Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 35 (28.8.1896)
- Date
- 1896-08-28
- Page
- Seite 595 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4794838-9609712-9610339--1678-9610354- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Minsk 2× ep/1000754
- Odesa 1× ep/1000834
OCR text
Nr. 35. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 695. : erste J. .'»"'„eiiler ,nit letnem Besuche , Ritter öonSomiR in0en Künstlerjubiläum^ l'vonderSalvator-Mch^; ^Iter erhalten hat, "e der Antrag durchch^ >ucht annehmen. - Der kbeschloß, dem Baron W Ueber den christlich-sozuls - auch antisemitische Agitckkirchliche Strafe, den pj* Zeit prangte in den hich ng des löbl. Stadtmagislilll!- bei mit gesperrten Lettern^ rt ward. Bis jetzt fand r diesen Verstoß gegen!«!s Gemeinderates vorgebrat ar.-jüd. Litteratur-GeseW ilnlaß des Milleniums sw Für dieses bebte irger städtische AG ernstein-SteinamaM betraut; der MG Weise an die HM :§ Garam-Kis-Sallk der Dorsnotar w' Zeugen beschM malmord" geförbtt t wurde der Pm lernahm ein ge>°>^ der in dieser k jturteilt worden l' berichten pro löl>5/0(i haben in dem genannten Schirljahre die dentschcn Staats-Gymnasien im Ganzen 4864 Schüler, darunter 1261 Inden, tschechischen Staats-Gymnasien 856.8 Schüler, darrmter 486 Inden besucht. Mit Einrechnnng der wenigen nicht vom Staate erhaltenen Gymnasien gab es unter den Schülern 8700 Deutsche, 0107 Tchechen und 1809 Jrrden, also 24 v. H. Deutsche, 61,1 v. H. Tschechen und 12,8 v. H. Juden An derr deutschen Realschulen warerr unter 8045 Schülern 645 Juden, an den tschechischen Realschulen unter 4756 Schülern 181 Juden: an allen Realschulen zusammen 1826 Deutsche, 5186 Tscheche«, 776 Juden, also 28,6 v. H. Deutsche, 66,4 Tschechen und 10 v. H. Juden. An allen Mittelschulen Böhmens zusammen gab es unter 22 504 Schülern 2675 Juden, von denen 2075 an deutschen und 600 an tschechischen Anstalten studierten. Von sämtlichen studierenden Juden entfielen also 22 v. H. ans die'tschechischen, 78 dagegen ans die deutschen Mittelschulen. Im Verhältnisse zu der Gesamtziffer der Bevölkerung entfällt ein Mittelschüler bei den Deutschen auf 868, bei den Tschechen aus 268, bei den Juden bereits auf 88 Seelen. Unsre Gegner behaupten sonderbarerweise, daß diese Statistik gegen die Juden ausgespielt werden könne. X Warschau, 22. August. Ein furchtbarer Brand wütete in der Stadt Danda, Gouvernement Witebsk. 228 Wohnhäuser, 2 Kirchen, eine Synagoge, sämtliche Warenmagazine und öffentlichen Gebäude liegen in Schutt und Trümmern; in einem Hanse verbrannten zwei jüdische Familien. Der Schaden ist enorm; über 8500 Menschen sind obdachlos. m. Warschau, 24. August. (Jüdische Ackerbauer. — Hohes Alter.) Eine der Hauptfragen, mit denen sich die russische Judenheit seit Jahr und Tag beschäftigt, ist die, wie es möglich wäre, unter den gegenwärtigen gesetzlichen Verhältnissen einem immerhin nennenswerten Teile des jüdischen Proletariats des sogen. Ansiedlungsrayons im landwirtschaftlichen Gewerbe Arbeit und Brot zu verschaffen. In Minsk hatte z. B. ein wohlhabender Glaubensgenosse eine namhafte Summe gespendet, um für arme jüdische Familien hinreichend große Parzellen des der Kommune gehörigen Ackerlandes zu pachten. (In den Dörfern dürfen die Juden Grund und Boden bekanntlich weder käuflich erwerben, noch pachten.) Allein der Magistrat der Stadt Minsk weigert sich beharrlich, den Boden den Inden zn verpachten, und ans dem wohlgeineinten Plane wurde nichts. Verschiedene andere Wege, welche empfohlen wurden, erwiesen sich ebenfalls als nicht gangbar, und schließlich verblieb als einziges Erfolg versprechendes Mittel nur noch, die Unterbringung jüdischer Arbeiter und Arbeiterinnen während des Sommers auf den Gütern. In der Nähe der von Juden bewohnten Städte und Flecken hatten die Gutsbesitzer, insbesondere die der südlichen Gouvernements, wo während der Erntezeit Arbeitermangel herrscht, bereits längst den Versuch gemacht, jüdische Arbeiter zu beschäftigen, und der Versuch fiel zur beiderseitigen Zufriedenheit aus. Auf diese Erfahrungen gestützt empfahl die hier erscheinende „Hagefirah", nach dem wohlbewährten Muster der russischen „Arteljs", jüdische Arbeitergenossenschaften zn organisieren, eventuell auch einen Arbeitsnachweis für jüdische landwirtschaftliche Arbeiter einzurichten. Der Plan wurde seinerzeit von der übrigen jüdischen Presse in Rußland ebenfalls sympathisch begrüßt, allseitig fehlte aber die Energie, den Worten die That folgen zu lassen. Mittlerweile wurde aber die Zahl der in landwirtschaftlichen Betrieben beschäftigten jüdischen Arbeiter immer größer, ihr Renommee in den Kreisen der Gutsbesitzer immer besser und nunmehr beginnt auch die russische Presse sich mit der Angelegenheit zn beschäftigen und zwar nicht mehr im Interesse der Juden, sondern im Interesse der russischen Landwirtschaft. Ein praktischer russischer Sozialpolitiker, Namens Lewitsky, welcher als Organisator von russischen Arbeiter-Arteljs bekannt ist, bespricht diese Frage in der „Birs. Wied." und kommt zu dem Schluffe, daß, „wenn den Juden die Möglichkeit gegeben würde, sich mit Landarbeit zu befassen, sie sehr brave und tüchtige Arbeiter stellen würden". Derselbe hatte sogar versucht, im Gouvernement Jekaterinoslaw eine derartige Genossenschaft zustande zu bringen, indeß ist die Einrichtung eines solchen „Artelj" mit nicht unerheblichen Kosten verbunden, und die in Rede stehenden Arbeiter waren sehr arm. Er mußte daher den Plan zunächst fallen lassen, ist aber gern bereit, ihn bei günstiger Gelegenheit wieder aufzunehmen. Interessant ist, daß selbst der bekannte Judenfresser Fürst Mestschersky sich in seinem „Grashdanin" für die Gründung derartiger Genossenschaften ausspricht und hierin einen großen Vorteil für die Juden wie für die russische Landwirtschaft sieht. Noch interessanter ist aber vielleicht die Thatsache, daß aus dem Gute des Grafen Jgnatiew, des verflossenen Ministers des Innern ans dem für die russischen Juden so traurigen Jahre 1882, eine größere Anzahl Juden als Arbeiter beschäftigt ist. Ein beredteres Zeugnis für deren Brauchbarkeit kann es wohl kaum geben. Es wäre daher wohl zu wünschen, daß das St. Petersburger „Komite zur Verbreitung von Handwerk und Ackerbau unter den Inden in Rußland", dem recht erhebliche Geldmittel zur Verfügung stehen, sich der Angelegenheit annehme und zunächst wenigstens versuchsweise eine Arbeitsnachweisstelle, sowie eine oder mehrere Genossenschaften ins Leben rufe. Im Falle des Gelingens könnten hier mit relativ geringen Mitteln sehr bedeutende Resultate erzielt werden. — In Odessa starb vor einigen Tagen eine jüdische Frau aus Belocerkow im 112ten Lebensjahre. Die Verstorbene hatte ihr ganzes langes Leben in drückendster Armut zugebracht, von einer hygienischen Lebensweise konnte also bei ihr nicht gut die Rede sein. Nichtsdestoweniger war sie nie in ihrem Leben krank gewesen und fühlte sich sogar am Morgen ihres Todestages noch so wohl, daß sie ihren ältesten, 90jährigen Sohn bat, ihr ein Paar Schuhe zu kaufen. Der Sohn konnte indeß ihren Wunsch nicht mehr erfüllen, denn nach einer Stunde hatte sie sanft und schmerzlos ihren Geist ausgehaucht. Sie hinterläßt zwei Söhne, der eine ist 90, der andere 65 Jahre alt. Beide sind Lastträger und gehen ihrem Berufe noch mit jugendlicher Frische nach. X Nikolajew, 23. August. (Wein-Not.) Der St. Petersb. Herold berichtet von hier: „Nach den Bestimmungen des mosaischen Gesetzes muß Wein, welcher von Juden getrunken wird, ausschließlich von Juden gekeltert und verkauft werden. Diese Vorschrift erklärt sich dadurch, daß Wein bei den Inden an Festtagen, namentlich zum Passah, bei der Ausübung ver-