Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 34 (21.8.1896)
- Date
- 1896-08-21
- Page
- Seite 578 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 578. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 34. junge Frau geschmackvoll und gut hergerichtet hatte. Während desselben überreichte der Vorsitzende mit einer herzlichen Ansprache jedem der Gefeierten ein sinniges Gedenkblatt, ein Meisterstück der Kalligraphie. Bei Reden ernsten und heiteren Inhalts flössen die Stunden nur zu schnell dahin, und der nahende Abend gemahnte zur Heimkehr. Möge der Lebensabend dieser in schwerer Arbeit ergrauten Jugenderzieher ein glücklicher sein, das Bewußtsein treuer Pflichterfüllung und die Anhänglichkeit vieler dankbarer Schüler muß ihnen der schönste Lohn bleiben. — Die kleine Filialgemeinde Elsdorf wollte im engeren Kreise am vorigen Sabbat ihren alten Lehrer Eckstein zu seinem vor 50 Jahren abgelegten Lehrerexamen als Jubilar ehren. Die Synagoge war in sinniger Weise geschmückt, nur fehlte ein Redner, der die seltene Feier etwas beleuchtet hätte. Der Jubilar, zu ergriffen, eine längere Ansprache zu halten, redete kurz über 5. B. M. 8, 2: „Gedenke des ganzen Weges, den Gott der Allmächtige dich (50) Jahre in der Wüste geführt." Das Leben sei auch der Gang durch eine Wüste mit vielen Widerwärtigkeiten, doch fehle es auch nicht an Oasen u. s. w. Die Gemeinde begleitete den Jubilar — eine Musikkapelle an der Spitze — nach seinem Hause, voran die Schuljugend, dann folgten die Männer und Frauen. Die Tochter des Herrn Vorstehers überreichte mit einem sinnigen Spruche den goldenen Ehrenkranz, dann wurde dem Jubilar ein kostbarer Pokal mit Widmung übergeben. Die Jugend feierte noch besonders, immer ihren Lehrer in der Mitte, den Nachmittag durch ein Tänzchen, das sie bis zum Abend zusammenhielt. Der Jubilar wurde auch durch Glückwünsche von den Bürgern Elsdorfs geehrt, viele telegraphische Depeschen gingen ihm zu. Besonders freute ihn eine solche von der israelitischen Gemeinde Euskirchen, die seine segensreiche Wirksamkeit in Euskirchen in den Jahren 1849—1853 anerkannte. Lobend muß anerkannt werden, daß in erster Reihe Herrn Vorsteher Martin Simon in Berrendorf das wohlgelungene Fest zu danken ist, das die ganze jüdische Gemeinde selbst ehrt. I. G.-Bl. O Frankfurt a. M., 17. August. Im dichtgefüllten Gotteshause der „Adaß Jeschurun" hat Herr Dr. Breuer am letzten Sabbat seine Abschiedsrede gehalten, da er im Laufe dieser Woche nach Wien übersiedelt. 2. Bremen, 17. August. Das Ereignis, daß ein Ehepaar seine silberne Hochzeit feiert, ist nicht so selten, daß jedesmal in den Zeitungen darüber berichtet werde. Wenn ich aber von einer solchen hier stattgehabten Feier berichte, so ist es nicht die Feier an sich, die ich hervorheben will, sondern die dabei sprechenden Nebenumstände, die mir geeignet scheinen, in einer jüdischen Zeitschrift ein bescheidenes Plätzchen zu beanspruchen. Herr Joses Fischbein, der vom Norddeutschen Lloyd für die jüdischen Auswanderer-Agenten angestellt ist, feierte das Fest der silbernen Hochzeit. Dieses Fest verlief in solenner Weise. Herr Fischbein hat sich seit Jahren um die jüdischen Auswanderer sehr verdient gemacht. Sein Werk war es, daß schon vor 10 Jahren als einige hundert Glaubensgenossen auswanderten eine rituelle Küche aus den Dampfern eingerichtet wurde. Aehnliche Vergünstigungen hat er mehreremal für seine Glaubensgenossen beim Norddeutschen Lloyd erwirkt. In Anerkennung dessen, sowie in Würdigung seiner sonstigen Verdienste hat Herr Rabbiner Dr. Rosenack in seiner bei dieser Gelegenheit gehaltenen Ansprache den Jubilar gebührend gefeiert. r; München, 18. August. Die Wiener Antisemiten Lueger und Schneider haben jüngst einen Einbruch in München unternommen, der wie üblich mit einer großartigen Keilerei geendet hat. Die illustren Gäste wurden auf dem Ostbahnhose von Deputierten der hiesigen Reformpartei und anderen antisemitischen Vertretern empfangen. Ehrendamen überreichten Bouquets. Die im Münchener Kindl-Keller einberusene Volksversammlung war von etwa 5000 Personen besucht und nahm einen stürmischen Verlauf. Jeder Zwischenruser wurde schonungslos hinausgeworfen. Erst Dr. Lueger gelang es während seines Vortrages, die Ruhe wieder herzustellen. Er sowohl wie Schneider wiederholten die bekannten Vorwürfe, daß die Juden allein für das Niedergehen von Handel und Wandel verantwortlich zu machen seien. Nach Schluß der Versammlung entstand eine regelrechte Schlägerei unter den gegnerischen Parteien, wobei Stockhiebe nur so herniedersausten und die Maßkrüge als Wurfgeschosse dienten. — Heil! r. Von der Elbe, 9. August. Der badische Gemeindetag hat in seiner ordentlichen Versammlung für den jüdischen Lehrer ein Einkommen von 700 Mark jährlich als ausreichend festgesetzt und damit ist die Lehrerkarriere besiegelt. Ein Stand, der mit dem Hausknecht auf gleiche Stufe gestellt wird, kann nur noch durch einmütiges, wenn auch rücksichtsloses Vorgehen sein Los verbessern. Man vergesse hierbei nicht, daß der jüdische Lehrer namentlich in Preußen hauptsächlich Geistlicher ist und als Jude unter Umständen noch einmal soviel braucht wie sein christlicher Amtsbruder, weil die jüd. Lebensweise erheblich teurer ist. Nehmen wir die hiesige Lebensweise als Muster an: Ich zahle für ein Pfund Fleisch 85, mein christlicher Amtsbruder 40 Pfg. Dafür steigt des letzteren Gehalt bis 3600 Mk., während das meinige immer geringer wird und wenn ich Zulage verlange, so will man mir kündigen. Also, feiere Triumphe, mein Judentum (cfr. das Gedicht in der heut. Nr. Red.). 6. Wien, 15. August. Wie nachträglich bekannt wird, hat der liberale Abg. Fournier in seiner Rede vor seinen Wählern auch folgenden Satz vorgebracht: „Das Eintreten für das Grundgesetz des Staates würde uns wesentlich erleichtert werden, wenn die vielen wohlgesinnten und ehrenwerten Angehörigen des Judentums unter ihren Volksgenossen dahin wirken wollten, daß die Steine des Anstoßes beseitigt würden, die zumeist auf wirtschaftlichem Gebiete liegen und die ein durch die Verhältnisse von Jahrhunderten großgezogener, rücksichtsloser Erwerbstrreb, der oft die Grenzen geschäftsmännischer Sittlichkeit überschreitet, immer auss neue anhäust." Veranlaßt durch diese Aeußerung des Abg. Fournier, gehl der „9t. Fr. Pr." ein offenes Schreiben des Ausschusses des Zentralvereins zur Pflege jüdischer Angelegenheiten in Prag zu, in welchem der Verein auf das entschiedenste gegen diese grundlosen Insinuationen protestiert und gegenüber dem Abg. Fournier folgendes ausführt: „Es läßt sich nicht in Abrede stellen, daß in allen Bevölkerungsschichten, sie mögen der einen oder der andern Konfession angehören, Elemente bestehen, welche in ihren Berusszweigen sich nicht von den lautersten Motiven Nr. 34. leiten laßen. SM und Kzchn, b«4 keiner nnserer nnjw \i wird sich deshalb z - daß in der einen od> *1 moralische Erwerb ' i' verwerfliches Schlag' | Volksschichten für ih » lich für ihre Parkest U Was aber Ihre Be, r l und ehrenhaften Alt! U des moralische» Znsi sollen, so ist es ab : \l wenn Cie, geehrter In letzterer Hinsich! Einflußnahme nach. schüft und Praxis kt Volksklaffen zwei D Unterricht. Taß in weniger geleistet wet Antisemit bisher nid der wohlgesinnten n genoffen ist in grös wahrhaft liberal ge und ehrenhaften A Wohlthätigkeit, Pt Handwerks u. dgl. genossen wicken, nii des Antisemitismus Verhalten gegenübet davon abhängig ma Juden eine moralis wohlgesinnteste und der Erfüllung zurü b. 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