Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 35 (28.8.1896)
- Date
- 1896-08-28
- Page
- Seite 593 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 35. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 593. onq§ , “«sä": r;v* *** f *“f »»d Stilb« , MenschonbMegtderGedO ®enteinbe. Tie NotrrM lur die hohen Festtage fc nur 250 Män> troenbig erachtet, usumme von 6-/ deren Beschaffung bun ^k- und durch eine Stift® storbenen Gehemmt Simfiie Gemeinde hat daher« u verzinsen. Als Bauch indenmarkt für 120,000 * ausgeschriebene Wettb« t geführt. Als Sieger ® sZreisgericht die Baumem Berlin, denen auch die W reprise übertragen wordene Zustandekommen des um nnweihnng näher beschreibe welche ihn ins Auge M betrieben nnd sich in d teresse ihrer Gemeinde unkn -Linie der leider jetzt erkrack I Vorsitzender desGenM rannt. Als sachverständig jerr Zimmermeister Leweck gewaltet. Tie Namen ak eiträge zu dem Gelingen te f den in der Vorhalle am Möge das schöne Bau^ der Kunst zur Ehre dm o der Menschenliebe fern. l\i Auswanderung mW kann fast jede" M°W° )em von Eydtkuhnen hier ankomnrenden Zuge mehrere Wagen nit diesen Reisenden bemerken, welche mit Kind und Kegel hrer Heimat den Rücken kehren. r. Krojanke, 17. August. (Eine neue Steuer.) Der Lösung folgender Kompetenzfrage sieht man hier mit Spannung entgegen. Sechs Herren aus Berlin, Söhne des hier ivr Jahresfrist verstorbenen Rentiers Margoninski, waren rach hier gekommen, um am Geburtstage des Verblichenen rn seinem Grabe in kindlicher Pietät Gebete zu verrichten. Indes hat der Vorstand der hiesigen Gemeinde tags vorher beschlossen, auswärtigen Friedhossbesuchern den Zutritt zu den Gräbern nur gegen Entrichtung einer Steuer bis zu lO Mark zu gestatten, und unter Geltendmachung dieses Beschlusses forderte-der Vorstand in vorliegendem Falle 60 Mk., welche Summe nach erfolgter Zahlung seitens des Vorstandes zur Hälfte zurückgegeben wurde. Ueber diesen Vorgang hat einer der Beteiligten, der Rechtsanwalt E. Margoninski aus Berlin, dem Herrn Regierungs-Präsidenten Anzeige erstattet, nnd es wird sich auf Grund des zu erwartenden Bescheides ausweisen, ob der Vorstand innerhalb der Grenzen seiner Zuständigkeit gehandelt hat. o. Treysa, Bez. Kassel, 20. August. (Lehrer Rothschild.) Am 10. d. M. verschied dahier der Nestor der israelitischen Lehrer Hessens, vielleicht ganz Preußens, der emeritierte Lehrer M. Rothschild im Alter von über 91 Jahren. Der Verstorbene der seine bedeutenden Kenntnisse im Jüdischen auf der zu Gelnhausen erworben und sich sein profanes Wissen aus autodidaktischem Wege angeeignet hatte, wirkte Hierselbst seit dem 1. September 1831, zunächst einige Jahre als Religionslehrer. Nachdem er am 21. Dezember 1895 unter sehr großer Beteiligung sein 50jähriges Jubiläum gefeiert hatte, trat er am 1. April 1896 in den wohlverdienten Ruhestand. Seit Juli 1887 war er gelähmt, dennoch war er geistig vollständig frisch rrnd nahnr an allen Vorgängen der Außenwelt lebhaften Anteil. — Rothschild war ein sehr braver Mann, der sich allgemeiner Achtung weit über den Kreis seiner Gemeinde hinaus erfreute. Dies zeigte sich auch bei dem Leichenbegängnisse, dem nicht nur sämtliche Mitglieder der hiesigen israelitischen Gemeinde, sonderrr auch viele Christen und Auswärtige beiwohnten. Am Grabe schilderten die Herren Provinzialrabbiner Dr. Munk - Marburg und Lehrer Oppenheim - Treysa des Verstorbenen Charakter und Wirken in durchaus würdiger Weise. h. Düsseldorf, 24. August. (Leichenschänder.) Auf dem hiesigen israelitischen Friedhofe sind von frevelnden Händen etwa fünfzig Grabsteine umgeworfen und zerstört worden. Auf einen der umgestürzten Grabsteine war mit geübter Hand das Wort „Antisemit" geschrieben. Seitens des Kriminal- Kommissariats wird bekannt gemacht, daß eine Belohnung von 100 Mark auf die Entdeckung der Thäter ausgesetzt sei. r. Köln, 24. August. Sie verlangen von mir, geehrter Herr Redakteur, ein Stimmungsbild aus unserer Gemeinde. Fast wäre ich versucht, hier ein billiges Wortspiel zu gebrauchen und meine Ablehnung dahin zu motivieren, daß die Stimmung hier so verstimmt ist, daß Sie sich von ihr gar kein Bild machen können. Sie waren ja vor einigen Wochen hier und werden manches gehört haben, was meine Worte bestätigt. Vielleicht liegt diese Verstimmung in den Gemeindeverhältnissen, die anders geartet sind als in ganz Preußen. Während in anderen Gemeinden die Repräsentanten-Versammlyng mitraten und mitthaten darf, ist sie hier nicht viel nrehr als Staffage. Die Zahl derer, die „nix to seggen" haben, ist fast so groß wie die Zahl der Mitglieder. Der Vorstand beschließt über das Wohl und Weh der Gemeinde, und fragt er auch gelegentlich bei den Repräsentanten an, so geschieht dies aus angeborener — Höflichkeit. Unser Vorstand ist eben höflich, weil er höflich sein kann, denn er erfreut sich großen Ansehens und eines fast noch größeren Vertrauens in allen Kreisen der Gemeinde. Unsere orthodoxe Separatgemeinde macht sich durch keinerlei Opposition bemerkbar; sie lebt — um nicht zu sagen vegetiert — dahin, schiedlich-friedlich, so daß hier über allen Wipfeln Ruh ist. Ein kleines Rauschen ist ja hin und wieder vernehmbar. So wird viel über die Frage gesprochen, ob in der säst fertigen neuen Synagoge am Königsplatz eine Orgel aufgestellt und ob an Sabbaten und Festtagen in dieser wie in der alten Synagoge Gottesdienst stattfinden soll. Unser erster Rabbiner, Herr Dr. Frank, ist dagegen, d. h. sowohl gegen die Orgel, als auch gegen den doppelten Gottesdienst. Er führt seine Erfahrung ins Treffen, indem er meint, daß in beiden Fällen die Gotteshäuser leer sein würden — wenigstens an Sabbaten. So groß sei die Zahl der Synagogenbesucher doch nicht, daß man eine Teilung vornehmen, und noch kleiner die Zahl der Resormfreunde, daß man an eine Orgel denken könnte. Da aber nach dem Naturgesetze Druck Gegendruck und Opposition Widerspruch erzeugt, so ist es gar nicht ausgeschlossen, daß die Gemeindeverwaltung im entgegengesetzten Sinne beschließen werde. So, das war alles, was ich Ihnen aus und über Köln berichten konnte. (Na, das ist schon etwas; vielleicht findet der geschätzte Herr Einsender Nachfolger. Red.) 1. Hannover, 23. August. (Australien oder Palästina?) In dem hier erscheinenden antisemitischen Blättlein beschäftigt sich irgend jemand mit dem von Dr. Herzl geplanten „Judenstaat". Verfasser will aber nicht gestatten, daß alle Juden nach Palästina ausgewandert werden sollen, er bestimnrt ihnen Australien als Wohnsitz. Nun, wir unsrerseits empfehlen dem Artikelschreiber ein benachbartes Irrenhaus zuseinem Aufenthalte. O Heilbronn, 21. August. Die Antisemiten, welche dieses Blatt lesen, werden ersucht, die folgende Notiz zu überschlagen, damit sie nicht Leibschmerzen bekommen: Der hiesige Gemeinderat wie auch der Bürgerausschuß tagten jüngst unter dem Vorsitz zweier Glaubensgenossen, ersterer unter dem Vorsitz des Herrn Rechtsanwalts Schloß z. Zt. Stellvertreter des Oberbürgermeisters, letzterer unter dem Vorsitz des stellvertretenden Obmanns W. M. Wolf. X München, 21. August. Die hiesige feindliche Presse teilte mit, daß unser Kriegsministerium die Kompagnie- und sonstigen Chefs im Heere bestimmt habe, die in Reserve gehenderr Mannschaften zu belehren, daß sie bei Beschaffung ihrer Zivilkleidung die christlichen Geschäftsleute berücksichtigen sollen. Ganz speziell sei vor den jüdischen Kleider- und Stiefelbazaren zu warnen. — Lügen haben kurze Beine. Die hiesige „Allg. Ztg." erklärt die Nachricht rrach an zuständiger Stelle