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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-08-28 · 35 (28.8.1896) · p. Seite 585

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
35 (28.8.1896)
Date
1896-08-28
Page
Seite 585 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 85. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 685. on in eine mehr von ihr. Mg. der Verein der % ein getreten. Germh j® desselben vorhanden gc noch lange nicht die Te c Ziele, wenn Kraft« reine dieser Gattung sO rium ins Dasein getteta: gesetzt: Die staatliche & sversorgung der südischa etzt von allem diesen n r sie pflegen das Bem: sie sind nützlich, denn!:: m Vortrage, sie vemchm. : Probelektionen den Dil - allein die Hauptzieti. einmal in ihren Anflv Insicherheit in der SteÜW klein ist es, die ih Würde itehers, Rentier L« ht fühlbar. Der Hck die Angelegenheiten da , wird lange noch GeM en, da bereits machdes Gemeindewohls m rer, die Männer, die Kentlichen BerufsthätiM legenheiten zu verbinde«, a ihrer sonstigen Lebea.- ie religiösen Institut!« :d ganz besonders in d5 weil ein Ersatz der tarf c mit zu den SeltenhW g der kleineren GemeindK )ie „Echas" und mitihs m. Ich schließe mit dc. daß er, anders als Hirsch, der schon die Lorbeeren des „Chanrew" nach Frankfurt mitbrachte, keine andere Vergangenheit batte als — seinen Schwiegervater. Bezeichnend dafür ist eine mir als wahr verbürgte Anekdote. Als wegen der bekannten Rabbiner-Erklärung gegen den Antisemitismus, welcher, wie erinnerlich, Breuer und seine intimsten Anhänger ihre Unterschrift versagt hatten, weil sie nicht mit den Reform-Rabbinern Zusammengehen wollten, eine Konferenz der orthodoxen Rabbiner in Fulda veranstaltet wurde, habe Dr. Breuer dem greisen Rabbiner Dr. Hildesheimer den Vorwurf gemacht, er, Dr. Hildesheimer, verleugne seine ganze Vergangenheit. Darauf habe Dr. Hildesheimer geantwortet: Ich habe doch wenigstens eine — Vergangenheit. Breuer will von der Gegenwart und vom modernen Leben weder als „neuen Krug für alten Wein", noch als „neuen Wein für alte Krüge" etwas wissen. Er besteht auf seinen „Schein", d. i. der Schulchan Aruch. Er macht auch, wo er nachgeben uiuß, absolut keine Zugeständnisse, die doch immer eine geivisse Freiheit voraussetzen, er weicht höchstens dem Zwange und der Gewalt. Das ist ein Orthodoxer reinster ungarischer Prägung, die dem modernen Leben und Geiste gegenüber sich nicht mit der Defensive begnügt, sondern die Offensive ergreift. Daher sein — prinzipielles und persönliches — Verhältnis zur modernen Bildung. Diesem seinen Standpunkt hat er in seiner Antritts-Rede ganz unverblümt Ausdruck gegeben, und noch charakteristischer dafür ist die Einkleidung, in der dies geschah. „Rur keine Konzessionen! — so sprach er ungefähr. — Auch nicht die geringste und kleinste, denn aus dem geringen und kleinen wird mit der Zeit ein Großes und Bedeutendes. So sagt der Psalmist (c. 106,20): „Und sie vertauschen ihre Ehre durch das Bild eines Ochsen." Das war ja doch eigentlich kein Ochse, sondern ein Kalb? Gewiß! Anfangs war es ein Kalb, aber mit der Zeit wurde ein Ochse daraus. So geht es mit jeder Konzession: angefangen wird mit einem kleinen Kalbe, doch das wächst mit der Zeit und wird zu einem großen Ochsen!" So gesprochen im Jahre 1890, einige Tage vor dem Peßach-Feste, am Abende der Einführungs-Feier von Herrn Rabbiner Dr. Breuer in der Synagoge der „Adaß Jeschurun", Frankfurt a. M., Schützenstraße! Ick, war selbst Zuhörer. — „Keine Konzession! Aus dem Kalbe wird ein Ochse!" Da mochte schon manches Mitglied der „Adaß Jeschurun" eine Parallele zwischen diesem grotesken Kauderwälsch und der edlen Hirschschen Rhetorik gezogen haben. Dr. Breuer war kein Manu für die Frankfurter Patrizier- Orthodoxie; er paßte für Papa, aber nicht für die Stadt Goethes und Schopenhauers. Wie Frankfurt dazu kam, Herrn Dr. Breuer auf den Schild zu heben? Das soll auch seine Geschichte haben: Der selige Rabbiner Hirsch habe vor seinem Tode seinen Schwiegersöhnen Dr. Breuer und Dr. Guggenheimer das Versprechen abgenommen, nicht als Bewerber nach seinem Tode bei der „Adaß Jeschurun" aufzutreten, indem die Nachfolge im Amte dem ältesten Sohne, Dr. Mein Hirsch in Frankfurt a. M., zukomme. Dies Versprechen wurde natürlich von den Schwiegersöhnen gehalten. Nur habe Herr Rabbiner Dr. Breuer nach dem Tode seines Schwiegervaters bei dem Vorstande „Adaß Jeschurun" die Erlaubnis nachgesucht, seinem großen Schwiegervater in Frankfurt einen „Hesped" (eine Trauerrede) zu halten — und das sei die Probe-Predigt des Herrn Dr. Breuer gewesen, aufGrund deren die Wahl erfolgte. — Nun entstand ein ungeheuer peinliches Verhältnis zwischen Dr. Breuer und Dr. Meni Hirsch sowie zwischen den Gliedern der Hirschschen Familie, welche es mit ersterem, und denen, die es mit letzterem hielten — ein Mißverhältnis, das geradezu als Chillul haschem bezeichnet werden darf. Die Feindschaft ging so weit, daß Dr. Meni Hirsch eine ihm von dem Schwager Dr. Breuer offerierte Gevatterschaft zurückwies mit den Worten: „Erst wenn Breuer fort sein wird"! Auf der einen Seite machte man dem Dr. Breuer den Vorwurf, er habe sein dem Verstorbenen gegebenes Versprechen nur dem Wortlaute, nicht aber dem Geiste nach gehalten; auf der anderen Seite wurde die Unversöhnlichkeit des Dr. M. Hirsch nicht blos auf die Pietät für den Vater, sondern auch auf egoistische Motive zurückgeführt. Sicherlich hätte es dem Dr. M. Hirsch besser augestanden, seinen Motiven ein größeres Mißtrauen 'entgegenzubringen. — Schon diese häßlichen Folgen ließen die Wahl Breuers mit andern Gefühlen betrachten. Dazu kam, daß Dr. Breuer sich nicht die geringste Mühe gab, den ungarischen Orthodoxen abzulegen oder auch nur nicht herauszukehren, sowohl in seinen Predigten, als auch in seiner Wirksamkeit. Geflügelte Worte aus Breuers Predigten, wie: „Israel weiß, wo ihn der äußere Schuh drückt", oder „Moses „lag" Fürbitte für Israel ein" u. dgl., trugen auch nicht gerade dazu bei, daß man sich zur Wahl Breuers dauernd gratulierte. Aber auch im Wirken schien Papa nach Frankfurt a. M. versetzt zu sein. Dr. Breuer richtete sich, ganz nach dem Muster „Halbasiens", eine „Jeschiwa" ein, und zwar nahm er in dieselbe ausschließlich ungarische Jünger auf, während ein wahrhaft chauvinistischer Fanatismus gegen Polen und Russen herrschte. Diese Jeschiwa kostete viel Geld und bildete keine Perle in der Krone der Patrizier-Orthodoxen. — Auch machte dieser stete Verkehr mit ausschließlich ungarischen Jeschiwa-Jüngern immer mehr die Hoffnung illusorisch, daß Herr Dr. Breuer sich schließlich doch noch entmagyarisieren und in die Patrizier-Allüren hineinwachsen werde. — Verhinderte dies im allgemeinen, daß die Begeisterung für ihren Rabbiner in der „Adaß Jeschurun" Stand hielt und an Boden gewann, so kamen dann einzelne Spezial-Fälle hinzu, die hart an die Chronique scandaleuse streiften und die PatrizierEmpfindlichkeit stark verletzten. — Einer der unangenehmsten war der „Fall Neuhos". Herr Neuhof ist der Besitzer des unter Aufsicht des Rabbinats der orthodoxen Religionsgesellschaft stehenden Hotel Emmerich. Dieses galt stets in ritueller Hinsicht für höchst zuverlässig. Vor etwa einem Jahre hieß es eines schönen Tages: Neuhof ist gepaßelt! Er sollte, so hieß es, ein Huhn mit einem zerbrochenen Flügel importiert haben. Das kam wie ein Blitz aus heiterem Himmel! Wer die Frankfurter Verhältnisse kennt, konnte es gar nicht fassen, daß Herr Neuhof einen solchen

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