Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 35 (28.8.1896)
- Date
- 1896-08-28
- Page
- Seite 587 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4794838-9609712-9610339--1670-9610346- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 35. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seile 587. Nr. 35. | die EMenz-BttechtizM | z'vttstlhafte geworden und (" |o lies empfundene ist. tzj, -eparat-Gemeindc gehört zu daß dieselbe vielen als Zlück Möbel erscheint. Man welche Wendung jetzt du sich noch, Herrn Tr. Breun eiten. Eine Petition wurde schristen sür Erhaltung bei be scheint aber kein refpet i. Die Herren der .Adas Mahnung bedacht: Spie!« irerseits hat der „Israelit' ffschul" in Wien ein höchst ind Herr Isaak Leon Fici ff chul", rst plötzlich ein grohei eine Bedeutung für M! Ä ist alles Geld wert." ff lll durch Jahrhunderte geschlossenen Grabe! Es sollte trotzdem herrschen, erbarrnungs-, rücksichtslos nach seinem völlig veralteten Wortlaute. Es 'fanden sich Beamte, die noch grausamer waren. Ihr Vorbild war jener Wlassowski, den jüngst ein Ukas Nikolaus' IL von seiner Stelle stürzte, weil er von all seinen Richtern als die Ursache des Chodinka Unglückes bezeichnet wurde. Er hat die Juden von Moskau mit teuflischer Grausamkeit verfolgt, nach ihrer Vertreibung setzte er eine Prämie für die Angeberei aus, verurteilte er die Angehörigen wohlhabender und gebildeter Kreise zu den tiefsten Erniedrigungen, suchte mit allen Mitteln die Umwandlung des jüdischen Gotteshauses in ein Tingel Tangel durchzusetzen. Diese Gesinnung machte Schule. Polizeimeister und Gouverneure in der Provinz ahmten sie nach, sie hatten vorher schon Emissäre in Städte und Dörfer geschickt, welche die Plünderung der Judenviertel predigten. Das Militär stand Gewehr bei Fuß, während der rote Hahn auf die jüdischen Dächer gesetzt wurde. Wieder war das Volk nicht bei der heiligen Sache. Man mußte die Exzedenten aus dem Norden holen. „Der Kaiser wolle die Tumulte," versicherten diese Agenten des Krieges gegen Wehrlose. In einem Dorfe bei Kiew flehte eine Jüdin ihren Nachbar an, man möge sie schützen. „Wir werden dir beistehen," sagten die Dorfältesten, „nur laß uns die Fenster deines Hauses einwerfen, damit der Kaiser nicht wisse, daß wir seinem Gebote im Herzen entgegen sind." Der Antisemitisnms war machtlos, wenn ihn die Behörde ohne Unterstützung ließ. General Todtleben gestattete nicht, daß dessen Wanderprediger in sein Gouvernement dringen, den Juden wurde dort auch kein Haar gekrümmt. Man sollte alsbald erfahren, daß dieser General mit kluger Voraussicht gehandelt hatte. Flugschriften flatterten plötzlich auf, ihr Refrain lautete: „Erst die Juden, dann die Klöster, zuletzt die Schlösser!" Bei einer Emeute standen die Soldaten in gewohnter llnthätigkeit. „Gieb den Prügel her," meinte lachend einer der Exzedenten zu einem Flügelmanne, und entriß ihm sein Gewehr. Der Fall wurde dem Zar berichtet. Ein scharfer Erlaß an die Militär-Kommandanten war die Folge. Alexander lll. gestattete keine Judenhetze mehr in seinem Reiche . . . ." Von dem Mächtigsten kommt der Korrespondent auf die »nächtigen Männer Rußlands, die der Judenverfolgung das Wort geredet haben: „Es giebt Politiker in Rußland, »velche von der Beschränkung der Juden wirtschaftliche Vorteile erwarteten. Die Ereignisse zeigten, daß sie sich geirrt haben. Aehnliches wie in Spanien und im südlichen Frankreich, »vo die Vertreibung der Juden einen wirtschaftlichen Notstand herbeiführte, hat inan auch in Rußland erfahren. „Der Jude," klagte man, „sei ein Wucherer." Der Zinsfuß, den seine Nachfolger erheben, ist he»»te ein höherer. „Er verderbe das Geschäft," rvarf inan ihm vor. Dasselbe ist schlechter geworden, und nur der Konsument hat schwer gelitten, »veil der Preis der Waren durch den Mangel irgend einer Konkurrenz unverhältnis- »näßig gestiegen ist. „Die Juden befördern die Trunksucht," schrie man. Als sie heimatlos geworden »varen, bildeten sich Mäßigkeitsvereine, um dem fürchterlichen Laster und den garstigen Gewohnheiten, die jedes Dorffest, jede Beratung im Mir und Semstwo begleiten, entgegenzulvirken. Sie stießen auf einen mächtigen Gegner — den Finanzminister. Der Staat hat den Ausschank von Getränken den Juden abgenonnnen, er will nicht, daß der Erlös geringer »verde. Ueberall bestehen, auch dort wo die Juden fehlen, die Laster fort, nur mit dein Unterschiede, daß der Grund- »vert sank, die Arbeitslosigkeil stieg und das National-Bermögen eine schwere Schädigung erlitt." Ein trefflich gezeichnetes Bild, das jeder Eingeweihte als naturwahr erkennt uiib anerkennt. Wer so gut über die Vergangenheit unterrichtet ist, der »vird auch die Gegenwart nicht falsch zeichnen und die Zukunft nicht unrichtig prognostizieren. Mit besonderer Genugthuung geben wir darum den Schluß des Berichts, der uns in dem hier oft gezeichneten Zickzack- Kurs den rechten Weg »veist: „Trotz dieser Erfahrungen hielt die Regierung bis in die letzte Zeit an den Tendenzen Aleranders lll. fest. Vergeblich mahnten einsichtige russische Schriftsteller zur Umkehr, vergeblich versuchten einflußreiche Juden des Auslandes, ihren Glaubensgenossen hilfreich beizuspringen. Ein großer englischer Verein entwarf eine Adresse an den Zar. Ihr Inhalt war ein Aufschrei der Menschlichkeit gegen die Brutalität. Das Schriftstück »vurde abgeivieser», schließlich ist es doch in die Hände Nikolaus II. gelangt. Eine russische Schriftstellerin, die in England die freie Luft eines großen Weltreiches atmet, verstand es, die entgegenwirkenden Schwierigkeiten zu besiegen. Als sie den erwünschten Erfolg geivonnen, und der Zar die an ihn gerichtete Denkschrift gelesen hatte, trat ein unerwarteter Umschwung ein. Er war zuerst in den Zeitungen erkenntlich, »velche die Judenfrage jetzt in einen» anderem Tone behandeln. Auch die Regierung ließ ihre Reserve fallen, die Praxis in der Handhabung der gesetzlichen Bestimmungen wurde eine menschenfreundlichere, der Besuch fremder Juden in Rußland wurde zunächst für Ausstellungen und Kongresse freigegeben, Bearnte, deren Milde bisher als Fehler galt, »vurden befördert, die „Juden- Kominission" i»n Ministerirlm des Innern, die so lange gefeiert hatte, erhielt Befehl, die alten Gesetze i»nd barbarischen Verordnungen Alexarrders III. einer neuen Beratung zu unterziehen, selbst die erbitterten Gegner der Juden fühlten das Bedürfnis, zu erklären, daß sie ihnen nicht in prinzipieller Feindschaft gegenüberstehen. So »nächtig ist ein Kaiserwort. Seltsam! Während in europäischen Kulturstaaten die Fratze des Antisemitesinus sich noch frominer Patronanz erfreut, und der cynische Vandalismus seiner Bekenner die höchsten Errungenschaften des menschlicher» Geistes bedroht, ist in Rußland, das selbst so lange mit pharaonischer Grausamkeit die jüdischen Unterthanen bedrückte, eine Wendung zum Besseren eingetreten. Zögernd that Nikola»»s II. den ersten Schritt hierzu — »nöchte er den zweiten »nutig »vagen. Nicht nur die Juden — die Menschen in Europa werden ihn» Dank hierfür ivissen." Dl) ochen - (Lhronik. Berlin, 29. Aug»»st. — Wilhelm Jensen kommt in der heutigen Nr. u»»scrcs Blattes zum Wort und wird dieses Wort einige Monate hintereinander behalten. Um seinem „Widerwillen über das Treiben der Antisemiten" Ausdruck zu gebe»», hat der berühmte Novellist eine seiner Jugendarbeite»», neu gestaltet, »»ns z»»r Veröffentlichung übergeben. Wir lohnen einer» Dichter am besten durch teilnahmvotte Arrfulerksamkeit, mit der wir feiner Schöpfung folgen: der»»» ist auch das Lessingsche Epigramm alt, veraltet ist es nicht und „rrnmodern" erst recht nicht: „ . . . Wir wollen rveniger gelobet Und fleißiger gelesen sein!" — „Jüdlschc Berichterstatter." Die „Kölnische Volkszeitnrig", brachte vor einigen Tagen die Nachricht, daß der Kaiser, als er sich über die Militärstrafprozeßordnung äußerte, erklärt habe, er sei im Großen und Ganzen mit der Hohenlohe'schen Auffassung der Reformgestaltung einverstanden, i»ur fürchte er die Ausschlachtung von Militärgerichtsverhandlungen durch die Sensationspresse: die oft „jüdischen Berichterstatter" verständen ja, die einfachsten Dinge in großartiger Weise auszuschmücken. D»rrch solche Skandalberichte müsse aber das feste Gefüge der Armee erschüttert werden. Der Gewährsmann der „Köln. Volksz." fügt hinzu: »varrn und zu wem der Kaiser sich in dieser Weise geäußert, werde nicht erwähnt, er glaube aber mit Rücksicht aus die hohe soziale Stellung der Kreise, in welchen diese Aeußerung des Monarchen kolportiert rverde, dieselbe mitteilen zu müssen. — Wir haben keine Veranlassung, urrs ganz besonders für „jüdische Berichterstatter" ins Zeug zu leger». Bei einer Tageszeitung, die ihrem Zweck dienen will, fragt heutzutage kein Mensch nach dem Glauberrsbekenntnis eines Berichterstatters. Jeder Eingeweihte weiß, daß die christlichsten Zeitungen ebenso gut