Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 34 (21.8.1896)
- Date
- 1896-08-21
- Page
- Seite 575 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 34. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 575. fwb aber nit "icht zwei ~ t Besi>!'«• Ach «ich m]\m angesichts des Te« oerlaffen wirst.« „Mn/ j,!oren; Ich liebe das Mädito ichwörm will ich nicht« ,r e sie in meine, hier, angeD ^ne Hand in die des Rabbiezählt Zangwill. in den alten Sitten erzog« erkannten die fanatischsten h wt in der Sabbatschule. T« des Volkes Israel erM lmen. Ein malerisches W >ern in ihren grellen, ärmlich« ühgealterten Gesichtern, dm Schutzmarke ausgeprägt hr pathische Schar - sie wert« ns Ghetto. Nur hier und fc jcn erwerbsüchtiger Schlacht in neunjähriger etwa, wie m er Teint und groß die Aug« t der Ausdruck des Ehrgeiz« eicht der Siegertypus, der toi Jen Typen in zwei Brüdea j der jüngere. Er macht eine j irgendwie die Belagerung »r j Knopf oder eine Feder gesm hineinzusehen. - Begabt in* jnet sich auf der Schule» luf bte Eaton school. Er« rtber Ehrgeiz aufzehrt^ Z" ^telegraphisch an sein SM bagjiddish« des Vaters W «ffeaertn; M ca- „Ein polnischer Arbeiter, der sich die Krankheit bei der lrbeit zugezogen hat," erklärte mein Führer. „Was wird us den Kindern," sagte ich, um irgend etwas zu sagen. Glauben Sie, daß die lange leben werden?" lautete die lntwort. Freilich, das war arrch ein Trost. Ich erinnere mich, vor längerer Zeit einen Artikel über en Osten Londons gelesen zu haben. Ostlondon, hieß es da, 't der große Reinigungsherd für England. Die Verbrecher nd die Lebensunfähigen aus dem gesamten Königreich irömen dorthin zusammen. Sie verfallen daselbst dem Hunger, er Not, den Seuchen. Die kommenden Generationen sterben ung. So geht dauernd ein Reinigungsprozeß vor sich: der roße Reiniger ist der Tod. Es gehört ein gut Teil Brutalität dazu, so zu denken, lber die Entwicklungsphasen der Kultur sind wie Naturreignisse, auf Wollen und Fühlen der Menschen kommt es >abei nicht an. Inmitten dieses großen Reinigungskessels liegt Londons Ghetto — die Zufluchtstätte der aus Rußland Geflohenen.!lber seine Bevölkerung ist zähe, seit Generationeu hat sie die Feuerprobe des Elends bestanden. Und die Bande der Familie ind ihnen heilig: die verheerendsten Seuchen Ost-Londons ,aben keine Macht über sie. Und doch auch innerhalb dieses Ghettos das große Sterben. Man muß es hier vielleicht die große Erlösung nennen! Fangwill erzählt von einem Ehepaar: der Mann war fromm md hatte den einen Wunsch, in Jerusalem zu sterben. Die Frau hatte den Wunsch zu sterben, nur zu sterben. _ (Schluß folgt.) Die jii-islhe Mutter. Von Nahida Ruth Lazarus. (Schluß ) Nachdruck verboten. Freilich weiß man, daß es viele Mütter giebt*), die sich o früh als möglich ihrer Kinder entledigen, wenn sie wohlhabend sind, und, wenn sie arm sind, dieselben in Fabriken schicken, oder auf die Straße zum Bettelverkauf von Streichhölzer, Blumen und Apfelsinen. Einmal fragte ich solch ein j kleines, blasses, sieben- bis zehnjähriges Mädchen, das ich ■ Abends in der Leipziger Straße traf, und das mich weinend anbettelte: „Warum weinst Du?" l „Weil mich hungert und friert." j „Warum gehst Du nicht nach Hause?" „Ich darf nicht." „Weshalb nicht?" „Weil ich noch nicht Geld genug habe." „Wieviel Geld mußt Du nach Hause bringen?" „Eine Mark." „Und wenn Du keine bringst?" „Dann schlägt mich die Mutter und giebt mir nichts zu essen." Ich wage es zu behaupten, daß keine jüdische Mutter solcher Unnatur fähig ist. Ich glaube nicht einmal, daß eine jüdische Mutter ihr Kind in die Fabriken schickt. Ist die *) Notabene nichtjüdische. Not zu bitter, dann trennt sie sich eher mit blutendem Herzen von ihrem Kinde und schickt es ins israelitische Waisenhaus, wo es unter Aussicht steht und eine tüchtige Erziehung erhält. Als ich das musterhaft eingerichtete israelitische Waisenhaus auf dem Weinbergsweg besuchte, hörte ich, daß ausnahmsweise auch Kinder ausgenommen werden, deren Eltern beide noch leben, denen es aber durch Armut oder Krankheit unmöglich ist, ihre Kinder zu erziehen. Erziehung der Kinder zu nützlichen Menschen ist ein stehender Gedanke jüdischer Eltern, sie körperlicher und sittlicher Verkommenheit in Fabrik- und Straßenleben anheim zu geben, fällt einer jüdischen Mutter und einem jüdischen Vater nicht ein. Von einem kleinen Kinde heißt es im jüdischen Sprichwort: „Es ist der Edelstein im Hause." Und diesen Edelstein sollte man wegwerfen oder ungeschliffen lassen? Wollte man einzelne frühere jüdische Mütter als Beispiele für Pflichterfüllung und Zärtlichkeit erwähnen, man müßte vielleicht Alle nennen; eine Untugend haben sie aber in neuerer Zeit von den Nichtjüdinnen angenommen, sie überlassen ihre Kinder zu sehr bezahlten Personen, — stundenlang! — Die Spielplätze int Tiergarten u. s. w. sind mit Kindern überfüllt, — aber wo sind die Mütter? Statt ihrer (die in verschwindender Zahl aus der Klasse nicht ganz armer, aber sehr bescheidener jüdischer Frauen hin und wieder sichtbar werden) sieht man geschwätzige, dummdreiste, gleichgiltige, oft geradezu rohe Weibspersonen sich stundenlang mit den Kindern abgeben, ohne Ahnung und ohne Rücksicht, was denselben zuträglich ist oder nicht. Mancher Mutter, die zu Hause ihr „süßes Kind" vor „Liebe fressen" möchte, würden die wohlfrisierten Haare zu Berge stehen, sähe sie, wie kurz vorher das „süße Kind" geknufft wurde oder was es hat hören müssen, wenn Lene mit Guste aus dem Heimweg Herzensergießungen über Herrschaft und Liebhaber austauschen! Arme Kinder! — Und da wundert man sich, daß sie meist so unkindlich, ja manchmal schon so frech sind! — Jüdische Mutter, wenn Du diesen Namen (der ein Ehrentitel war bisher), verdienen willst, dann geh Du selbst mit Deinem Kinde und spiele mit ihm. Dein Mann wird nichts dagegen haben, und die Schneiderin kann ein anderes Mal kommen. Bogumil Goltz in seinem sesseluden Werke: „Der Mensch und die Leute" schildert gelegentlich eine siebzigjährige Warschauer Trödeljüdin, welche eine große Familie von Kindern und Enkeln erhält und sich notdürftig mit Brot und Grütze ernährt. Sie patscht in Wind und Wetter durch den tiefen Herbsischmutz, steigt alle Treppen der Häuser bis zum Boden hinaus mit kurzatmiger Brust, schleppt dabei eine Kleidermasse mit sich fort, die zwei Schränke ansüllen könnte, falls sie nicht obendrein noch mit Kessel, Bügeleisen, Kasserollen und Mörser beladen ist. Nach einer Schilderung der Behausung und des Deckbettes, dessen Federn so frei in der Lust herumfliegen, daß, wenn sie nicht abgerichtet sind, sich wieder an Ort und Stelle einzufinden, unbegreiflich bleibt, wie das Bett acht Tage lang ein solches bleiben kann — fährt der Humorist fort: „Und dieses elende alte Weib, das täglich zwölf Stunden stehend oder gehend, mitunter halsbrechende