Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 35 (28.8.1896)
- Date
- 1896-08-28
- Page
- Seite 583 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 85. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 583. e,tc^' Tas Subentu werden aber die! daß im Laufe de ^gkeit aufhören wir! l aus Bequeiulichkei dn Judenheit ist unstreitig jadychen Stammes, tz; zu schaffen. Tas Schrist vielen Jahrhunderten, ob M geschaffen, darf nicht ^geschoben werden, wollen bstachtung verlieren. Unb u und keine Akademien be^ rtentwicklung der jüdischer den Gemeinden als erufte uesem Gebiete je nach da )e Hervorragendes geleism -päischen Judentums geiu Rabbinertums. Mit einet entuins und dessen Schrillunzulänglichen und ober rnehmen es in unserer Zei! rzustehen und ihr geistigeer solchen Wirtschaft obet >irtschaft, treten bald genug ihrhmidert einen geistige det, haben in der Gegen ntheit verloren, ahren mit diesem schlecht« unserer Gemeinde an Stell! lutoritäten bedentnngM in dies Amt ein nden sind diesen : erleben wir loggende Lasten unk men, welchen w eulige Judenh« jw Befnedigling beten Rabbinern zu wirtschaM später auch 'P Rächt der 3b» sigt werden, tÄ Verfall ein. & nicht entbehr-- Der geistigtP jum Verfalle des Gemeindelebens beigetragen. Was an ihnen ursprünglich noch Gutes gewesen, haben sie im Lause der Zeit ebenfalls abgestreift, und geblieben ist nur das Klägliche und Unerfreuliche. Noch wäre es Zeit, an die Heilung dieses Nebels ernstlich Hand zu legen, weil wir noch immer Rabbiner aus der alten Schule haben, welche bei dieser Sanierungsarbeit Mitarbeiten könnten. Nach zehn Jahren, in Uuthätigkeit verbracht, wurde jeder Versuch nach dieser Richtung hin erfolglos bleiben. Wie wir uns diese Saniermrg denken müssen, soll im folgenden Kapitel erörtert werden. Dr. S. Bernfeld. I. Das Gerneindeleben in Ostpreußen. Von Moritz Scherbe!, Gumbinnen. Geehrter Herr Redakteur! Sie haben ein Stimmungsbild über das Gemeindeleben der Provinz Ostpreußen von mir gewünscht und kennen es doch selbst so gut ans früheren Zeiten, wo Sie sich dort bewegt haben. Es ist Ihnen aus eigener Anschauung bekannt, wie das Leben in den jüdischen Gemeinden daselbst sich zu vollziehen pflegt, wie es weint und lacht, am Szimehat torah sich freut, — oder auch nicht, — am Tischa beaw seine Klagen anstimmt, — oder auch nicht. Es ist inzwischen nicht anders worden. Gewiß: in dem Gefühlsausdruck eines Volkes kommt dessen geistige Höhe und politische Reife zu Tage und aus der religiösen Empfindungsäußerung einer Gemeinde läßt sich wohl schließen, welchen Standpunkt dieselbe hinsichtlich der Gottgläubigkeit einnimmt. Ein Jude, der sich an den Festen seiner Religion nicht freut und ihre Tranertage nicht mitfühlt, wird wohl immer nur zur Hälfte seinem Glaubensbekenntnis angehören. „In Ostpreußen," sagte schon vor Jahren ein Glaubensgenosse zu mir, „wissen die Juden nicht am Szimehat torah zu lachen und am Tischa beaw zu weinen." Hier haben Sie in kurzem Abriß das gewünschte Bild. Nichtsdestoweniger ist in Königsberg ein prachtvolles Gotteshaus erbaut, von dessen Einweihung Sie bereits das Programm gebracht. Aber es sind in den letzten Dezennien der Gotteshäuser in Menge erstanden, ausgestattet mit all dem Komfort, den unsere Zeit nun einmal beansprucht, ohne daß man sagen kann, daß die Religiosität dadurch eine Förderung und das Judentum eine innere Kräftigung erfahren hätte. Um die erwähnten Prachtbauten herum lagert sich eine Leere der religiösen Gesinnung, offenbart sich eine Verflachung des jüdischen Geistes, daß kaum der Wunsch unangebracht erscheinen dürfte, die halbzerfallenen Gotteshäuser der früheren Zeit wieder zurückzuerhalten, wenn wir mit ihnen jene treue Anhänglichkeit und feste Frömmigkeit wiederbekämen, wie sie die Juden in den schweren Tagen der Vergangenheit ihrer Religion gegenüber darzulegeu imstande gewesen sind. Jedenfalls aber, in jedem Jahre um die jetzige Zeit, wenn die jüdischen Gemeinden — sie mögen es wünschen oder nicht — von Triest aus mit Esrog-Osterten überschüttet werden und ihnen bekauutgegeben wird, daß auch in diesem Jahre das Sukkotsest nicht ausbleiben werde, — in jedem Jahre mit diese Zeit, wenn die Plage der Esrog-Offerten nach allen Himmelsgegenden sich ergießt, wo nur jüdische Gemeinden gemutmaßt werden, da erwachen auch die jüdischen Gemeinden in Ostpreußen aus ihrer Lethargie, und -es kommt ihnen so etwas wie Gewissensmahnung zu Bewußtsein, daß auch die Religion ein Anrecht habe, mit in die Lebenspflichten ausgenommen zu werden. Sonst aber schlummert das Gemeindeleben hier ungestört über die Vorgänge hinweg, die sonst in anderen Gegenden das Interesse Israels wachzurufen pflegen. Nur in einzelnen Gemeinden, wie selbstverständlich in Königsberg als Hauptgemeinde, in Allenstein, Osterode und — ich weiß nicht, ob es nicht gewagt ist Tilsit und Insterburg mitzurechnen — pulsiert noch etwas religiöses Leben, besitzen die Juden noch die Erkenntnis, daß sie noch zu etwas anderem da seien, als nur um in dem allgemeinen bürgerlichen Leben mitzuthun. Jetzt aber regt es sich selbst in den kleinen Gemeinden, und da ist das erste Bedürfnis, das da besprochen wird: die Bestallung eines Baltefilah. Ein trauriger, häßlicher Behelf dies, von dem wir wünschten, daß er am allerschnellsten aus der Welt geschafft würde. Denn ist es schon ein Gefühl der Beschämung für den angestellten Beamten, sich in seiner Würde mit dem ersten Besten, der in die Gemeinde hineingesprungen, teilen zu müssen; ist es schon für die Gemeinde kaum ehrend und erhebend, von einem hiuzugekommenen Fremden ihre heiligsten Interessen vertreten zu sehen, — so sind die Erfahrungen. die man schon mit diesen, niemals dazu angelernten, aber von der Notwendigkeit zu „Vorbetern" gestempelten Leuten gemacht, so schlimmer Art, daß sie kaum zum Dienste im Allerheiligsten zugelassen werden dürsten. Dem mag nun sein, wie ihm wolle: Die ernsten Tage des Roschhaschana und Jomkippur führen jedenfalls die Gemeinden zu dem sonst fehlenden religiösen Denken zurück und machen sie ernster gestimmt. Das ist schon etwas. Wie der Gottesdienst an diesen heiligen Tagen abgehalten wird, ob mit modernem Anstrich, oder in herkömmlicher Weise, das kommt nicht inbetracht, da es den Beteiligten nur darum zu thun ist, das Bewußtsein, eine ihnen obliegende Pflicht erfüllt zn haben, zu erlangen. „Das reicht nicht aus," wird man sagen: nun, wir selbst wissen es, daß mehr dazu gehört, aber wir halten es inanbetracht der Unmöglichkeit, mehr zu erlangen, für ausreichend, denn es erhält uns wenigstens das religiöse Fühlen für diese Zeit. Man spricht so viel von einem Beten mit Bewußtsein dessen, was man betet; allein dies wird nicht zu erreichen sein, so lange die Unkenntnis des Hebräischen, wie sie jetzt in so hohem Maße vorhanden, noch fortdauert, trotz des verbesserten Religionsunterrichts. An der Unwissenheit im Hebräischen laborieren zu einem nicht geringen Teil die Juden der Gegenwart überall: warum nun sollten grade die Inden in Ostpreußen eine Ausnahme machen! Wohl hat sich der Ostpreußische Gemeindeverband zur Aufgabe gemacht hierin Wandel zu schaffen und zu diesem Behnfe die Schulinspektion ins Dasein gerufen. Allein man hat auch hier zu wenig mit dem Interesse gerechnet, welches die Eltern der die Schulen besuchenden Kinder in erster Reihe an den Tag legen müssen, wenn irgend ein Erfolg erreicht werden soll. Deshalb ist bis heute noch keine Besserung nach dieser Richtung hin zu verzeichnen.