von Boryslav (Galizien) beschloß, dem Baron Hirsch ein Denkmal zu setzen. S* Lemberg, 21. August. Ueber den christlich-sozialen Pater Stojalowski in Lemberg der auch antisemitische Agitation treibt, hat der Papst die höchste kirchliche Strafe, den großen Bann, verhängt. — Vor kurzer Zeit prangte in den hiesigen Blättern eine Konkursausschreibung des löbl. Stadtmagistrates für einige Praktikantenstellen, wobei mit gesperrten Lettern die Vorlage des Taufscheines gefordert ward. Bis jetzt fand sich noch kein jüd. Gemeinderat, der diesen Verstoß gegen die Staatsgrundgesetze im Plenum des Gemeinderates vorgebracht und gerügt hätte. O Pest, 20. August. Die ungar.-jüd. Litteratur-Gesellschaft hat bekanntlich beschlossen, aus Anlaß des Milleniums sämtliche, auf die Geschichte der ungarländischen Juden bezughabenden Dokumente und Urkunden herauszugeben. Für dieses bedeutsame historische Werk dient das Preßburger städtische Archiv als wichtigste Fundgrube. RabbinerDr. Bernstein-Steinamanger wurde mit der Erforschung derselben betraut; der städtische Archivar geht ihm in liebenswürdigster Weise an die Hand. — Als im Vorjahre die Angelegenheit des Garam-Kis-Salloer Blutmärchens verhandelt wurde, gaben der Dorfnotar und zwei Mitglieder der Gemeindevertretung zu Gunsten des Angeklagten Ignaz Adler Zeugenschaft ab. Kurz darauf erschien im „Alkotmnüny" ein Artikel, in dem die Zeugen beschuldigt wurden, daß sie bestochen seien, den „Ritualmord" gefördert haben u. s. w. Gegen das genannte Blatt wurde der Preßprozeß angestrengt. Die Verantwortung übernahm eiu gewisser Rhr-.dey, welcher vom Pfarrer des Ortes, der in dieser Angelegenheit die Hauptrolle spielte und verurteilt worden ist, informiert wurde. £ Nenpcst, im August. Sonntag den 9. d. M. wurde hier in Anwesenheit sämtlicher Gemeindemitglieder die im Knöpfler'schen Hause (Hauptgaffe) neuerbaute Synagoge der Orthodoxen in solenner Weise eingeweiht. Die Gesetzes« rollen wurden, von vielen Zuschauern mit Musik und Gesang begleitet, unter einem Baldachin in die neue Synagoge getragen, wobei der Rabbiner Israel Braun aus Mihalydi eine vierstündige (Herr des Himmels!) Rede hielt. Später fand ein Festmahl statt, welches bis in die späte Nacht dauerte. Prag, 21. Äugust. Unsre Widersacher, die auch hier immer zahlreicher werden, klagen stets über den Zudrang der Juden zu den hohen Schulen. Wäre dies der Fall, so würde es kein schöneres Zeugnis für die Bildungsfreundlichkeit der Juden unserer Zeit geben. Jetzt klagen jene Widersacher auch über die große relativ Schülerzahl, die von Juden Böhmens zu den Mittelschulen des Landes beitragen. Nach den Schul-

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